Oszillator geht nicht

Gast #4399455
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Hallo miteinander!

vor kurzem habe ich zu Übungszwecken einen Oszillator mit einer 
gedruckten PCB Spule gebaut. Dieser sollte mit einem BFR540 Transistor 
bei ca. 10-15 MHz auf einer doppelseitigen Platine (FR4)betrieben 
werden. In der Simulation klappte alles einwandfrei, doch nachdem die 
Schaltung physikalisch da war, stellte ich fest, dass der Oszillator 
nicht schwingt (keine Schwingungen am Ausgang messbar).

Im Anhang poste ich das Layout und die LT-Spice Simulation dazu (mit 
Transistor-Modell)

kann mir jemand auf anhieb sagen, ob und wo in meiner Schaltung ein 
(Denk?)fehler vorliegt?

Grüße Berliner
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Gast #4399481
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Ja so ist das immer, ein Verstärker soll nicht schwingen,
aber er schwingt, ein Oszillator soll schwingen,
aber er schwingt nicht. Wie bei einer Rudi Carrell show,
wo er mit Schiffe in der Badewanne gespielt hat.
Die Schiffe sind alle untergegangen, nur das Uboot
wollte nicht untergehen. Um den Fehler zu finden,
brauchen wir erst mal den Stromlaufplan.
#4399496
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Ein weiterer Fehler ist es für 10MHz einen BFR540 zu verwenden.
Dieser Trasistor hat eine fT von 9GHz, und es ist nicht ausgeschlossen, 
dass er auf einigen GHz schwingt, ohne dass du es merkst.
Für so langsame Frequenzen wäre ein NF-Transistor wie der BC547 richtig.


P.S.:
Günter Lenz schrieb:
> Um den Fehler zu finden,
> brauchen wir erst mal den Stromlaufplan.

Den gibt es.
In der asc-Dastei ist die pSpice-Simulation.
#4399557
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Possetitjel schrieb:
> Kann man ja
> voraussetzen, dass ein Elektroniker Sanskrit beherrscht...

Wo siehst du Sanskrit?

Wie auch HelmutS schon bemerkte, fehlt da lediglich ein 
Abblockkondensator, sonst kommt mehr HF aus der Speiseleitung als aus 
dem Ausgang der Schaltung.

Wenn der Kollektor dann HF-mäßig an Masse liegt, ist bei diesem 
Transistor zu befürchten, dass die Schaltung im GHz-Bereich schwingt.
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#4399700
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Günter Lenz schrieb:
> Um den Fehler zu finden,
> brauchen wir erst mal den Stromlaufplan.

Hallo Günter,
immer wenn man hier eine Datei mit .asc findet, dann ist das der 
Schaltplan für LTspice.
LTspice ist ein kostenloses Simulationsprogramm. Das ist inzwischen das 
"Schweizer Taschenmesser" des Elektronikers. Damit kann man "alles" 
machen.

Link zum Download auf der Seite von Linear Technology.

http://www.linear.com/designtools/software/#LTspice
http://ltspice.linear-tech.com/software/LTspiceIV.exe


Support: Yahoo group (Man muss sich anmelden.)
https://groups.yahoo.com/neo/groups/LTspice/info

Gruß
Helmut
Gast #4399725
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Wow, danke für eure Zeit und Tipps !
Ich werd auf jeden Fall nochmal den DC Arbeitspunkt prüfen, 
Blockkondensator einfügen und wenn's nicht funktioniert, den Transistor 
tauschen. Werde mich während der Feiertage damit auseinandersetzen.
Mit AC Arbeitspunkt hab ich im Moment keine Erfahrung: ein richtiger 
Zeitpunkt zum Sammeln also :-)

Anbei, wie gewünscht der Schaltplan als *.png
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#4399824
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Ich fasse nochmal zusammen:

- Blockkondensator einbauen
- C2 und C3 auf 47pF-100pF verringern (2n passen nicht zur Frequenz)
- R3 auf 22 Ohm reduzieren (schwingt leichter an)
- R2 auf 330 Ohm vergrößern (Stromaufnahme 6mA)

IMO ist die Spule noch tragbar. Sie könnte jedoch auf dem TOP-Layer 
fortgesetzt werden, dann wären 2-3µH erreichbar.
Gast #4399856
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Helmut S. schrieb:
> Hallo Günter,
> immer wenn man hier eine Datei mit .asc findet, dann ist das der
> Schaltplan für LTspice.
> LTspice ist ein kostenloses Simulationsprogramm. Das ist inzwischen das
> "Schweizer Taschenmesser" des Elektronikers. Damit kann man "alles"
> machen.

Als ich kein LTspice hatte, konnten die Foristen mit LTspice
jede praktisch funktionierende Schaltung zu Müll erklären.

Seit ich LTspice kann, wird offiziell kaum noch simuliert.

LG
OXI
Gast #4399875
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B e r n d W. schrieb:
>>> Copitts-Oszillator aus.
>> Clapp-Oszillator.
>
> Beim Clapp wäre C4 in Reihe zu L1, deshalb Colpitts!
> https://de.wikipedia.org/wiki/Clapp-Schaltung

Wikipedia halt.
Ist trotzdem eine Clapp-Schaltung.
Zumindest weiss ich jetzt wo R3 herkommt. Weia!

Best of Wikipediaartikel:
"Mit der Spannungsverstärkung des Transistor von 0.99 und dem 
Spannungsteiler R3, R4 ergibt sich eine Gesamtspannungsverstärkung von 
etwas über 1" Trööööööööt



LG
OXI
Gast #4400022
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Danke für eure Tipps,
passive Bauteile habe ich weitgehend zusammengesucht, aktive werde ich 
später bestellen müssen, wenn Änderungen an passiven Bauteilen nicht 
funktionieren.

Zur Schaltung: diese wurde dem Buch "Schaltungstechnik – Analog und 
gemischt analog/digital" (Kapitel 5.5.3 AM/FM-modulierbarer Oszillator, 
Bild: Schaltungsvorschlag für einen AM/FM-modulierbaren Oszillator) von 
Johann Siegl entnommen.
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Gast #4400043
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berliner schrieb:
>
> Zur Schaltung: diese wurde dem Buch "Schaltungstechnik – Analog und
> gemischt analog/digital" (Kapitel 5.5.3 AM/FM-modulierbarer Oszillator,
> Bild: Schaltungsvorschlag für einen AM/FM-modulierbaren Oszillator) von
> Johann Siegl entnommen.

Tja, bei HF gibt es zwischen (theoretischem) Schaltplan und 
tatsächlicher Hardware immer Überraschungen.
Hättest Du einen Verstärker gebaut, würde dieser ganz sicher schwingen 
;-)

Old-Papa
#4400063
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berliner schrieb:
> Danke für eure Tipps,
> passive Bauteile habe ich weitgehend zusammengesucht, aktive werde ich
> später bestellen müssen, wenn Änderungen an passiven Bauteilen nicht
> funktionieren.
>
> Zur Schaltung: diese wurde dem Buch "Schaltungstechnik – Analog und
> gemischt analog/digital" (Kapitel 5.5.3 AM/FM-modulierbarer Oszillator,
> Bild: Schaltungsvorschlag für einen AM/FM-modulierbaren Oszillator) von
> Johann Siegl entnommen.

Da ist aber der Emitterwiderstand 500Ohm und es wurde ein 2N2222 
verwendet. Wenn schon abkupfern, dann konsequent.
#4400095
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Hallo,

@OXI Tagdesnein: für Clapp sprechen die recht großen Cs mit 2nF, die 
liegen dann ja im Serienschwingkreis. Dann stört mich aber der 
Parallel-C zur Spule.

Wenn Colpitts (zumindest hat jeder mein fehlendes "l" mitkopiert ;-)) 
sind mir die 2x2nF zu groß, die liegen dann ja in Reihe zu 220pF 
parallel zum Schwinkreis.
Andererseits verringert diese den Einfluß der 
Transistor(Röhren)kapazität, das war ja wohl der Vorteil des 
Clapp-Oszillators.

War aber alles nur von drüberschauen, das Dokument jetzt enthält sich da 
ja offenbar einer Zuordnung.

Gruß aus Berlin
Michael
Gast #4400212
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Michael U. schrieb:
> Hallo,

Clapp = Colpitts mit kapazitiver Transformation.

Bei Clapp ist deshalb die Spannung am Kreis höher
als die am aktiven Element.

berliner schrieb:
> Zur Schaltung:

Eine Triode benötigt schon deutlich mehr HF-Spannung
zwischen Katode und Gitter als ein BJT zwischen
Emitter und Basis. Deswegen macht man bei BJT-Oszillatoren
eigentlich C4 kleiner als C3. Das mit R3 ist Huddel.
Setze mal einen Lötzinnklecks bei R3.

https://www.mikrocontroller.net/attachment/278211/Schwinger_mit_BJT_002.asc

LG
OXI
Gast #4400715
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Ich würde R3 kleiner machen, oder weglassen.
R2 größer machen, C2 und C3 kleiner machen.
Bei meinen Schaltungen habe ich immer C2 / C3 = 5 gemacht.
Probehalber mal eine größere Luftspule anlöten, wenn
es dann schwingt, weißt du das die Kondensatoren zu groß sind.
Dann würde ich noch einen Stützkondensator parallel
zur Betriebsspannung schalten. Ist die Leiterplatte
zweiseitig? Nicht das du auf der anderen Seite der Spule
noch die volle Kupferfläche hast?
Gast #4401081
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berliner schrieb:
> Leiterplatte ist zweiseitig, auf der anderen Seite der Leiterplatte ist
> keine Kupferfläche.

Das ist sehr ungünstig.

Der Kollektor der virtuell (HF-mässig) an Masse liegt hat keine
"Kraft" gegenüber dem Emitterkreis da die Masseverbindung sehr
lang ist (hinten herum bei den Anschlusspins, längsinduktivität).
HF Schaltungen die so in der Luft schweben sind schwierig in den
Griff zu kriegen. Versuche doch mal eine leere Platine mit
Kupferfläche darunter zu legen und mehrfach zu kontaktieren, oder
mehrere Massedrähte zwischen Emitterkreis und Kollektor-Versorgung.
Gast #4401365
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berliner schrieb:
> Am R2 liegt eine Spannung von knapp 1,8 Volt an.

Damit stimmt die Theorie: an der Basis Ub/2=2,5V - 0,7V =1,8V, somit ist 
der Emitterstrom 15 mA.
Wechselspannungsmässig wird die Basis mit dem Emittermit den C von 2nF 
Kurzgeschlossen, bei 10 MHZ sind das ca. 7 Ohm. Wie soll das 
anschwingen?
Die Kondensatoren zwischen Basis Emitter bzw. Emitter und Masse würde 
ich zu 120 pF wählen, den Koppelkondensator zwischen Basis und 
Schwingkreis auf 39 pF reduzieren und den Schwingkreiskondensator auf 
270 pF (gewählter Normwert) erhöhen.

Frohe Weihnachten Nautilus
#4401821
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C2 ist mit 2nF definitiv zu groß und wurde für den MW-Oszillator 
optimiert. Mit 220pF für alle Kondensatoren ist die Schaltung laut 
Simulation sehr schwingfreudig. Eventuell befindet sich der Transistor 
auch schon im Halbleiterhimmel, wer weiß. Dieser Transistor mit einem 
Ft=9GHz bricht bei einer Ube = -2,5V durch.

R69 bzw. R8 gehören zum Modell der Spule für die Simulation. Sie sollten 
auf dem Layout nicht vorgesehen werden. Überbrücken ist ok.

Es stellt sich außerdem die Frage, ob die Schaltung möglicherweise doch 
schwingt, jedoch keine Messmittel vorhanden sind, um Schwingungen auf 
einer hohen, parasitären Frequenz nachzuweisen. Für diese Experimente 
kann ohne Probleme ein Transistor wie der BC847 verwendet werden. Damit 
wären Schwingungen im GHz-Bereich ausgeschlossen.
Gast #4402106
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Hallo miteinander,

Es läuft endlich :-)
Schwingt zwar im Bereich von 0 bis etwa 1 Volt, ist für mich aber 
ausreichend. Werde noch nachrechnen müssen, was ich da so alles 
verstellt hab :-)

Danke an alle beteiligten, bin wieder ein Stück schlauer geworden :-)

Grüße Berliner
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Gast #4402196
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Die Hauptursache für das Problem ist deine geringe Schwingkreisimpedanz. 
Von der Ursprungsdatei ausgehend hat dein Schwingkreis grade mal ~50 
Ohm. Eine Impedanz im kOhm-Bereich macht die Schaltung deutlich 
gutmütiger. R3 ist übrigens nicht verkehrt. Wenn der Schwingkreis 
hochohmig genug ist, kannst du damit deinen Transistor lose ankoppeln. 
Wenn du dir mal das Ausgangssignal von deiner Simulation anguckst, wirst 
du sehen dass das alles, aber kein Sinus ist. R3 würde (hochohmiger 
Schwingkreis vorausgesetzt) das beheben.

Über die Ablockung musst du dir erstmal nicht soviele Sorgen machen. 
Klar, ideal ist anders, aber bei dem Frequenzbereich... bis ~30Mhz 
machts das Steckbrett auch noch mit.

Wenn du kannst, nimm einen höheren Frequenzbereich. Dann kannst du mit 
der selben Spule aber kleineren Kondensatoren ein besseres L/C 
Verhältnis wählen. Generell würde ich C3 auch deutlich kleiner als C2 
machen.
Gast #4402988
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berliner schrieb:
> Wie kommst du auf den Wert
> von Rp

Amplitude und Signalform an der realen Schaltung oszillographieren.
Dann in der Schaltung mit LTSpice Rp auf den gleichen Wert bringen.
Schon kennst Du Rp. Ohne RP ist die Amplitude in LTS ja höher.
So habe ich hier die Sendeleistung abgeschätzt:
http://c-quam.blogspot.de/2015/10/c-quam-pruefsender.html
An Verluste durch das Leiterplattenmaterial glaube ich bei der
Frequenz nicht. Aber HF-Abstrahlung gibt es sicherlich.
Ich wüsste nicht, wie man ohne LTS solche Sachen abschätzen sollte.

LG
OXI

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