Hallo,
wenn ich die Spannung eines Thermoelements messe, wie kann ich aus der
gemessenen Temperatur der Coldjunction einen Spannungsert errechnen um
den raus zu rechnen?
Ich hab schon einige Dokumente gelesen, aberich hab ja am Stecker eine
"mir unbekannte" Junction/Metallpaarung, bzw. woher bekomme ich die
Daten/Formeln dafür? Die "fertigen IC's" können ja nicht eine
Temperaturreihe messen, müssen also von einer bestimmten
Junction/Metallpaarung an der "Coldjunction" ausgehen. Aber welche ist
das?
Vielen Dank,
Grüße
Sebastian
Sebastian schrieb:> Hallo,>> wenn ich die Spannung eines Thermoelements messe, wie kann ich aus der> gemessenen Temperatur der Coldjunction einen Spannungsert errechnen um> den raus zu rechnen?>> Ich hab schon einige Dokumente gelesen, aberich hab ja am Stecker eine> "mir unbekannte" Junction/Metallpaarung, bzw. woher bekomme ich die> Daten/Formeln dafür? Die "fertigen IC's" können ja nicht eine> Temperaturreihe messen, müssen also von einer bestimmten> Junction/Metallpaarung an der "Coldjunction" ausgehen. Aber welche ist> das?
Die Thermospannung entsteht entlang eines Leiters. Ein Thermoelement
macht sich zunutze, dass unterschiedliche Legierungen unterschiedliche
Spannungen generieren und deshalb eine messbare Differenz übrig bleibt.
Zu der Zeichnung:
Angenommen wird wie üblich, dass T1 = T2 und T3 = T4 d.h. die vom
Stecker bis zum ADC auftretenden Thermospannungen heben sich auf.
Übrig bleibt V1 - V2, die der Temperaturdifferenz Hot - Cold entspricht.
Zur Berechnung der absoluten Temperatur Hot:
- Messen der Temperatur Tcold = T1 = T2
- Berechnen der Thermospannung Vcold(Tcold, Typ des Thermoelements)
- Zusammenrechnen: Vthermo = (V1 - V2) + Vcold
- Umrechnen von Vthermo in die Temperatur Thot = Temp(Vthermo, Typ des
TCs)
Koeffizienten und inv. Koeffizienten für die Berechnung der Polynome
z.B.:
http://srdata.nist.gov/its90/menu/menu.html
Hallo,
wie berechnet man die 40uV/K, bzw. welcher Mateialpaarung ensprechen
die? Ich denke die ColdJunction ist nichtlinear wie beim Thermoelement?
Oder entspricht die Coldjunction-Compenastion des K-Type Thermocouples
genau dem K-Type Thermocouple selbst und es wird nur zur Vereinfachung
der lineare Wert von 40uV/K verwendet? Dann könnte man die von der
NIST(amerikanische Standardisierung) angegebene Rückrechnung anwenden?
Vielen Dank,
Grüße
Sebastian
Zum Typ K (Chromel/Alumel) , welches 40uV/K macht.
die Koeffizienten sind, fuer Temperature kleiner Null,
c1 = 0.394501280250 x10-1
c2 = 0.236223735980 x10-4
c3 = -0.328589067840 x10-6
Dabei ist zu bemerken, dass der quadratische Term noch 1/1000 des
linearen ist. Dh fuer Standardanwendungen mit kleinen Anspruechen
vernachlaessigbar. Falls nicht, waere interessant wie der
Temperaturkompensator das macht. Ich wuerd allerdings eher den
Kompensator weglassen, und mit einem Controller rechnen.
Hallo Schokogusstroll,
das past aber nicht mit dem was z.B. der Max31855 macht:
COLD-JUNCTION SENSITIVITY (μV/°C)(0NC TO +70NC) = 40.73
Das enspricht genau dem linearisierten Wert des K-Type Thermocouple im
positiven Bereich.
Grüße
Sebastian
P.S.
Wenn die Implementierung MAX31855 richtig ist muss man die Spannung die
durch die "Coldjunction" entsteht von der Spannung der Hotjunction
subtrahieren. Die Eigenschaften der Hitjunction und Coldjunction sind
demnach identisch.
Ist das so?
Sebastian schrieb:> Wenn die Implementierung MAX31855 richtig ist muss man die Spannung die> durch die "Coldjunction" entsteht von der Spannung der Hotjunction> subtrahieren.
Nein.
Die Polynome zum Berechnen der Temperatur an der Hotjunction sind auf
0°C Kaltstelle referenziert.
Ist die Kaltstelle wärmer, ist die Spannung, die das Thermoelement
liefert, geringer und dementsprechend muss diese Differenz addiert
werden, um die Temperatur an der Hotjunction berechnen zu können.
Vthermo = V(Thot - Tcold)
ist Tcold = 0 °C könnte direkt in den Tabellen nachgesehen werden
welcher Temperatur Thot diese Spannung entspricht.
Ist Tcold != 0 °C muss die Differenz V(Tcold - 0°C) addiert werden.
Es werden immer die Spannungen addiert und danach erst in die Temperatur
umgerechnet.
Würde zuerst V(Thot - Tcold) in eine Temperatur umgerechnet und dann die
Temperatur der Kaltstelle einfach addiert, gäbe es deutliche Fehler.
"It then measures the voltage from the thermocouple’s output at the
reference junction and converts this to the noncompensated thermocouple
temperature value. This value is then added to the device’s die
temperature to calculate the thermocouple’s “hot junction” temperature"
(MAX31855) ist, wenn es tatsächlich so gemacht wird, falsch.
Hallo,
ja, Vthermo = V(Thot) - V(Tcold).
Also liefert die Coldjunction die eine Spannung die auch die Hotjunction
liefern würde.
Z.B.
Hotjunction@500°C = 20.644mV
Coldjunction@20°C = 0.798mV
Daraus folgt, am MAX31855 liegen 21.442mV an, gemessen werden 1,596mV
und 20°C. Vom Messwert 21.442mV werden dann 0.798mV subtrahiert die aus
den gemessenen 20°C der Coldjuction durch den MAX31855 bestimmt wurden.
Ergibt 20.644mV was dann in die 500°C umgerechnet wird. Oder?
Vielen Dank,
Grüße
Sebastian
Das Beispiel von oben etwas konkreter:
Typ K Element:
KP = Chromel (90% Nickel, 10% Chrom)
KN = Alumel (98% Nickel, 2% Aluminium)
Seebeck-Koeffizienten bei 0 °C
Chromel: 21.7 uV/°C
Alumel: -17.3 uV/°C
Kupfer: 6.5 uV/°C
Hallo,
woher hattest Du die Werte?
Chromel: 21.7 uV/°C
Alumel: -17.3 uV/°C
Kupfer: 6.5 uV/°C
Wikipedia, oder kann ich die auch bei dem NIST finden?
In der Tabelle des NIST stehen 500°C = 20,664uV , das bedeutet die Werte
sind nicht nur die Hotjunction sondern beinhalten eine Coldjunction bei
20°C?
Vielen Dank,
Grüße
Sebastian
Sebastian schrieb:> Hallo,>> woher hattest Du die Werte?>> Chromel: 21.7 uV/°C> Alumel: -17.3 uV/°C> Kupfer: 6.5 uV/°C
Z.B.
http://www.sft.asso.fr/Local/sft/dir/user-3775/documents/actes/Metti5_School/Lectures&Tutorials-Presentations/Presentation-L5A-Lanzetta&Garnier.pdf
Ansonsten sind die Daten im/wohl aus dem
Handbook of Temperature Measurement Vol. 3: The Theory and Practice of
Thermoelectric Thermometry, Bentley, 1998
> In der Tabelle des NIST stehen 500°C = 20,664uV , das bedeutet die Werte> sind nicht nur die Hotjunction sondern beinhalten eine Coldjunction bei> 20°C?
Nein. Die Werte in den Tabellen des NIST oder der DIN sind bezogen auf
eine Kaltstelle von exakt 0 °C.
Wenn also beim Typ K Thot = 500 °C und Tcold = 0 °C dann sind 20.644 mV
messbar.
Ist die Kaltstelle jetzt bspw. 20 °C, dann erzeugt das Thermoelement
nicht 19.792 mV entsprechend (500 °C - 20 °C) = 480 °C, sondern 19.846
mV und es müssten die 0.798 mV (20 °C) der Kaltstelle addiert werden.
Gerechnet würde:
Seebeck-Koeffizient:
umgestellt:
Entlang des Leiters ergibt sich dann mit
cu = Kupfer, KP = Chromel, KN = Alumel
das Integral
Der erste und letzte Term fallen weg (Integrationsgrenzen vertauschen,
identisches Material, Kupfer) und die KP und KN können zusammengefasst
werden
Nur wenn der Seebeck-Koeffizient nicht von der Temperatur abhängig,
sondern konstant wäre, könnte gerechnet werden
Hallo,
vielen Dank für die ausführliche Erklärung und die Dokumenten-Links.
Faktisch fällt die Coldjunction weg weil die Differentiale sich
aufheben, aber man bekommt nur die Spannung der Temperaturdifferenz von
der Coldjunction zu Hotjunction, in dem Beispiel 500°C-20°C = 480°C.
Also muss man die Spannung der 20°C dazu addieren um von der relativen
Termospannung, zur absoluten Thermospannung zu kommen.
Vielen Vielen Dank an alle die geholfen haben.
Grüße
Sebastian