[Verständnisfrage] Macht es einem Elektromotor etwas aus, wenn man ihn "per Hand" dreht?

Gast #4514722
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Hallo! :-) Nachdem ihr mir bei meiner letzten Frage so toll helfen 
konntet, jetzt die Anschlussfrage: macht es dem Elektromotor denn etwas 
aus, wenn man ihn per Hand dreht? Geht er davon kaputt?

Ich würde sagen: Nein, das macht ihm nichts aus. Damit wir vom gleichen 
Beispiel sprechen, hab ich mir mal folgende Situation überlegt:

 * Ein Elektromotor wird über eine Batterie betrieben.
 * Er ist mit einer Trommel verbunden, welche eine Schnur aufwickelt.
 * Die Schnur wird umgelenkt und befördert eine Last nach oben.

Soweit noch kein Problem. Dann aber:

 * Anschluss zur Batterie wird am Motor getrennt.
 * Schwerkraft beschleunigt die Last.
 * Die Schnur wickelt sich wieder ab.
 * Der Motor wird in entgegengesetzter Richtung gedreht.

Dann beginnt das Spiel wieder von vorne. Hier meine amateurhafte Skizze: 
http://i.imgur.com/GEdYJwM.png

Bin gespannt auf eure Gedanken dazu. Und schon mal vielen Dank im 
Voraus! :-)
#4514743
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Tina schrieb:
> Nein, das macht ihm nichts aus.

Dem Motor macht es nichts aus. Die Spannung steigt zwar mit der 
Drehzahl, aber eine Drehzahl die die Isolierung der Drähte durchschlagen 
lässt würde vorher wohl den Motor wegen Zentrifugalkraft zerlegen.

Aber eventuell macht die generierte Spannung der angeschlossenen 
Elektronik was aus, weil die Ströme ja durchaus erheblich sein können 
und wenn der Motortreiber abgeschaltet ist, sammelt sich die Energie im 
Siebkondensator, dessen Spannung steigt und steigt ggf. über die 
Spannung die die Elektronikbauteile aufhalten.

Also Elektronik abklemmen, dann läuft der Motor ungebremst.
Gast #4514777
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Hey, super! :-) Vielen Dank für eure Antworten.

Joey5337 schrieb:
> Mit einer Z-Diode könnte man sogar versuchen, die Fallgeschwindigkeit
> des Gewichts zu begrenzen.

Hast du dazu ein Beispiel? Hätte jetzt eher gesagt, dass das einfach mit 
einem Widerstand geht. Das wäre dann eine elektrische Last und der Motor 
lässt sich durch die Schnur nur langsamer drehen.

Michael B. schrieb:
> Aber eventuell macht die generierte Spannung der angeschlossenen
> Elektronik was aus, weil die Ströme ja durchaus erheblich sein können
> und wenn der Motortreiber abgeschaltet ist, sammelt sich die Energie im
> Siebkondensator, dessen Spannung steigt und steigt ggf. über die
> Spannung die die Elektronikbauteile aufhalten.

Wäre sowas http://i.imgur.com/jXJlI8qg.jpg denn nicht eine relativ 
einfache Steuerung, die das von dir angesprochene Problem durch die 
Freilaufdiode löst?

Jens G. schrieb:
> Würde ein Motor dabei kaputt gehen, dann müsste er ja schon bei
> jedem Abschalten des Motors kaputt gehen, denn während er
> ausdrudelt, hat man ja genau dieselbe Situation.

Huch, trudelt der Motor denn nicht in der Richtung aus, in welcher man 
ihn auch betrieben hat?
(Firma: Funkenflug Industries) #4514800
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> Mit einer Z-Diode könnte man sogar versuchen, die
> Fallgeschwindigkeit des Gewichts zu begrenzen.
... und die Z-Diode zu verdampfen.

> macht es dem Elektromotor denn etwas aus, wenn man ihn per Hand dreht?
Die Lager verschleißen und wenn Du Dir richtig Mühe gibst zerlegt sich 
der Rotor bei einer ordentlichen Überdrehzahl.
#4514897
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Tina schrieb:
> Wäre sowas http://i.imgur.com/jXJlI8qg.jpg denn nicht eine relativ
> einfache Steuerung, die das von dir angesprochene Problem durch die
> Freilaufdiode löst?

Die Freilaufdiode sollte man immer am Störungsverursacher, hier der 
Motor, direkt anschliessen. Eine zusätzliche Diode am Schaltelement 
schadet natürlich auch nicht.

Der Generatoreffekt eines Gleichstrommotors hängt stark vom Wirkungsgrad 
des Motors ab. Der elektromagnetische Kreis sollte eine hohe Güte haben. 
Wenn Du einen Motor mit der Hand drehst, dann sollte die Bewegung durch 
die magnetischen Pole deutlich spürbar sein. Bei Spielzeugmotoren wirst 
Du diesen Effekt kaum spüren.

Tina schrieb:
> Huch, trudelt der Motor denn nicht in der Richtung aus, in welcher man
> ihn auch betrieben hat?

Ja. Es ist sogar so, dass der Strom durch den Motor nach dem Ausschalten 
weiterfließen will und zwar mit gleicher Stärke. Da jetzt aber das 
Schaltelement den Widerstand von durchgeschaltet (quasi 0 Ohm) auf offen 
(sehr hoher Widerstand) ändert, gilt hier auch da ohmsche Gesetz.

  0 Ohm x 1 A =   0 V
  1 Ohm x 1 A =   1 V
 10 Ohm x 1 A =  10 V
100 Ohm x 1 A = 100 V

Spätestens jetzt wäre der Transistor oder MOSFet durchgebrochen.
Der Motor ist durch seine Bewegungsenergie zum Generator geworden. Eine 
Freilaufdiode am Motor schließt den Generatorstrom kurz.

Wenn der Generatoreffekt gut ist, wird der Motor durch die 
Freilaufdiode, den Kurzschlußstrom, sogar mehr oder minder gebremst.
mfg klaus
Gast #4515066
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Tina schrieb:
> Anschluss zur Batterie wird am Motor getrennt.
>  * Schwerkraft beschleunigt die Last.
>  * Die Schnur wickelt sich wieder ab.
Wie schwer ist die Last, wie hoch haengt sie. Falls Verletzungsgefahr 
besteht ist das schon ein Problem. Ueblicherweise durch eine Bremse die 
bei Stromlosigkeit ausloest geloest.
#4515133
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Tina schrieb:
> Hier sollte die Diode jetzt korrekt als Freilaufdiode positioniert sein,
> richtig?

Ja.

> Ist der 1 µF Keramikkondensator hier der von euch erwähnte
> Siebkondensator/Glättungskondensator?

Nein, das ist ein viel zu grosser (vom Kapazitätswert her) 
Funkentstörkondenstaor, nimm 47nF, das passt besser.

Der Siebelko der 5V Rail sitzt auf der Arduino-Platine.
Gast #4515174
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Michael B. schrieb:
> Nein, das ist ein viel zu grosser (vom Kapazitätswert her)
> Funkentstörkondenstaor, nimm 47nF, das passt besser.

Ah, das macht natürlich Sinn. Wegen den Funken vom Kontakt zwischen 
Spule und Graphitbürsten, richtig? Danke für die Hilfe! :-) Wie bemisst 
du die 47 nF statt der 1 µF? Ich denke mal, je größer die 
Betriebsspannung für den Motor, desto größer die Funken?

Michael B. schrieb:
> Der Siebelko der 5V Rail sitzt auf der Arduino-Platine.

Ich hab noch nicht ganz verstanden, was der 
Glättungskondensator/Siebkondensator macht. Aber wenn du sagst, dass er 
bei einem Arduino schon auf der Platine sitzt, dann sollte ihn eine 
eventuell vom Motor (dann als Generator) erzeugte Spannung beim Drehen 
durch das sich abwickelnde Seil gar nicht erreichen, weil er hinter dem 
Transistor sitzt, oder?
#4515189
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Tina schrieb:
> Wie bemisst du die 47 nF statt der 1 µF?

Maximaler Strom. Dier 1uF würde platzen durch den ständigen Umladestrom.
Richtige Motorentstörung verwendet auch noch Drosseln und kontaktiert 
das Metallgehäuse:
1
                 +--47uH--+---+---+
2
                 |        |   |   |
3
                 |        | 47nF  |
4
 ----------------+        |   |   |
5
verdrillte Zuleitung    47nF  +--(M)
6
 ----------------+        |   |   |
7
                 |        | 47nF  |
8
                 |        |   |   |
9
                 +--47uH--+---+---+

> Ich hab noch nicht ganz verstanden, was der
> Glättungskondensator/Siebkondensator macht.

Er wird aufgeladen und die Spannung steigt.

> Aber wenn du sagst, dass er bei einem Arduino schon auf der
> Platine sitzt, dann sollte ihn eine eventuell vom Motor
> (dann als Generator) erzeugte Spannung beim Drehen
> durch das sich abwickelnde Seil gar nicht erreichen,
> weil er hinter dem Transistor sitzt, oder?

Wenn VCC nicht das VCC des Arduino ist, dann nicht,
sonst schon.
Gast #4515226
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Uff, jetzt wird's doch wieder ziemlich schwierig für mich. Ich versuch 
mitzukommen.

Michael B. schrieb:
> Dier 1uF würde platzen durch den ständigen Umladestrom.

Lässt sich das schnell erklären? Größere Kapazität bedeutet mehr Ladung 
bedeutet größerer Strom bedeutet größere Materialbelastung?

Michael B. schrieb:
> Richtige Motorentstörung verwendet auch noch Drosseln und kontaktiert
> das Metallgehäuse

Ab wann ist sowas notwendig? Auch schon auf meinem Projektniveau?

Michael B. schrieb:
> Wenn VCC nicht das VCC des Arduino ist, dann nicht,
> sonst schon.

Die Basis des Transistors ist verbunden mit dem Arduino-Pin. Der Motor 
wird betrieben von einer Batterie. Dann kommt doch nichts durch den 
Transistor bis zum Arduino, oder?
#4515308
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Tina schrieb:
> bedeutet größerer Strom bedeutet größere Materialbelastung?

Sicher.

> Ab wann ist sowas notwendig?

Wenn der Motor in Betrieb deine Schaltung oder die Umwelt stört.

> Die Basis des Transistors ist verbunden mit dem Arduino-Pin. Der Motor
> wird betrieben von einer Batterie.

Masse (Minuspol) der Batterie ist hoffentlich verbunden mit Masse (GND) 
des Arduino.

> Dann kommt doch nichts durch den Transistor bis zum Arduino, oder?

Offenbar nicht.
Gast #4516360
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blubbi schrieb:
> http://i.imgur.com/jXJlI8qg.jpg
> und
> https://i.imgur.com/yzT3yxD.jpg
>
> sind doch identisch verschaltet was die Freilaufdiode betrifft?!
> Oder habe ich Tomaten auf den Augen...

Ja, ich glaube leider schon. Ist mir bei "Übersetzen" des Steckplans in 
einen Schaltplan aufgefallen. (Siehe Anhang.) Ich hab wirklich nicht 
damit gerechnet, dass in den Schaltplänen von Online-Tutorials so viele 
Fehler sind... Ist es denn ein Fehler? Oder was macht die Diode da?

Michael B. schrieb:
> Tina schrieb:
>> Hier sollte die Diode jetzt korrekt als Freilaufdiode positioniert sein,
>> richtig?
>
> Ja.

Bin ja einfach nur froh, dass ich nicht alleine war! :-P
Angehängte Dateien:
#4516470
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blubbi schrieb:
> sind doch identisch verschaltet was die Freilaufdiode betrifft?!
> Oder habe ich Tomaten auf den Augen...

In beiden Schaltungen ist eine Diode an derselben falschen Stelle und 
wirkt nicht als Freilaufdiode.

Tina schrieb:
> Fehler.png

Jupp, völlig falsch. Jedes Einschalten des Transistor gibt einen 
ordentlichen Kurzschluss auf den entladenen Kondensator, und die Diode 
ist keine Freilaufiode.
Gast #4516959
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> Die Freilaufdiode sollte man immer am Störungsverursacher,
> hier der Motor, direkt anschliessen.
Einspruch: der Störungsverursacher ist das Schaltelement.
Das Trio Transistor, Diode und 9V-Abblockkondensator sollen so eng wie 
möglich beieinander sitzen. Sonst wird die Leitung zur Antenne und am 
Transistor treten große Spikes auf. Hatten wir schon x mal.

1µF-Kondensator parallel zum Motor ist nicht gut.
1N4004-Diode parallel zum Transistor schadet zwar nicht, bringt aber 
auch so gut wie nichts.
Die Diode gehört antiparallel zum Motor, aber nicht am Motor montiert, 
sondern am Transistor (räumlich). Am Motor würde ich maximal einen 
kleinen Snubber und HF-Perlen (Entstördrosseln) anbringen.
#4517082
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Jens G. schrieb:
>>Huch, trudelt der Motor denn nicht in der Richtung aus, in welcher man
>>ihn auch betrieben hat?
>
> Ja und? Was soll denn da anders sein? Er läuft auch da ohne el. Antrieb
> durch seine eigene Trägheit (ob ihn die Trägheit, oder meine Hand
> antreibt, ist doch egal).

Allerdings ist bei Tina die Sache anders:

Tina schrieb:
> * Ein Elektromotor wird über eine Batterie betrieben.
>  * Er ist mit einer Trommel verbunden, welche eine Schnur aufwickelt.
>  * Die Schnur wird umgelenkt und befördert eine Last nach oben.
>
> Soweit noch kein Problem. Dann aber:
>
>  * Anschluss zur Batterie wird am Motor getrennt.
>  * Schwerkraft beschleunigt die Last.
>  * Die Schnur wickelt sich wieder ab.
>  * Der Motor wird in entgegengesetzter Richtung gedreht.
                       ^^^^^^^^^^^^^^^^^^^^^^^^^^
Dabei kehrt sich die Motorspannung um, und das ist bei der Ansteuerung 
zu berücksichtigen. Die normale Freilaufdiode hilft hier nicht.

Gruß Dietrich

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