Forum: Offtopic Probemassen im "Microscope" Experiment


von Johann L. (gjlayde) Benutzerseite


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Binnen der nächsten Wochen beginnt die heiße Phase von "Microscope" 
(Micro-Satellite à traînée Compensée pour l'Observation du Principe 
d'Equivalence).

Das Experiment wird im Erdorbit durchgeführt und soll das 
Äquivalenzprinzip mit bislang nicht erreichter Genauigkeit untersuchen.

https://fr.wikipedia.org/wiki/Microscope_%28satellite%29

Dazu dienen 4 Massen:  Zwei gleiche Massen aus Platin (je 0.5 kg) welche 
zur Abschätzung der erreichten Genauigkeit dienen werden, sowie zwei 
Massen des eigentlichen Experiments: eine aus Titan (0.3 kg) und eine 
aus Platin (1.4 kg).

https://microscope.cnes.fr/en/MICROSCOPE/t-sage.htm

Dieser Beitrag ist kein erschöpfender Beitrag zu "Microscope"; er soll 
lediglich klarstellen, dass die beiden Testmassen unterschiedliche Masse 
haben — in einem anderen Thread dieses Forums wird behauptet, die Massen 
seien gleich.

Weil die anderen angesprochenen Threads durchweg ein akzeptables 
technisches Niveau sowie ein Mindestmaß an Diskussionskultur vermissen 
lassen, möchte ich nicht zu diesen anderen Threads beitragen.  Daher 
habe die entsprechende Information hier verfügbar gemacht.

von Gu. F. (mitleser)


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Ähmmm,
bevor die Probemassen nach dem Experiment weggeschmissen werden, würde 
ich mich opfern ....

von Johannes O. (jojo_2)


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Interessant! Danke für die Links!

Die unterschiedlichen Massen könnten(!) damit zusammenhängen, dass die 
Dichte von Platin etwa die fünffache Dichte von Titan ist: 21,45 g/cm³ 
gegenüber 4,50 g/cm³
Damit würde man hernach auf grob das gleiche Volumen kommen.

Andere Ideen dazu? Auf den Seiten konnte ich auf die schnelle nichts 
dazu finden.

von Johann L. (gjlayde) Benutzerseite


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Das System besteht aus 2 SUs (Sensor Units).  Jede SU enthält 2 
konzentrische Zylinder, deren Schwerpunkte zusammenfallen.

Der 2 inneren Zylinder bestehen aus PtRh10 (90% Platin, 10% Rhodium). 
Ein äußerer Zylinder besteht aus PtRh10, der andere aus TA6V (90% Titan, 
6% Aluminium, 4% Vanadium) [2, pp. 4].

Eine vereinfachte Skizze, welche die Hauptkomponenten des physikalischen 
Teils der SUs zeigt, findet sich in [3, pp. 8].

Einen recht guten Überblick über die Funktionsweise gibt auch [4].  Dort 
sind Massen von 1.6 kg PtRh bzw. 0.47 kg PtRh angegeben.

[1] Eine Präsentation von Bergé:
https://indico.cern.ch/event/336103/contributions/786950/attachments/1206344/1758031/jberge_texas15.pdf

[2] Übersichtsartikel zum Projektstatus auf arXiv
http://arxiv.org/pdf/1501.01644.pdf

[3] http://sci2.esa.int/Microscope/microscope-ao_final.pdf

[4] Earth Obsevation: MicroSCOPE:
https://directory.eoportal.org/web/eoportal/satellite-missions/m/microscope

von Joe G. (feinmechaniker) Benutzerseite


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Vielen Dank für die Links!

Interessant ist der Vergleich, was 10E-15 wirklich bedeutet. 
Hingeschrieben ist die Zahl sehr schnell. Doch diese Massendifferenz 
tatsächlich zu messen ist schon eine Meisterleistung.

von Johann L. (gjlayde) Benutzerseite


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Joe G. schrieb:
> Doch diese Massendifferenz tatsächlich zu messen ist schon
> eine Meisterleistung.

Es geht nicht darum, die Massen(differenz) der Probemassen zu 
bestimmen!

Die Ausrichtung / Lage der Massen werden ständig über kapazitive 
Lagesensoren gemessen und durch elektrostatische Aktuatoren so geregelt, 
dass sie sich relativ zum Satellit nicht ändern.

Indem die zur Ausregelung erforderlichen Kräfte über längere Zeit 
beobachtet werden, kann ein Unterschied im Fall der beiden Massen 
gemessen werden.

Gleichzeitig dienen die Beobachtungsdaten dazu, den Satalliten so zu 
steuern, dass er sich möglichst im freien Fall befindet, was über µN 
Triebwerke erreicht wird.  Auf den Satelliten wirken unterschiedliche 
Kräfte, z.B. durch Magnetfelder, Strahlungsdruck (Sonnenwind, etc.), 
Bremsung durch Restatmosphäre im Orbit (≈720km) die auszugleichen sind.
 
1
In the MicroSCOPE experiment, the Earth is the gravitational source
2
about which free fall motion of two masses, composed of different materials,
3
is observed and controlled taking care that both masses are submitted exactly
4
to the same gravitational field. The controlled electrostatic field, added
5
to break the experimentation symmetry by forcing the masses to remain on
6
the same orbit is accurately measured: a defect of symmetry gives rise to
7
evidence of an EP violation.
8
9
Due to the noise level of the best current ultra-precise accelerometers
10
(1e-12 m/s²/√Hz), the aimed accuracy of the test can only be achieved by
11
filtering the signal over a long period of time Ti. Typically there will
12
be two modes:
13
• Inertial mode: Ti = 120 orbits; f_ep ≈ 1e-4 Hz
14
• Rotating mode: Ti =  20 orbits; f_ep ≈ 1e-3 Hz

Um das Nutzsignal zu isolieren, braucht man also Teufelszeug wie 
Fourier-Analyse.

Außerden sind die Massen nicht nur so konstruiert, dass ihre 
Schwerpunkte übereinstimmen, sondern ihre Formgebung ist auch so 
gewählt, dass der Gradient des Schwerefeldes einen möglichst kleinen 
Einfluss hat:  Die Massen sind ja keine Punktmassen sondern ausgedehnt, 
d.h. der Gradient des Schwerfeldes kommt auch ins Spiel.

Gu. F. schrieb:
> bevor die Probemassen nach dem Experiment weggeschmissen werden,
> würde ich mich opfern ...

Nach Projektende werden die Probemassen an Selbstabholer versteigert.

von J.-u. G. (juwe)


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Johann L. schrieb:
> Nach Projektende werden die Probemassen an Selbstabholer versteigert.
Geeignete Vehikel dafür werden ja auch in Kürze verfügbar sein:
http://www.universaltransportsystems.com/about-uts/

von N. N. (clancy688)


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Johann L. schrieb:
> Nach Projektende werden die Probemassen an Selbstabholer versteigert.

Warum werden die überhaupt wieder aus dem Erdorbit zurück geholt? Ich 
hätte jetzt erwartet, dass man den Satelliten hochschießt, das 
Experiment macht und dann das Teil harmlos verglühen lässt.

von John D. (Gast)


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Noch nicht ganz wach?

von N. N. (clancy688)


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Äh... ja...

Jetzt hab ich's auch kapiert. :D

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