MELV - Widerstände in Präzisionsverstärkern

OP (Firma: www.harerod.de) Persönliche Seite #4564444
Lesenswert?
• ▲
▼
Hi,
mir ist ein Wägezellenverstärker in die Hände gefallen.
Interessanterweise sind alle nicht-Analogwiderstände in 0603 ausgeführt, 
die Eingangsfilter jedoch in MiniMELV.

Gibt es auch heute noch gute Gründe dafür, oder ist das einfach ein 
veraltetes Design?

Mir gefallen diese Tonnen nicht - ich seh die beim Bestücker immer von 
der Leiterplatte rollen.

Häufig genannte Vorteile MELV:
- Spannungsfestigkeit (Anwendung 5V)
- Langzeitstabilität (Eingangstiefpass, mit 2nA Bias-Strom)
- Impulsbelastbarkeit (Wägezelle - hoffentlich nicht)
- Temperaturstabilität (ok, hier bietet die Anwendung -20..50°C)
- Verlustleistung sollte kein Argument sein, an manchen Stellen max. 
10mA / 5V.

Ich dachte evtl. an Kriechstrom und Drift? Mikrophonie?

Im Anhang hängt ein Bild - ich sehe da nur 10R 5% - kennt jemand 
passenden Ersatz in 0603 oder 0805?

Danke,
 marcus
Angehängte Dateien:
Persönliche Seite #4566975
Lesenswert?
• ▲
▼
Marcus H. schrieb:
> Häufig genannte Vorteile MELV:

MEL_F_ - Metal Electrode Leadless Faces

> - Spannungsfestigkeit (Anwendung 5V)
> - Langzeitstabilität (Eingangstiefpass, mit 2nA Bias-Strom)
> - Impulsbelastbarkeit (Wägezelle - hoffentlich nicht)
> - Temperaturstabilität (ok, hier bietet die Anwendung -20..50°C)
> - Verlustleistung sollte kein Argument sein

Ein sehr wichtiges Argument Pro-MELF fehlt noch:
- Definiertes Ausfallsverhalten im Fehlerfall (R wird hochohmig)

> Mir gefallen diese Tonnen nicht - ich seh die beim Bestücker immer von
> der Leiterplatte rollen.

MELF: most end up lying on the floor. Ich mag die "Tonnen" sehr gerne, 
nicht nur wegen den genannten Vorteilen, ich finde, es sieht auch 
ästhetischer aus. Dein Bestücker hat offenbar seinen Prozess nicht im 
Griff. MELF erfordert eine andere (höhere) Placement-Force als die 
gängigere Chip-Bauform. Wenn man das nicht beachtet, führt das zu weit 
erhöhten Wegrollraten. Sollte (d)ein Bestücker aber eigentlich wissen. 
Idealerweise hat man auch einen MELF-Nozzle, wird aber gerne eingespart, 
weil's im Prinzip mit dem Flatnozzle ja auch funktioniert.

Zu deinem Verstärker kann ich nichts sinvolles beitragen, also lass 
ich's. Hoffe der Beitrag war trotzdem interessant.
#4566996
Lesenswert?
• ▲
▼
Marcus H. schrieb:
> Gibt es auch heute noch gute Gründe dafür

Nach Reflow und Alterung bleiben bei 1208 bis zu 2% Abweichung.
Bessere Widerstände in Bezug auf Alterung sind Dünnfilm.
In SMD sind dies häufig runde Bauformen (Melf, MiniMelf).
Die haben nach TÜV / UL auch den Vorteil, im Fehlerfall
keinen Kurzschluss zu verursachen. Es gibt sie aber
inzwischen auch in flacher Bauform (RN73, RN73H).
Noch besser sind bedrahtete, weil die Drähte die mechanischen
Spannungen reduzieren.
Noch besser sind bedrahtete, bei denen die Drähte ein
mal gerollt werden (meist um 450 Grad) falls die geringe
Induktivität nicht stört.
OP (Firma: www.harerod.de) Persönliche Seite #4567090
Lesenswert?
• ▲
▼
Ah, nun kommt Leben in den Thread. :)

Martin:
Fehlerverhalten - das wird man im Auge behalten, falls es eine 
entsprechende Anforderung gibt.
Prozess - ohne Not würde ich auf einer Baugruppe keine grundlegend 
verschiedenen Bauformen haben wollen.
Hier liegt grad ein Teil zum Review, das von miniMELV, BGA, Chip 
0402..2512 alles in sich vereinigt.
Bis das zuverlässig zu fertigen ist, ist ggf. eine Menge zu tunen. Bei 
den Sonderbaugruppen in kleinen Stückzahlen, die ich meist entwerfe, 
möchte ich meinem Kunden gerne diese Kosten sparen.
Ich habe auch nicht "den Fertiger", im Idealfall ist eine Baugruppe 
soweit innerhalb üblicher Prozessgrenzen, dass jeder Fertiger das ohne 
Verrenkungen bestückt bekommt.

Michael:
Tolle Zusammenfassung, Danke. Deine Info geht auch konform mit anderen 
Quellen, u.a. Analog Devices.

Tom:
1/f Rauschen und SigmaDelta-Wandler - das ist der Grund, warum die 
Filterwiderstände in Dünnschicht spezifiziert werden.

Bei meinem nächsten Präzisionsverstärker werden testweise hochwertige 
Eingangsfilter mit Dünnschichtwiderständen und Folienkappas aufgebaut, 
beides in Chipform.
Die Folienkappas wegen "dielectric absorbtion".


Danke Euch,
 marcus
Gast #4567361
Lesenswert?
• ▲
▼
Schon über die Prüfmittel und die Justage nachgedacht? 
Langzeitstabilität und thermische Effekte inbegriffen? Wir haben so 
viele Messverstärker im Lager, dass wir uns für einen geringen Beitrag 
davon trennen.
Gast #4567741
Lesenswert?
• ▲
▼
Ja, es hat mich schon immer interessiert wie Canon es schafft, dass 
selbst die teuersten Drucker nach 24.1 Monaten kaputt sind, während die 
Eos Kameras ewig halten ohne wirre Fehlercodes anzuzeigen.
Ich glaube allerdings, dass das in Software gelöst wird, während die 
Bauteile alle gleich sind.
Die Belastungen in einer DSLR dürften in jeder Hinsicht deutlich größer 
sein.

Antwort schreiben

Bitte melde dich an, um einen Beitrag zu schreiben.

oder

Mit Google-Account einloggen

Die Registrierung ist kostenlos und dauert nur eine Minute.

Jetzt registrieren