Natürlich will ich diesen Thread nicht kapern, aber ich habe mal eine
Frage:
Ist es erlaubt, sich solche Aufnäher (von Mutti) auf die Jacke nähen zu
lassen? Oder ist das verfassungswidrig?
Äh, ich meine natürlich nicht ob es erlaubt ist, das die Mutti das Nähen
macht, sondern ob die Aufnäher selber erlaubt sind!
Peter Zz schrieb:> Ist es erlaubt, sich solche Aufnäher (von Mutti) auf die Jacke nähen zu> lassen? Oder ist das verfassungswidrig?
Verboten sind m.W. nur bestimmte Symbole der Nazis, z.B. Hakenkreuze.
Es gab eine FDJ-West? Und die war auch noch versassungsfeindlich?
Und ich hab nicht mal ein Halstuch bekommen, da wir zu einem schlechten
Zeitpunkt das Schuleinzugsgebiet gewechselt hatten.
Dave B. schrieb:> Es gab eine FDJ-West? Und die war auch noch versassungsfeindlich?
"Am 26. Juni 1951 wurde dann durch Beschluss der Bundesregierung die FDJ
in Westdeutschland in der gesamten Bundesrepublik gemäß Art. 9 Abs. 2 GG
verboten."
Und warum?
"Auf dem Gebiet der Bundesrepublik Deutschland bekämpfte die FDJ die
Wiederbewaffnung unter Adenauer."
Damit war und ist das Tragen von Symbolen der West-FDJ verboten. Immer
noch.
Dummerweise sehen die Abzeichen von FDJ West und Ost gleich aus. Das
Tragen von Symbolen der Ost-FDJ ist allerdings erlaubt.
Leider - nagut damals zum Glück - ist der "Schwur" und damit auch das
Hemd gerade so an mir vorübergegangen. Das würde ich glatt heute tragen,
wenn ich damit ein paar CDU-Spacken zum Platzen bringen könnte.
Bei den fraglichen Zahlen kommt es aber sehr auf den Kontext an. Ein
T-Shirt mit "Egal ist 88" wird weniger ein Problem sein, als wenn man
auf einem schwarzen Hintergrund um eine rote 88 noch ein paar bestimmte
weiß gefärbte Runen platziert.
Fpga K. schrieb:> Die DDR-Organisatinen die ja bekanntlich den Kommunismus per> Klassenkampf weltweit verbreiten wollen dürften unter den Passus "...> weil sie sich gegen die verfassungsmäßige Ordnung ..." fallen.
In Deinen feuchten Träumen vielleicht...
Timm T. schrieb:> "Am 26. Juni 1951 wurde dann durch Beschluss der Bundesregierung die FDJ> in Westdeutschland in der gesamten Bundesrepublik gemäß Art. 9 Abs. 2 GG> verboten.">> Und warum?>> "Auf dem Gebiet der Bundesrepublik Deutschland bekämpfte die FDJ die> Wiederbewaffnung unter Adenauer."
Und warum war die FDJ dagegen?
Die Wiederbewaffnung wurde als Schutz vor einer Russeninvasion
begründet:
„Die Vereinigten Stabschefs sind der festen Überzeugung, dass aus
militärischer Sicht die angemessene und frühe Wiederbewaffnung
Westdeutschlands von grundlegender Bedeutung für die Verteidigung
Westeuropas gegen die UdSSR ist.“
https://de.wikipedia.org/wiki/Wiederbewaffnung
Das passte natürlich der FDJ als Stosstrupp der Bolschewisten nicht,
nach der wären die Russen lieber gestern als morgen nach Westen
marschiert.
Und folgerichtig werden die Aktionen der West-FDJ bewertet als:
„... betriebene Volksbefragung ‚gegen Remilitarisierung und für
Friedensschluß im Jahre 1951‘ ist dazu bestimmt, unter Verschleierung
der verfassungsfeindlichen Ziele die freiheitliche demokratische
Grundordnung der Bundesrepublik zu untergraben. Die Durchführung der
Aktion stellt einen Angriff auf die verfassungsmäßige Ordnung des Bundes
dar".
--
Jahre später machen dann die OST-FDJ-ler Hatz auf Personen, die einen
"Schwerter zu Pflugscharen"-Aufnäher tragen ...
https://books.google.de/books?id=0VUOfEVJIjUC&pg=PA131&lpg=PA131&dq=Schwerter+zu+Pflugscharen+FDJ&source=bl&ots=8aQxY5UOia&sig=xrcVFXCWNKU40jN7Qk-XPJGYO_E&hl=de&sa=X&ei=RcmSVZvINsudsgHogqrgCA&ved=0CD8Q6AEwBQ#v=onepage&q=Schwerter%20zu%20Pflugscharen%20FDJ&f=false
... den "der Frieden muß bewaffnet" sein ...
MfG,
Fpga K. schrieb:> Und warum war die FDJ dagegen?> Die Wiederbewaffnung wurde als Schutz vor einer Russeninvasion> begründet:
Aber ein Grund, eine Organisation zu verbieten, mit legalen Mitteln
gegen die Wiederbewaffnung arbeitet, ist das nicht.
1945 kamen die überlebenden Kommunisten aus Hitlers KZs frei, 1956
landeten sie wieder in Adenauers Zuchthäusern, weil sie gegen die
Wiederbewaffnung agitierten.
Sowas macht man mit politischen Organisationen nur, wenn man sonst keine
Argumente hat.
Man kennt die Bedeutung der Logos sogar bis tief in den Westen hinein:
Den "Fortschritt"-Aufnäher bekam man, wenn man das Feld bis
Sonnenaufgang gemäht hatte, ohne daß ein (sowieso nicht vorhandenes)
Ersatzteil am Mähdrescher fällig wurde. Sind daher schon ziemlich rar
die Dinger.
Den "Jenaer Pyromanen"-Aufnäher bekam man, wenn man der Aufforderung um
erhöhte Wachsamkeit beim Brandschutz nachkam (seid bereit + Flammen).
Von den "Brandmeistern" ´92 in Rostock hatten nicht wenige auch noch
diesen Aufnäher im Schrank, bei dem Einsatz allerdings irgendwas falsch
verstanden.
Also, beide Aufnäher sind inzwischen verboten. Der "Fortschritt" ginge
heute als wirtschaftsschädigende Verlängerung der Lebensdauer durch
(Umgehung der Geplanten Obsoleszenz), und der "Jenaer Pyromanen"
unterliegt dem noch 1000 Jahre währenden Ballast der Republik.
Uhu U. schrieb:> 1945 kamen die überlebenden Kommunisten aus Hitlers KZs frei, 1956> landeten sie wieder in Adenauers Zuchthäusern,
Was meinst du mit "Adenauers Zuchthäuser?"
Verbot einer Organisation und
Wegsperren/Abschieben/Verbannen/Erschiessen der Organisierten ist
zweierlei.
MfG,
Uhu U. schrieb:> Fpga K. schrieb:>> Was meinst du mit "Adenauers Zuchthäuser?">> Was ist daran schwierig?>> https://de.wikipedia.org/wiki/Konrad_Adenauer> https://de.wikipedia.org/wiki/Zuchthaus
Ja? Also "Adenauers Zuchthäuser" bedeutet für Dich nur eine
Zusammenstellung zweier Worte ohne weitere Bedeutung oder gar örtlichen
Bezug? Ich hatte deine Darstellung eigentlich so verstanden das es wie
bspw. zum KZ Buchenwald 1945 eine entsprechendes Lager auf dem Gebiet
der BRD 1956 gab.
>>> Verbot einer Organisation und>> Wegsperren/Abschieben/Verbannen/Erschiessen der Organisierten ist>> zweierlei.>> https://de.wikipedia.org/wiki/KPD-Verbot#Auswirkungen
Und wo sind da Personen aufgelistet die 1956 zum wiederholten Mal in ein
KZ/Zuchthaus verbracht worden? Oder erschossen? Oder Verbannt?
MfG,
Fpga K. schrieb:> Ich hatte deine Darstellung eigentlich so verstanden das es wie> bspw. zum KZ Buchenwald 1945 eine entsprechendes Lager auf dem Gebiet> der BRD 1956 gab.
Da hast du mich wohl falsch verstanden...
Zuchthäuer gab es über das ganze Land verteilt und Kapitalverbrechen
wurden mit lebenslänglich Zuchthaus und meistens auch noch Aberkennung
der bürgerlichen Ehrenrechte bestraft. Was man für besonders verwerflich
hielt - wie z.B. Kommunisten - wurde gerne auch dort eingebuchtet.
In vielen Details unterschied sich die Adenauerdiktatur nur wenig von
dem Staat, dessen direkter (Rechts-)Nachfolger sie war: die Moral wurde
per Kuppeleiparagraph erzwungen und die Polizei war mit
Maschinengewehren - nicht nur Maschinenpistolen - und Handgranaten
ausgerüstet.
Noch in den 1970ern brachte es der Baden-Württembergische
Ministerpräsident Hans Karl Filbinger so auf den Punkt:
"Was damals Recht war, kann heute nicht Unrecht sein".
Uhu U. schrieb:> Zuchthäuer gab es über das ganze Land verteilt und Kapitalverbrechen> wurden mit lebenslänglich Zuchthaus und meistens auch noch Aberkennung> der bürgerlichen Ehrenrechte bestraft. Was man für besonders verwerflich> hielt - wie z.B. Kommunisten - wurde gerne auch dort eingebuchtet.
Hm also in dem von der referenzierten WP-Abschnitt ist weder von
Kapitalverbrechen noch von lebenslänglich im Zusammenhang mit dem
KPD-Verbot die Rede. Da wird von 5 Jahren als höchste Strafe im
Zusammenhang mit dem Parteiverbot gesprochen und man bezieht sich dabei
auf Joseph Angenfort. Das ist allerdings nicht die ganze Wahrheit da:
*Angenfort 1955, also ein Jahr vor dem Verbot verurteilt wurde und
*A. bereits 1957 unter Auflagen begnadigt wurde.
http://www.spiegel.de/spiegel/print/d-45763603.html
wobei Angenfort der krasseste Fall in diesem Zusammenhang war.
Bei diesem Fall:
http://protest-muenchen.sub-bavaria.de/artikel/1561
lag die Höchstrafe bei 2.5 Jahre allerdings in Verbindung mit
Sprengstoffvergehen, Urkundenfälschung, etc.. Alleinige Mitgliedschaft
in
einer verbotenen Partei wurde da mit 0.5 Jahren sanktioniert wobei
U-Haft angerechnet und der Rest auf Bewährung ausgesetzt wurde.
Parallelen zum KZ sind hier wirklich fehl am Platze.
MfG,
PS:
Auch wenn diese Analyse der versuchten Legendenbildung interessant und
lehrreich ist möchte ich das hier nicht weiter ausführen - ist ja
schließlich ein Mikrocontroller-Forum.
Fpga K. schrieb:> *Angenfort 1955, also ein Jahr vor dem Verbot verurteilt wurde und> *A. bereits 1957 unter Auflagen begnadigt wurde.
Was heißt da "bereit 1957 unter Auflagen begnadigt"? Wird das
Gesinnungs-Unrecht damit kleiner?
Zudem widerrief Heinrich Lübke die Begnadigung - dem Herrn wird
nachgesagt, er hätte in den 1000 Jahren mit der Obrigkeit auf
komfortabel gutem Fuß gelebt...
> Hm also in dem von der referenzierten WP-Abschnitt ist weder von> Kapitalverbrechen noch von lebenslänglich im Zusammenhang mit dem> KPD-Verbot die Rede.
Bei mir verfestigt sich der Eindruck, dass du Schwierigkeiten mit dem
Lesen hast - oder sind das nur die Reminiszenzen des Kalten Krieges, die
sich in schlecht belüfteten Winkeln des Gehirns austoben?
Nein, die Adenauerzeit war einfach nur furchtbar - außer man hatte sich
zu vor schon seine "Meriten" verdient; für diese Leute wars komfortabel
und wenn irgendwo Blut an der Uniform oder den Fingern klebte: der Staat
war selektiv farbenblind...
Uhu U. schrieb:> Bei mir verfestigt sich der Eindruck, dass du Schwierigkeiten mit dem> Lesen hast
Glaub mir, was sich bei Dir verfestigt ist dein ganz persönliches
Trugbild von der Welt.
MfG,
Fpga K. schrieb:> Bei diesem Fall:> http://protest-muenchen.sub-bavaria.de/artikel/1561>> lag die Höchstrafe bei 2.5 Jahre allerdings in Verbindung mit> Sprengstoffvergehen, Urkundenfälschung, etc.. Alleinige Mitgliedschaft
Sehr merkwürdig: Alle Angeklagten wurden u.a. wegen "einem Vergehen
gegen § 9 Abs. 1 des Sprengstoffgesetzes" verurteilt.
Der Paragraph lautet:
1
§ 9 SprengG - Fachkunde
2
3
(1) Den Nachweis der Fachkunde hat erbracht,
4
5
1.
6
wer die erfolgreiche Teilnahme an einem staatlichen oder staatlich
7
anerkannten Lehrgang für die beabsichtigte Tätigkeit durch ein Zeugnis
8
nachweist oder
9
2.
10
wer eine Prüfung vor der zuständigen Behörde bestanden hat.
11
12
Satz 1 Nr. 2 gilt nicht für den Nachweis der Fachkunde zur Ausführung
13
von Sprengarbeiten und für den Umgang mit Explosivstoffen im Rahmen
Fpga K. schrieb:> Und wo sind da Personen aufgelistet die 1956 zum wiederholten Mal in ein> KZ/Zuchthaus verbracht worden? Oder erschossen? Oder Verbannt?
Oder ihren Arbeitsplatz verloren, ohne Urteil? Oder ihre
Existenzgrundlage verloren, ohne Urteil? Oder per Gericht Berufsverbot
bekamen? Oder per Erlaß aus dem ÖD ausgeschlossen wurden?
Bist Du -zensiert- den Quellenverweisen zu folgen?
Oder -zensiert-, damit Du nicht mit unangenehmen Erkenntnissen
konfrontiert wirst, die -zensiert- schaden könnten?
Gehts so durch die Zensur, Herr Moderator?
Uhu U. schrieb:> Sehr merkwürdig: Alle Angeklagten wurden u.a. wegen "einem Vergehen> gegen § 9 Abs. 1 des Sprengstoffgesetzes" verurteilt.
Bei diesen "Sprengstoffvergehen" ging es um pyrotechnische Raketen der
Klassen 3 und 5...
Chris D. schrieb:> Das ich das nochmal erlebe - ein normaler Umgangston!
Ich hatte mich wohl zu sehr den anderen Beiträgen angenähert. ;-)
Sag mal, hast Du keinen Garten? Bei dem schönen Wetter die ganze Zeit
das Forum überwachen...
> Betreff: Re: Was sind das für Aufnäher? Datum: 01.07.2015 *14:20*> Ihr Beitrag wurde gelöscht 01.07.15 *14:26*:19
Timm T. schrieb:> Fpga K. schrieb:>> Und wo sind da Personen aufgelistet die 1956 zum wiederholten Mal in ein>> KZ/Zuchthaus verbracht worden? Oder erschossen? Oder Verbannt?> Bist Du -zensiert- den Quellenverweisen zu folgen?
Natürlich bin ich den Quellennachweisen nachgegangen, zumindest den
die sich auf die Aussage "Betroffen waren auch viele Kommunisten, die in
den Jahren der faschistischen Diktatur lange Jahre in Zuchthäusern und
Konzentrationslagern verbringen mussten" beziehen:
http://www.sopos.org/aufsaetze/41a6df71cd03f/1.phtmlhttp://www.rolf-goessner.de/8-5-05RedeNF3-Presse.htm
Und dort findet sich kein gelisteter Fall.
MfG,
Uhu U. schrieb:> Bei diesen "Sprengstoffvergehen" ging es um pyrotechnische Raketen der> Klassen 3 und 5...
Würdest Du heute auch Ärger bekommen, wenn Du die unangemeldet in einem
Park zündest. Das ist schon kein Tischfeuerwerk mehr. Die Begründung mit
§9 ist allerdings witzig, vielleicht haben die die §§ inzwischen
umsortiert.
Und Du weißt doch, im Falle eines Falles ist jedes Mittel recht,
unliebsame Leute mundtot zu machen. Hätten sie die Flugblätter vom
Kölner Dom geworfen, hätte man sie wegen "gefährlichen Eingriff in den
Luftverkehr" dranbekommen.
Letztlich hat Adenauer nichts anderes gemacht als sein großer Bruder in
den USA mit den Kommunistenverfolgungen. Und dabei geht es nie darum,
unter welchen System die Leute besser leben würden, sondern allein um
den Machterhalt der eigenen Klientel.
Uhu U. schrieb:> Fpga K. schrieb:>> Bei diesem Fall:>> http://protest-muenchen.sub-bavaria.de/artikel/1561>>>> lag die Höchstrafe bei 2.5 Jahre allerdings in Verbindung mit>> Sprengstoffvergehen, Urkundenfälschung, etc.. Alleinige Mitgliedschaft>> Sehr merkwürdig: Alle Angeklagten wurden u.a. wegen "einem Vergehen> gegen § 9 Abs. 1 des Sprengstoffgesetzes" verurteilt.> (1) Den Nachweis der Fachkunde hat erbracht,>> 1.> wer die erfolgreiche Teilnahme an einem staatlichen oder staatlich> anerkannten Lehrgang für die beabsichtigte Tätigkeit durch ein Zeugnis> nachweist oder> 2.> wer eine Prüfung vor der zuständigen Behörde bestanden hat.> [/pre]
Halt Umgang mit Gefährlichen Gütern ohne nachgewiesenen Befähigung. Dazu
kann man Parallelen zum Fahren ohne Führerschein ziehen. Und auch das
ist eine Strafttat die einen Gefägnisstrafe bis zu einem Jahr nach sich
ziehen kann.
https://dejure.org/gesetze/StVG/21.html
MfG,
Timm T. schrieb:> Und Du weißt doch, im Falle eines Falles ist jedes Mittel recht,> unliebsame Leute mundtot zu machen.
Eben. Genau darum ging es.
> Letztlich hat Adenauer nichts anderes gemacht als sein großer Bruder in> den USA mit den Kommunistenverfolgungen.
Das Vorbild hat man in der Adenauerzeit wirklich nicht gebraucht... Im
Gegenteil haben sich die US-Geheimdienste eine ganze Reihe deutsche
"Kommunismusexperten" geholt - egal, was die alles am Stecken hatten.
Übrigens auch Folterexperten.