Forum: Mikrocontroller und Digitale Elektronik Stromzähler: M-Bus oder S0 besser?


von Martin M. (martin69)


Lesenswert?

Hallo,

ich möchte den Strombedarf mit meiner selbstgebauten Hauszentrale 
auswerten. Es gibt z.B. von Finder Stromzähler mit S0-Ausgang (Pulse mit 
Tranistor geschaltet) als auch mit M-Bus.

S0-Bus ist hardwaretechnisch einfacher, da man nur die Pulse zählen muß. 
Beim M-Bus kann man den Zählerstand auslesen, der Hardwareaufwand ist 
deutlich größer. Dafür kann man aber mehrere Geräte parallel ran hängen 
und somit problemlos erweitern.

Was ist für die Zukunft besser, weil verbreiteter auf dem Markt? S0 oder 
M-Bus? Ich habe irgend wo im Netz gelesen, daß sich M-Bus nicht so 
richtig durchgesetzt hat. Ist dies so?

Gruß
Martin

von Thomas W. (thomas_v2)


Lesenswert?

Womit möchtest du das Signal denn auswerten?
Für S0 reicht dir ein einzelner digitaler Eingang. Für M-Bus benötigst 
du eine serielle Schnittstelle, und ggf. einen entsprechenden 
Pegelwandler.

Beruflich habe ich beides schon mit einer SPS einlesen müssen. Da kann 
S0 auch schwierig werden, wenn die Impulse kürzer/schneller kommen als 
die relativ langsamen SPS-Eingänge verarbeiten können.

M-Bus hat auch seine Tücken, da man bei den Herstellern nur schwer an 
verlässliche Informationen kommt, welche Werte aus ihrem Gerät über 
M-Bus ausgelesen werden können. Zumindest in den Datenblättern der 
Wärmemengenzähler die ich darüber augelesen habe, stand nie etwas zu den 
Details. Ich musste immer einen langwierigen Weg über den Support gehen.

Bei Wärmemengenzählern ist M-Bus aber sehr verbreitet. Bei 
Energiezählern ist mir das noch nicht untergekommen, da bisher immer S0.

von Georg (Gast)


Lesenswert?

Martin M. schrieb:
> Dafür kann man aber mehrere Geräte parallel ran hängen

Der Hauptvorteil ist, dass du deine Elektronik nicht zuverlässig 24h/Tag 
dran betreiben musst, damit keine Impulse verlorengehen - es genügt, ab 
und zu einmal auszulesen.

Georg

von Martin M. (martin69)


Lesenswert?

Thomas W. schrieb:
> Womit möchtest du das Signal denn auswerten?

Mit Microcontroller (Atmel).

von Martin M. (martin69)


Lesenswert?

Georg schrieb:
> Der Hauptvorteil ist, dass du deine Elektronik nicht zuverlässig 24h/Tag
> dran betreiben musst, damit keine Impulse verlorengehen - es genügt, ab
> und zu einmal auszulesen.

Ich würde den Controller über Diode und Elko puffern, damit ich bei 
Stromausfall noch den aktuellen Zählerstand ins EEPROM schreiben kann. 
Zusätzlich würde ich z.B. 1 Mal am Tag den Zählerstand generell im 
EEPROM abspeichern.

von Klaus R. (klara)


Lesenswert?

Hallo Martin,
ich habe einen Zwischenzähler der mir mittels S0 Impulse liefert. Ich 
lasse sie auf einen 256 Bit Zähler laufen und frage den Zähler 
periodisch ab. Diese Lösung läuft recht zuverlässig. Trotzdem gibt es 
schon mal hier und da ein Problem. Dieses System hat aber einen 
prinzipiellen Hacken. Du benötigst die Zeit zwischen zwei Impulsen um 
die Energie zu ermitteln. Was ist wenn der Folgeimpuls auf sich warten 
lässt. Welchen aktuellen Verbrauch hast Du dann? Der Impuls kann schon 
mal einige 10 Minuten ausbleiben. In dieser Zeit kannst Du bestenfalls 
sagen, jetzt hätte ich 2 kWh verbraucht, jetzt 1,5 kWh, jetzt 1 kWh, 
..., ach es waren 0,04 kWh.
Ich würde den M-Bus nehmen. Vor ein paar Wochen hatte schon mal jemand 
einen Finderzähler mit M-Bus genommen. Ich war skeptisch, da das M-Bus 
Protokoll an sich ziemlich anspruchsvoll ist, wenn man es selber parsen 
muss. Du kannst Dir mal die Doku dazu ansehen. Finder beschreibt das 
Datenpaket und sagt Dir an welcher Stelle Du welchen Wert findest. Also 
wirklich simpel. Du brauchst allerdings noch einen M-Bus Pegelwandler. 
Den kann man auch selbst bauen, aber inzwischen gibt es auch günstige 
Fertiggeräte.

Hast Du Dich schon mal nach eHZ-Zählern umgeschaut?
http://wiki.volkszaehler.org/hardware/channels/meters/power/edl-ehz/edl21-ehz
mfg klaus

von Martin M. (martin69)


Lesenswert?

Klaus R. schrieb:
> Du benötigst die Zeit zwischen zwei Impulsen um
> die Energie zu ermitteln. Was ist wenn der Folgeimpuls auf sich warten
> lässt. Welchen aktuellen Verbrauch hast Du dann? Der Impuls kann schon
> mal einige 10 Minuten ausbleiben. In dieser Zeit kannst Du bestenfalls
> sagen, jetzt hätte ich 2 kWh verbraucht, jetzt 1,5 kWh, jetzt 1 kWh,
> ..., ach es waren 0,04 kWh.

Der Finder-Zähler liefert 2000 Impulse pro kWh (Auflösung 0,0005 
kWh/Impuls). Die Auflösung des M-Buss-Zählers wird auch so ähnlich sein.

Ich würde den Verbrauch pro 5 oder 15 Minuten erfassen.

Ich möchte den Gesamtstrom des Hauses messen. Eventuell auch noch 
zusätzlich den von Waschmaschine und Trockner, damit ich auswerten kann, 
wenn diese fertig sind.

von M-Bus User (Gast)


Lesenswert?

Hallo zusammen,

ich würde immer wieder zu M-Bus greifen, da S0-Eingänge vernünftig gegen 
Glitches abgesichert werden müssen. Die maximale Impulsfolge von 30 ms 
wird auch nicht von jedem Hersteller eingehalten (siehe oben das 
Beispiel mit 2000 Imp/kWh). Es treten im Betrieb Störungen und Glitches 
auf, die eine entsprechende Entprellung der Eingänge voraussetzen.

Die obligatorischen Schutzbeschaltungen (Transildioden, Varistoren etc.) 
kommen natürlich bei beiden Systemen zum Einsatz.

M-Bus hat den großen Vorteil, dass der Zähler in sein eigenes Register 
zählt und man nur noch ab und zu mal nachfragen muss. Die 
Energieversorgung der M-Bus Slaves über den Bus ist mit bis zu 4 Unit 
Loads zu je 1,5 mA auch möglich.

M-Bus Komponenten gibt es von der Fa. Relay und der Fa. Solvimus. 
Solvimus hat einen ganz interessanten M-Bus Master im Programm, der nur 
noch extern 24 VDC benötigt und sehr klein ist:

http://www.solvimus.de/smart-metering/m-bus-oem-master/

Den kann man gut in eigene Projekte integrieren. Ich frage damit zum 
Beispiel meine eigenen Zähler in meiner Unterverteilung ab.

Gruß!

M-Bus User

von Martin M. (martin69)


Lesenswert?

M-Bus User schrieb:
> ich würde immer wieder zu M-Bus greifen


Danke für die Antworten. Ich werde es mal mit dem M-Bus probieren.

Gruß
Martin

von energymeter (Gast)


Lesenswert?

PUSH

Stehe gerade vor der gleichen Enscheidung.
Würde aber S0 bevorzugen zwecks Einbindung in FHEM mittels Rasperry PI. 
Und Auswertung der Vorlauftemperatur mittels Rasperry PI und DS1820 
Temperatursensoren.

Ist allerdings ein relative komplexes Thema. Hab mich der Sache schon 
einmal angenommen, die Lösung alerdings vertagt...

Ist dein Vorhaben auch so geendet ?

von Jan H. (jan_h565)


Lesenswert?

Bei mir lauft seit 2 Jahren ein Pi mit 4* S0 bus nach folle 
zufriedenheid. Pulsen wirden verarbeitet mit Python, mit MySQL und php 
werden dan die daten ins Netz geschickt. Lauft zuverlassig und einfach. 
Siehe auch : http://wiki.robotmc.be/index.php/Loggen_pi

von tnzs (Gast)


Lesenswert?

M-Bus. Alle Infos zum Protokoll sind frei. Man braucht nichtmal die 
Protokollbeschreibung der Hersteller, weil die Werte wie Energie oder 
Volumen selbsterklärend sind (siehe VIF/VIFE). Selbst kostenlose 
Programme zum Auslesen und rumprobieren sind verfügbar.
Für bis zu 3 Geräte ist auch der Pegelwandler sehr einfach, da der 
Antwortstrom (ca. 20mA) des Slaves deutlich über dem Ruhestrom liegt....

von tnzs (Gast)


Lesenswert?

Martin M. schrieb:
> daß sich M-Bus nicht so
> richtig durchgesetzt hat.

Eher gegenteiliges. Es ist gerade in 2013 die DIN EN 13757-3 nochmal 
mächtig erweitert worden und die OMS tut ihr übriges zu Verbreitung.
Bei nicht "durchgesetzt" sehe ich eher andere Bussysteme.

Bitte melde dich an um einen Beitrag zu schreiben. Anmeldung ist kostenlos und dauert nur eine Minute.
Bestehender Account
Schon ein Account bei Google/GoogleMail? Keine Anmeldung erforderlich!
Mit Google-Account einloggen
Noch kein Account? Hier anmelden.