Verständnisfrage Delta-Sigma - Decimation/SNR

OP #4289998
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Hallo zusammen,

ich beschäftige mich nun schon einige Zeit mit dem Thema Delta-Sigma ADC 
und denke ich habe das Prinzip verstanden. Allerdings hakt es sozusagen 
am Übergang Modulator und Dezimierer. Genauer gesagt beim Zusammenhang 
zwischen Signal-Rauschverhältnis (SNR), Oversamplingrate (OSR) und 
Decimation/Wandlungszeit.

Ein idealer ADC hat ein SNR von:

SNR_q = 6,02 dB x N + 1,76 dB

Stelle ich mir nun die Formel für das Signal-Rauschverhältnis eines 
DS-ADCs 1. Ordnung

SNR = 6,02 dB x N + 1,76 dB - 5,17 dB + 30 dB x log (OSR)

nach OSR um:

OSR = 10 ^((SNR - 6,02 dB x N - 1,76 dB + 5,17 dB) / 30 dB)

und setze mal beispielhaft 16Bit (98,1dB) ein, komme ich auf ein OSR von 
1524.

Jetzt zu meiner Frage/n:
Wenn ich nun einen DS-ADC aufbauen möchte, wie bestimme ich dann die 
Abtastrate? Angenommen meine Wandlungszeit soll 50ms betragen. Dann 
könnte ich damit Signale von bis zu 1/(2 x 50ms) = 10Hz abtasten. Ergäbe 
nach meinem Verständnis eine Abtastrate von 10Hz x 1524 = 15kHz.

Wenn ich aber nun 16Bit (theoretische) Auflösung am DS-Ausgang erreichen 
möchte, muss ich doch den Mittelwert aus 2^16 = 65536 Messwerten bilden. 
Dann entspräche das einer Abtastrate von 65536/50ms = 1,31MHz. Wie passt 
das zur vorher berechneten Abtastrate über das OSR?

Danke und Gruß
Timo
Gast #4290396
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Timo D. schrieb:
> Wenn ich nun einen DS-ADC aufbauen möchte, wie bestimme ich dann die
> Abtastrate?

Die legst du fest.

Also, ich hatte es ja schon ein paarmal geschrieben: Ein 
SigmaDelta-Wandler ist im Prinzip ein Demodulator der einfachsten Sorte 
(1 Bit Wandler), der dafür sorgt, daß an seinem Ausgang die gleiche 
Spannung ansteht wie an seinem Eingang. Und anschließend wird gefiltert.

Huch?

Jaja. Die Wandlerstufe kennt an ihrem Ausgang ja nur HI und LO. Aber 
genau DIESES ist, wenn man es etwas anders interpretiert, eine digitale 
Spannung, die lediglich mit einem Rauschen überlagert ist. Also kann man 
mittels Tiefpaß den digitalen Spannungswert herausfiltern und was übrig 
bleibt, ist der Rest an Rauschen, der in den Durchlaßbereich des Filters 
hineinpaßt. Die Filterkonstante, also im Prinzip die Eckfrequenz des 
Tiefpasses bestimmt damit sowohl den Rest an Rauschen als auch die 
Anzahl der verwertbaren Stellen.

Wenn man es langsam machen wollte, müßte man einfach die Anzahl der 
HI-Bits im Ausgangs-Datenstrom des Modulators aufsummieren und durch die 
Gesamtanzahl der Bits im Datenstrom teilen. Das wäre dann ebenfalls 
dasselbe Ergebnis - bloß wesentlich langsamer: Für 24 Bit müßte man mit 
16 MHz takten und 1 Sekunde lang die Bits zählen.

W.S.
#4292383
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Timo D. schrieb:
> Dann könnte ich damit Signale von bis zu 1/(2 x 50ms) = 10Hz abtasten.
> Ergäbe nach meinem Verständnis eine Abtastrate von 10Hz x 1524 = 15kHz.
~30 kHz, du musst den Faktor >2 für Niquist wieder reinrechnen.

> Wenn ich aber nun 16Bit (theoretische) Auflösung am DS-Ausgang erreichen
> möchte, muss ich doch den Mittelwert aus 2^16 = 65536 Messwerten bilden.
> Dann entspräche das einer Abtastrate von 65536/50ms = 1,31MHz.

Nein, du musst den Ausgang zwar filtern, dabei findet aber auch eine 
"Rauschformung" statt. D.h. für eine Auflösung von 16 Bit musst du nicht 
über 65536 Samplewerte mitteln, sondern nur über 1524, weil du nciht nur 
Mittelwerte wegfilterst, sondern auch Störanteile.

Damit ist deine Abtastrate dann 30 kHz für eine "Wandlungszeit" von 50 
ms, wobei du das nicht so getrennt betrachten darfst. Deine Werte kommen 
vereinfacht gesagt dann mit 30 kHz 1 Bit rein, haben aber aufgrund der 
Filterung dann nur eine zeitliche Auflösung von 10 Hz, dafür mit 
Amplitudenauflösung 16 Bit.
OP #4328477
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Hallo W.S.,

W.S. schrieb:
> [...] Die Wandlerstufe kennt an ihrem Ausgang ja nur HI und LO. Aber
> genau DIESES ist, wenn man es etwas anders interpretiert, eine digitale
> Spannung, die lediglich mit einem Rauschen überlagert ist. Also kann man
> mittels Tiefpaß den digitalen Spannungswert herausfiltern und was übrig
> bleibt, ist der Rest an Rauschen, der in den Durchlaßbereich des Filters
> hineinpaßt.

> Wenn man es langsam machen wollte, müßte man einfach die Anzahl der
> HI-Bits im Ausgangs-Datenstrom des Modulators aufsummieren und durch die
> Gesamtanzahl der Bits im Datenstrom teilen. Das wäre dann ebenfalls
> dasselbe Ergebnis - bloß wesentlich langsamer: Für 24 Bit müßte man mit
> 16 MHz takten und 1 Sekunde lang die Bits zählen.

Ich hoffe dass ich das jetzt richtig verstanden habe:

Es gibt sozusagen zwei Möglichkeiten aus dem digitalen Bitstrom den 
"gewünschten" Analogwert mit mehr als 1-Bit Auflösung zu gewinnen.

1. Einfache Bildung des arithmetische Mittelwertes, also z.B. wie in 
deinem Beispiel 2^16 Messwerte des Bitstroms addieren und durch 2^16 
teilen umd auf 16 Bit Auflösung zu kommen. (Hier ist also die 
Dezimierung schon direkt mit drin, wenn man keinen gleitenden Mittelwert 
bildet)

2. Realisierung eines (digitalen) Tiefpassfilters, der sozusagen einen 
gewichteten Mittelwert bildet (einstellbar über die Filterkoffizienten) 
und damit die beispielhaften 16 Bit Auflösung bereits mit einer viel 
geringeren Anzahl an Eingangswerten des digitalen Bitstroms 
(entsprechend der Berechnung über die OSR) realisiert. Hier müsste 
danach noch dezimiert werden.

Gruß
Timo
Gast #4328553
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Eine ganz wichtige Eigenschaft des Delta-Sigma-Modulators ist der 
unterschiedliche Frequenzgang für Signal und Rauschen. Für das Signal 
stellt er einen Tiefpass, für das Rauschen einen Hochpass dar, d.h. das 
SNR ist für kleine Frequenzen hoch, für hohe dagegen niedrig. Dem 
Modulator wird nun ein digitales Filter nachgeschaltet, was die hohen 
Frequenzen und damit den Löwenanteil des Rauschens entfernt.  Durch 
Modulatoren höherer Ordnung (mehrere Integratoren in Serie) kann der 
Effekt noch verbessert werden, allerdings wird dann die Sicherstellung 
der Stabilität etwas kniffliger.

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