Forum: Offtopic Was wäre wenn Alan Turing einen Raspberry Pi gehabt hätte?


von Christian J. (Gast)


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Hallo,

dieses Gedankenspiel kam neulich beim Frühstück in der Firma, natürlich 
unter Ingenieuren und Technikern, wer sonst diskutiert morgens um 9 Uhr 
solchen Kram?

Alan Turing war bekanntlich derjenige, der die meisten deutschen U-Boot 
Fahrer auf den Grund schickte, weil er den Enigma Code geknackt hatte 
und die Funksprüche die Koordinaten ja jedesmal enthielten. (Mein Onkel 
war leider auch darunter als 18-jähriger aber das soll jetzt mal egal 
sein.)

Was wäre wenn jemand in seine Zeit gereist wäre, hätte eine Tasche mit 
einem Raspberry Pi dabei gehabt, Monitor, Tastatur, Maus und einem 
Kernighan Ritchie oder Stroustrup wo C erklärt wird und die 
Funktionsweise eines Computers bzw. das Datenbuch zum ARM11 usw. 
Nachbauen könnten sie ihn nicht, da der Chip noch nicht erfunden war und 
das gesamten Wissen darum nicht. Nur benutzen eben....

Aber was meint ihr: Wären Turing und andere, vielleicht auch die 
genialen deutschen Wissenschaftler der damaligen Zeit in der Lage 
gewesen diesen Minicomputer schnell zu verstehen, ihn zu programmieren 
und hätte Turing dann vielleicht noch viel schneller die Codes geknackt?

Oder gäbe es etwas woran sie gescheitert wären in einer zeit wo fast 
alles mechanisch gelöst wurde (Steuersystem von Torpedos und der V2 
waren voll-mechanisch)? Einfach weil ihnen 50 Jahre 
Technologieentwickung fehlten? Sie die Bücher gar nicht verstehen 
könnten? Oder waren diese Menschen so genial, dass sie sich das alles 
hätten zusammen reimen können?

Nur ein Gedankenspiel.....

Gruss,
Christian

von (prx) A. K. (prx)


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Christian J. schrieb:
> Aber was meint ihr: Wären Turing und andere, vielleicht auch die
> genialen deutschen Wissenschaftler der damaligen Zeit in der Lage
> gewesen diesen Minicomputer schnell zu verstehen, ihn zu programmieren

Klares JA.

Nicht jeder natürlich. Es hätte damals viele Leute gegeben, die sich 
damit ebenso schwer getan hätten wie manche heute.

> Oder waren diese Menschen so genial, dass sie sich das alles
> hätten zusammen reimen können?

Für das Verständnis der Funktion solcher Maschinen ist die Art der 
Implementierung unwesentlich. Also ob mit elektromechanischen 
Speicherelementen (Zuse anfangs), Relais (Zuse später) oder Röhren 
(USA).

Das ist ausserdem weniger eine Frage der Genialität als der Abstraktion. 
Turing war Mathematiker. Die Wissenschaft der Abstraktion.

von Christian J. (Gast)


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A. K. schrieb:

> Für das Verständnis der Funktion solcher Maschinen ist die Art der
> Implementierung unwesentlich. Also ob mit elektromechanischen
> Speicherelementen (Zuse anfangs), Relais (Zuse später) oder Röhren
> (USA).

Ab wann waren denn die Grundlagen der Computer Technik geschaffen? Es 
gab meines Erachtens im III Reich keine programmierbaren 
Rechenautomaten, die auch nur ansatzweise mit heutigen Maschinen 
vergleichbar waren.

von (prx) A. K. (prx)


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Christian J. schrieb:
> Ab wann waren denn die Grundlagen der Computer Technik geschaffen? Es
> gab meines Erachtens im III Reich keine programmierbaren
> Rechenautomaten, die auch nur ansatzweise mit heutigen Maschinen
> vergleichbar waren.

Die Zuse Z3 von 1941 war zwar nicht frei programmierbar. Aber das lag 
daran, dass der Programmspeicher aus rein praktischen Gründen aus alten 
Filmen statt elektrischen Speicherelementen bestand.

Ich meine mal gelesen zu haben, dass Zuse sich über die Möglichkeit von 
beschreibbarem Programmspeicher auch bewusst war. Aber der war mit 
damaliger Technik einfach zu aufwändig.

von Winfried J. (Firma: Nisch-Aufzüge) (winne) Benutzerseite


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Christian J. schrieb:
> Ab wann waren denn die Grundlagen der Computer Technik geschaffen? Es
> gab meines Erachtens im III Reich keine programmierbaren
> Rechenautomaten, die auch nur ansatzweise mit heutigen Maschinen
> vergleichbar waren.

http://www.weller.to/com/comp-zuse-z1.htm

von (prx) A. K. (prx)


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Christian J. schrieb:
> Oder waren diese Menschen so genial, dass sie sich das alles
> hätten zusammen reimen können?

Programmierung ist wesensverwandt mit der Entwicklung einer sequentiell 
abzuarbeitetenden Rechenvorschrift, auch wenn man darunter anfangs 
numerische Rechnungen verstand und heutige Computer weit darüber hinaus 
gehen.

Rechenvorschriften und vorgeschriebene Abläufe gab es schon lange vor 
der Erfindung der Computer. Nur waren es Menschen, die an deren Stelle 
diese Abläufe ausführten. Säle voller Menschen, die den ganzen Tag lang 
nichts anderes taten, als Rechenabläufe durchzuführen, z.B. mit Hilfe 
mechanischer von Hand bedienter Rechenmaschinen. So entstanden 
beispielsweise Brücken und Hochhäuser, das wurde aber auch in Los Alamos 
so gemacht.
http://www.hnf.de/uploads/tx_templavoila/38_39_2.jpg

Der Fachbegriff dazu ist "Algorithmus" und geht auf den 
mittelalterlichen Gelehrten Al-Chwarizmi zurück. Die erste 
Implementierung findet man bei Charles Babbage 1837.

Das Grundprinzip automatisierbarer Berechnungen war somit schon im 
Mittelalter bekannt. Neu war das Prinzip, Programme auch als Daten zu 
betrachten, für das John von Neumann steht. Aber solche Fragen stellen 
sich erst, wenn die Implementierbarkeit nicht mehr völlig utopisch 
erscheint.

von Matthias S. (Firma: matzetronics) (mschoeldgen)


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Die grundlegende Idee, wie die Enigma zu knacken wäre, hatte lange vor 
Turing übrigens ein Pole namens Marian Rejewksi. Polen hatte schon lange 
vor Beginn des Krieges den Eindruck, das Deutschland eine Gefahr für 
Polen ist und hatte deswegen die Geheimdiensttätigkeit nie eingestellt.

Rejeweski erkannte die Kettenstruktur in Enigma Texten und konnte mit 
einem Stab von Mitarbeitern so Nachrichten knacken.
Zu Beginn des Krieges präsentierte dann der polnische Geheimdienst ihre 
Ergebnisse über die Enigma, sowie einige Maschinen, den verblüfften 
Briten.
Zwar war die manuelle Entschlüsselung der neuesten Maschinen nicht mehr 
möglich, aber dann konnten die Briten dank Turing die polnischen 
Algorithmen in die 'Bomben' programmieren und maschinell dekodieren.

(Quelle: Simon Singh - Geheime Botschaften' ISBN 3-446-19873-3 dtv GmbH 
& Co. KG, München)

A. K. schrieb:
> Die erste
> Implementierung findet man bei Charles Babbage 1837.

Babbage wird übrigens im o.a. Buch auch als Erfinder der ersten 
programmerbaren Rechenmaschine gewürdigt, bei der er den 'Prozessor' 
lustigerweise als 'Mühle' bezeichnet.

von Axel L. (axel_5)


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Die meisten haben doch heute auch keine Ahnung davon, wie so ein Teil 
wirklich funktioniert. Und C Programmieren lernt jeder Student heute in 
einem halben Jahr.

Spannender wäre da schon das Assembler Programmieren, aber selbst das 
kann ein Student in wenigen Jahren lernen, auch auf einem Raspberry.

Ich denke, die hätten da keine Probleme mit gehabt.

Gruss
Axel

von (prx) A. K. (prx)


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Axel L. schrieb:
> Ich denke, die hätten da keine Probleme mit gehabt.

Wesentliche Voraussetzung ist eher, Maschinen solcher Art überhaupt zu 
akzeptieren. Also zu akzeptieren, dass es Maschinen geben kann, die zu 
solchen Leistungen fähig sind. Das wäre 1937 kein Problem gewesen, war 
auch 1837 nicht mehr ganz so problematisch. Aber 1537 wäre man eher 
mitsamt dem RasPi verbrannt worden, weil man damals zu sehr in magischem 
Denken verhaftet war.

von Christian J. (Gast)


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Axel L. schrieb:

> Die meisten haben doch heute auch keine Ahnung davon, wie so ein Teil
> wirklich funktioniert. Und C Programmieren lernt jeder Student heute in
> einem halben Jahr.

In einem halben Jahr? Komisch, dass ich auch 20 Jahre später immer noch 
was Neues entdecke....

Wie ein SoC funktioniert muss man auch nicht wissen. Das ist nur noch 
eine Blackbox auf die etliche Schichten aufgesetzt sind bis zum Front 
End. Jeder beknackte Grosse-Fresse-Teenie kann ein Smartphone bedienen, 
auch ohne Hauptschulabschluss.

von Julian B. (julinho)


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Christian J. schrieb:
> Steuersystem von Torpedos und der V2
> waren voll-mechanisch

Die V2 hatte einen Analogrechner mit Röhren als Steuerung, ich vermute 
das würden keine 5% der heutigen Absolventen hinbekommen.
Auf einem Raspberry kann jeder Depp was zusammenklicken.

Christian J. schrieb:
> weil er den Enigma Code geknackt hatte
> und die Funksprüche die Koordinaten ja jedesmal enthielten

Richtig mitgelesen konnten die Funksprüche erst, als den Alliierten eine 
Enigma in die Hände viel.

von Axel L. (axel_5)


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Es ging darum, ob es jemand wie Allen Touring geschafft hätte. Ich 
denke, der hätte das grundsätzlich schon geschafft.

Spannender wäre tatsächlich, wie der reagiert hätte, wenn da jemand mit 
einem Raspberry reingekommen wäre und ihm erzählt hätte, dass er mal 
eben alles was er weis, in die Tonne kloppen soll. Dafür braucht man gar 
nicht ins Mittelalter zu gehen.

Wenn er sich dem geöffnet hätte, hätte  er es sicher gekonnt, aber ob er 
sich dem geöffnet hätte, da bin ich nicht sicher. Und dann wäre die 
Frage gewesen, ob er es so genutzt hätte, wie wir es mit dem heutigen 
Wissen getan hätten. Man hat damals auch aus der ME262 auch einen Bomber 
machen wollen.

Gruss
Axel

von Axel L. (axel_5)


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Julian B. schrieb:
> Christian J. schrieb:
>> Steuersystem von Torpedos und der V2
>> waren voll-mechanisch
>
> Die V2 hatte einen Analogrechner mit Röhren als Steuerung, ich vermute
> das würden keine 5% der heutigen Absolventen hinbekommen.
> Auf einem Raspberry kann jeder Depp was zusammenklicken.
>

Heutige Absolventen lernen nichts mehr über Röhren, aber warum sollten 
die  das nicht lernen können, wenn sie es bräuchten ?

Gruss
Axel

von (prx) A. K. (prx)


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Axel L. schrieb:
> Man hat damals auch aus der ME262 auch einen Bomber machen wollen.

Aber nicht jene, die den Vogel entwickelten. Sondern jener, dem zu 
widersprechen sich niemand mehr traute.

Natürlich findet nicht jede Entwicklung ihr angemessenes Mass an 
Unterstützung. Auch Zuse nicht. Allerdings liegt das oft auch am anfangs 
meist eher schwach ausgeprägten Vorteil einer sich allmählich 
steigernden Technik. Da wär der RasPi schon drüber weg.

von Julian B. (julinho)


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Axel L. schrieb:
> Heutige Absolventen lernen nichts mehr über Röhren, aber warum sollten
> die  das nicht lernen können, wenn sie es bräuchten ?

Sie würden es auch nicht hinkriegen, wenn Sie das ganze Studium 
Röhrentechnik gehabt hätten. Ich beziehe mich auf 95%.

Damals hatte man auch nicht die Möglichkeit irgendetwas zu simulieren 
oder irgendwelche Daten mitzuloggen. Einmal gestartet flog das Ding oder 
nicht, Fehlersuche nach Absturz schwierig.

Was die damals mit einfacher Technik hinbekommen haben, ist mehr als 
erstaunlich.

Den Raspberry hätten sie mit Sicherheit verstanden und einsetzen können.

von Christian J. (Gast)


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Axel L. schrieb:

> Spannender wäre tatsächlich, wie der reagiert hätte, wenn da jemand mit
> einem Raspberry reingekommen wäre und ihm erzählt hätte, dass er mal
> eben alles was er weis, in die Tonne kloppen soll. Dafür braucht man gar
> nicht ins Mittelalter zu gehen.

Meine Erfahrung mit "Genies", sofern ich mal einen davon kennen lernen 
konnte ist, dass sie Visionäre sind, die weit in die Zukunft denken und 
sehr flexibel sind. Jules Verne war seiner Zeit Jahre voraus.

Was diew V2 angeht, so ist der dort eingesetzte Analogrechner 
("Strommischer") vermutlich zigfach komplexer als ein Raspberry in 
seiner Anwendung und nur Leute wie von Braun, die sich excellent mit der 
Raketentechnik auskannten waren in der Lage sowas zu konstruieren.

Ich habe mir mal die Steuerung eines Torpedos angeschaut im Museum. 
Absolut irre, wie das mit Kreiselkompass, Druckluft und Mechanik gelöst 
wurde.

von Yalu X. (yalu) (Moderator)


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Christian J. schrieb:
> Was wäre wenn jemand in seine Zeit gereist wäre, hätte eine Tasche mit
> einem Raspberry Pi dabei gehabt, Monitor, Tastatur, Maus und einem
> Kernighan Ritchie oder Stroustrup wo C erklärt wird und die
> Funktionsweise eines Computers bzw. das Datenbuch zum ARM11 usw.

Ich schätze, das wäre etwa so, wie wenn heute ein Mensch aus der Zukunft
hereingeschneit käme und einen funktionierenden und für reale Probleme
einsetzbaren Quantencomuter mitbrächte. Keiner hat es bisher geschafft,
so ein Gerät selber aufzubauen, aber die Grundlagen dafür sind bekannt.
Deswegen würde ein Experte auf diesem Gebiet mit einer entsprechenden
Anleitung wohl recht bald damit zurechtkommen.

> Aber was meint ihr: Wären Turing und andere, vielleicht auch die
> genialen deutschen Wissenschaftler der damaligen Zeit in der Lage
> gewesen diesen Minicomputer schnell zu verstehen, ihn zu programmieren
> und hätte Turing dann vielleicht noch viel schneller die Codes geknackt?

Auf jeden Fall.

Leute wie Turing, Zuse, von Neumann, Aiken (um nur ein paar der
prominentesten zu nennen, da gabe es noch viele weitere), kannten die
wesentlichen Grundlagen der Computerei bereits. Sie wären allenfalls
überrascht gewesen, wie klein so eine Maschine sein kann, mit welcher
wahnwitzigen Geschwindigkeit sie die einzelnen Rechenoperationen
durchnudelt und wie gigantisch ihre Speicherkazität ist.

Axel L. schrieb:
> Spannender wäre tatsächlich, wie der reagiert hätte, wenn da jemand mit
> einem Raspberry reingekommen wäre und ihm erzählt hätte, dass er mal
> eben alles was er weis, in die Tonne kloppen soll.

Er hätte nur wenig von seinem Wissen in die Tonne kloppen müssen, da das
meiste davon auch heute noch gültig ist. In diesem Punkt unterscheidet
sich ein Mathematiker ganz gewaltig von einem Webprogrammierer, der
einen nicht unerhebliche Teil seiner Arbeitszeit nur damit verbringt,
Wissensmüll zu entsorgen ;-)

> Wenn er sich dem geöffnet hätte, hätte  er es sicher gekonnt, aber ob er
> sich dem geöffnet hätte, da bin ich nicht sicher.

Er hätte sich ganz sicher geöffnet, denn Wissenschaftler sind nun einmal
neugierig im wörtlichsten Sinn.

von Claus M. (energy)


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Julian B. schrieb:
> Die V2 hatte einen Analogrechner mit Röhren als Steuerung, ich vermute
> das würden keine 5% der heutigen Absolventen hinbekommen.
> Auf einem Raspberry kann jeder Depp was zusammenklicken.

Genau das!

von Dipl.- G. (hipot)


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Julian B. schrieb:
> Christian J. schrieb:
>> Steuersystem von Torpedos und der V2
>> waren voll-mechanisch
>
> Die V2 hatte einen Analogrechner mit Röhren als Steuerung, ich vermute
> das würden keine 5% der heutigen Absolventen hinbekommen.
> Auf einem Raspberry kann jeder Depp was zusammenklicken.
>
> Christian J. schrieb:
>> weil er den Enigma Code geknackt hatte
>> und die Funksprüche die Koordinaten ja jedesmal enthielten
>
> Richtig mitgelesen konnten die Funksprüche erst, als den Alliierten eine
> Enigma in die Hände viel.

Wobei man unbedingt erwähnen muß, wie dumm bzw. arrogant sich die 
Deutschen in Sachen Kommunikation verhielten. Die Enigma selbst hatte 
diverse Verschlüsselungsschwächen, bedingt durch ihren mechanischen 
Aufbau. Beispielsweise kodierte sie nie zwei aufeinanderfolgende 
Buchstaben hintereinander in denselben Buchstaben und sie kodierte nie 
einen Buchstaben in sich selbst. Diese Vereinfachungen, ganz besonders 
die berüchtigte Umkehrwalze, schränkte den eigentlichen 
Schlüsselungsraum, also die Anzahl von Kombinationen, drastisch ein -- 
was durch einfache Modifikationen am grundlegenden Entwurf der Maschine 
hätte behoben werden können, statt immer nur neue Walzen hinzuzufügen.

Desweiteren rächte sich die Ordentlichkeit und Gründlichkeit der 
Deutschen. Die meisten Funksprüche gingen mit irgendwelchen 
Standardmeldungen los, insbesondere bei den U-Booten. So konnte man 
selbst ohne eine "Bombe" laufen zu lassen, diverse Teile der Nachricht 
raten, Stichwort wahrscheinliches Wort. "Der Führer der U-Boote", "Der 
Befehlshaber der U-Boote...", "Das Oberkommando der Kriegsmarine gibt 
bekannt". Auch die Intensität des deutschen Funkverkehrs war enorm - man 
könnte die U-Boot-Fahrer regelrecht als Quasselstrippen bezeichnen. 
Jedes Fühlunghalten, jede Kurskorrektur, jede Wetteränderung wurde 
durchgegeben; Positionsmeldungen wurden in einem solchen Ausmaß 
durchgeführt, daß z.B. alleine die vergrößerte Tauchfähigkeit der 
späteren "Wunderboote" zu Verzögerungen im Bletchley Park führten, weil 
die Walterboote länger unter Wasser fuhren und weniger Meldungen 
absetzten.

Und daß die Deutschen es nie für möglich hielten, daß die Enigma 
geknackt worden ist, nichtmal nachdem Geleitzug um Geleitzug erfolgreich 
an den Wolfsrudeln vorbei umgeleitet wurde, das schlägt dem Faß den 
Boden aus.

von Axel L. (axel_5)


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Julian B. schrieb:
> Axel L. schrieb:
>> Heutige Absolventen lernen nichts mehr über Röhren, aber warum sollten
>> die  das nicht lernen können, wenn sie es bräuchten ?
>
> Sie würden es auch nicht hinkriegen, wenn Sie das ganze Studium
> Röhrentechnik gehabt hätten. Ich beziehe mich auf 95%.
>
> Damals hatte man auch nicht die Möglichkeit irgendetwas zu simulieren
> oder irgendwelche Daten mitzuloggen. Einmal gestartet flog das Ding oder
> nicht, Fehlersuche nach Absturz schwierig.
>
> Was die damals mit einfacher Technik hinbekommen haben, ist mehr als
> erstaunlich.
>
> Den Raspberry hätten sie mit Sicherheit verstanden und einsetzen können.

Es waren keine Absolventen, die sowas gebaut haben, von daher ist der 
Vergleich unfair. Zeig denen mal ein Smartphone, da würden die ganz 
schön staunen. Und sowas haben die heutigen Absolventen gebaut.

Und ich finde es immer erstaunlich, dass man frühere Menschen 
anscheinend grundsätzlich für komplette Idioten hält und sie dann dafür 
bewundert, dass die sowas trotz ihrer Beschränktheit hinbekommen haben.

Gruss
Axel

von Claus M. (energy)


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Dipl.- G. schrieb:
> Wobei man unbedingt erwähnen muß, wie dumm bzw. arrogant sich die
> Deutschen in Sachen Kommunikation verhielten. Die Enigma selbst hatte
> diverse Verschlüsselungsschwächen, bedingt durch ihren mechanischen
> Aufbau.

Du hast recht. Erkannt hat man das auch und es sollte eine verbesserte 
Version eingeführt werden, die wohl nicht mehr knackbar gewesen wäre zu 
der Zeit. Kam aber nicht mehr dazu.

Man dachte einfach, das der Feind zu blöd ist das trotz der Schwächen zu 
knacken... Arroganz der deutschen Ing. Ein schelm wer jetzt dabei an VW 
denkt...

von Julian B. (julinho)


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Axel L. schrieb:
> Zeig denen mal ein Smartphone, da würden die ganz
> schön staunen.

Ich glaube wir würden eher staunen wenn wir neben einer startenden V2 
stehen.
Wir können dann natürlich das Smartphone rausholen und einen Selfie 
machen, ich weiß aber nicht, ob die Jungs dann sehr beeindruckt wären.

von Julian B. (julinho)


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Christian J. schrieb:
> hätte Turing dann vielleicht noch viel schneller die Codes geknackt?

Es sind drei mit einer M4-Maschine verschlüsselte Funksprüche öffentlich 
bekannt, deren Inhalt bis zum Jahr 2006 nicht enträtselt werden konnte. 
Erst dann gelang es dem Hobby-Kryptologen Stefan Krah, zwei der 
Nachrichten, die vom U-Boot U 264 beziehungsweise U 623 im Jahr 1942 
gefunkt wurden, durch verteiltes Rechnen (distributed computing) und 
Zusammenschluss von mehreren tausend Computern im Internet innerhalb 
eines Monats zu entziffern.

Da hätte der Pi wohl auch nicht viel genützt.

von Axel L. (axel_5)


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Julian B. schrieb:
> Axel L. schrieb:
>> Zeig denen mal ein Smartphone, da würden die ganz
>> schön staunen.
>
> Ich glaube wir würden eher staunen wenn wir neben einer startenden V2
> stehen.
> Wir können dann natürlich das Smartphone rausholen und einen Selfie
> machen, ich weiß aber nicht, ob die Jungs dann sehr beeindruckt wären.

Jetzt übertreib mmal nicht. Eine V2 hat die Insel England mal gerade so 
getroffen, schon London zu treffen war pures Glück. Heutige Absolventen 
haben Raketen gebaut, die durch das Tor in den Buckingham Palace fliegen 
könnte, um dann direkt an der Toilette der Queen zu explodieren.

Für die Möglichkeiten damals waren die V2 wahrscheinlich ganz 
ordentlich, aber letztlich war die Treffsicherheit ein Witz, die ist 
gerade mal geradeaus geflogen. Ob das heutige Ingenieure damals besser 
hinbekommen hätte, weis man heute nicht, aber man sollte das auch nicht 
zu sehr glorifizieren. Letztlich hat die V2 das gesteckte Ziel nicht 
erreicht.

Gruss
Axel

von Julian B. (julinho)


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Heutige Ingenieure schaffen es sogar festzustellen, ob ein Auto auf dem 
Prüfstand steht oder nicht, da wären die Jungs von damals auf jeden Fall 
baff.

Ich glaube das Problem ist, dass heutzutage einfach zu viele Leute 
studieren und denen der Abschluss auch noch hinterher geworfen wird, 
zumindest an den FHs. Hab gerade wieder einen aktuellen Fall (Master 
Nachrichtentechnik) der noch nicht mal ein Vorwiderstand für eine LED 
berechnen kann.

von (prx) A. K. (prx)


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Axel L. schrieb:
> Jetzt übertreib mmal nicht. Eine V2 hat die Insel England mal gerade so
> getroffen

Details hier, inklusive damals bereits technisch realisierter aber nicht 
eingesetzter Technik für eine Längenabweichung von 100m und einer 
Breitenabweichung vom 2km (die eingesetzte hatte 18km bei 50%):
http://www.bernd-leitenberger.de/a4.shtml

> ordentlich, aber letztlich war die Treffsicherheit ein Witz, die ist
> gerade mal geradeaus geflogen.

Ebendort: "Nach dieser Methode, der Radionavigation, wurden auch die 
ersten Interkontinentalraketen der USA und UdSSR gesteuert. Die Titan 
verwandte bis 1980 noch diese Steuerungsmethode." ;-)

"Als im Westen Mitte der neunziger Jahre die technischen Daten der 
Steuerungen von russischen Raketen bekannt wurden, staunte man nicht 
schlecht: Die wesentlichen Elemente der A-4 wurden nach wie vor 
eingesetzt und die gesamten Steuerungen waren analog"

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