Hallo,
ich habe für mich und ein paar bekannte ein kleines Gerät entwickelt und
gebaut. Über virales "Marketing" ist plötzlich eine Flut von Anfragen
über mich hereingebrochen.
Der Zahlungsbereitschaft der meisten Anfragen entnehme ich, dass ich
Gewinn machen könnte und überlege nun, ob ich dafür ein Gewerbe eröffne.
Meine Frage wäre nun, was ich alles an Gesetzen, Richtlinien etc.
einhalten muss, um mich dann mal genauer zu informieren ob es dann noch
lohnenswert ist.
Zum Gerät:
Batteriebetrieben
GSM-Betrieb
Doppelseitig SMD & THT
Plastikbox
Was ich schon herausgefunden habe:
RoHS
Es reicht im Endeffekt wenn ich RoHS Konformitätserklärung von allen
Bauteilen und Baustoffen habe, oder?
BattG
Lässt sich umgehen wenn ich keine Batterien verkaufe.
R&TTE, EMV, GCF, CE
Test und Zertifizierung durch ein passendes Labor, z.B: CETECOM
Verpackung und Entsorgung
Vorlizenzierte Verpackungen, die auch eine Bevollmächtigung eines
Entsorgungsunternehmen enthalten.
IHK
Beitrags- und Beitrittspflicht, ersteres kann bei kleinen Gewinnen
ausgesetzt werden.
Habe ich was Vergessen?
Falls es das falsche Unterforum ist bitte verschieben, aber ich finde es
passt keins so richtig.
Danke für Hilfe!
Ne alles schon nur noch die Private Krankenversicherung und ne gute
Gewerbliche Rechtschutz wenn dein Gerät mal was böses macht und der
Gutachter meint du bist schuld.
Bastler schrieb:> Es reicht im Endeffekt wenn ich RoHS Konformitätserklärung von allen> Bauteilen und Baustoffen habe, oder?
Ja.
> Lässt sich umgehen wenn ich keine Batterien verkaufe.
Ja.
> R&TTE, EMV, GCF, CE> Test und Zertifizierung durch ein passendes Labor, z.B: CETECOM
GSM ist teuer, Basisstation muss nachgebildet werden.
Du verwendest aber sicher ein fertiges GSM Modul, möglichst mit
eingebauter Antenne bzw. Antennenstecker und hast von dem Hersteller
eine Declaration of Conformity und genaue Einbauanleitungen bezüglich
Gehäuse und Delektrika drumrum wegen der Veränderung der
Abstrahleigenschaften und alles beachtet.
Wahrscheinlich bedienst du es nur per SPI um SMS abzusetzen. Mach deinen
uC mit SPI (oder besser TTL seriell) langsam und auf winziger
Platinenfläche "bekannt störungsarm", dann kannst du als Hersteller
davon ausgehen, daß es in Betrieb konform ist. Man muss nicht alles
prüfen, man muss sich nur vergewissen, daß es die geltenden Richtlinien
einhalten wird. Natürlich würde das Labor empfehlen, nicht nur den uC
sondern auch das GSM Modul zu messen, aber die verdienen ihr Geld damit.
Niederspannungsverordnung brauchst du auch nicht beachten. Ja, wenn es
um 100000 Stück geht, würde ich auch messen, aber wenn bei dir jemand
mackern kommt, kannst du ihm begründen, warum du durch
Vorlieferentenbestätigungen überzeugt warst, daß es die Grenzwerte
einhalten wird, so wie du auch Beo RoHS davon ausgehst, daß es erfüllt
ist und die das 10000 EUR Massenspektrometer zum selber-messen sparst.
Fehler passieren, der Aufwand muss in einem vernünftigen Verhältnis
stehen.
> Vorlizenzierte Verpackungen, die auch eine Bevollmächtigung eines> Entsorgungsunternehmen enthalten.
Ja.
> Beitrags- und Beitrittspflicht, ersteres kann bei kleinen Gewinnen> ausgesetzt werden.
Ja.
Unter 410 EUR bzw. 5 Verkäufe geht das noch als Hobby durch und
interessiert Keinen.
Ich bin der Themenersteller und habe mir jetzt schnell einen Account
gemacht, um antworten zu können.
Zur Gewerblichen Rechtsschutz:
Die Firmenform wird eine klein GmbH aka UG, insofern ist das optional.
Zum GSM-Modul:
Es ist das allseits bekannte SIM900.
Simcom selber gibt nur recht grobe Specs an, wie es eingebaut werden
muss. An die habe ich mich gehalten.
Die Antenne wird über U.FL stecker angeschlossen.
Die Zertifizierung bei CETECOM kostet "nur" 400€ insofern bin ich am
überlegen ob ich es sicherheitshalber mache.
Zur IHK:
Mit der habe ich anderweitig zu tun und muss leider sagen, dass deren
Beratung auch nicht der Weisheit letzter Schluss ist, um es mal so
auszudrücken.
Die Hobbygrenze wird recht schnell erreicht werden und es sind einige
gewerbliche Abnehmer dabei, insofern scheidet das aus.
Zu WEEE:
Das sollte durch die Verpackung abgehandelt sein, zumindest hoffe ich
das. Da sich die Anbieter aber wohl primär an Händler richten und nicht
an Hersteller (was in diesem Fall ein und das selbe wäre), muss das bei
einem Gespräch geklärt werden.
Achtung: ein gewerbe musst du nur anmelden wenn du das "nachhaltig"
betreibst
d.h. wenn du wirklich nur eine absehbare Stückzahl produzieren wirst und
auch keine Nachfolger/Folgeprodukte planst brauchst du kein Gewerbe
anmelden
btw.: die "Gewinnerzielungsabsicht" spielt dabei keine Rolle
Mike B. schrieb:> btw.: die "Gewinnerzielungsabsicht" spielt dabei keine Rolle
Wichtig ist eigentlich nur, dass du deinen Gewinn versteuerst - wir
wollen ja alle was davon haben....
Bernd G. schrieb:> Wenn du leere Verpackungen verkaufst, dann stimmt das.
Da habe ich mich wohl etwas missverständlich ausgedrückt.
Ich meine Verpackungsmaterial von Händlern die gleichzeitig die
Bevollmächtigung zur Entsorgung übernehmen.
Das mit der Nachhaltigkeit ist ein schmaler Grad. Alleine schon, dass
ich an verschiedene Abnehmer verkaufen möchte und keine feste
Produktionszahl anstrebe, macht es eigentlich nachhaltig.
Abgesehen davon macht es aus gründen der Haftung durchaus Sinn ein
(haftungsbeschränktes) Gewerbe zwischen zu schalten. Die
Opportunitätskosten von ca. 300€ nehme ich gerne in Kauf, wenn ich im
Nachhinein vielleicht meine Einlagen verlieren, aber dafür nicht mein
Privates hab und gut.
Bastler schrieb:> Die "Bastler" nehmen ja überhand :)
Ja, das hat mich dazu gebracht, meinen eigentlich schon länger
vorhandenen "non-Gast" Zugang wieder zu benutzen. Dabei war der
"Bastler-Gast" so schön bequem ...
Alle, die auf "negativ" gedrückt haben: habt ihr den Kommentar eventuell
falsch verstanden :-)
eric schrieb:> Die IHK hat eine Beratungsstelle.> Die sagt Dir alles.
Meinst du das ernst oder ist das versteckte Ironie, die ich nicht
erkenne?
Die IHK kann aus meiner Erfahrung nur ganz wenig. Eigentlich nur eines:
Zwangsbeiträge fast ohne Gegenleistung erpressen (die minimale
Gegenleistung besteht in der regelmäßigen und scheinbar nicht
abbestellbaren Zusendung eines Käseblättchens, welches nicht mal als
Toilettenpapier brauchbar ist).
Hallo Zusammen,
Juchuuu IHK Bashing! Ja die IHK ist so ein spezialgelagerter Sonderfall.
Dennoch:
Sollte craoniel aus BW oder BY kommen: Nutze Innovationsgutscheine der
Länder um deine Prüfungen zu machen (Bei 3125€ Ausgaben 80% Förderung
sprich 2500€).
Achtung Werbung: Die IHK in Freiburg berät ganz gut dazu. Werbung Ende
Bei den IHKs ist es wichtig, einen richtigen Ansprechpartner zu haben,
und den alle Fragen an den zu stellen. Der kennt auch seine Kollegen und
kann Empfehlungen geben.
Grüße, Philipp
Ast E. schrieb:> CE Kennzeichen?!
Wurde doch bereits im Eingangspost genannt.
Bastler schrieb:> R&TTE, EMV, GCF, CE> Test und Zertifizierung durch ein passendes Labor, z.B: CETECOM
Gruß Max