Forum: Mikrocontroller und Digitale Elektronik Distanzmessung - Genau und temperaturbeständig


von Matthias S. (matthi_as)


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Hallo liebe Community,

ich bin auf der Suche nach einer Methode der Distanzmessung zwischen 
zwei Werkzeugen in einer beheizten Presse. Bei dem Prozess werden 
thermoplastische Faserverbundmaterialien verarbeitet. Ich benötige eine 
Methode, um kontinuierlich die sich verändernde Dicke in der Kavität zu 
messen. Und das möglichst genau.

- Die Presse heizt auf max. 390°C. Die Werkzeuge kommen entsprechend auf 
360°C.
- Der Prozess dauert inklusive Aufheiz- und Abkühlphase ~30 min.
- Die Dicke der zu verarbeitenden Materialien beträgt max. 8 mm (eine 
Genaugikeitsforderung von 100µm sei gewünscht)

Die Genauigkeit ist zwar ein wichtiger Faktor, jedoch möchte ich erstmal 
eine oder mehrere Meinungen einholen, ob bei so einem Prozess eine 
kontinuierliche Distanzmessung möglich ist.

Eine weitere Forderung ist, dass die Distanzmessung eine Art 
Modularanlage darstellen soll, das heißt, es soll in verschiedenen 
Prozessen mit unterschiedlichen Werkzeugen und auch unterschiedlichen 
Pressen eingesetzt werden. Es soll also ein eigenes System darstellen.

Gibt es eine Möglichkeit in irgendeiner Form so eine Distanzmessung bei 
der Temperatur zu realisieren? Das Preislimit liegt bei ca. 1000€.

Ich bedanke mich im Voraus für die Hilfestellungen.

Grüße,
Matthias

von Frank E. (Firma: Q3) (qualidat)


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Um welchen Messbereich geht es? 8mm?
Darf die Messung mit einer Art "Fühler", also mit Berührung einer 
Referenzfläche ablaufen?

Dann würde ich das Prinzip der elektronischen Schiebelehre vorschlagen. 
Wegen des "Fühlers" kann man den Sensor und die Messelektronik ein Stück 
aus dem Temperaturbereich nehmen (falls Platz ist).

von Matthias S. (matthi_as)


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An sowas ähnliches habe ich auch gedacht. Der Messbereich liegt etwa in 
diesem Bereich. Entweder misst man den Abstand der Werkzeuge zueinander 
oder eben die Heizplatten der Presse zueinander.

Wenn ein solches Prinzip verwendet wird, wie genau funktioniert das mit 
dem Platzieren der Messelektronik aus dem Temperaturbereich? Bzw. was 
genau übernimmt der "Fühler"?

von Der Andere (Gast)


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Du hast eine Form mit Ober und Unterteil, und die Presse fährt jetzt die 
beiden zusammen.
Messen willst du jetzt den Abstand zwischen Ober und Unterteil.

Ist das soweit korrekt?

Das bedeutet:
1. die Presse mit beiden Formhälften fährt weit auseinander?
2. Die Form wird mit dem zu pressenden (backenden) Werkstück 
fliessbandmäßig manuell bestückt und das Werkstück dann entnommen?
3. Gibt es eine Seite wo die Messung an die Form geflanscht werden kann?
4. Könnte man die Ober und Unterseite der Rresse selbst als 
Referenzfläche nehmen?


Ich tippe mal Glasmessstab scheidet aus, weil die Form weit 
auseinanderfährt und eine Beschädigung des Massstabs beim Bestücken und 
entnehmen nicht verhindert werden kann.

von Matthias S. (matthi_as)


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Genau, die Presse fährt zusammen. Zwischen den beiden Werkzeugen (Ober- 
und Unterteil) befindet sich der Faserverbund. Messen will ich während 
der Heiz- und Abkühlphase die Dicke des Faserverbunds, also den Abstand 
der Werkzeuge zueinander.

1. Die Presse ist beim Einlegen des Faserverbunds weit auseinander und 
ebenfalls beim Entformen (es ist aber möglich eine Art Montierzeit für 
den Distanzmesser nach Schließen des Werkzeugs einzuplanen)
2. Ja
3. Für Versuchszwecke ist ein Flansch vorhanden. Für spätere Lösungen 
soll ein voll adaptierbares System entwickelt werden
4. Ja könnte man.

von Karl (Gast)


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Frank E. schrieb:
> Darf die Messung mit einer Art "Fühler", also mit Berührung einer
> Referenzfläche ablaufen?

Bei einem mechanischen Fühler könnten die Temperaturen zu einem Problem 
werden. Nach meiner Berechnung dehnt sich eine 10 mm Eisenstange bei 
einer Temperaturänderung um ca. 40 µm, was schon der Hälfte deiner 
gewünschten Genauigkeit entspricht. Entweder müsste man den Fühler also 
vor Wärme schützen oder die Temperatur des Fühlers messen und den Fehler 
rausrechnen. Dazu kommt noch, dass sich auch die elektronisch Bauteile 
bei der Temperatur anders verhalten (Temperaturdrift).

von Frank E. (Firma: Q3) (qualidat)


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Das zugrunde liegende Bauelement bzw. der Sensor nennt sich "linear 
encoder". Die gibts in den verschiedensten Bauformen, z.B. integriert in 
irgendwelche Alu-Profile mit einer Art verschieblichem Schlitten oder 
eben quasi als Dose, aus der ein axial verschieblicher Stab herausragt. 
Dzu benötigt man dann noch ein Interface für die Anzeige oder 
Datenübergabe an einen Computer/PC.

von Georg (Gast)


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Matthias S. schrieb:
> Wenn ein solches Prinzip verwendet wird, wie genau funktioniert das mit
> dem Platzieren der Messelektronik aus dem Temperaturbereich?

Es gibt jede Menge Abstandsfühler für industrielle Zwecke, aber der 
Einsatzbereich geht villeicht bis 100 Grad, in Ausnahmefällen 150 Grad. 
Das muss garantiert sein. Das Messprinzip kann da ganz verschieden sein, 
aber die Geräte enthalten Elektronik, und Kabel führen weg, daher ist 
nicht mehr drin.

Allerdings braucht man bei einer Kostengrenze von 1000 Euro wohl nicht 
weiter über professionelle Lösungen nachdenken.

Es gibt übrigens Sensorelektronik für mehr als 300 Grad, z.B. für 
Bohrköpfe in der Ölindustrie, aber die sind eher teurer als 
Weltraumtechnik.

Georg

von Frank E. (Firma: Q3) (qualidat)


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Alternative: Optische Messung mit einer Kamera, die aus einigen cm 
Entfernung auf gut erkennbare Marken (auf je einer der Formen) sieht. 
"Milchmädchenrechnung:"

- Sichtbereich der Kamera: 2cm
- Horizonzale Auflösung der Kamera 1900 pixel

macht eine theoretische Auflösung im Bild von ca. 1 ym pro Pixel 
Objektverschiebung.

Bei Interesse: PM. Ich liefere Ihnen ein solches System zum selber 
einbauen und kalibrieren auf Basis einer Kamera und zugehöriger 
Software.

von Michael B. (laberkopp)


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Matthias S. schrieb:
> das heißt, es soll in verschiedenen
> Prozessen mit unterschiedlichen Werkzeugen und auch unterschiedlichen
> Pressen eingesetzt werden

Das heisst aber doch auch, daß der Entfernungsmesser nicht IN der 
heissen Form platziert wird, sondern irgendwo ausserhalb fest an der 
Maschine aber getrennt von der Form.

Damit unterliegt er gar nicht mehr den Temperaturanforderungen, 
allerdings kann die Form unterschiedlich dick sein, er müsste also ein 
mal bei leerer Form auf 0 kalibriert werden können.

Wo ein geeigneter Montagepunkt wäre, weisst nur du, fertige Sensoren mit 
den Anforderungen (1cm auf 0.1mm genau) gibt es jedenfalls fertig für 
deutlich unter 1000 EUR.

von Tom (Gast)


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Vielleicht kann man zwei Laser (Sick, Leuze, ...) von soweit entfernt 
auf die Werkzeuge/Heizplatten schielen lassen (evtl. auch irgendwie von 
der Rückseite), dass sie nicht gegrillt werden.

von Matthias S. (matthi_as)


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Die Distanzmessung muss nicht zwangsläufig in der Presse sitzen. Meine 
Befürchtung ist bei Systemen wie den Linear Encodern das vermehrt 
Ungenauigkeiten auftreten, da man über einen längeren Arm eine Fixierung 
am Werkzeug vorsehen müsste.

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