marcel-r schrieb:
> nach meinem Bachelor in Deutschland, würde ich gerne ins Ausland (North
> America/UK) gehen und dort den Master machen. Leider weiß ich nicht wie
> dort die Fachhochschulen genannten werden. Die Bezeichnung "University
> of Applied Science" gibt es dort kaum. Nur wenige Elite-Unis nennen sich
> "Research University", ansonsten geht fast alles als "University" durch.
Übersetzte "Fachhochschule" einfach mit der bestmöglichen äquivalenten
Bezeichnung "College" oder "College of -Fachrichtung-". Diese sachlich
total falsche Übersetzung "University of Applied Science(s)" haben sich
die Fachhochschulen nämlich selbst gegeben; das ist reines Marketing,
Image, um besser dazustehen, als man eigentlich ist und sich wie eine
richtige Universität zu fühlen. Wenn einer in Nordamerika "of Applied
Science" liest oder dergleichen, wird das überspitzt formuliert sofort
für den letzten Mist gehalten, weil es eben wie eine typisch
minderwertige Schule klingt.
Universities sind typischerweise aus mehreren Colleges aufgebaut und nur
sehr alte Hochschulen im anglo-amerikanischen Raum nennen sich College,
obschon sie eindeutig Universitäten sind. Im Gegensatz zu Deutschland
ist die Bezeichnung "Universität" aber nicht gesetzlich geschützt.
Wichtiger ist, daß Du Deine Studienleistungen ordentlich umrechnen und
anerkennen läßt, weil das anglo-amerikanische Bildungssystem nicht nach
starren, vorgegebenen Programmen funktioniert wie das deutsche, sondern
mit einem sehr freien Kurssystem hantiert. Der Student muß nur bestimmte
Mindeststandards erfüllen (= bestimmte Kernvorlesungen besuchen), um am
Ende einen Abschluß in eben diesem Feld zu erhalten.
Du darfst auch nicht vergessen, daß die anglo-amerikanischen
Bachelor-Abschlüsse grundsätzlich vierjährig sind und in einer von
Humboldt abgekupferten, Jahrzehnte alten Tradition stehen. Deswegen wird
ein FH-Diplom in den entsprechenden Ländern immer in einen Bachelor
umgerechnet, immer. Es ist im Gegensatz zu Deutschland, wo das FH-Diplom
prinzipiell nicht allgemein zur Promotion berechtigte, nicht
ungewöhnlich, nach dem Bachelor direkt promovieren zu dürfen. Der
vierjährige Bachelor ist ein etablierter, grundständiger, anerkannter
Abschluß - so wie es bei uns die 5- oder 6jährigen Diplome waren.
Eine Unterscheidung in praxis- oder forschungsorientiert existiert quasi
nicht; diese Schwerpunktsetzung mußt Du mit anderen Mitteln realisieren.
Zum Beispiel durch die Wahl von sehr praktischen "hands on" Kursen oder
durch Mitarbeit in richtigen, solide finanzierten Forschungsgruppen.
Ansonsten sind die Vorlesungen die Vorlesungen; Beispiel:
Electrodynamics 5xx wird angeboten. Du belegst die Lehrveranstaltung
oder Du belegst die Lehrverantstaltung nicht. Es gibt keine Variante für
"FH-Ingenieure" und keine für "Uni-Ingenieure", so wie das in
Deutschland ja der Fall ist (wo sich z.B. die
Mathematikgrundlagenausbildung oder die Vorlesungen in Grundlagen der
Elektrotechnik besträchlich im Niveau unterscheiden zwischen FH und
Uni).
Es ist demzufolge wichtiger, sich dort eine Hochschule herauszusuchen,
die in dem Fachgebieet (Engineering, Science, Health, Liberal Arts -
whatever) ein gutes Niveau bietet. Eine Hochschule kann sehr gut in
Electrical Engineering und vernichtend schlecht in Chemistry sein. Die
Reputation korreliert, nicht wie in Deutschland, sehr stark mit dem
tatsächlich gebotenen Niveau. Niemand würde z.B. für Sport ans MIT gehen
und niemand nach Havard für Elektrotechnik.
Viel Glück!