Hallo miteinander. Ich plane mein Elternhaus Fachwerk von 1826 zu
sanieren.
Nun ist eine Interessante Problematik aufgetaucht. Leitungen Unterputz
durch Holz?
Elektriker 1 meint ist garkein Thema Holz wird angeritzt
Elektriker 2 Sagt lieber Dünne Stegleitungen verwenden und nur im Putz
nicht aber ins Holz.
Heizungsbauer 1 sagt Niemals ins Holz schneiden oder Bohren. Rohre und
Kabel Aufputz bzw im Putz.
Wie macht man das denn nun Richtig?
Die Heizungsrohre kommen wohl in spezielle Fußleisten.
Aber die unzähligen Leitungen die soein Modernes Haus mit sich trägt?
Lan Sat Bus und eben die 230v.
Man kann doch nicht Sat und Lan leitungen als flache Stegleitungen
verlegen?
Gerade im Innenraum sollen eigentlich einige Fachwerk Wände offen
liegen. So das man das schöne Holz von beiden Seiten sehen kann.
Da dürfte es unmöglich sein ohne jede Leitung durch die Balken zu
bohren?
Udo schrieb:> Wie macht man das denn nun Richtig?
Stegleitung ist jedenfalls unzulässig.
Mit Kabelschellen ohne Schutz "aufputz" an die Holzbalken nageln ist im
Wohnbereich ebenfalls unzulässig. Ginge in wenig genutzen Nebenräumen,
halte ich aber für blöd (Mäuse etc.). Aus demselben Grund sollte man
keine NYM-Leitungen einfach so durch Decken, Hohlböden, unter Dielen
etc. schieben, sondern immer im nagerfesten Schutzrohr.
Gefache und Holzbalken schlitzen ? Sehr blöd. Wenn es noch richtige
Gefache sind, innen mit Holzästen als Geflecht, dann mit Stroh, dann mit
Lehm, und aussen sandhaltigem Lehm als Putz, dann mit Kalk gestrichen,
dann durchbricht der Schlitz die äussere Lehmschicht und geht in die
wärmedämmende Strohschicht die nur mit Lehm verklebt ist. Sehr unschön,
da platzt bald der Lehmputz ab. Hat man sowieso neue Gefache
schlechtdämmend aus Stein, kann es einem egal sein, dann sollte man
wenigstens bei den Balken nur kleine Schlitze anbringen, und diese z.B.
mit Kabelkanälen
http://www.hornbach.de/shop/Kabelkanal-15-x-15-mm-2-m-braun/5067451/artikel.html
für die Kabel aufnahmebereit machen. Die Schlitze längs durch Balken zu
legen ist aber aufwändig und weil meist mehrere Kabel parallel liegen
ist schnell der ganzen Balken zum PLastikbalken geworden
http://www.hornbach.de/shop/Kabelkanal-30-x-15-mm-2-m-braun/5067452/artikel.html
Würde ich also sein lassen.
Kabelkanäle aufputz bzw. auf Balken legen, Aufputz-Lichtschalter und
Steckdosen auf Balken schrauben, funktioniert und sieht meiner Meinung
nach akzeptabel aus wenn die Leitungen weitgehend senkrecht verlaufen,
unten könnten die mit in der Fussbodenleiste verschwinden die die
Heizungsrohre aufnehmen, oben könnte man was ähnliches an der Decke
entlang anbringen. Es lohnt sich eh, den unteren Balken der Schwelle von
innen zu heizen um Gammelschäden durch Kondensation zu vermeiden.
Allerdings wird es blöd, wenn die Kabelkanäle waagerecht mitten auf der
Wand liegen müssen.
Schon mal Installationssäulen angeschaut?
Die Installation komplett im Heizungs / E-Installationskanal in den
Ecken verlegen und zu den Säulen im Fußboden einen Schlitz machen oder
Dielung aufnehmen.
Hinter den Möbel halt AP oder Gerätebecher in obigen Kanal.
Für Deckeninstallation halt einen eigenen Steigepunkt pro Etage schaffen
und wieder über Sockelleiste gehen. Daraus halt wieder über Fußboden zu
den Leuchten gehen.
Optisch, wie ich finde, ein eyecatcher.
Ansonsten aus den Sockelleisten mit Panzerrohr und Bakaliet Aufputz
installieren.
Christian
MaWin schrieb:> Mit Kabelschellen ohne Schutz "aufputz" an die Holzbalken nageln ist im> Wohnbereich ebenfalls unzulässig. Ginge in wenig genutzen Nebenräumen,> halte ich aber für blöd (Mäuse etc.). Aus demselben Grund sollte man> keine NYM-Leitungen einfach so durch Decken, Hohlböden, unter Dielen> etc. schieben, sondern immer im nagerfesten Schutzrohr.
Wo wohnst Du denn ?
MaWin schrieb:> Mit Kabelschellen ohne Schutz "aufputz" an die Holzbalken nageln ist im> Wohnbereich ebenfalls unzulässig.
Das ist zulässig, sonst würde es auch keine Nagelschellen mehr geben....
Es wäre gut, mal Bilder von dem Raum/Räumen zu haben, da kann man dann
mehr sagen. Es gäbe z.B. die Möglichkeit unter dem unteren Raum die
Leitungen zu verlegen, oder ganz hinten im Kniestock. Evtl könnte man
auch mit zwei drei Bretter ein Kabelkanal selber machen, nach dem Motto:
Ist ein Balken....
Sowas ähnliches habe ich in meiner Wohnung in einem Zimmer getrieben....
knollo schrieb:> Wo wohnst Du denn ?
Unter anderem in einem Bauernhaus von 1870
Hubert M. schrieb:>> Mit Kabelschellen ohne Schutz "aufputz" an die Holzbalken nageln ist im>> Wohnbereich ebenfalls unzulässig.>> Das ist zulässig, sonst würde es auch keine Nagelschellen mehr geben....
Es ist NICHT zulässig, ausser in Nebenräumen (z.B. Kellerraum).
Ausserdeem kann man Nagelschellen noch zur Befestigung hinter
schützenden Verkleidungeen benutzen.
MaWin schrieb:> Es ist NICHT zulässig
Gibt's dafür Quellen? Kenne mich nicht aus, würde das aber gerne
nachlesen.
Warum nicht in sowas verlegen?
http://www.hornbach.de/shop/Sockelleistenkanal-50-x-20-mm-x-2-m-reinweiss/8206075/artikel.html
Geht das nicht mit den Heizungsrohren zusammen?
Oder gibt es Lösungen die Kabel in einer Art Stuckkanal zu verlegen -
also an der Kante zwischen Wand und Decke? Wie man die senkrechte
Verlegung macht, ist damit aber immer noch offen.
Timo N. schrieb:> MaWin schrieb:>> Es ist NICHT zulässig>> Gibt's dafür Quellen? Kenne mich nicht aus, würde das aber gerne> nachlesen.
Ich möchte auch gern wissen, wie er da drauf kommt, dass es nicht
zulässig sein sollte....
> Kenne mich nicht aus, würde das aber gerne
Blanker Nagel in Putz oder Lehm hält nicht lange! Wahrscheinlich wird
der TS sowieso bald zu Gipskarton greifen und einige krumme Wände
versuchen zu begradigen. Was einer dahinter versteckt, weiß keiner, hat
aber den Nachteil, daß die nächste Baustelle noch größer wird wenn ein
Kabel defekt sein sollte. Daher lieber recht großzügig Kabelkanal
verlegen.
http://www.idealo.de/preisvergleich/MainSearchProductCategory.html?q=kabelkanal
oszi40 schrieb:> Wahrscheinlich wird der TS sowieso bald zu Gipskarton greifen und einige> krumme Wände versuchen zu begradigen.
Bloss nicht.
> Was einer dahinter versteckt, weiß> keiner
In einigen Jahren: Schimmel.
Hier sind einige Wände mit Folie abgeklebt, dann senkrechte Lattung,
dann hinterlüftete Verbretterung. Ob das so schlau war, sei
dahingestellt.
MaWin schrieb:> Hier sind einige Wände mit Folie abgeklebt, dann senkrechte Lattung,> dann hinterlüftete Verbretterung. Ob das so schlau war, sei> dahingestellt.
Die Folie würde mit da zu denken geben.. Ich habe bei mir auch einen
Kniestock mit Gipskarton verkleidet. Da aber das Haus von außen Isoliert
ist, habe ich hinter dem Gipskarton gar nichts, als die blanken Ziegel.
(Auch ich habe eine Lattung zwischen Gipskarton und Ziegelwand.)
... Und der TE Nagelt auf Holz....
Auch wenn es im Putz nicht so dolle hält, ist es erlaubt. Ihr werdet
nirgends was lesen, dass Nagelschellen nicht zulässig sind. Ihr werdet
Sätze lesen wie: "Leitungen und Kabel dürfen nur mit Isolierstoff
befestigt werden."
Hubert M. schrieb:> Ihr werdet> Sätze lesen wie: "Leitungen und Kabel dürfen nur mit Isolierstoff> befestigt werden."
Wie passt das zu solchen Befestigungsschellen aus Metall?
Hubert M. schrieb:> Warum darf man die Kabel nicht mit Kabelschellen befestigen?
Du darfst schon, aber das nackte Kabel auf der Wand gilt nicht als
geschütze Verlegung, wie sie für Wohnräume erforderlich ist. Vermutlich
muss es auch nur dort geschützt sien so man gegenkommen könnte, an der
Decke ist möglicherweise ungeschützt erlaubt.
Die Verlegung im Rohr, sogar wenn an den Enden offen für den Knick (ich
glaube 10cm freies führen) und zum besseren durchziehen, hingegen schon.
Hallo Udo,
meine "Ruine" ist schon etwas neueren Datums, hat die 100 aber auch
schon geknackt. Auch Fachwerk, beidseitig verputzt. Innen nur
Dielenböden auf Holzbalken. Es gibt ein Boden auf betonierter Decke, der
liegt aber auch auf Rahmenschenkeln. In den über 100 Jahren wurde
gottseidank NIE renoviert, weswegen ich jetzt beim Kernsanieren bin. In
ein paar Monaten sollte alles fertig/ bewohnbar sein.
Hatte die gleichen Probleme wie du, lässt sich aber (zumindest bei mir)
sehr elegant lösen. Vielleicht bei dir auch, kommt auf den gesamten
Aufbau drauf an.
Grundsätzlich würde ich tragendes Holz nicht schwächen, nur wenn nicht
anderst möglich. Musste ich teilweise machen, teilweise konnte ich auch
unsichtbar wieder verstärken, Stickwort Vollgewindeschraube,
Holzbewehrung.
Ich konnte alle meine Leitungen entweder in der Holzbalkendecke oder
hinter der Sockelleiste verstecken. Habe aber das Glück, dass die
Sockelleisten nicht gewöhnlich sind, sondern da stehen ausgewachsene
Lamperiebretter (20 x 200 mm). Heizungsrohre kommen von unten senkrecht
aus dem Fußboden. Zwar nicht so elegant wie aus der Wand, aber anderst
geht es halt nicht sinnvoll. Die Lamperiebretter werden ca. hälftig mit
eingeputzt (das war schon so und laut Architekt ist das bei uns in der
Region so üblich gewesen). Ich führe also alle Leitungen von der
Holzbalkendecke an der Schwelle senkrecht nach oben, über der Schwelle
verschwinden die dann etwas tiefer im Mauerwerk und landen dann in der
Steckdose. Lamperiebrett wird in dem Bereich einfach etwas ausgestemmt/
ausgefräst.
Da eben in den Wänden kaum Platz für viele Leitungen sind habe ich alles
strommäßiges soweit dezentral wie nur möglich gemacht, damit ich nicht
mit einem riesen Kabelbaum zum Hauptverteiler muss. Ein Unterverteiler
pro Stock und von da an in eine große Dose (150x150) pro Zimmer. In
Summe komme ich auf ca. 48 Netzwerkleitungen und ca. 20 Koaxkabel, die
laufen alle zentral im Keller zusammen.
Die paar wenigen Kabels weit oberhalb des Bodens laufen auf den Balken,
der einzigste Platz an dem eine Nagelschelle auch hält.
Wenn du also die Böden auch rausreißt könntest du das so machen. Und
selbst wenn du keine Sockelbretter ranschraubst sollte eine NYM 3(5)x1,5
vom Putz sauber überdeckt werden können. In so einer alten Hütte muss ja
auch nicht alles perfekt gerade sein, sonst ist ja der ganze Charakter
hin.
Ach ja, Leerrohre ist bei mir auch ein Wunschtraum. Keine Chance. Ich
konnte nur zwei Stück vom Keller bis unters Dach legen, mehr war nicht
drin. Sollte ich also jemals was ändern müssen, dann brauch ich den
Klimmzug über Scheune, Trick17, Funk und wasweißichwas.
Viel Spaß und gutes Gelingen.
Hubert Mueller
Leseprobe - VDE-Verlag
https://www.vde-verlag.de/buecher/leseprobe/lese3029.pdf
Die wesentlichen Aussagen hierzu sind in DIN VDE 0100-520, den ... Nach
DIN 18015-1, Abschnitt 5.1, gibt es weitere Einschränkungen: In Räumen,
die.
Wie wäre es mit gefälschten Balken?
Also beim Tischler eine alte Bohle aufschneiden lassen, daraus flache
Schalen bauen und die vor den Balken setzen. Da drin ist dann etwas
Platz für die Installation.
Musst dann schauen ob das optisch ansprechend machbar ist. Vielleicht
Balken auswählen bei denen es "statisch notwendig" aussieht dass sie
dicker als die Wand sind.
Die Zuführung machst du dann aus der Sockelleiste, oder über Keller/Dach
und nimmst einen alten Schornsteinzug als Kabelschacht.
Auf keinen Fall solltest du den Elektriker Schlitze schneiden lassen,
die meisten schneiden wie besoffen weil später der Putzer kommt. Wenn es
wirklich notwendig ist lass dass einen Schreiner vorbereiten und evtl.
nachher mit Holz abdecken.
Tr schrieb:> Wie wäre es mit gefälschten Balken?
Gerade komme ich zurück von meiner Baustelle. Sichtbare Holzbalken
fallen plötzlich in einigen räumen komplett aus. Es sind gar keine
Holzbalken sondern Stahlträger. Ich hab extra nochmal genauer geschaut.
Im ganzen Haus laufen in Längst Richtung Doppel T Stahlträger und quer
darüber dann Holzbalken. Alles mit Stroh und Hasendraht umwickelt und
verputzt.
Sehr ungewöhnlich. Aber so kann ich die Leitungen entlang der
Stahlträger schonmal verlegen und dann wohl tatsächlich mit Dekoholz
verstecken oder sogar wieder verputzen.
Udo schrieb:> Wann wurden eigentlich Doppel T Träger erfunden?
Aus dem Bauch heraus hätte ich die ersten Normungsansätze (ich gehe von
"Norm-Trägern" aus) irgendwo um die Zeit des ersten Weltkriegs verortet;
https://application.wiley-vch.de/books/sample/3433018499_c01.pdf zeigt
mir, dass ich nicht so falsch liege (habe mir die Referenzen jetzt nicht
durchgeschaut).
Deckt sich auch z. B. mit dem Eiffelturm (Planung 1884), der m. W. ein,
wenn nicht überhaupt das Pilotprojekt für den Bau mit Stahl allgemein
bzw. Stahlprofilen darstellte.
> kann das überhaupt sein in einem Haus von 1826?
M. W. war damals Stahlbau noch vollkommen unüblich, erst recht im
privaten Hausbau => Das ist bestimmt nicht original.
> Oder hat da mal jemand alles umgebaut?
Mit Sicherheit.
Obwohl die zeitliche Verteilung bzw. Verbreitung der Verwendung der
Baustoffe regional unterschiedlich ist und auch zwischen Stadt und Land
große Unterschiede aufweist, so würde ich ohne weitere Kenntnisse den
Umbau auf irgendwann um 1960 datieren. Damals war in vielen Regionen auf
dem Land durchaus noch der traditionelle Fachwerk- bzw. Holzbau üblich
und genormte Stahlträger weitläufig bekannt und eingesetzt, auch im
"regulären" Bau (hatte ich selbst noch in meinem Elternhaus gefunden:
Holzbalken mit Drahtgitter und Stroh ausgefacht und Kalkputz, definitiv
zeitgleich errichtet mit dem restlichen Bau, gemauert aus
Hohlblocksteinen und Ziegeln - und Doppel-T-Trägern als Stürzen über den
Toren bzw. Garageneinfahrten - Bj. des Ganzen 1959 auf dem Land).
On topic: Bitte keinesfalls Rigipsplatten oder sowas davor schrauben!
Würde versuchen, innen schlußendlich eine ebene Wand aus Lehmputz
anzupeilen (und die Leitungen im Putz zu verlegen); dann gerne auch mit
Balkenverblendern für die Optik. Die Gefache, sofern ausgebildet, lassen
sich fachgerecht nachträglich dämmen, ohne eine Taubildung in der Wand
zu riskieren. Hierfür gibt es entsprechende Spezialisten bzw.
Fachwerkforen und -baustoffhändler.