Guten Tag zusammen,
ich würde mich sehr freuen, wenn mir einer der Experten hier kurz auf
die Sprünge helfen könnte: Ich möchte einen OP (LT 1006,
https://cds.linear.com/docs/en/datasheet/1006fa.pdf) als
nichtinvertierenden Verstärker betreiben. Das funktioniert leider
überhaupt nicht, auch wenn es das laut Simulation in LT Spice sollte und
ich mir eigentlich sicher bin, dass die Schaltung richtig aufgebaut ist.
Mein Verdacht ist nun, dass ich neben den klassischen Anschlüssen eines
single Supply OP (+, -, Vcc, GND und Out) auch Vos Trim beschalten muss.
Ist das korrekt und wenn ja, wie sich die korrekte Beschaltung aus? Aus
dem Datenblatt werde ich nicht so recht schlau...
Vielen Dank,
Christian
Hab den LT1006 rumfliegen weil er für ne Limiterschaltung mit dem LT1228
vorgeschlagen war.
Vos Trim braucht man nicht beschalten und der OP ist pflegeleicht und
tat bei mir immer was er sollte.
Man sollte nur überlegen ob man wirklich einen solch recht
kostenintensiven OP braucht.
Meistens sind die Schaltungen so lumpig das es nen billiger OP tut.
Für privat ist der Kostenfaktor ja nicht so relevant
phoenichts schrieb:> Mein Verdacht ist nun, dass ich neben den klassischen Anschlüssen eines> single Supply OP (+, -, Vcc, GND und Out) auch Vos Trim beschalten muss.
Nö, die müssen nicht beschaltet werden.
Nach deinem Kondensator hast du eine Spannung, welche auch negativ
werden kann. Negative Spannungen am Eingang kann der OPV aber in der
Beschaltung nicht verstärken, da er selbst keine negative
Versorgungsspannung hat. Damit treibst du den OPV in die Sättigung. Der
OPV kann auch keine 5V am Ausgang ausgeben. Deine ganzen Größen passen
nicht zusammen.
Was willst du mit der Schaltung also genau erreichen?
Ui, das ging ja echt fix :)
@Thomas:
Warum ist die Betriebsspannung zu klein, laut Datenblatt müssten 2,7V
reichen? Habe ich etwas falsch verstanden?
@Peter: Kostenintensiv mag durchaus stimmen, das war aber der einzige
Single Supply OP den C* hier vor Ort im Angebot hatte. Und ich brauche
nur einen...
@Christian
Ich habe ein Rechtecksignal zwischen 0,5V und 2,2V. Dieses Signal möchte
ich gerne so verstärken, dass ich die Flanken mit einem Atmega16
erkennen kann. Also nach Möglichkeit auf ein Signal von 0 bis 4.5V. Um
das Ganze etwas schwieriger zu machen, soll die Schaltung über einen
USB-Port versorgt werden. Also habe ich nur 5V zur Verfügung.
Vielen Dank: Christian
Willst du das Signal analysieren - also vollständig vermessen - oder
geht es dir nur um das auftreten von Flanken? Bei letzterem würde ich zu
einem Komparator greifen. Aber dem hat, wenn ich mich nicht irre, der
ATmega16 schon drin.
Für den Fall, dass du das Signal vollständig AD wandeln willst könntest
du doch direkt den AD-Wandler des ATmega nehmen. Der hatte, falls ich
mich nicht wieder irre, eine interne 2,56V Referenz. Dann verschenkt man
zwar ein wenig vom Messbereich aber ich denke damit kann man leben.
Alternativ könntest du auch eine externe 2,5V Referenz nehmen. Im
einfachsten Falle einen TL431.
Komparator wäre das richtige, aber wenn du eh nur die Flanken brauchst,
dann machst du die Verstärkung so groß, dass er OpAmp schon bei der
untersten Spannung voll aussteuert.
Lies mal hier:
http://www.elektronik-kompendium.de/sites/slt/0210151.htm
Unten kannst du ja ein Poti nehmen, für den Abgleich reicht das dann
völlig.
Du kannst den LT1006 als Komparator benutzen.
Mit ein paar Widerständen bekommst du auch eine saubere Schaltschwelle
und eine kleine Hysterese hin.
Der Ausgang des LT1006 geht halt nur bis 4.4V rauf, das sollte aber
locker reichen.
Ihr seid spitze!
Ja, es geht mir wirklich nur um die Flanken!
Ich schaue mir jetzt den Schaltungsvorschlag genau an und versuche ihn
zu verstehen. Heute werde ich es wohl nicht mehr schaffen, aber morgen
sollte ich dazu kommen, die Schaltung nochmal neu Aufzubauen. Das war
wirklich eine große Hilfe.
Nochmals vielen Dank!
Christian
F. Fo schrieb:> Nimmste hat ein Poti und> kannst die untere Spannung drauf abgleichen.
Wie meinst du "abgleichen"?
Deine Schaltung verstärkt das Eingangssignal einfach, allerdings eben
auch die 0.5V (low).
Um von 2.2V auf 4.4V zu kommen, brauchst du Gain 2, also wird ein 0.5V
Low am Eingang zu einem 1V "low" am Ausgang -> unschön.
Vermutlich wolltest du ebenfalls eine Komparator-Konfiguration (ohne
Hysterese) vorschlagen.
Das wäre dann im Prinzip meine Schaltung ohne R3, R4, R5 und R6.
Kann man machen, allerdings denke ich immer, an 4 Widerständen soll es
nicht liegen, wenn es die Schaltung robuster macht.
Hab ich schon weiter oben geschrieben. Die Verstärkung so wählen, das
der LT1006 schon bei den 0,5 Volt voll ausschert. Zum besseren finden
des Schaltpunktes unten ein Poti.
Gehe mal davon aus, dass der TO Anfänger ist und so kann er das sicher
leichter lösen.
F. Fo schrieb:> Die Verstärkung so wählen, das> der LT1006 schon bei den 0,5 Volt voll ausschert.
Ja schön, nur wozu soll das dienen?
Zum besseren finden
> des Schaltpunktes unten ein Poti.> Gehe mal davon aus, dass der TO Anfänger ist und so kann er das sicher> leichter lösen.
Ehm, naja, ist ja nicht schwer auszurechnen, welche Verstärkung man
braucht, um aus 2.2V 4.4V zu machen.
Aber was soll das mit "0,5 Volt voll ausschert"?
Erklär mal.
Aus 0.6V 4.4V machen?
Also Verstärkung 7.3?
Was passiert dann mit 0.5V? -> 3.65V?
Ich kapier's irgendwie nicht.
Er braucht ganz einfach einen Komparator. Und es macht auch total Sinn,
die Schaltschwelle möglichst genau in die Mitte des Eingangslevels (also
1.35V) zu legen, damit die Symmetrie erhalten bleibt.
Ist egal, du verstehst es nicht. Kannst es ja mal probieren.
Er hat den OpAmp nun mal da und nichts anderes. Wenn sein PWM Signal 0V
und zwischen 0,5-2,2 Volt ist, dann geht es bei einer Verstärkung von 10
auf jeden Fall in die Vollaussteuerung.
F. Fo schrieb:> Ist egal, du verstehst es nicht. Kannst es ja mal probieren.> Er hat den OpAmp nun mal da und nichts anderes.
Klar, man kann aber einen (diesen) Op-Amp auch so beschalten, dass er
als Komparator verwendet werden kann.
Das scheinst du übersehen zu haben.
> Wenn sein PWM Signal 0V und zwischen 0,5-2,2 Volt ist
Achso, jetzt verstehe ich dich besser.
Allerdings unterliegst du da einem Irrtum.
Es ist so, dass am Eingang ein low 0.5V ist und high 2.2V -> "PULSE(0.5
2.2 ...)"
Darum nützt ein reiner Verstärker eben nichts, da aus 0.5V am Eingang 0V
am Ausgang und aus 2.2V am Eingang 4.4V an Ausgang werden sollen.
Man könnte aber auch einfach mit einem Transistor den Pegel des
Rechteckpuls anpassen.
Wozu braucht man bei einem Rechteck einen Komparator? Damit's noch
rechteckiger wird?
In der Realität sind Rechteck-Signale nie rechteckig (siehe Anhang).
Ein Komparator hat den Vorteil, er bereitet ein durch
Leitungsinduktivitäten und -kapazitäten beeinflusstes Signal für die
Weiterverarbeitung auf und macht flache Flanken wieder zu steilen
Flanken.
Anbei zur Illustration auch mal ein Bild, was passiert, wenn bei einem
realitätsnahen Eingangssignal die Schaltschwelle zu hoch (A) oder zu
niedrig (C) gewählt wird:
Das Ausgangssignal wird unsymmetrisch. Das ist schlecht, wenn man die
Flanken genau erkennen will.
Nur bei (B) bleibt die Symmetrie des ursprünglichen Signals erhalten.
Ein Verstärker oder Transistor hat genau diesen Nachteil: die
Schaltschwelle kann nicht oder schlecht eingestellt werden.
Eddy Current schrieb:> Man könnte aber auch einfach mit einem Transistor den Pegel des> Rechteckpuls anpassen.>> Wozu braucht man bei einem Rechteck einen Komparator? Damit's noch> rechteckiger wird?
Das ist die beste Idee. Denn er will ja nur aus eine Null und Eins für
seinen µC Eingang haben.
Joe F. schrieb:> Klar, man kann aber einen (diesen) Op-Amp auch so beschalten, dass er> als Komparator verwendet werden kann.> Das scheinst du übersehen zu haben.
Natürlich kann man das und das habe ich auch nicht übersehen, aber ich
glaube der TO kennt sich noch nicht mit OpAmps aus und deswegen hatte
ich diese, zugegebenermaßen "verbogene" Idee, den OpAmp schon früh in
Vollaussteuerung zu schicken.
Ganz im Anfang, als ich mit Operationsverstärkern anfing und alle
Schaltungsmöglichkeiten ausprobieren wollte, habe ich auch "unmögliche"
Sachen probiert. Genau der Effekt, dass er knapp über Null voll
aussteuert hatte ich dabei auch schon.
Hallo
so, ich habe mich mit der Schaltung auseinander gesetzt, Einiges
verstanden, Einiges nicht: Sinn und Zweck von R3, R4 und R5 erschließen
sich mir nicht. Wenn ich mir die Beschreibungen zu Komparatoren
durchlese, wird vom Ausgang über einen Widerstand an den Eingang
rückgekoppelt. Warum sind hier drei Widerstände (in einer Art
Spannungsteiler)?
Dann noch eine Frage zu den Frequenzen die ich nutzen kann: Neben einer
Periodendauer von 2m kann ich auch durch ein anderes Bauteil ein
Rechtecksignal mit einer Periodendauer von 200n erzeugen. Dafür müssen
die Werte im Komparator angepasst werden. Hier scheitere ich erneut an
den oben genannten Widerständen R3, R4 und R5. Wie werden die Werte
richtig berechnet?
Im angehängten Bild sind die ursprünglichen Werte belassen. Ich bekomme
Vout, egal was ich mit try & error mache, nicht über ein paar mV...
Vielleicht erbarmt sich nochmal einer der Mitlesenden und erklärt mir
das Problem.
Vielen Dank: Christian
phoenichts schrieb:> Sinn und Zweck von R3, R4 und R5 erschließen> sich mir nicht. Wenn ich mir die Beschreibungen zu Komparatoren> durchlese, wird vom Ausgang über einen Widerstand an den Eingang> rückgekoppelt. Warum sind hier drei Widerstände (in einer Art> Spannungsteiler)?
R5 ist vielleicht noch einfach zu erklären: es ist die positive
Rückkoppelung, um die Hysterese zu erreichen. Darum auch R6.
Der Spannungsteiler R3/R4 sorgt dafür, dass die Rückkoppelung wiederum
symmetrisch zu deinem Eingangssignal ist.
Eingang 0.5V / 2.2V -> Mitte = 1.35V
Ausgang 0V / 4.4V -> Mitte = 2.2V
Zwischen R3 und R4 (Spannungsteiler am Ausgang): 0V / 2,64V -> Mitte =
1.32V
phoenichts schrieb:> Dann noch eine Frage zu den Frequenzen die ich nutzen kann: Neben einer> Periodendauer von 2m kann ich auch durch ein anderes Bauteil ein> Rechtecksignal mit einer Periodendauer von 200n erzeugen.
Diese Information wäre von Anfang an nicht ganz unwichtig gewesen.
Dein LT1006 ist schlichtweg ungeeignet für diese Frequenz (5 MHz).
Selbst mit Anpassung über Pin 8 bekommst du mit diesem Bauteil keine
höhere slew rate als ca 2V/us hin,
bei geschätzt 100 KHz ist das Ding also am Anschlag.
Du brauchst für 5MHz einen anderen Opamp.
Hallo Joe F
danke für die Erklärung, jetzt wird Einiges klarer.
Die "neue" Frequenz ist optional bzw. das Maximum, was ich erreichen
kann. Ich habe mit einer langsameren Frequenz angefangen um die Grenzen
auszuloten.
Danke & einen schönen restlichen Sonntag: Christian
Wenn du über 100KHz gehen willst könnte der LT1719 in Frage kommen.
Der hat auch bereits eine interne Hysterese.
Ich habe mal angenommen, dass dein Eingangssignal 0.5V/2.2V in
Wirklichkeit ein 2.7V Signal ist, das durch Kapazitäten entsprechend
weich geworden ist...
R13 und C3 dienen also nur der Simulation dieses Signals.
Du gehst mit deinem Signal direkt auf IN+ des Komparators.
Hallo Joe F,
das Signal kommt aus einem Ringoszillator und liegt tatsächlich bei den
angegebenen Werten. Das sollte aber keinen großen Einfluss haben.
Da merkt man die fehlende Routine bei mir, sowohl was Auswahl und
Kenntnis der verfügbaren Bauteile angeht als auch die Fähigkeit, mehrere
Wege nach Rom zu finden.
Erlaube mir, noch eine Frage hinterher zu schieben: Der LT1719 scheint
nur als SMD-Bauteil erhältlich zu sein. Kennst Du auf dem Kopf heraus
ein alternative Bauteil in einem DIP-Gehäuse? Ad Hoc finde ich da
nichts. Da ich die Schaltung auf einer Lockrasterplatine aufbaue, würde
das den Umweg über eine Adapterplatine ersparen...
Auf jeden Fall nehme ich aus dieser Unterhaltung einiges mit!
Danke: Christian
Noch eine Ergänzung, da ich den Beitrag oben nicht Editieren kann: Wofür
ist der Tiefpass R13 / C3 erforderlich? Laut Simulation geht es auch
ohne...
Gruß & Danke: Christian
phoenichts schrieb:> Kennst Du auf dem Kopf heraus> ein alternative Bauteil in einem DIP-Gehäuse? Ad Hoc finde ich da> nichts. Da ich die Schaltung auf einer Lockrasterplatine aufbaue, würde> das den Umweg über eine Adapterplatine ersparen...
Bei LT finde ich nichts passendes. Ich denke mal die schnelleren
Bauteile sind heutzutage alle nicht mehr in DIP verbaut.
Mit etwas Geschick und einem Cutter kann man aber auf einer
Streifenrasterplatine einen Streifen halbieren, so dass ein LT1719 in
TSOT-23 draufgelötet werden kann.
Oder als "Deadbug"...
https://www.mikrocontroller.net/attachment/165909/mma8451.jpgphoenichts schrieb:> Wofür> ist der Tiefpass R13 / C3 erforderlich? Laut Simulation geht es auch> ohne...
Klar, ich schrieb ja, dass R13 und C3 nur der Simulation eines sehr
weichen Eingangssignals dient - um zu zeigen, dass die Symmetrie
trotzdem erhalten bleibt, wenn auch mit Phasenverschiebung.
R13 und C3 sind in deinem Aufbau wegzulassen.
Je steiler dein Einganssignal ist, desto weniger Phasenverschiebung hast
du natürlich.