Forum: Mikrocontroller und Digitale Elektronik Klemmdioden - Verständnisfrage


von Sven L. (sven_rvbg)


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Man nutzt Klemmdioden zum Schutz von Eingängen von IC's in dem man diese 
so schaltet das Sie gegen VCC bzw. GND der Stromversogung der Schaltung 
ableiten.

Das heisst das die Spannung am Eingang des ICs nur Minimal höher sein 
kann, als die Versorgungsspannung des ICs.

Nun muss man darauf achten, das nicht Zuviel Strom fließen kann.

Nun zur Frage. Wenn die Versorgungsspannung der Schaltung ausfällt, dann 
funktioniert der Schutz ja nicht mehr oder?

Was ist nun der effektivste und sicherste Schutz (abgesehen von 
Optokopplern) von Eingängen an denen beispielsweise Spannungen bis zu 
24V anliegen, wohingegen die interne Schaltung mit 5V arbeitet.

von Georg A. (georga)


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> Nun zur Frage. Wenn die Versorgungsspannung der Schaltung ausfällt, dann
> funktioniert der Schutz ja nicht mehr oder?

Doch :) Die ganze Klemmerei gegen + geht nämlich stillschweigend davon 
aus, dass der über die Dioden abfliessende Strom die Betriebsspannung 
nicht nennenswert erhöht. Da so gut wie kein Schaltregler/Linearegler 
auch noch ein Shunt-Regler ist, geht das natürlich nur, wenn bei 
Dauerklemmstrom die Schaltung mindestens genau soviel Strom zieht. 
Ansonsten können Kondensatoren natürlich grössere, aber kürzere Pulse 
auffangen.

Wenn keine Versorgungsspannung anliegt, erzeugt der Klemmstrom eine und 
irgendwann wird auch wieder hoffentlich genügend Strom verbraucht. 
Sparsame CMOS-Schaltungen kann man manchmal allein über die Klemmdioden 
betreiben, das kann aber auch ziemlich stören (unsauberer Resetvorgang, 
...).

> Was ist nun der effektivste und sicherste Schutz (abgesehen von
> Optokopplern) von Eingängen an denen beispielsweise Spannungen bis zu
> 24V anliegen, wohingegen die interne Schaltung mit 5V arbeitet.

Serienwiderstände in den Signalen sind recht hilfreich, den Klemmstrom 
zu begrenzen. Geht aber nur, wenn die Pinkapazität das Signal nicht zu 
sehr verschleift, also eher bei langsamen Sachen.

Richtiger Schutz geht mit Transil-Dioden gegen GND. Das sind eine Art 
bidirektionale Zener-Dioden, die recht hohe Pulsströme abkönnen.

Die sind trotzdem nur für Kurzzeit/Schutzbetrieb. Bei dauerhaft zu hohen 
Spannungen braucht es Spannungsteiler mit Widerständen.

von Sven L. (sven_rvbg)


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Hallo Georg,
danke für deine Antwort.

Wenn meine Schaltung jetzt mit 5V arbeitet, am Eingang liegen 24V an und 
an der Diode fallen 0,6V dann liegen ja auf meiner 5V-Versorgung 
plötzlich mal 23,4 V an?


Auch wenn ich durch entspechende Widerstände verhindere, das ein großer 
Strom fließen kann ist das ja doch etwas viel.

Man hat mir mal erzählt eine niederohmige Spannungsquelle schluckt das 
einfach weg, aber wie gesagt die Versorgungspannung ist ausgefallen, Du 
sagst jetzt da passiert trotzdem nichts?

Irgendwie steh ich grade noch auf dem Schlauch!

von Falk B. (falk)


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@Sven L. (sven_rvbg)

>Wenn meine Schaltung jetzt mit 5V arbeitet, am Eingang liegen 24V an und
>an der Diode fallen 0,6V dann liegen ja auf meiner 5V-Versorgung
>plötzlich mal 23,4 V an?

Ja, wenn die Schaltung weniger Strom verbraucht als über den 
Vorwiderstand eingespeist wird. Darum muss man bei sehr sparsamen 
Schaltungen besser eine Z-Diode am Eingang zu Spannungsbegrenzung 
nehmen, die leitet denn den Strom direkt nach GND und nicht auf die 
Versorgungsspannung.

>Man hat mir mal erzählt eine niederohmige Spannungsquelle schluckt das
>einfach weg,

Nein, die Verbraucher an der Versorgungsspannung müssen das tun!

von Hp M. (nachtmix)


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Falk B. schrieb:
> Darum muss man bei sehr sparsamen
> Schaltungen besser eine Z-Diode am Eingang zu Spannungsbegrenzung
> nehmen, die leitet denn den Strom direkt nach GND und nicht auf die
> Versorgungsspannung.


Man kann mit der ZD auch die Versorgungsspannung auf ein zulässiges Maß 
begrenzen.

Generell muss man aber darauf achten, dass die Schutzdioden nicht 
überlastet werden. Diese sind mehr zum Schutz vor kurzen 
ESD-Ereigniissen gedacht als zur Rückwärtsspeisung der Schaltung.

von Boris O. (bohnsorg) Benutzerseite


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Die Klemmdioden müssen auch die Fern- oder Fremdspeisung verhindern. 
Dann wird nämlich über die Klemmschaltung bei fehlender 
Versorgungsspannung die geschützte Schaltung versorgt. Merkwürdig ists 
schon, über die Eingänge langfristig robuste Gleichspannung zu erhalten, 
aber so hilft ein Crowbar oder alles andere mit Ableitfunktion. 
TVS-Dioden sind da der eine Teil (um kurzfristig ordentlich Strom 
abzuleiten). Es braucht noch einen zerstörbaren Teil für den Überstrom 
(etwas was schmilzt) in Serie. Hängt von der Störgröße ab.

von Timm T. (Gast)


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Sven L. schrieb:
> Man hat mir mal erzählt eine niederohmige Spannungsquelle schluckt das
> einfach weg, aber wie gesagt die Versorgungspannung ist ausgefallen, Du
> sagst jetzt da passiert trotzdem nichts?

Ein 7805 schluckt da zum Beispiel gar nichts weg, weil der nur in die 
Schaltung einspeist (source), aber nicht aus der Schaltung abzieht 
(sink).

Trotzdem wird die Spannung nicht hochlaufen, solange der Klemmenstrom 
niedriger als der normale Strombedarf der Schaltung ist. Denn was 
passiert, wenn über die Klemmdiode Strom fließt? Die Pufferkondensatoren 
der Schaltung laden sich auf. Spätestens wenn die Betriebsspannung der 
Schaltung erreicht ist, wird diese arbeiten und Strom verbrauchen. Damit 
wird die Spannung begrenzt.

Aber das führt natürlich zu unschönen Effekten, zum Beispiel kann ein µC 
starten (brown-out-Reset), der Stromverbrauch steigt sprunghaft an, die 
Spannung fällt, der µC schaltet ab => ständiger Neustart.

Und es kann auch nach hinten losgehen. Mir hat mal eine RS232 (-12V 
Ruhepegel) über eine Klemmdiode die Versorgungsspannung auf -0.6V 
gezogen. Eigentlich kein Problem, aber der Spannungsregler war so 
intelligent, daß er bei vorhandener negativer Spannung am Ausgang die 
Eingangsspannung nicht durchgeschalten hat => war das RS232-Kabel 
angesteckt, bekam die Schaltung beim Einschalten keine Spannung.

1. Mache die Widerstände vor den Klemmdioden ausreichend groß.
2. Sorge dafür, daß der mögliche Eingangsstrom über die Klemmdioden in 
Summe irgendwo verbraten werden kann (Anzeige-LED, TVS-Diode mit 6V).

von Sven L. (sven_rvbg)


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An dieser Stelle schonmal vielen Dank, für die hilfreichen Antworten!

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