Hallo zusammen,
wie geht ihr in Projekten mit der Diskrepanz "Lagerfähigkeit der
fertigen Komponente" vs. "Einkaufsabschluss" um was die Elkos anbelangt.
Die normalen sind ja nur 2J lagerfähig, ob es für mehr FM "bessere" gäbe
bin ich mir gar nicht mal sicher - die pauschal geforderten 10J
erreichen die aber vermtl auch nicht?
Gruß, Lagerist.
Lagerist schrieb:> die pauschal geforderten 10J erreichen die aber vermtl auch nicht?
Bei Frischobst wirst du damit ähnliche Probleme haben.
10J Lagerfrist kann man fordern - manchmal ist das eben weltfremd.
Hobby oder Unternemen?
Bei Hobby: Ganz entspannt durch die Hose atmen und irgendwann verbauen.
Bei Unternehmen: Projektleiter entlassen und die Teile dennoch verbauen.
Wenn Elkos nur zwei Jahre lagerfähig wären, würden die unter Last noch
weniger vertragen.... Ansonsten mal in ein gutes Buch schauen
(garantiert hunderte Jahre lagerfähig) und weniger ins Netz...
Old-Papa
Hallo Old-Papa,
der Zulieferer (einer der großen) hat uns nach Rückfrage beim Hersteller
der Elkos (Pana) die 2J bestätigt. Gefordert waren wg Ersatzteilhaltung
10J. Man müsse dann eben "mal zwischendruch die Elkos formieren". Völlig
unrealistisch. Welches Buch konkret?
Gruß, Lagerist.
Ich habe gestern mit einer EL12PP Endstufe gespielt (V69a Nachbau mit
EF12K) und einen Elko Frolyt 50µF 500/550V von 1961 verwendet. Ich habe
vorsichtshalber ne 60W Glühlampe dazwischen geschaltet, die hat sich
nicht gezuckt..also Elko richtig angeklemmt und geht.
Gruß,
Holm
Lagerist schrieb:> Hi Holm,>> es geht hier aber nich ums Hobby, da wäre mir das auch völlig schnurz ;)
Die Frage danach hatte ich ja oben gestellt, richtig beantwortet hast Du
die erst jetzt ;-)
Old-Papa
Old P. schrieb:> Wenn Elkos nur zwei Jahre lagerfähig wären, würden die unter Last noch> weniger vertragen....
Nö.
Wenn Spannung anliegt, wächst das Dielektrikum eher noch ein wenig.
Wenn keine Spannung anliegt, löst es sich halt langsam auf.
ABER: Millionen an ausgeschaltet viele Jahrzehnte rumstehende Geräte die
dann trotzdem noch funktionieren zeigen, daß die Mindesthaltbarkeit
nicht ganz so eine harte Grenze ist.
Auch dein Glas Gurken hält oft statt 1 Jahr eben 10 Jahre, 1 Jahr ist
nur die Mindesthaltbarkeit. So ähnlich ist es bei Elkos.
Da allerdings die Elkos Ersatzteile sein sollten, und offenbar nichts
besonderes sind, kann man alle 2 Jahre auch nachkaufen, auch andere
Modelle von einem anderen Hersteller werden tauglich sein. Eigentlich
braucht man solche Teile gar nicht als Ersatzteile einzulagern, die
werden auch in 10 und 20 Jahren handelsüblich sein.
...es geht um fertig produzierte Ersatzteilkomponenten für Produkte. Von
den Komponeneten an sich werden 300k/a verbaut. Ihr seht also, wird
reden hier über Großserie. Und da spielt immer der pfennigfuchsende
Einkauf mit. Fakt ist: Pana garantiert nur 2J (und damit müssen wir
erstmal leben). Die Frage ist, ob "auch andere vor dem Problem" stehen
und wie sie damit umgehen, oder ob es ggf wrkl 10J haltbare Elkos gibt.
@oldpapa: Sry, wenn ich von 10J Lagerfähigkeit und Einkaufsabschluss
rede, dachte ich es wäre klar, dass es nicht um Lochrasteraufbauten geht
;)
Euer Lagerist.
Hier spielen 2 Dinge rein:
Lötbarkeit und Lagerbarkeit. nach 2 Jahren sind die Dinger nicht tot,
aber die (maschinelle) Lötbarkeit der Anschlüsse wird nicht mehr
garantiert. Bei Reparaturen, die per Hand erfolgen, sollte das eher
nebensächlich sein.
Fertiggestellte Geräte und Baugruppen mit Elkos darin kannst du auch 10
Jahre lagern. Wenn es nicht gerade um Spezialbauformen, wie Becherelkos
mit Schraubklemmen geht, wo im Gehäuse eine dafür passende
Befestigungsschelle ist, oder Becherelkos mit Lötpins, wo eben nur das
Original passt, kann man auch einen neuren Elko mit kleineren
Abmessungen verwenden.
Ich habe in meiner Bastelkiste noch ein paar ca. 30 Jahre gut "gereifte"
Frolyt's, die ich auch noch verbaue :-)
"Fertiggestellte Geräte und Baugruppen mit Elkos darin kannst du auch 10
Jahre lagern." - genau DARUM gehts. Aber Panasonic GARANTIERT das NICHT.
Und wenn wir die Dinger dann in den Schredder werfen können, wer
bezahlts? Noch schlimmer wären die G&K wenn es zu Feldproblemen mit den
Ersatzteilen kommt.
Naja...vll diskutieren wir das lieber weiter mit dem Zulieferer, wobei
dessen Position klar ist - er hat zwar die Lastenhefte bei
Vertragsabschluss akzeptiert, aber ihr wisst ja, wie das läuft...
Gruß, Lagerist.
>> http://industrial.panasonic.com/cdbs/www-data/pdf/RDE0000/DME0000COL8.pdf>> Das gilt sowohl für deren "normale" als auch für die "high reliability"> Typen...
Das hindert aber unterschiedliche Hersteller nicht daran zu
verschiedensten Aussagen ueber die Lagerfaehigkeit ihrer Produkte zu
kommen.
Vervielfacht sich der Leckstrom bei Inbetriebnahme z.B. lt Rubycon schon
nach 1000 Std. Lagerzeit, finden sich bei CDM Cornell-Dubilier dazu
Angaben im Zeitbereich von 5-10 Jahren bis das zum Problem wird.
Konkret werden nur Daten zum tatsaechlich verwendeten Teil helfen.
Insofern verfuegbar.
Als Hobby habe ich schon Becherelkos (2*8µF, 450V/550V, rauh) von 1955
verbaut (aus alten Radios ausgeschlachtet). Mit nem Stelltrafo oder ne
Glühbirne als Vorwiderstand ne Weile formatieren und schon waren die wie
neu.
Die Katodenelkos (50µF/10V) in Glasrohr mit Teerpfropfen waren jedoch
ausgetrocknet.
Neuere Geräte mit Tantals, die 10 Jahre rumstanden sind allerdings
eklig, die brennen dann beim Einschalten.
Man sollte die verschiedenen Defektmechanismen betrachten:
* Austrocknung (beschleunigt durch hohe Temperatur)
* verloren Formierung des Dielektrikums, lässt sich durch langsames
Anlegen einer Spannung wieder herstellen
Hier ein paar weiterführende Dokumente:
> When aluminum electrolytic capacitor is stored for a long time without> electric charge, leakage current and ESR may increase and capacitance> may decrease. However such changes are very small after the storage> around two years at room temperature for general capacitors or after> around 6 months for low leakage products, so that it will not be a> practical problem.http://www.rubycon.co.jp/de/products/alumi/pdf/Performances.pdf> Aluminum electrolytic capacitors stored for more than 5 to 10> years may have increased levels of DC leakage current. Check if> DCL meets application requirements before placing in service.> Recondition high DCL units by applying rated voltage through> 1,000 Ω resistor for 30 minutes. [...]http://www.cde.com/resources/catalogs/AEappGUIDE.pdf> Leakage current of a capacitor increases with long storage times. [...]> If used without reconditioning, an abnormally high current will be> required to restore the oxide film. This current surge could cause the> circuit or the capacitor to fail.http://web.archive.org/web/20121003092846/http://www.panasonic.com/industrial/components/pdf/aluminum_app_dne.pdf
MaWin schrieb:> Die Datenblattangaben gelte als konservativ, real ist mit deutlich> längerer Lagerzeit zu rechnen
Einspruch Euer Ehren. Es kommt auch darauf an wooo die Dinger eingebaut
werden und wie sie in Betrieb genommen werden. Bei schlechter
Gerätekonstruktion reichte ein Jahr um z.B. 4,7µF durch steile Impulse
nach langer Lagerung zu killen. LANGSAMES hochfahren der Spannung
vermeidet solche frühen Ausfälle. Daher sollte man bei langer Lagerung
von Baugruppen sachdienliche Inbetriebnahmeprozesse einführen.
Meiner Erfahrung nach gibt es mindestens 3 Fehler:
-Lötprobleme der Anschlüsse nach langer Zeit (Oxydation)
-Austrocknung durch Undichtheit (selten)
-Impulsprobleme / ESR (Spannung gemächlich hochfahren)
Holm T. schrieb:> Frolyt 50µF 500/550V von 1961 verwendet
Habe ich auch schon. Er ist nach 4 Wochen explodiert und hat das ganze
Chassis mit Konfetti versaut. Es kann ein Einzelfall gewesen sein, kam
aber vor.
oszi40 schrieb:> Einspruch Euer Ehren. Es kommt auch darauf an wooo die Dinger eingebaut> werden und wie sie in Betrieb genommen werden. Bei schlechter> Gerätekonstruktion reichte ein Jahr um z.B. 4,7µF durch steile Impulse> nach langer Lagerung zu killen
Kindchen, es geht hier um die Lagerung ohne angelegte Spannung,
und die Begründung steht in verlinken Dokument, bei dem du offenbar zu
faul warst es überhaupt zu lesen.
MaWin schrieb:> es geht hier um die Lagerung ohne angelegte Spannung,
Sollen diese 100 000 Elkos des Lageristen nur zur Ansicht sein? Bisher
hatte ich den Einduck, daß 100000 Leiterplatten damit voll bestückt im
Regal lagern sollen bis ein Kunde in 10 Jahren eine braucht. Dann wird
ein vergilbtes Datenblatt wenig helfen.
Hallo Mawin,
Danke für den Tip, lese ich mir mal durch. Lagerbedingung würde
eingehalten. Es geht nicht unbedingt darum 100k einzulagern (Vll 10k),
aber wenn man in 10J eine davon braucht, dann ist ein
"Inbetriebnahmeprozess" a la Formierung nicht durchführbar. Das muss
zack zack gehen.
Lagerist.
Alexander S. schrieb:> * verloren Formierung des Dielektrikums, lässt sich durch langsames> Anlegen einer Spannung wieder herstellen
Wie legt man eine Spannung langsam an?
Wie wäre es statt mit "langsam" mit einer Strombegrenzung, z.B. durch
einen genügend großen Vorwiderstand?
@ W.A. (Gast)
>> * verloren Formierung des Dielektrikums, lässt sich durch langsames>> Anlegen einer Spannung wieder herstellen>Wie legt man eine Spannung langsam an?
Indem man die Spannung langsam erhöht?
>Wie wäre es statt mit "langsam" mit einer Strombegrenzung, z.B. durch>einen genügend großen Vorwiderstand?
Das ist ähnlich aber nicht das Gleiche.
Lagerist schrieb:> aber wenn man in 10J eine davon braucht, dann ist ein> "Inbetriebnahmeprozess" a la Formierung nicht durchführbar. Das muss> zack zack gehen.
Wenn das wirklich gar nicht geht, dann musst Du das halt vorher machen.
Also alle 2 Jahre alle gelagerten Teile rausnehmen, formieren,
vielleicht ein kurzer, automatisierter Test, dann wieder einlagern.
Dann kannst Du sie immer direkt aus dem Lager nehmen und zack zack an
den Kunden schicken.
Nachdem irgendwann einmal ein Lötproblem mit einem lange gelagerten
bedrahteten Bauteil aufgetreten ist :
- kommt bei uns das Zeug nach (mir unbekannten) Lagerfristenin die
Tonne.
- habe ich nun einen 25-Jahres Vorrat an Elkos und Folienkondensatoren,
der auch Freunde und Kollegen beglückt ;)
- Erfahrungen zur Langzeitlagerung von Baugruppen würden mich aber auch
interessieren.
Anmerkung :
In Hannover baut doch Daimler mit Enercity (EVU) zur Pflege seiner
Ersatz- Elektrofahrzeugbatterien einen Netzgekoppelten Energiespeicher.
Um Spitzenlast (Ökostrom ?) zu puffern und gleichzeitig die Batterien
fit zu halten. Die müssen wohl alle 1-2 Jahre Geladen und Entladen
werden, obwohl es keine Bleiakkus sind.
Bei uns in der Firma werden FUs und andere Geräte gelagert und bei
Bedarf ausgefasst un eingebaut. Bei den Simodrive-Gerätschaften steht
zwar auch was von wegen Formieren nach 2 Jahren dran aber das macht
keiner. Auf das Alter, wenn die Gerätschaften ans Lager kommen achtet
auch niemand...
Die Garantie ist bei Entnahme eh schon meist vorüber und die Lageristen
achten doch nicht darauf was im Datenblatt oder Handbuch eines jeden
Gerätes steht.
oszi40 schrieb:
[..]
> Holm T. schrieb:>> Frolyt 50µF 500/550V von 1961 verwendet>> Habe ich auch schon. Er ist nach 4 Wochen explodiert und hat das ganze> Chassis mit Konfetti versaut. Es kann ein Einzelfall gewesen sein, kam> aber vor.
Nein, das ist bei Dir eher kein Einzelfall, aber ein Lügenfall.
Das Ding ist ein Schraubelko mit üblichem
Gummipfropfen-Sicherheitsventil, das Du den zum Explodieren bringst will
ich sehen, wenn der verreckt wird der maximal warm. Es gab zu der Zeit
auch keine anderen Bauformen mit dieser Kapazität und dieser
Spannugnsfestigkeit, Dein ahrscheinlich kommendes Argument "es handelte
sich um eine axiale Ausführung ohne Sicherheitsventil" zieht deshalb
auch nicht.
Zur Lagerfähigkeit:
Ich hatte mal mit einem Recycler zu tun der Material offensichtlich bei
der Vebeg eingekauft hat, es kamen riesige Holzkisten als
Überraschungspaket.
Darin waren unterschiedlichste elektronische Bauteile auch gelbe Ero und
Röderstein Elkos, allerdings zigfach verpackt und mit NSN Nummer auf der
Verpackung.
manchmal nur ein Bauelement war in Seidenpapier eingewickelt, das dann
in PE Folie verschweißt und das Ganze dann noch in einer Tüte aus
Pappe/ALu und PE, auch wieder verschweißt. Die Kodnensatoren waren auch
manchmal über 30 Jahre alt...
Später kaufte dann bei mir im Webshop eine
Luftwaffeninstandsetzungsgruppe in $irgendwo Relais aus diesem Posten
ein, Hintergrund: Die Radargeräte sollten verschrottet werden, aber es
waren keine Mittel für Neue da, also wurden die weiter betrieben und
mußten auch gewartet werden.
Da die Planung aber die Verschrottung vorsah,wurden die Ersatzteillager
geräumt und deren Bestand verschrottet. Hmm.. die spinnen die Römer.
Das Zeuch ist also nicht im Schrott gelandet weil es vielleicht
überlagert war, sondern weil es auf Grund der vorgesehenen Verschrottung
der Anlagen
nicht mehr benötigt wurde.
Gruß,
Holm