Forum: Mikrocontroller und Digitale Elektronik Bürstenbehafteten Gleichstrommotor im Schrittbetrieb


von bastel601 (Gast)


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Hallo,
ich möchte eine Maschine reparieren, die einen Bürstenbehafteten 24V DC 
Motor extrem langsam drehen lassen kann. Des weiteren konnte der 
Controller den DC-Motor in "Einzelschritten" kleiner drei Grad drehen 
lassen. Die Welle treibt einen Rollengewindetrieb an und ist direkt mit 
einem Drehgeber verbunden. Der Motor ist mit einer Untersetzung von 2:1 
mit dem Gewindetrieb verbunden.

Die Elektronik mit der das in den 80'ern realisiert wurde ist leider 
defekt. Der Mikrokontroller hat sich bei einem Überspannungsschaden 
verabschiedet. Den Hersteller der Elektronik kann keine Informationen 
oder Ersatzteile liefern.

Motordaten: ca. 6000U/min, 48V, 3A (maximal geforderte Drehzahl 
1800U/min)
Drehgeber: 2500 Impulse/min

Ich habe schon darüber nachgedacht den DC-Motor gegen einen Schrittmotor 
zu wechseln, leider habe ich keinen finden können der bei ca. 2000U/min, 
annähernd das benötigte Moment aufbringen kann und dazu den Durchmesser 
und Länge des DC-Motor erreicht. Auch ein Servo würde große Umbauten 
erfordern.

Ich dachte das diese Reparatur keine allzu große Herausforderung wäre 
und mit einem 4Q Transistorregler (Wegen Bremsen / Positionieren) zu 
schaffen sei. Ohne Drehzahlrückführung über Drehgeber waren Drehzahlen 
kleiner 70U/min nicht zu machen. Auch nicht mit aktivierter IxR 
Kompensation. An einen Schrittbetrieb nicht zu denken. Einen 4Q 
Transistorregler mit Drehgebereingang der bei solchen Drehzahlen noch 
arbeitet konnte ich auch nicht finden.

Wenn keiner einen Tipp hat welcher Hersteller hier helfen kann, wäre 
noch die Option es selbst zu versuchen.

Ich habe aber nichts finden können, das diese Betriebsart 
"Schrittbetrieb" mit einem DC-Motor beschreibt. Durch die Spindel ist 
das ganze im Grunde selbst hemmend. Vielleicht ist ein 4Q 
Transistorregler dann auch nicht nötig.


Ps.: Der mechanische Umbau auf Servo wäre den Aufwand nicht wert, da der 
Motor in einer gut 100kg schweren Tisch verbaut ist. Zahnräder, Wellen 
etc. sind direkt in das Bett gefräst und bieten nur sehr wenig 
Spielraum. Dann muss das noch bearbeitet werden. Auf meiner Hobbymat 
geht das nicht ;-).

von Claus M. (claus_mueller) Benutzerseite


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bastel601 schrieb:
> Ohne Drehzahlrückführung über Drehgeber

Selbstverständlich brauchst du eine Positionsrückführung, sonst bekommst 
du das gewünschte Drehmoment doch gar nicht :-)

Dann ist es aber relativ einfach: PI-Regler auf Position setzen und 
Sollwert entsprechend wandern lassen. Im "Einzelschrittbetrieb" bleibt 
halt der neue Sollwert stehen.

Ob Du einen 4Q brauchst, das hängt hauptsächlich von der Systemreibung 
ab. Schaden tut es aber sicherlich nicht.

bastel601 schrieb:
> Einen 4Q
> Transistorregler mit Drehgebereingang der bei solchen Drehzahlen noch
> arbeitet konnte ich auch nicht finden.

Selber bauen wäre noch eine Option. Es gibt aber auch jede Menge open 
source Projekte, siehe unten.

bastel601 schrieb:
> Ich habe aber nichts finden können, das diese Betriebsart
> "Schrittbetrieb" mit einem DC-Motor beschreibt.

Nennt sich "Servoantrieb".

bastel601 schrieb:
> Wenn keiner einen Tipp hat welcher Hersteller hier helfen kann, wäre
> noch die Option es selbst zu versuchen.

Probiere es doch mal damit:

http://www.uhu-servo.de/

von Jobst M. (jobstens-de)


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bastel601 schrieb:
> Ich habe schon darüber nachgedacht den DC-Motor gegen einen Schrittmotor
> zu wechseln, leider habe ich keinen finden können der bei ca. 2000U/min,
> annähernd das benötigte Moment aufbringen kann

Deshalb ist dort ein DC-Motor drin ...


bastel601 schrieb:
> Einen 4Q
> Transistorregler mit Drehgebereingang der bei solchen Drehzahlen noch
> arbeitet konnte ich auch nicht finden.

Da wirst Du Dir wohl einen Controller mit entsprechnder Peripherie 
schnappen und eine passende SW dazu schreiben müssen.


Wie wurden denn die Daten an den alten Controller übergeben?


Gruß

Jobst

von bastel601 (Gast)


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Hallo und erst einmal danke für die Antworten.

@Jobst M.: Der alte Controller war an den Drehgeber angeschlossen.

@Claus Mueller: Dann war der DC-Motor im Grunde ein Servoantrieb mit 
ausgelagertem Regler und Sensor?

Ich habe vorab bei etlichen Firmen gefragt, jedoch waren alle der 
Meinung ich solle einen Servomotor einbauen. Mit dem DC-Motor würde das 
nicht weit genug gehen. Und eine Art Schrittbetrieb wäre nicht 
realisierbar. Das ein Drehgeber mit der genannten Auflösung im System 
hängt hatte ich auch erwähnt.

Im Vorfeld war ich auf der Suche nach einer fertigen Lösung, habe aber 
keinen Hersteller gefunden, der eine Fertiglösung für den verbauten 
Drehgeber anbietet. ((2000u/min * (2500Impulse/u / 2,1)) / 60) = 40kHz.
Bei den meisten war bereits bei 0,5 kHz Schluss. Das wäre für ein 
Tachosignal, nicht aber zum positionieren geeignet.

Der UHU kann wohl weit über 100kHz. Klasse Tipp.
Dankeschön.

von Alex W. (a20q90)


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Bürstenbehaftete Gleichstrommotoren als Servo mit Encoder werden in 
Bestückungsmaschinen eingesetzt. Da hast eine aufwändige Servokarte mit 
PID, Strombegrenzung und Delta.

von Lothar M. (Firma: Titel) (lkmiller) (Moderator) Benutzerseite


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bastel601 schrieb:
> Ich habe vorab bei etlichen Firmen gefragt, jedoch waren alle der
> Meinung ich solle einen Servomotor einbauen.
Du hast da schon einen Servo. Einen schönen alten DC-Servo.
Evtl. noch mit Impulsnachlaufregelung...

bastel601 schrieb:
> Drehgeber: 2500 Impulse/min
Sollte das Impulse/U heißen?

von MaWin (Gast)


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bastel601 schrieb:
> Motordaten: ca. 6000U/min, 48V, 3A (maximal geforderte Drehzahl
> 1800U/min)
> Drehgeber: 2500 Impulse/min

Wahrscheinlich 2500 Impulse/Umdrehung, sonst wird das mit 3 Grad nichts.

bastel601 schrieb:
> Ich dachte das diese Reparatur keine allzu große Herausforderung wäre
> und mit einem 4Q Transistorregler (Wegen Bremsen / Positionieren) zu
> schaffen sei.

Du hast doch die Elektronik, da brauchst du doch gar nicht neu denken. 
Da wird Motortreiber und Incremntalencoderschnittstelle schon drauf 
sein.

Und es dürfte klar sein: So einfach, daß bei Sollposition<Istpostion 
einfach positive Spannung auf den Motor gegeben wird und bei 
Sollposition>Istpostion einfach negative, wird es nicht sein.

Das wird Vektorregelung sein. Die Algorithmen sind bekannt.

von Illi (Gast)


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Moin,

soll das für privat für kleines Geld sein?

Dann vielleicht: http://elm-chan.org/works/smc/report_e.html

Oder soll das industriell eingesetzt werden? Dann mal bei den Hersellern 
von DC-Motoren, wie Maxon, Faulhaber, etc. gucken. Aber das wird nicht 
billig.

Gruß Illi

von Matthias S. (Firma: matzetronics) (mschoeldgen)


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Evtl. wäre es zu überlegen, in den Sockel des alten Prozessors (was war 
das denn für einer?) ein 'Piggy-Back' mit einem dir bekannten MC und 
Prog Schnittstelle zu stecken und den Rest der Elektronik so zu 
übernehmen, wie sie ist. Kostet Zeit, aber nicht so viel Geld.

von Georg (Gast)


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bastel601 schrieb:
> habe aber
> keinen Hersteller gefunden, der eine Fertiglösung für den verbauten
> Drehgeber anbietet. ((2000u/min * (2500Impulse/u / 2,1)) / 60) = 40kHz.
> Bei den meisten war bereits bei 0,5 kHz Schluss.

Wo hast du denn da gesucht? Für einen halbwegs brauchbaren Antrieb für 
die Achse einer Werkzeugmaschine setze ich eher einige 100 kHz voraus.

Eine Ansteuerung, die das Verfahren um µ-Beträge erlaubt, ohne wild hin- 
und herzuschwingen, ist natürlich anspruchsvoll, gibts aber seit vielen 
Jahrzehnten. Ob man das sinnvoll ohne Erfahrung selber baut ist eine 
andere Frage, da steckt schon einiges Knowhow drin.

Fertiglösung für den verbauten Drehgeber ist eine seltsame 
Fragestellung, eine solche Steuerung sollte an nahezu jeden Drehgeber 
per Parameter anpassbar sein. Bei meinen Steuerungen aus den 80er Jahren 
gibt man einfach die Schrittweite des Gebers ein, z.B. 5µ. Eine solche 
Steuerung hat einen Eingang für den (inkrementalen) Sollwertgeber und 
Zähler, einen Prozessor für die Regelalgorithmen und Leistungsstufen für 
den Motor - die sind das einzige was man anpassen muss, je nach 
Motorleistung.

Das was du als Ergebnis deiner Suche beschreibst ist mir ehrlich gesagt 
völlig unbekannt, hast du dich da nur im Modellbau umgesehen?

Georg

von Jobst M. (jobstens-de)


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bastel601 schrieb:
> @Jobst M.: Der alte Controller war an den Drehgeber angeschlossen.

Jo. Für die ist-Position. Klar.
Solldaten bekommt er dann also nicht ... !?


Gruß

Jobst

von Falk B. (falk)


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@ MaWin (Gast)

>Das wird Vektorregelung sein. Die Algorithmen sind bekannt.

Toll! Die Baupläne von Apollo 11 sind bekannt, trotzdem dürfte der 
Personenkreis, der das nachbauen kann, eher begrenzt sein!

von Erwin D. (Gast)


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MaWin schrieb:
> Das wird Vektorregelung sein. Die Algorithmen sind bekannt.

Wie macht man bei einem DC-Motor eine Vectorregelung?
Beim BLDC ist es klar, drei Phasen, Drehfeld, rotierende Zeiger usw.
Aber beim DC-Motor?

von Falk B. (falk)


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@ Erwin D. (Gast)

>> Das wird Vektorregelung sein. Die Algorithmen sind bekannt.

>Wie macht man bei einem DC-Motor eine Vectorregelung?

Naja, sagenh wir Lageregelung.

>Beim BLDC ist es klar, drei Phasen, Drehfeld, rotierende Zeiger usw.
>Aber beim DC-Motor?

Kann man den Strom und dessen Richtung steuern, der Rest ergibt sich.

von Erwin D. (Gast)


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Falk B. schrieb:
> Naja, sagenh wir Lageregelung.

Ja, Lagereglung sehe ich ein. Mich hat nur der Begriff "Vectorregelung" 
irritiert, weil ich das nur vom Drehfeld kenne. :-)

Danke!

von Thorsten O. (Firma: mechapro GmbH) (ostermann) Benutzerseite


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Hallo Georg,

> bastel601 schrieb:
>> habe aber
>> keinen Hersteller gefunden, der eine Fertiglösung für den verbauten
>> Drehgeber anbietet. ((2000u/min * (2500Impulse/u / 2,1)) / 60) = 40kHz.
>> Bei den meisten war bereits bei 0,5 kHz Schluss.
>
> Wo hast du denn da gesucht? Für einen halbwegs brauchbaren Antrieb für
> die Achse einer Werkzeugmaschine setze ich eher einige 100 kHz voraus.

Das sind aber Lösungen, die deutlich jenseits der hier üblichen 
Hobby-Budgets liegen. Meinst funktionieren die Achsen auch nicht einzeln 
ohne die darüber liegende NC-Steuerung (z.B. Sinumerik).

> Fertiglösung für den verbauten Drehgeber ist eine seltsame
> Fragestellung, eine solche Steuerung sollte an nahezu jeden Drehgeber
> per Parameter anpassbar sein. Bei meinen Steuerungen aus den 80er Jahren
> gibt man einfach die Schrittweite des Gebers ein, z.B. 5µ. Eine solche
> Steuerung hat einen Eingang für den (inkrementalen) Sollwertgeber und
> Zähler, einen Prozessor für die Regelalgorithmen und Leistungsstufen für
> den Motor - die sind das einzige was man anpassen muss, je nach
> Motorleistung.

Der Geber ist nicht das Problem, eher die Sollwertschnittstelle. Da 
setzt man nämlich aus gutem Grund schon lange auf digitale 
Schnittstellen (=Feldbus), und nicht auf analogen Sollwert oder 
Takt-/Richtung wie vielfach noch bei Schrittmotoren üblich. Ich kenne 
aber kommerzielle Regler für DC- und BLDC-Motoren, die man bei Bedarf 
auch mit analogen Sollwerten füttern kann. Oder mit der integrierten SPS 
ganz autark fahren kann. Oder mit diversen Feldbus-Optionen...

Mit freundlichen Grüßen
Thorsten Ostermann

von gbgb (Gast)


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Hej,
hab neulich sowas gemacht. Das ist im Prinzip mein Motor (allerding ne 
12V Variante) 
https://nodna.de/Getriebemotor-24VDC-mit-588-CPR-Encoder-122rpm-8mm-Achse

Ich hab den Drehgeber runter geschmissen, auf die Welle einen Magneten 
gesetzt und einen magnetischen Encoder drauf gesetzt, der mit die Lage 
(absolut und mit hoher Genauigkeit) lieferte: 
http://ichaus.de/keyword/Magnetic%20Encoder%20iCs

Dann eine Lageregelung / Drehzahlregelung drüber.

Ich kann den Motor jetzt beliebig langsam drehen lassen, bis auf 0. Also 
auch sowas wie: 1 Motorumdrehung pro Stunde.

3° Schritte sollten auch möglich sein.

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