Forum: Ausbildung, Studium & Beruf Elektrotechnik Selbständigkeit ?


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von JeanClaudeVonDamme (Gast)


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So moin Freunde der lieben Sonne,

Falls es Euch nicht stört würde ich gerne einen Thread aufmachen, der 
mich besonders interessiert.

Ich würde den Elektroingenieuren unter Euch mal die Fragen stellen, ob 
die Selbstständigkeit nach dem Studium eine Option ist.

Haben sich hier einige Elektroingenieure im Forum selbständig gemacht 
und falls ja in welcher Branche ? War die Selbständigkeit mit 
allzugroßen Problemen verbunden ? Würdet ihr sie weiterempfehlen ? Muss 
man für die Freiheit, die man durch die Selbständigkeit erlangt, unter 
finanziellen Defiziten (also im Vergleich zu einem Angestelltenjob) 
leiden ? Und könntet ihr mir sagen, welche Möglichkeiten es gibt sich 
als Elektroingenieur selbstständig zu machen ?

Das waren soweit meine Fragen und es würde mich freuen, falls sich hier 
im Forum der ein oder andere selbstständige Ingenieur finden lässt.

Wie immer schonmal vielen Dank im Vorraus.

Euer,

JeanClaudeVanDamme

von JeanClaudeVonDamme (Gast)


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"Elektrotechnik Selbstständigkeit" sollte es natürlich heißen :-)

von Cyborg (Gast)


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Die Foren-Suche erst mal bemühen, heißt die Devise.
Das Thema hat schon einen längeren Bart als bei den Bandmitgliedern
von Z.Z.Top. Ist also keinen neuen Thread wert.

von Interesse an Selbstständigkeit (Gast)


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Mich interessiert das Thema auch, wäre ganz nett, wenn sich Erfahrene 
zu diesem Thema melden würden.

Speziell interessiert mich dabei die finanzielle Seite. Wo fallen 
überall zusätzliche Kosten an?

Bitte keine Antworten, wie nutze Google oder die Foren-Suche!

von Cyborg (Gast)


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Interesse an Selbstständigkeit schrieb:
> Bitte keine Antworten

Kein Problem.;-b

von ISEWEWI (Gast)


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JeanClaudeVonDamme schrieb:
> ob
> die Selbstständigkeit nach dem Studium eine Option ist.
Ich kenne keinen der mit E-Technik sich selbstständig gemacht hätte, 
jedenfalls nicht bis zurück Ende 80er. Selbstständig ja aber alle andere 
Branche, quer Beet.
Lies den Thread Beitrag "Jeder warnt mich davor Ingenieur zu werden."
was ich dort geschrieben habe.

Hier im Umkreis gibt es exakt noch ein einziges Ingenieurbüro im 
E-Technikbereich. Die leben auch nur noch von Service für altes Zeug das 
heute noch im Einsatz ist das sie vor Jahrzehnten noch an den Mann 
brachten neben Aufträgen für einen Konzern der vor der Haustüre sitzt 
aber für den manchen sie eher Dreckarbeiten wie Testaufbauten und 
ähnlich anspruchloses Zeugs, entwickeln kann man das nicht nennen.

von супертроль (Gast)


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Vergiss Selbstaendigkeit nach dem Studium. Fruehestens nach 40. Was 
kannst du denn als Absolvent ? Nichts, Null, Zero.
Also ich mein jetzt in Sachen von Projekt durchziehen. In der Zeit, in 
den Spezifikationen, im Sinne des Kunden fertigstellen und auch noch 
etwas verdienen.
Es gibt zwei Sorten von Kunden. Die einen wissen was sie wollen, sind 
vom Fach, und wollen guenstigst auslagern. Bedeutet du musst smart sein, 
und super fleissig, sonst ist eh nichts. Bedeutet jeder Handgriff muss 
optimiert sein, sonst ist nichts. Bis du soweit bist, faellt dir das 
Geld zwischen den Fingern runter.
Dann gibt es die anderen Kunden, die Fachfremden. Die haben eine geniale 
Idee. Super einfach, sie haben's irgendwo gesehen, wollen's kleiner, 
besser und guenstiger. Um ihr Risiko zu senken wollen sie eine 
Festpreisofferte. Du gibst als eine Offerte. Nachher machst du 10 
Prototypen, um rauszufinden, dass es weder einfach, noch zielfuehrend 
ist, weil der Kunde eigentlich keine Ahnung hat, und du auch nicht. Dank 
Festpreis sinkt dein Tages Lohn mit jedem Tag Richtung Null. Und ein 
Ende ist nicht in Sicht.

Nochmals. Vergiss es.

von Jona (Gast)


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супертроль schrieb:
> Dann gibt es die anderen Kunden, die Fachfremden. Die haben eine geniale
> Idee. Super einfach, sie haben's irgendwo gesehen, wollen's kleiner,
> besser und guenstiger. Um ihr Risiko zu senken wollen sie eine
> Festpreisofferte. Du gibst als eine Offerte. Nachher machst du 10
> Prototypen, um rauszufinden, dass es weder einfach, noch zielfuehrend
> ist, weil der Kunde eigentlich keine Ahnung hat, und du auch nicht. Dank
> Festpreis sinkt dein Tages Lohn mit jedem Tag Richtung Null. Und ein
> Ende ist nicht in Sicht.

Yo, da muss man definitiv aufpassen! Am besten gar nicht erst mit 
Festpreis anfangen bei sowas.

von Joe F. (easylife)


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Als Selbstständiger brauchst du ein Alleinstellungsmerkmal.
Spezialist für X - mit entsprechendem Stundenlohn, dann lohnt es sich.
Mit durchschnittlichen Allrounder-Fähigkeiten lässt du dich besser 
irgendwo anstellen.
Und dann kommt es auch auf deine Leistungsbereitschaft an.
Als Selbstständiger machst du alles selbst. Du bist der Ingenieur, der 
Marketing-Chef, der Buchhalter, die Empfangsdame, derjenige, der auch 
Samstag nacht noch etwas fixed, einfach alles. Das raubt Zeit und 
dividiert deinen Stundenlohn durch ca. 4
Wenn du dann irgendwann noch Angestellte hast, arbeitest du nicht unter 
50h in der Woche. Muss man mögen. Und das private Umfeld auch.
Leichter ist es mit einem oder mehreren selbtständigen Partner(n), mit 
denen man sich den Arbeitsaufwand für das "Grundrauschen" teilen kann, 
und die nicht auf einen festen Monatslohn pochen. Dann kann man zusammen 
auch gleich etwas größere Projekte in Angriff nehmen.

: Bearbeitet durch User
von Mark B. (markbrandis)


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JeanClaudeVonDamme schrieb:
> Ich würde den Elektroingenieuren unter Euch mal die Fragen stellen, ob
> die Selbstständigkeit nach dem Studium eine Option ist.

Sofort nach dem Studium? Davon wird im Allgemeinen eher abgeraten. Wenn 
man ein paar Jahre als Angestellter gearbeitet hat, dann:

1.) Hat man Ahnung, wie Industrieprojekte so laufen
2.) Hat man Leute kennengelernt, die potenziell Kunden sein könnten
3.) Hat man etwas Kapital zusammengespart, dass man zum Beispiel in 
seine eigene Geschäftsidee investieren kann.

von Elektron (Gast)


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Interesse an Selbstständigkeit schrieb:
> Mich interessiert das Thema auch, wäre ganz nett, wenn sich
> Erfahrene zu diesem Thema melden würden.
> Speziell interessiert mich dabei die finanzielle Seite. Wo fallen
> überall zusätzliche Kosten an?

Nutze mal lieber Google oder die Foren-Suche!

von waflija (Gast)


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Hier mal eine ernst gemeinte und hoffentlich hilfreiche Antwort:

Vorweg - Selbstständigkeit ist bei vielen Arbeitgeber später ein Grund 
dir keine Festanstellung mehr zu geben. Ich zitiere mal aus einem 
Gespräch: "Wissen Sie Herr x, fachlich sind Sie top, aber Leute die so 
lange selbstständig waren sind in der regel sehr schwer zu führen. 
Deshalb will mein Chef Sie nicht nehmen." - Denn das erste was du 
zwangsläufig als selbstständig er lernst ist dich nicht verarschen zu 
lassen und zu widersprechen.

Hinweis: Persönliche Erfahrung, nicht auf alle Übertragbar!
Ich habe den Gewerbeschein schon während der letzten Abiturmonate 
gehabt. Danach das duale Studium bei verschiedenen Firmen als Freelancer 
durchgezogen. Seit dem auch als solcher unterwegs im Bereich 
Maschinenbau  Hardware  Software.

Habe ich das bereut? - öfter als mir lieb ist. Halt jedes mal wenn du 2 
Monate und mehr keinen Auftrag hast und sich erst das Konto, danach die 
Rechnungen verfärben.

Würde ich es wieder machen? - Ja. Unbezahlte Überstunden in großen 
mengen sind heute die Regel, nicht die Ausnahme. Ausstempeln und danach 
doch weiterarbeiten damit sich die BG nicht über 10+ Stunden am tag 
beschwert, ist keine Seltenheit. Ich machen teils auch 11 Stunden, aber 
dann gehe ich lächelnd ins Hotel.

Vorteile
- Du bekommst jede Stunde die du beim Kunden leistest bezahlt. (!)
- Du teilst dir deine Zeit selber ein, in gewissen Grenzen
- Deutschland kennst du danach mit allen Ecken und du kennst eine Menge 
Firmen und Leute. Dass ist nach einiger zeit dein größter Vorteil :)
- Entscheidung darfst (oder musst) selber treffen, da redet dir keiner 
rein. Aber wenn du Pech hast, bis du auch allein Schuld.

Nachteile
- Du musst sehr viel "fachfremdes" machen. Buchhaltung, Werbung, usw. 
Das ist alles nicht so leicht wie man vielleicht glauben mag. Es frisst 
Zeit (etwa 1 Tag pro Woche als Faustregel).

- Kredite bekommst du nicht. Vergiss es. Nicht mal nen 500€ Fernseher 
bei MediaMarkt. Auch Wohnungen sind schwierig in Städten, den du hast 
keinen Einkommensnachweis für ein festes Einkommen...

- Der Kunde ruft, du rennst hin. So einfach ist das. Gerade der Umgang 
mit Kunden fällt dem voll-Blut Ingenieur meist schwer, denn es gibt 
Kunden gegen die ist ein rohes Ei sehr robust. Auf der anderen Seite 
musst du dir erst einen Kundenstamm aufbauen, auch das kostet.

- Du verbringst viel Zeit im Hotel und auf der Strasse. Ich habe im 
Moment "nur" 40.000 km pro Jahr. 8-10 Stunden auf der Autobahn pro Woche 
hin+zurück... Viele Hotels kennen dich danach als Stammgast - und zwar 
entweder nicht die besten oder du gibst 100€ pro Tag an das Hotel ab.

- Flexible oder sterben. So einfach ist das.

Finanziell:
Es wechselt halt, bei der Festanstellung hast du immer das Gleiche. Wenn 
es gut läuft und ich 80-90% Auslastung erreiche kommen 130k€+ Brutto pro 
Jahr raus, bei gerade mal 5 Jahren Berufserfahrung. Wenn es schlecht 
läuft sind sind es 30k€. Zum Vergleich: Es wurden mir Festanstellungen 
von 36k-50k€ Brutto angeboten. - Allerdings hast du halt im Zweifel aber 
mal 3 Monate überhaupt kein Einkommen. Da gibt es viel das man vorher 
einplanen muss.

von Pandur S. (jetztnicht)


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> orweg - Selbstständigkeit ist bei vielen Arbeitgeber später ein Grund
dir keine Festanstellung mehr zu geben.

Es gibt auch andere Arbeitgeber, die wissen schon, dass Ingenieure 
selbstaendig arbeiten koennen und muessen. Die schaetzen dann auch auch 
vorgaengige Selbstaendigkeit, da die einen Boden fuer die Realitaet 
haben. Denn die haben dann einen ganz anderen Ton gegenueber Kunden.

Fuer Angestellte ist ein Kunde ein notweniges Uebel, der etwas will. 
Fuer einen Selbstaendigen ist ein Kunde - fast alles.

von il Conte (Gast)


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Jona schrieb:
> Yo, da muss man definitiv aufpassen! Am besten gar nicht erst mit
> Festpreis anfangen bei sowas.

Yo, oder erst gar nicht aus dem Bett steigen :))

von il Conte (Gast)


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@waflija

Respekt !

Eine richtig fundierte Stellungsname.

--

Ich kannte mal einen Amerikaner, der hatte sich 2 Dollar-Münzen
vor die Augen geklemmt (so wie ein Monokel) und sagte:

'Those  are the glasseses of a freelancer'  :)

von Bürovorsteher (Gast)


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waflija hat es schon recht treffend beschrieben.

Selbständigkeit sofort nach dem Studium? Ja bitte, wir sehen dir dann 
beim Absturz zu.
Ob ich es nochmal machen würde? Wahrscheinlich ja. Wobei meine 
Selbständigkeit eher aus einer Notlage resultierte. Meine Karriere war 
1990 schlagartig im Arsch und die Belegschaft von 1300 MA ist in 
Sechserreihen zum Arbeitsamt marschiert.

Im Übrigen bin ich froh, dass ich irgendwann endlich doch den turn 
around geschafft habe und mich jetzt zurücklehnen kann.

von waflija (Gast)


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Nur wenn vorher ein klares Lastenheft da ist und du jeden Punkt wirklich 
aus der Erfahrung einschätzen kannst, gibt eine Chance bei Festpreis 
ohne Schaden raus zu kommen. dann muss aber auch klar sein, dass alles 
was nicht drin steht extra kostet. Mit festgelegtem Stundensatz.
Vor allem: Einmal Festpreis, immer Festpreis. zumindest bei dem Kunden.

In der Entwicklung immer Stundensatz / Tagessatz. Im Zweifel mit 
vorher(!) geklärten max. Stunden. Sonst geht nachher die Diskussion los. 
Also z.B. 3 Monate Laufzeit oder max. 480 Std. dürfen gebucht werden. 
Dann weiß jeder wo er steht. Sonst buchst in 3 Monaten 600 Std. und 
bekommst nur 480 gezahlt, weil 50 Std. / Woche ist nicht eingeplant.

von ISEWEWI (Gast)


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Bürovorsteher schrieb:
> Selbständigkeit sofort nach dem Studium? Ja bitte, wir sehen dir dann
> beim Absturz zu.

Das geht teilweise schon, im reinen Softwarebereich. Habe ich auch 
gemacht, allerdings ist die Gefahr gross dass man auch hier in zu viele 
Fallen tappt, hat aber nix mit dem Fachlichen zu tun. Siehe 
Festpreis,... was oben schon angeschnitten wurde.

von Chris D. (myfairtux) (Moderator) Benutzerseite


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Ja, waflija beschreibt das recht gut - danke :-)

Aber:
Es gibt viele Arten der Selbstständigkeit: der eine macht 
Auftragsentwicklung, der nächste hilft immer nur, wenn die Hütte brennt 
und der dritte hat eigene Produkte und verkloppt diese.

Und dazwischen sind die Übergänge durchaus fließend: nur weil man 
anfangs jede beschissene Aufgabe annehmen musste, muss und sollte das 
nicht so bleiben.

Ich habe mit einem Produkt recht zügig nach dem Studium und kurzer 
HiWi-Zeit angefangen, musste aber für vernünftiges Einkommen nebenher 
Entwicklungsaufträge übernehmen. Mit der Zeit hat sich mein 
Produktportfolio aber immer mehr erweitert und nun bin ich mit meinem MA 
nicht mehr auf externe Aufträge angewiesen bzw. übernehme diese einfach 
nur noch, wenn es keine fixen Termine gibt ("Nur kein Stress! :-) und 
mich das vor allem auch interessiert. Ich kann es mir jetzt leisten.

Wer sich nach 20 Jahren immer noch mit Lasten- und Pflichtenheften der 
Kunden rumschlagen muss, der hat mMn etwas falsch gemacht. Oder es macht 
ihm Spaß, unter Druck zu arbeiten.

Auch schön: wenn ich heute beschließe, dass mich meine Produkte nicht 
mehr interessieren und langweilig sind und ich ab morgen 
Hightechtoiletten bauen will - dann mache ich das einfach. Ich muss 
niemanden fragen, ich fange einfach an.

Kurz gesagt: es gibt viele Facetten und nur weil Du jetzt am Anfang in 
saure Äpfel beißen musste, muss das für alle Zeit so bleiben.

Ein anderer ist vielleicht eher der Vertretertyp und liebt es, 
rumzureisen und täglich mehrere Kunden anzufahren. Auch das gibt es.

Ja, kaufmännisches Wissen ist sehr wichtig. Ein Unternehmen steht und 
fällt mit diesem Wissen, erst danach mit Deinem fachlichen Wissen!
Muss man sich leider selbst aneignen, weil es im Studium dazu fast 
nichts gibt.

Rücklagen bilden und erstmal kleine Brötchen backen - auch wichtig.

Was wirklich sehr viel Freude macht (und ich damals gar nicht erwartet 
hatte), ist, dass man immer neue, interessante Leute kennenlernt, neue 
Ideen, neue Einblicke. Ich empfinde das als einen ganz tollen Aspekt 
meiner Selbstständigkeit.

Ja, das mit der Wiederanstellung ist so eine Sache - ich denke auch 
nicht, dass ich noch als Angestellter geeignet wäre - dafür muss man 
jetzt einfach zu viel selbst entscheiden, und oft sind es 
Entscheidungen, bei denen es um meine Existenz geht.

Aber man macht sich ja auch nicht mit dem Gedanken "Später wechsele ich 
wieder zurück" selbstständig.

Ich habe mich nicht wegen der Kohle selbstständig gemacht. Das war nie 
meine Motivation. Mir ging es darum, selbst zu entscheiden, was ich wann 
und wie machen möchte. Und ich wollte genug Zeit für mich und meine 
Frau.
Dass das anfangs nicht geht, sollte einleuchten. Aber nach zehn Jahren 
ging das und jetzt "arbeite" ich weniger als der normale Angestellte und 
wenn, dann ist es eher Hobby, weil stressfrei (kein Termindruck!).

Ich wollte keine Jacht, ich wollte keinen Porsche, ich wollte etwas viel 
Wertvolleres: Zeit

Jetzt könnte ich zumindest das vorletzte auch noch haben ;-)

P.S.: ach so, ich bin wohl eher Quereinsteiger: Dipl.-Inf., allerdings 
mit immerhin Schwerpunkt E-Technik. Weiteres steht in meinem Profil.

: Bearbeitet durch Moderator
von D. I. (Gast)


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ISEWEWI schrieb:
> Das geht teilweise schon, im reinen Softwarebereich.

Man darf halt nicht mehr grün hinter den Ohren sein und muss ein Gefühl 
für realistische Einschätzungen bzgl. seiner Fähigkeiten und der 
gestellten Aufgabe haben. Wenn man schon viel während des Studiums 
gemacht hat, geht das schon und man sammelt immer mehr Erfahrung.

von Ingenieur (Gast)


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Hallo,

ich kenne vier Beispiele von Studienkollegen, alle inzwischen Ü50:

1) E-Technik-Ing (TU), hauptsächlich IT-Kram (Netzwerke), hier und da 
ein Industrie-Entwicklungsprojekt, zwischendurch als Freelancer, 
insgesamt 60 - 100K/A. Muss arbeiten, da Frau und vier Kinder. Maximal 
zwei Wochen Urlaub im Jahr. Aus meiner Sicht Stress pur, nicht 
empfehlenswert.

2) E-Technik-Ing (TU), pflegt bei Kunden Technik (SPS), die sein 
früherer Arbeitgeber nicht mehr unterstützt. Ab und zu Neuauftrag. Alles 
entspannt, da keine Familie. Mindestens 2 Monate Urlaub im Jahr. 
Empfehlenswert.

3) Maschinenbau-Ing (TU), hat (kurzgefasst) für einen Kunden 
Medizintechnik durch externen E-Techniker entwickeln lassen und die 
ganze Technik dann für viel (!) Geld an den Kunden abgetreten. Sitzt 
seit 5 Jahren auf den Kanaren und hat finanziell ausgesorgt.

4) E-Technik-Ing (FH), mit BWL-Partner, etwas IT-Kram (Netzwerke), 
regelmäßig Entwicklungsprojekte. Trotz saumäßiger Produktqualität und 
Kundenabzocke gut im Geschäft. Lebt seit 30 Jahren davon. Merke: Guter 
Verkäufer macht schlechten Ing mehr als wett! Muss arbeiten, da Frau und 
zwei Kinder. Aus meiner Sicht o.k., solange die Kunden mitmachen. Wurde 
allerdings mal verklagt und hat in der zweiten Instanz verloren. Das 
ging an die Substanz, mit BMW verkaufen, jahrelang kein Urlaub, usw..

Gruß

von Chris D. (myfairtux) (Moderator) Benutzerseite


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@Ingenieur: Du schreibst keine Einschätzung zu 3)

;-)

von Achim (Gast)


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Ich bin bei der Firma, bei der ich als Werkstudent gearbeitet habe, nach 
meinem Diplom, als Freiberufler (Hardwareentwickler mit FPGA/VHDL Kram) 
eingestiegen und bin im Anschluss an das Projekt bei der 
Freiberuflichkeit geblieben. Nach 2 Jahren habe ich dann zusammen mit 
einem (deutlich älteren) Konstrukteur, den ich in einem Projekt kennen 
gelernt habe, ein Ing-Büro als GbR gegründet und mache jetzt beides, 
also freiberufliche Projekte und Gewerke über das Ing Büro - bin jetzt 
(wenn ich mich nicht irre) im 7. Jahr selbstständig.
Grundsätzlich würde ich das niemandem direkt nach dem Studium empfehlen. 
Vor allem aus dem schon genannten Grund: nach dem Studium (und ehrlich 
gesagt auch viele Jahre danach noch) ist man vollkommen wissensfrei. Das 
es bei mir zu beginn trotzdem geklappt hat, hat eher etwas mit Glück zu 
tun, weil ich wie gesagt die Auftraggeber meines ersten Projekts schon 
kannte.
Wenn du so frisch anfängst, musst du versuchen dir das Wissen, was 
andere über Jahre aufbauen, parallel zu deinen Projekten in kürzester 
Zeit aufzubauen. Dabei einen Kundenstamm aufbauen, immer Hilfsbereit 
sein und schnell reagieren. Das kann sehr an den Nerven zehren. Es gab 
in den letzten Jahren viele Monate, in denen ich am Stück 
durchgearbeitet habe - auch am Wochenende bis in die Nacht - und ich 
öfter an einem Punkt stand, an dem ich einfach nicht mehr konnte.
Mittlerweile kann ich (und das muss man lernen, ist auch ein Teil 
Professionalität) Projekte ablehnen oder die Arbeit verteilen, indem ich 
Teile an andere Freiberufler weiter gebe, mit denen ich zusammen 
arbeite.
Ich habe nach wie vor das Gefühl, dass einem in Deutschland als junger 
selbstständiger am laufenden Band Knüppel zwischen die Beine geschmissen 
werden. Steuern, Banken usw. sind nur der Anfang. Monatlich ärgere ich 
mich über die GKV, die mir entspannt knappe 800€ abbuchen. Damit bin ich 
letztendlich schlechter gestellt, als jemand der den Mindestbeitrag 
zahlt.

von waflija (Gast)


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> Monatlich ärgere ich
> mich über die GKV, die mir entspannt knappe 800€ abbuchen. Damit bin ich
> letztendlich schlechter gestellt, als jemand der den Mindestbeitrag
> zahlt.

dann hast du im letzten Jahr zu viel verdient :) Normalerweise ist dein 
Einkommen des Vorjahres der Maßstab, du kannst aber bei akuten ausfällen 
auch anrufen und den Abschlag senken. - Ich hatte aber auch schon mal 
massiv Probleme mit denen wegen sowas.

Ansonsten stimme ich da Achim voll zu :)

An den Threadersteller: Wenn aus der Region NRW kommst kann ich dir mal 
den Termin und Ort für den Freiberufler Stammtisch in Frankfurt geben.

je nach dem was du gerade machst und wie viel zeit du im Moment frei 
hast, schau doch einfach mal nach geeigneten Projekten.

von Qwertz (Gast)


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waflija schrieb:
> Wenn aus der Region NRW kommst kann ich dir mal
> den Termin und Ort für den Freiberufler Stammtisch in Frankfurt geben.

Seit wann liegt Frankfurt in NRW?

von waflija (Gast)


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L’NRW, c’est moi - #mussmanwissen

von Henry G. (gtem-zelle)


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Mark B. schrieb:
> JeanClaudeVonDamme schrieb:
>> Ich würde den Elektroingenieuren unter Euch mal die Fragen stellen, ob
>> die Selbstständigkeit nach dem Studium eine Option ist.
>
> Sofort nach dem Studium? Davon wird im Allgemeinen eher abgeraten. Wenn
> man ein paar Jahre als Angestellter gearbeitet hat, dann:
>
> 1.) Hat man Ahnung, wie Industrieprojekte so laufen
> 2.) Hat man Leute kennengelernt, die potenziell Kunden sein könnten
> 3.) Hat man etwas Kapital zusammengespart, dass man zum Beispiel in
> seine eigene Geschäftsidee investieren kann.

Punkt 3 ist auch ein bissel utopisch, oder? Wie soll das mit heutigen 
Pupsgehältern für Ingenieure funktionieren? Im Zelt auf der Waldlichtung 
wohnen und die Miete sparen? So 10 Jahre lang? Mit 90% Risiko, dass die 
Selbstständigkeit schiefgeht? Hmmmm

von Cyborg (Gast)


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Henry G. schrieb:
> Im Zelt auf der Waldlichtung
> wohnen und die Miete sparen? So 10 Jahre lang? Mit 90% Risiko, dass die
> Selbstständigkeit schiefgeht? Hmmmm

Wer nicht über seine Verhältnisse lebt, kann sich mit Hartz 4 über
Wasser halten. Hinzuverdienst wird dann verrechnet, was vom
Zuflusszeitpunkt und -höhe abhängt. Monate ohne Einkommen,
also ohne Zufluss, hat die Wirkung, dass man vollen Anspruch auf
staatlich Unterstützung geltend machen kann. Nachteil: Es geht nicht 
nachträglich und man soll monatlich Zahlen beim Amt auf den Tisch
legen. Von Bewerbungsbemühungen wird man gewöhnlich auch nicht befreit,
aber wenn man da eine gute Figur macht, dann läuft das ganz easy.
Ich-AG wird nicht mehr unterstützt. Man muss sich schon durch boxen.

von Mark B. (markbrandis)


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Chris D. schrieb:
> Ich wollte keine Jacht, ich wollte keinen Porsche, ich wollte etwas viel
> Wertvolleres: Zeit

Viel Zeit kann man freilich auch haben, wenn man in einem Halbtagsjob 
arbeitet ;-)

von waflija (Gast)


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@Cyborg Also wenn man als Selbständiger Hartz 4 braucht läuft was 
schief. Entweder falsch kalkuliert oder dreist. So etwas passiert meist 
nur wenn man sich davon überreden lässt "auf Gewerbeschein" zum 
Tariflohn zu arbeiten. Sprich für 10€-15€/Std. inkl. MwSt. So was nennt 
sich Selbstbetrug und prekäre Beschäftigung, ähnlich den armen Schweinen 
mit 400€ Job, 40 Std. und "Aufstocken", damit am Ende 2€ / Std. 
rauskommt.

Fausformeln: Festangestellter Stundensatz * 3 = Freelancer bzw. 
Jahresgehalt *1,5 für Freelancer.

@henryG
> 3.) Hat man etwas Kapital zusammengespart, dass man zum Beispiel in
> seine eigene Geschäftsidee investieren kann.

Investieren geht besser wenn du selbstständig bist. Warum?
Festanstellung: 1000€ verdient, 400€ Einkommenssteuern gezahlt, 19% 
MwSt. => 504€ netto zum Investieren.

Freelancer: 1000€ + 190€ MwSt. verdient, 1000€ netto zum Investieren. 
Steuern fallen keine an, da die nur auf den "Gewinn" gehen: 1190€-1190€ 
= 0€ Gewinn.

von Cyborg (Gast)


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waflija schrieb:
> @Cyborg Also wenn man als Selbständiger Hartz 4 braucht läuft was
> schief.

Nicht unbedingt, denn Absolventen haben weder Eigenkapital,
Kreditwürdigkeit, Berufserfahrung, noch Kunden (die muss man
erst mal gewinnen und wenn die Zahlungsmoral mies ist, rennt man
der Kohle hinter her). Da ist so eine Mindereinnahme durchaus
nicht zu verachten. Wenn dann der Laden boomt und die Rechnungen
auch bezahlt werden, kann man ja aus Hartz aussteigen.

von G. L. (glt)


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JeanClaudeVonDamme schrieb:
> "Elektrotechnik Selbstständigkeit" sollte es natürlich heißen :-)

Heisst "selbst" u. "ständig" - wenn Du dich dafür entscheiden kannst...?

von Claymore (Gast)


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JeanClaudeVonDamme schrieb:
> Ich würde den Elektroingenieuren unter Euch mal die Fragen stellen, ob
> die Selbstständigkeit nach dem Studium eine Option ist.

Davon würde ich auch eher abraten. Als reiner Freiberufler geht das im 
Prinzip - im Endeffekt ist man dann aber auch nur billiger Leiharbeiter. 
Wertvolles Fachwissen kann man sich im Angestelltenverhältnis meiner 
Meinung nach besser aneignen. Ausnahmen bestätigen die Regel (siehe 
Chris).

Henry G. schrieb:
> Punkt 3 ist auch ein bissel utopisch, oder? Wie soll das mit heutigen
> Pupsgehältern für Ingenieure funktionieren? Im Zelt auf der Waldlichtung
> wohnen und die Miete sparen? So 10 Jahre lang? Mit 90% Risiko, dass die
> Selbstständigkeit schiefgeht? Hmmmm

Einfach mal ein paar Jahre so weiterleben wie als Student. Ist kein 
Problem und auch mit "heutigen Pupsgehältern" kommt man so auf 30-50% 
Sparquote. Das heißt nach 5 Jahren arbeiten kann man ca. 2 Jahre von 
seinen Ersparnissen leben.

JeanClaudeVonDamme schrieb:
> Das waren soweit meine Fragen und es würde mich freuen, falls sich hier
> im Forum der ein oder andere selbstständige Ingenieur finden lässt.

Ich habe lange Zeit (über 10 Jahre) als Mitgründer (4 Gesellschafter) 
neben her etwas aufgebaut. Als ich Vollzeit in die eigene Firma 
eingestiegen bin, konnte ich von Kapitalerträgen meiner Ersparnisse 
schon bequem leben und das Unternehmen hat zusätzlich stabile Gewinne 
abgeworfen. Das finanzielle Risiko ging also gegen Null. Das ist aber 
eine ziemlich extreme Variante. Die nebenberufliche Gründung 
funktioniert aber auch in weniger extremen Fällen.

Ganz gut funktioniert so eine Selbstständigkeit im Softwarebereich, weil 
das nötige Startkapital sehr gering sein kann und man relativ schnell 
auf einen "Exit" hinarbeiten kann. Ingenieurswissen mit Software zu 
verbinden funktioniert immer noch sehr gut. Man muss nur in der Lage 
sein, seinen Lebensunterhalt zu verdienen. Dafür gibt es verschiedene 
Varianten. Entweder man hat eben persönliche Ersparnisse, einen 
arbeitenden Partner (ist auch für die Krankenversicherung praktisch) 
oder man hat noch einen Nebenjob (oder macht sich umgekehrt nebenher 
selbstständig). Ich habe alle Varianten schon live gesehen.

Das ist aber auch eine Mentalitätsfrage. Manche Leute brauchen den 
Druck, den endliches Kapital mit sich bringt. Ich persönlich arbeite 
effektiv, wenn ich entspannt ohne Geldsorgen an die Sache rangehen kann.

von Henry G. (gtem-zelle)


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waflija schrieb:

> @henryG
>> 3.) Hat man etwas Kapital zusammengespart, dass man zum Beispiel in
>> seine eigene Geschäftsidee investieren kann.

Das war auch nicht von mir, sondern von Mark.

> Investieren geht besser wenn du selbstständig bist. Warum?
> Festanstellung: 1000€ verdient, 400€ Einkommenssteuern gezahlt, 19%
> MwSt. => 504€ netto zum Investieren.

Ja, das Problem ist das Geld zusammen zu bekommen, um überhaupt die 
Selbstständigkeit aufbauen zu können. Das ist ja der eigentliche 
Knackpunkt. In der Theorie gibt es immer einen Weg, nur in der Praxis 
nicht.

von Henry G. (gtem-zelle)


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Claymore schrieb:

> Henry G. schrieb:
>> Punkt 3 ist auch ein bissel utopisch, oder? Wie soll das mit heutigen
>> Pupsgehältern für Ingenieure funktionieren? Im Zelt auf der Waldlichtung
>> wohnen und die Miete sparen? So 10 Jahre lang? Mit 90% Risiko, dass die
>> Selbstständigkeit schiefgeht? Hmmmm
>
> Einfach mal ein paar Jahre so weiterleben wie als Student. Ist kein
> Problem und auch mit "heutigen Pupsgehältern" kommt man so auf 30-50%
> Sparquote. Das heißt nach 5 Jahren arbeiten kann man ca. 2 Jahre von
> seinen Ersparnissen leben.

Deine Ziele im Leben sind wirklich bedauernswert, du hast mein Beileid.

von Claymore (Gast)


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Henry G. schrieb:
> Deine Ziele im Leben sind wirklich bedauernswert, du hast mein Beileid.

Das Mitleid (Beileid ist wohl der falsche Begriff, schließlich ist 
niemand gestorben) brauche ich nicht, mir ging es immer super damit. 
Mein Ziel war ja auch nie, ewig wie ein Student zu leben. Das war ja nur 
ein paar Jahre so, solange es noch Spaß gemacht hat.

Mit Mitte 20 mehrere Wochen ist es noch richtig spannend einen 
mehrwöchigen Urlaub unter 200 Euro (bzw. DM ;-) ) zu drücken. Das 
WG-Leben hat für einen jungen Menschen auch seine Vorzüge. Wenn man 
älter wird, macht das vielleicht nicht mehr so viel Spaß, aber genau 
deshalb macht es ja Sinn, als junger Mensch zu sparen.

Manche brauchen aber wohl den Konsum, um sich den Schein von Glück zu 
erhalten. Das ist für mich wiederum eine sehr bedauerliche 
Lebenseinstellung.

von Henry G. (gtem-zelle)


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Claymore schrieb:

>...blubber

Clayrmore, mit deiner Einstellung passt du auch super nach Nord-Korea. 
Da kannst du auf Konsum verzichten und dir den Arsch abarbeiten und 
immer glücklich dabei lächeln. Und dass du Mietwohnung, Zeit und 
gesundes Essen als Konsum ansiehst, aber sparen mit Negativzins als 
Tugend, entlarvt dich als Troll oder eben...naja als schlichten 
Charakter. Aber gut, andererseits ist eine Kuh auch glücklich mal auf 
die Wiese kacken zu dürfen.

von Claymore (Gast)


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Henry G. schrieb:
> Da kannst du auf Konsum verzichten und dir den Arsch abarbeiten und
> immer glücklich dabei lächeln.

Verzichten muss ich doch gar nicht, ganz im Gegenteil. Den "Arsch 
abarbeiten" musste ich noch nie wirklich.

Es ist einfach eine ziemlich armselige Einstellung, dass man nur 
glücklich sein kann, wenn man möglichst viel Geld ausgibt. Dabei sind 
die wichtigsten Dinge im Leben kostenlos oder zumindest kein großer 
Kostenfaktor. Manchmal spart es sogar etwas - meine "Billigurlaube" z.B. 
brachten viele spannende Erlebnisse in meinem Leben.

Aber wie will man das einem konsumzerfressenen Menschen nur klar machen? 
Das ist wie Blinde die Farben erklären...

Henry G. schrieb:
> Und dass du Mietwohnung, Zeit und
> gesundes Essen als Konsum ansiehst

Geld ausgeben spart keine Zeit. Gesundes Essen kostet nicht viel Geld, 
ganz besonders wenn man nicht alleine kocht. Eine unnötig große Wohnung 
ist allerdings sehr wohl Konsum.

Henry G. schrieb:
> aber sparen mit Negativzins als
> Tugend

Negativzins spielt keine Rolle. Kurz- und mittelfristig war Cash 
inflationsbereinigt nie ein großer Gewinnbringer und langfristig geht 
man auf andere Anlageformen über, die heute noch ordentliche Renditen 
bringen können.

von Henry G. (gtem-zelle)


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Claymore schrieb:

> Negativzins spielt keine Rolle. Kurz- und mittelfristig war Cash
> inflationsbereinigt nie ein großer Gewinnbringer und langfristig geht
> man auf andere Anlageformen über, die heute noch ordentliche Renditen
> bringen können.

LOL, na dann viel Erfolg die nächsten Jahre, toi, toi, toi

von Anlagenbauer (Gast)


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Jeden Tag in JEDEM Thread in diesem Bereich diese 
Investment/Aktien/Anlagescheiße. Hört doch endlich mal auf, diesen 
gelangweilten Selbstdarsteller mit Text zu bedienen!

von Claymore (Gast)


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Henry G. schrieb:
> LOL, na dann viel Erfolg die nächsten Jahre, toi, toi, toi

Oh, mal wieder ein Hellseher. Dabei kannst du nicht mal richtig lesen.

Aber jetzt bitte wieder zurück zum eigentlichen Thema.

von Chris D. (myfairtux) (Moderator) Benutzerseite


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Mark B. schrieb:
> Chris D. schrieb:
>> Ich wollte keine Jacht, ich wollte keinen Porsche, ich wollte etwas viel
>> Wertvolleres: Zeit
>
> Viel Zeit kann man freilich auch haben, wenn man in einem Halbtagsjob
> arbeitet ;-)

Ja :-)

Ich meinte mit "Zeit haben" allerdings eher, die Arbeit ruhen zu lassen, 
wenn ich das möchte, nicht wenn es anderen passt.

Heimarbeit und Halbtagsjob machen das sicherlich einfacher, aber auch da 
muss man liefern - auch wenn man in der Woche viel Zeit für sich und 
Frau haben möchte.

Ich möchte also die alleinige Verfügungsgewalt über meine Lebenszeit :-)

von Henry G. (gtem-zelle)


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Chris D. schrieb:

> ... und Halbtagsjob machen das sicherlich einfacher,

Wieso? Weil man dann nur noch die halbe Miete, Tankfüllung etc. zahlen 
muss?

von Chris D. (myfairtux) (Moderator) Benutzerseite


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Henry G. schrieb:
> Chris D. schrieb:
>
>> ... und Halbtagsjob machen das sicherlich einfacher,
>
> Wieso? Weil man dann nur noch die halbe Miete, Tankfüllung etc. zahlen
> muss?

Mark meinte, dass man dann mehr Zeit hätte.

Und mit einem halbwegs gutem Halbtagsjob, Heimarbeit und eigenem Haus 
ist das durchaus machbar.

Aber man hat dann eben trotzdem nur dann Zeit, wenn andere das meinen.

: Bearbeitet durch Moderator
von Interesse an Selbstständigkeit (Gast)


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Ich bedanke mich mal für die Beiträge, auch wenn ich nicht der 
Themenstarter bin.


Nochmal zu den Kosten. Wie ist das am Anfang in den ersten 1-3 Jahren? 
Sagen wir mal im ersten Jahr ist es unter dem Grundfreibetrag.

Bin in der PKV, steigt der Betrag sofort nach der Gründung?

Jemand hat was von der Bank erwähnt, fallen dort zusätzliche Kosten 
an? Nicht für einen Kredit.

Versicherungen, sind welche ein muss? Arbeitsunfähigkeit, 
Rechtsschutz, Renten, Haftpflicht für das was man produziert?

Wenn man das Eigenheim als Unternehmen nutzt, kommen dann auf einem 
zusätzliche Kosten zu?

IHK, Berufsgenossenschaft, ... wollen diese auch eine finanzielle 
Unterstützung?


Mal ganz banal gesagt: Wenn ich eine Gewerbeanmeldung durchführe, welche 
finanziellen Folgen hat das?

von Dumdi D. (dumdidum)


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PKV bleibt gleich. Die Frage ist was genau Du machen willst. Dann kann 
man sagen ob Du ein Gewerbe anmelden musst oder als Freiberufler gelten 
kannst. Vorteile wären: keine Gewerbesteuer und Du darfst auch aus einem 
Wohngebiet operieren. IHK und BG Beiträge würden auch nicht fällig.

von Cyborg (Gast)


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Interesse an Selbstständigkeit schrieb:
> Nochmal zu den Kosten. Wie ist das am Anfang in den ersten 1-3 Jahren?
> Sagen wir mal im ersten Jahr ist es unter dem Grundfreibetrag.

Du meinst Kosten die du absetzen kannst? Da frag mal deinen
Steuerberater der seine Leistungen dir GERN in Rechnung stellt.

> Bin in der PKV, steigt der Betrag sofort nach der Gründung?

Gewöhnlich steigt der Beitrag erst im Alter. Hier wäre die eigene
PKV eine verlässlichere Quelle.
Gesetzlich wäre Anfangs zwar teurer, aber man kann sich freiwillig 
versichern ab 170Euro/Monat.

> Jemand hat was von der Bank erwähnt, fallen dort zusätzliche Kosten
> an? Nicht für einen Kredit.

Die Kosten für ein Geschäftskonto hängen von der gewählten Bank ab.
Da hat man ja die freie Wahl und nimmt das beste Angebot mit dem
brauchbarsten Service.

> Versicherungen, sind welche ein muss? Arbeitsunfähigkeit,
> Rechtsschutz, Renten, Haftpflicht für das was man produziert?

Betriebshaftpflicht sollte man schon haben, aber alle Geschäftsrisiken
deckt keine ab. Man muss sich halt mit den Versicherungsverträgen 
auseinandersetzen.
Mit dem Finanzamt hat so mancher seine helle Freude, weil die gerne
mit Ertragsvorausschauen arbeiten und einen Steuernvorschuss verlangen.

> Wenn man das Eigenheim als Unternehmen nutzt, kommen dann auf einem
> zusätzliche Kosten zu?

Je nach Flächennutzung wird die Grundsteuer anders bemessen.
Steuerberater fragen.
Gewerbesteuer wird an die Gemeinde abgeführt und ist von einem
Hebesatz abhängig.

> IHK, Berufsgenossenschaft, ... wollen diese auch eine finanzielle
> Unterstützung?

IHK will Beiträge, wenn du Gewinne machst und die Berufgenossenschaft
hält für bei dir angestellte Mitarbeiter die Hand auf. Dann sind deine
MA aber über die BG unfallversichert (Unfälle während der Arbeit).
Selbständige sind vorbehaltlich beitragsfrei unfallversichert.

> Mal ganz banal gesagt: Wenn ich eine Gewerbeanmeldung durchführe, welche
> finanziellen Folgen hat das?

Eine ganze Menge und zwar so zahlreich, dass man denkt man steht im 
Wald.
Man ist nicht schlecht beraten, bei der lokalen IHK erst mal an einen
Existenzgründungsseminar für kleines Geld teil zu nehmen um die Basics
zu lernen. Viele Selbständige sind nämlich nur durch Unwissenheit 
gescheitert.

von waflija (Gast)


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Interesse an Selbstständigkeit schrieb:
> Jemand hat was von der Bank erwähnt, fallen dort zusätzliche Kosten
> an? Nicht für einen Kredit.

Falls der Kredit schon vorhanden ist, kann die Bank trotz bezahlter 
Raten kündigen. Einige machen das leider auch um schnell Geld zu machen. 
Falls der Kredit schon läuft schau da mal unter "Änderung der 
Kreditwürdigkeit / Änderung der Lebensverhältnisse die Einfluss auf die 
Bonität haben".
Bonität bei Selbstständigkeit aus Bankensicht = 0, also Kündigung...

> Versicherungen, sind welche ein muss? Arbeitsunfähigkeit,
> Rechtsschutz, Renten, Haftpflicht für das was man produziert?

Haftplicht ist das wichtigste (ab ca. 50€ / Monat,je nach dem was du 
machst), den Rest musst du selber wissen.

> Wenn man das Eigenheim als Unternehmen nutzt, kommen dann auf einem
> zusätzliche Kosten zu?

Nein. Die Frage ist nur ob du das überhaupt darfst. Stichwort "reines 
Wohngebiet", im Zweifel bei der Stadt nachfragen ob eine 
Nutzungsänderung erfolgen muss. Fall Einnahmen vorhanden sind ist ein 
getrenntes Büro besser, dass lässt sich leichter absetzen.

> IHK, Berufsgenossenschaft, ... wollen diese auch eine finanzielle
> Unterstützung?
> Mal ganz banal gesagt: Wenn ich eine Gewerbeanmeldung durchführe, welche
> finanziellen Folgen hat das?

Die Anmeldung kostet 10-40€ je nach Stadt. Danach kommt der Meldebogen 
vom Finanzamt. Theoretisch kannst du dir den Schein holen und jeden 
Monat eine 0 in die Steuererklärung schreiben. Dann zahlst du gar nix 
weiter.
IHK meldet sich von selbst, BG kannst du dich freiwillig versichern. Ist 
aber wenn du allein bist kein muss. Sobald du Mitarbeiter hast ist es 
Pflicht.

von ● Des I. (Firma: FULL PALATINSK) (desinfector) Benutzerseite


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auch in der Selbstständigkeit ist man Abhängig.
zwar nicht von einem Scheff, sondern dann eben vom Kunden.
Und die können noch viel pissiger sein.

Ihr betrügt Euch doch selbst, wenn Ihr glaubt,
man hätte dann nur noch Zeit für sich selbst
oder arbeitet wie Euch es passt und so.

Unterm Strich muss man in der Selbstständigkeit doch viel mehr arbeiten.
eben selbst und ständig (jaja der uralte Spruch)

von Bürovorsteher (Gast)


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> eben selbst und ständig (jaja der uralte Spruch)

Ich kann diese Selbstbeweihräucherung schon langsam nicht mehr hören.
Mir verwelken die Ohren.

> auch in der Selbstständigkeit ist man Abhängig.
> zwar nicht von einem Scheff, sondern dann eben vom Kunden.
> Und die können noch viel pissiger sein.

Die wahre Kunst des Selbständigen besteht darin, die Kunden auf Distanz 
zu halten und trotzdem gut an ihnen zu verdienen.
Zielvorgabe: keine Endkunden, Verkauf nur über Großhändler, Disti o.ä.
Merke: Kunden sind in jedem Unternehmen ein Störfaktor.

von Chris D. (myfairtux) (Moderator) Benutzerseite


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● J-A V. schrieb:
> auch in der Selbstständigkeit ist man Abhängig.
> zwar nicht von einem Scheff, sondern dann eben vom Kunden.
> Und die können noch viel pissiger sein.

Für Auftragsarbeiten stimmt das sicherlich - wobei ich da immer faire 
Kunden hatte. Außerdem: man kann zumindest später auch mal Aufträge 
ablehnen.

> Ihr betrügt Euch doch selbst, wenn Ihr glaubt,
> man hätte dann nur noch Zeit für sich selbst
> oder arbeitet wie Euch es passt und so.

Genau so kann man es aber aufziehen.

Die zentrale Frage dabei ist: Wieviel Geld brauche ich wirklich?
Mit einem erfolgreichen Unternehmen kann man natürlich viel mehr Geld 
scheffeln als als Angestellter - da gibt es nach oben hin praktisch 
keine Grenze. Aber das hat eben seinen Preis.

Sagt man sich: "Ok, das, was ich im Moment erwirtschafte, reicht locker 
für ein gutes Leben.", dann spricht nichts dagegen, diese Stufe einfach 
zu halten und nicht weiter zu wachsen (was ja nicht heisst, dass man 
technisch/entwicklungsmäßig auf der Stelle treten muss - das wäre in der 
Tat schlecht). Mehr Mitarbeiter heisst eben auch mehr Verantwortung und 
weniger Flexibilität.

Ich könnte vermutlich fünf bis zehn MA haben, wenn ich das voll 
durchgezogen hätte (70h-Woche etc.). Der Markt, auf dem ich mich bewege, 
gibt das auf jeden Fall her.

Aber wozu? Dann hinge ich von von 7 bis 20 Uhr im Betrieb und müsste 
mich nur noch mit der Organisation rumschlagen. Ich kenne wirklich 
einige Betriebe dieser Größe (<20 MA) und deren Eigentümer sehr gut. Die 
Chefs sind überarbeitet, gestresst, haben mit 50 ihre Bypässe und 
beschäftigen sich anstatt mit ihren Produkten nur noch mit Papierkram. 
Das ist doch Mist.

Ich will aber Zeit haben und vor allem auch weiterhin selbst 
Entwickeln/Bauen/Tüfteln. Ich hab keine Lust, den Tag hauptsächlich im 
Chefbüro mit der Aquise etc. zu verbringen.

Die Konsequenz war: weniger Einkommen, mehr Zeit für mich und andere, 
kein Stress, seelische und körperliche Gesundheit. Für mich ist das 
unbezahlbar.

Niemand zwingt einen dazu, permanent zu wachsen.

Grundlage dafür sind allerdings eigene Produkte und eine gewisse 
Durststrecke, bis man von diesen leben kann. In dieser Zeit ist man in 
der Tat auch von pissigen Kunden abhängig.

> Unterm Strich muss man in der Selbstständigkeit doch viel mehr arbeiten.
> eben selbst und ständig (jaja der uralte Spruch)

Ja, so alt und so falsch.

Zuerst muss man in der Tat mehr tun - aber das kann man sich dann später 
zurückholen.

Wenn man denn möchte!

Wenn das Unternehmen aber der einzige Lebenssinn ist, fällt das 
Lockerlassen natürlich schwer. Dann wird das Unternehmen zum 
Selbstzweck.

Welchen Weg man einschlägt, muss jeder selbst entscheiden - ich habe 
mich für weniger Geld und mehr Lebenszeit entschieden.

Wenn ich mir anschaue, wie ruhig, gelassen und zufrieden wir jetzt 
leben, dann war die Entscheidung nicht die schlechteste.

: Bearbeitet durch Moderator
von Pandur S. (jetztnicht)


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>Zielvorgabe: keine Endkunden, Verkauf nur über Großhändler, Disti o.ä.
Merke: Kunden sind in jedem Unternehmen ein Störfaktor.

Hihi. .. Ja, Distris und Grosskunden ... Bei Grosskunden darft du Lager 
spielen.

Distributoren verlangen dass sie Ware von dir an Lager haben koennen, 
und erst bei Verkauf bezahlt wird. Wenn ein Distributor eine Aktion 
machen will, musst du verguenstigt liefern.

von Chris D. (myfairtux) (Moderator) Benutzerseite


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Cyborg schrieb:
>> IHK, Berufsgenossenschaft, ... wollen diese auch eine finanzielle
>> Unterstützung?
>
> IHK will Beiträge, wenn du Gewinne machst

Wobei man da meist eine Freigrenze hat, bis zu der man nichts zahlt 
(hier sind's 5000€). Danach geht das hier gestuft weiter: bis 10k sind 
es um die 30€ meine ich, dann 25k mit 99€ etc. So um den Dreh rum.

Das ist aber von IHK zu IHK unterschiedlich.

> und die Berufgenossenschaft
> hält für bei dir angestellte Mitarbeiter die Hand auf. Dann sind deine
> MA aber über die BG unfallversichert (Unfälle während der Arbeit).

Ja, wobei da der Beitrag von der Gefahrenklasse abhängt. Je 
gefährlicher, desto teuerer. Reine Bürojobs sind günstig. Ich zahle hier 
für meinen MA knapp über 100€ im Jahr. Aber auch das hängt von der BG 
ab, der Du angehörst (das wird anfangs aufgrund Deiner Tätigkeit 
festgelegt).

> Selbständige sind vorbehaltlich beitragsfrei unfallversichert.

Da bin ich mir nicht sicher. Bei meiner BG ist es auf jeden Fall nicht 
so. Man kann sich dort freiwillig mitversichern, aber das kostet dann 
halt. Ich hatte das damals abgefragt, weil ich prüfen wollte, ob ich 
mich extra versichern soll.

Also: nachfragen!

>> Mal ganz banal gesagt: Wenn ich eine Gewerbeanmeldung durchführe, welche
>> finanziellen Folgen hat das?
>
> Eine ganze Menge und zwar so zahlreich, dass man denkt man steht im
> Wald.
> Man ist nicht schlecht beraten, bei der lokalen IHK erst mal an einen
> Existenzgründungsseminar für kleines Geld teil zu nehmen um die Basics
> zu lernen. Viele Selbständige sind nämlich nur durch Unwissenheit
> gescheitert.

Jepp.

Wobei das nicht soooo dramatisch ist. Viele Dinge kommen erst mit der 
Zeit hinzu.

Einmal gründlich schlau machen und wirklich die IHK löchern. Die Leute 
dort sind dafür da. Dafür zahlst Du (später) Beiträge.
Meine IHK (Koblenz) bietet wirklich viele (kostenfreie) Seminare und 
Veranstaltungen zu Steueränderungen und auch kostenfreie Gespräche mit 
Patentanwälten/Steuerberatern etc. an - gerade für Gründer. Nutze die!

von Bürovorsteher (Gast)


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> Hihi. .. Ja, Distris und Grosskunden ... Bei Grosskunden darft du Lager
> spielen.

Na und? Dafür reicht mir der Großkunde ja auch einen Rahmenvertrag über 
den Tisch. Lagerbestand 25%. Der Rahmenvertrag hat den Vorteil, dass ich 
auch etwas auf Halde produzieren kann, wenn sonst nichts zu tun ist.

> Wenn ein Distributor eine Aktion
> machen will, musst du verguenstigt liefern.

Ich denke nicht im Traum daran. Der Disti hat die Wahl, meine 
Erzeugnisse zum von mir festgesetzten Preis zu kaufen oder es sein zu 
lassen.
Wenn man das Marktmonopol hat, funktioniert das ganz gut.

von Cyborg (Gast)


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waflija schrieb:
> Theoretisch kannst du dir den Schein holen und jeden
> Monat eine 0 in die Steuererklärung schreiben. Dann zahlst du gar nix
> weiter.

Aber wirklich nur theoretisch. Mag ein, vielleicht zwei oder sogar
mehr Jahre gut gehen, aber wenn keine Gewinne erwirtschaftet werden,
kann das FA auf die Idee kommen, das die ganze Geschichte nur
Liebhaberei ist und dann amtlich die Kiste dicht macht (Analogien zu
Moderatorenaktivitäten sind rein zufällig).  ;-b
Wenn das kein Problem ist und man macht Gewinne muss man eben Kapital
vorhalten und auf zukünftige Gewinne eine Steuervorauszahlung leisten,
mit der man dann nicht arbeiten kann, weil das Kapital ja beim FA liegt.
Ist ein wenig daneben, dass System, aber der Staat will da lieber auf
Nummer Sicher gehen.
Dann muss man sich über Mwst., eine passende Rechtsform und noch
so ein paar andere Dinge Gedanken machen, aber das bekommt man in
so einem Existenzgründerseminar verklickert.

von Claymore (Gast)


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Chris D. schrieb:
> Für Auftragsarbeiten stimmt das sicherlich - wobei ich da immer faire
> Kunden hatte. Außerdem: man kann zumindest später auch mal Aufträge
> ablehnen.

Das hat damit gar nicht so viel zu tun. Es ist eher eine Frage der 
persönlichen Einstellung. Wer mit Chefs nicht klar kommt, kommt auch mit 
Kunden nicht gut aus. Umgekehrt ist das genauso. Und wenn man nur ein 
Problem mit einem bestimmten Chef hat, wäre Selbstständigkeit nicht die 
logische Lösung, sondern ein Jobwechsel.

Der Punkt ist doch, dass man in fast jeder Lebenslage irgendwie auf 
andere Menschen angewiesen ist. Wer sich davor verstecken will, ist für 
Selbstständigkeit sicherlich nicht geeignet.

von Mark B. (markbrandis)


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Chris D. schrieb:
> Aber wozu? Dann hinge ich von von 7 bis 20 Uhr im Betrieb und müsste
> mich nur noch mit der Organisation rumschlagen. Ich kenne wirklich
> einige Betriebe dieser Größe (<20 MA) und deren Eigentümer sehr gut. Die
> Chefs sind überarbeitet, gestresst, haben mit 50 ihre Bypässe und
> beschäftigen sich anstatt mit ihren Produkten nur noch mit Papierkram.
> Das ist doch Mist.

Ich sehe das ähnlich wie Du. Allerdings frage ich mich:
Muss man zwingend Inhaber und Geschäftsführer in Personalunion sein?

Wenn die Firma genug Geld einnimmt, könnte man doch einen 
Geschäftsführer einstellen. Oder einen Mitarbeiter in diese Stellung 
befördern. Fall derjenige seinen Job nicht gut macht, kann man ihn immer 
noch durch jemand anderen ersetzen. Dafür gehört einem die Firma ja.

: Bearbeitet durch User
von Henry G. (gtem-zelle)


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Mark B. schrieb:
> Chris D. schrieb:
>> Aber wozu? Dann hinge ich von von 7 bis 20 Uhr im Betrieb und müsste
>> mich nur noch mit der Organisation rumschlagen. Ich kenne wirklich
>> einige Betriebe dieser Größe (<20 MA) und deren Eigentümer sehr gut. Die
>> Chefs sind überarbeitet, gestresst, haben mit 50 ihre Bypässe und
>> beschäftigen sich anstatt mit ihren Produkten nur noch mit Papierkram.
>> Das ist doch Mist.
>
> Ich sehe das ähnlich wie Du. Allerdings frage ich mich:
> Muss man zwingend Inhaber und Geschäftsführer in Personalunion sein?
>
> Wenn die Firma genug Geld einnimmt, könnte man doch einen
> Geschäftsführer einstellen. Oder einen Mitarbeiter in diese Stellung
> befördern. Fall derjenige seinen Job nicht gut macht, kann man ihn immer
> noch durch jemand anderen ersetzen. Dafür gehört einem die Firma ja.

Der will dann aber ordentlich Geld sehen, d.h. du verdienst deutlich 
weniger, trägst aber das gleiche oder sogar größere finanzielle Risiko, 
wenn in der Firma ohne deine Aufsicht Scheiße gebaut wird.

von Dieter F. (Gast)


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ISEWEWI schrieb:
> Ich kenne keinen der mit E-Technik sich selbstständig gemacht hätte,

Ich kenne einen, der einen kennt, der damit geliebäugelt hat. Ist aber 
nichts geworden, der hat einen guten Job gefunden und ist sehr 
zufrieden.

Es gibt Existenzgründer-Seminare von der IHK etc. da solltest Du mal 
reinschauen. Dort triffst Du Gleichgesinnte und bekommst auch (sicher 
:-) ) kompetentere Antworten wie bei Google - oder in "irgendwelchen 
Foren".

von Claymore (Gast)


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Oder einfach ein Build-to-sell-Unternehmen. Im besten Fall hat man nach 
zwei Jahren Arbeit ausgesorgt (Normalerweise braucht man ein paar 
Anläufe). Und dabei muss man sich noch nicht einmal tot arbeiten (von 
wegen selbst und ständig), wenn man effizient ist. Das geht sogar auch 
nebenbei. Alternativ macht man es wie Tim Ferris ("Die 4-Stunden-Woche") 
und macht sich selbst entbehrlich. Leute fest anzustellen muss dafür 
heutzutage gar nicht sein.

von Mark B. (markbrandis)


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Henry G. schrieb:
> Der will dann aber ordentlich Geld sehen, d.h. du verdienst deutlich
> weniger, trägst aber das gleiche oder sogar größere finanzielle Risiko,
> wenn in der Firma ohne deine Aufsicht Scheiße gebaut wird.

Der Inhaber wäre dann quasi der Aufsichtsrat und würde sich regelmäßig 
mit dem Geschäftsführer austauschen.

von Cyborg (Gast)


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Claymore erzählt wieder einen vom Pferd.
Wundert schon, dass es noch keine Webseite gibt, wie
"Frag Claymore", Analog zu "Frag Mutti". ;-b
Da könnte er sich richtig austoben.

von Chris D. (myfairtux) (Moderator) Benutzerseite


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Mark B. schrieb:
> Ich sehe das ähnlich wie Du. Allerdings frage ich mich:
> Muss man zwingend Inhaber und Geschäftsführer in Personalunion sein?
> Wenn die Firma genug Geld einnimmt, könnte man doch einen
> Geschäftsführer einstellen. Oder einen Mitarbeiter in diese Stellung
> befördern. Fall derjenige seinen Job nicht gut macht, kann man ihn immer
> noch durch jemand anderen ersetzen. Dafür gehört einem die Firma ja.

Ja, das könnte man - allerdings muss man dann einiges an 
Entscheidungsgewalt abgeben, hätte aber deutlich weniger Gewinn und das 
Risiko, dass derjenige das in den Sand setzt.

Außerdem bin ich ja (zeitlich gesehen) eher Entwickler als Unternehmer. 
Den Teil würde/müsste ich dann ja trotzdem weiterhin ausüben, um neue 
Produkte und meine Ideen auch umzusetzen.

Wie schon geschrieben: mir macht das Tüfteln und bauen von Prototypen 
und das umsetzen von Ideen einfach sehr viel Spaß.

Mein Unternehmen ist erfreulicherweise seit einigen Jahren so weit 
gediehen und die Rücklagen so groß, dass ich ohne größeres Risiko auch 
Dinge weitab meines aktuellen Geschäfts (chemische Verfahrenstechnik) 
umsetzen kann.

Im Moment plane ich bspw. für Juli 2017 den Start einer Massenproduktion 
von relativ einfachen mechanischen Teilen. Das erfordert den Bau von ein 
paar Maschinen, hat aber gar nichts mit meinem aktuellen Geschäft zu 
tun. Die Idee dazu kam von einem befreundeten Unternehmer, der sein 
Geschäft vor ein paar Jahren aus gesundheitlichen Gründen aufgab. Der 
Markt ist aber weiterhin da - warum also nicht übernehmen? Zumal das 
dann ab Juli fast vollautomatisch laufen wird, mir also keine Zeit mehr 
raubt.

Die komplette Entwicklung der Produktionslinie werde ich aber 
übernehmen.

Und unsere "normalen" Produkte erfordern einfach viel technische 
Beratung und Anpassung. Da hilft mir dann ein Geschäftsführer nicht 
viel.

von Dieter F. (Gast)


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Chris D. schrieb:
> Die komplette Entwicklung der Produktionslinie werde ich aber
> übernehmen.
>
> Und unsere "normalen" Produkte erfordern einfach viel technische
> Beratung und Anpassung. Da hilft mir dann ein Geschäftsführer nicht
> viel.

Mal ganz ehrlich: Was bewegt Dich, offensichtlich als Unternehmer, hier 
den Moderator zu spielen?

von Bürovorsteher (Gast)


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> Was bewegt Dich, offensichtlich als Unternehmer, hier
> den Moderator zu spielen?

Nicht ganz ausgelastet, Ausnutzung von Warte- und Stillstandszeiten.

von Dieter F. (Gast)


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Bürovorsteher schrieb:
> Nicht ganz ausgelastet, Ausnutzung von Warte- und Stillstandszeiten.

Habe ich Dich gefragt? Ich hoffe doch nicht, er arbeitet am Band :-)

von Bürovorsteher (Gast)


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> Habe ich Dich gefragt?

Sorry, Herr Quakenbusch, dass ich ungefragt mit Ihnen zu kommunizieren 
wagte.

von Dieter F. (Gast)


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Bürovorsteher schrieb:
> Sorry, Herr Quakenbusch, dass ich ungefragt mit Ihnen zu kommunizieren
> wagte.

Sorry (Gast), aber was hängst Du Dich da rein - ich habe Chris D. 
angesprochen und sonst niemand.

von Chris D. (myfairtux) (Moderator) Benutzerseite


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Leute, nun schlagt Euch nicht meinetwegen ;-)

Ich bin hier Moderator geworden, weil ich hier in dem Forum in der 
Vergangenheit viel gelernt habe und immer noch neue Ideen und Einblicke 
erhalte.

Ich denke, da kann man auch mal etwas zurückgeben.

Und wie der Bürovorsteher schon bemerkte: jeder braucht mal Pausen von 
der Arbeit - und da bietet sich das Forum an.

Man hat als Moderator ja auch keine zeitlichen Verpflichtungen oder 
Mindestanwesenheitszeiten. Wenn man keine Zeit oder Lust hat, dann lässt 
man es.

von Dieter F. (Gast)


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Chris D. schrieb:
> Ich bin hier Moderator geworden, weil ich hier in dem Forum in der
> Vergangenheit viel gelernt habe und immer noch neue Ideen und Einblicke
> erhalte.

Die bekommt man z. B. auch als Gast.

Chris D. schrieb:
> Und wie der Bürovorsteher schon bemerkte: jeder braucht mal Pausen von
> der Arbeit - und da bietet sich das Forum an.

dto.

Chris D. schrieb:
> Man hat als Moderator ja auch keine zeitlichen Verpflichtungen oder
> Mindestanwesenheitszeiten. Wenn man keine Zeit oder Lust hat, dann lässt
> man es

Ja, aber das beantwortet alles meine Frage nicht ... warum Moderator als 
Unternehmer ?

von Chris D. (myfairtux) (Moderator) Benutzerseite


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Dieter F. schrieb:
> Ja, aber das beantwortet alles meine Frage nicht ... warum Moderator als
> Unternehmer ?

Weil ich einfach etwas zurückgeben möchte.

Viele schreiben Artikel oder stellen Projekte vor - ich versuche als 
Moderator etwas beizutragen.

Mit meiner Eigenschaft als Unternehmer hat das eigentlich nichts zu tun. 
Ich würde das vermutlich auch als Angestellter machen, wenn mich Andreas 
bittet.

Meine Frage an Dich wäre: warum sollte man das als Unternehmer nicht 
machen?

von Dieter F. (Gast)


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> Meine Frage an Dich wäre: warum sollte man das als Unternehmer nicht
> machen?

Weil man eigentlich keine Zeit dazu hat.

Chris D. schrieb:
> Viele schreiben Artikel oder stellen Projekte vor - ich versuche als
> Moderator etwas beizutragen.

Das kann man auch als Gast ...

Chris D. schrieb:
>
> Weil ich einfach etwas zurückgeben möchte.

dto.

Chris D. schrieb:
> Und wie der Bürovorsteher schon bemerkte: jeder braucht mal Pausen von
> der Arbeit - und da bietet sich das Forum an.

dto.

Chris D. schrieb:
> Man hat als Moderator ja auch keine zeitlichen Verpflichtungen oder
> Mindestanwesenheitszeiten. Wenn man keine Zeit oder Lust hat, dann lässt
> man es.

dto.

Das beantwortet alles nicht meine Frage :-(

von Cyborg (Gast)


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Chris D. schrieb:
> warum sollte man das als Unternehmer nicht
> machen?

Wenn ich die Frage beantworten darf?
Weil Unternehmer einen derart schlechten Ruf(Bad Guy)
haben das man jedem aus schlechter Erfahrung das
Schlimmste andichtet, selbst wenn es auch Ausnahmen
gibt. Die gehen aber dann im Rauschen unter.

von Chris D. (myfairtux) (Moderator) Benutzerseite


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Dieter F. schrieb:
>> Meine Frage an Dich wäre: warum sollte man das als Unternehmer nicht
>> machen?
>
> Weil man eigentlich keine Zeit dazu hat.

Wie kommst Du denn darauf? Nur weil man Unternehmer ist, soll man keine 
Zeit haben?

Weiter oben habe ich beschrieben, warum ich Unternehmer wurde und warum 
ich Zeit habe:

Beitrag "Re: Elektrotechnik Selbständigkeit ?"

Davon abgesehen: es gibt immer Zeiten, bei denen man kurze Wartezeiten 
überbrücken muss. Sei es an der Drehbank, sei es an der CNC-Fräse, bei 
Testläufen usw.
Da kann man ohne "Zeitverlust" ins Forum schauen.

Andererseits kommt es auch mal vor, dass ich ein, zwei Tage gar nicht 
reinschaue.

> Chris D. schrieb:
>> Viele schreiben Artikel oder stellen Projekte vor - ich versuche als
>> Moderator etwas beizutragen.
>
> Das kann man auch als Gast ...

Ja, aber ich habe mich eben für die Moderation entschieden, als Andreas 
mich gefragt hat.

(Hoffentlich) hilfreiche Beiträge kann ich ja auch als Moderator noch 
zusätzlich schreiben.

> Das beantwortet alles nicht meine Frage :-(

Das tut mir Leid. Aber besser kann ich es Dir nicht erklären.

: Bearbeitet durch Moderator
von Interesse an Selbstständigkeit (Gast)


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Danke, ihr habt sehr ausführlich meine Fragen beantwortet.

Mit der PKV hatte ich mal gesprochen, aber nicht speziell zur 
Selbstständigkeit, der Berater hatte mir dazu aber gesagt, dass der 
Beitrag steigen würde.

Das Wohngebiet ist ein Mischgebiet, also kein Problem mit Gewerbe. Ich 
bin aber kein Eigentümer, das Haus gehört meinen Eltern, ist das 
problematisch?

Einige Kurse zur Selbstständigkeit habe ich bereits neben meinem 
Studium besucht, immer mit großem Interesse. Bei der IHK, auch in 
Koblenz, war ich auch schon mal mit einem Businessplan, aber ich war 
schwer enttäuscht von der Beratung. Teilweise sind die Mitarbeiter dort 
sehr befangen, ganz anders als die Dozenten an der Hochschule, wo ich 
studierte.

Zu meinem Vorhaben - Ähnlich, wie Chris D. das schreibt, habe ich vor 
Prototypen zu entwickeln und zu vermarkten. Einige stehen bereits 
"fertig" bei mir im Regal. Patente hierfür gibt es noch nicht, man 
könnte sich daher diese also "schützen" lassen.
Ideen habe ich reichlich zum umsetzen, finanzielle Mittel hingegen 
nicht. Daher kann ich die kostenintensiven Ideen erstmal nicht umsetzen 
und muss mit den günstigen anfangen. Also banal gesagt, ist das Vorhaben 
ähnlich eines Erfinders, wie z.B. Thomas Edison.

Um die Prototypen zu entwickeln kann ich doch als Freiberufler 
arbeiten? Braucht man zur Vermarktung zwingend ein Gewerbe? Oder kann 
man alles als Freiberufler durchführen? Wie wäre eure Strategie?

von Michael (Gast)


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Ist hier eigentlich irgendwer in Singapur ansässig?

Die Steuerquote sind dort ziemlich human aus, Leistung ist in dem Land 
anscheinend wirklich noch was wert (nicht so wie in Deutschland, wo 
gelebter Betrug so wie Vetternwirtschaft von oben herunter an der 
Tagesordnung steht - und die Bürger im seichten Wasser um die übrig 
gebliebenen Kröten ringen dürfen).

von Mark B. (markbrandis)


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Michael schrieb:
> Ist hier eigentlich irgendwer in Singapur ansässig?
>
> Die Steuerquote sind dort ziemlich human aus, Leistung ist in dem Land
> anscheinend wirklich noch was wert (nicht so wie in Deutschland, wo
> gelebter Betrug so wie Vetternwirtschaft von oben herunter an der
> Tagesordnung steht - und die Bürger im seichten Wasser um die übrig
> gebliebenen Kröten ringen dürfen).

Glaubst Du im Ernst, dass es in Asien im Allgemeinen und in Singapur im 
Speziellen keine Vetternwirtschaft gibt? Dann warst Du wohl noch nie 
dort.

von Michael (Gast)


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Mark B. schrieb:
> Glaubst Du im Ernst, dass es in Asien im Allgemeinen und in Singapur im
> Speziellen keine Vetternwirtschaft gibt? Dann warst Du wohl noch nie
> dort.

Ahm es geht eher darum das die Elektronik Branche dort nicht umsonst 
deutlich besser vertreten ist als hier und die Steuern anscheinend doch 
noch etwas geringer sind als bei uns.

Wer sich vom Staat freiwillig als Dummer verkaufen lässt ist selber 
schuld, meine nutzlose Wählerstimme verschenke ich gerne, mein Leben 
hingegen sicher nicht - dafür ist es mir zu wertvoll.

von Elektron (Gast)


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Michael schrieb:
> Wer sich vom Staat freiwillig als Dummer verkaufen lässt ist selber
> schuld, meine nutzlose Wählerstimme verschenke ich gerne, mein Leben
> hingegen sicher nicht - dafür ist es mir zu wertvoll.

Dann geh doch nach drüben! ;-)

Erst dann wirst du wohl erkennen, dass es  in Deutschland doch nicht so 
schlecht ist, und du lieber wieder zurück willst.

von Cyborg (Gast)


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Interesse an Selbstständigkeit schrieb:
> Mit der PKV hatte ich mal gesprochen, aber nicht speziell zur
> Selbstständigkeit, der Berater hatte mir dazu aber gesagt, dass der
> Beitrag steigen würde.

Liest sich etwas widersprüchlich. War das nun ein Thema oder nicht?

> Das Wohngebiet ist ein Mischgebiet, also kein Problem mit Gewerbe. Ich
> bin aber kein Eigentümer, das Haus gehört meinen Eltern, ist das
> problematisch?

Wenn die den Mehraufwand nicht scheuen. Eher machen die Nachbarn mobil
wenn sich dadurch etwas zu deren Nachteil entwickelt (Kundenverkehr,
Lieferverkehr, Parkplätze, Lärm, etc.). Würde ich aber nicht 
überbewerten.

> Einige Kurse zur Selbstständigkeit habe ich bereits neben meinem
> Studium besucht, immer mit großem Interesse. Bei der IHK, auch in
> Koblenz, war ich auch schon mal mit einem Businessplan, aber ich war
> schwer enttäuscht von der Beratung. Teilweise sind die Mitarbeiter dort
> sehr befangen, ganz anders als die Dozenten an der Hochschule, wo ich
> studierte.

In wie weit fern befangen? Entweder verbreiten die allgemein gültige
Infos oder nicht? Kann ich irgendwie nicht nachvollziehen.

> Zu meinem Vorhaben - Ähnlich, wie Chris D. das schreibt, habe ich vor
> Prototypen zu entwickeln und zu vermarkten. Einige stehen bereits
> "fertig" bei mir im Regal. Patente hierfür gibt es noch nicht, man
> könnte sich daher diese also "schützen" lassen.

Patente machen nur Sinn wenn die Schöpfungshöhe dies auch rechtfertigt,
weil man schließlich dafür eine Menge Geld und das jedes Jahr abdrücken
muss. Gebrauchsmusterschutz reicht meist auch so und wenn jemand in
D kopiert muss man eh selbst klagen und das ist in D immer noch ein
Glücksspiel, denn wenn ein Konzern das durch die Instanzen prügelt,
ist man alt und grau bis man dann Schadenersatz erhält. Lohnt nur
für das Großkapital. Bei Kopien aus Asien, kann man allenfalls den
Vertrieb in D oder EU gerichtlich blocken lassen. Das kostet mitunter
mehr als als nutzt. Da kann man mitunter mehr Neues entwickeln und
die Neuheit hat dann auch ein Weile Bestand.

> Ideen habe ich reichlich zum umsetzen, finanzielle Mittel hingegen
> nicht. Daher kann ich die kostenintensiven Ideen erstmal nicht umsetzen
> und muss mit den günstigen anfangen. Also banal gesagt, ist das Vorhaben
> ähnlich eines Erfinders, wie z.B. Thomas Edison.

Edison hatte den Vorteil, dass die Industrialisierung ja erst begonnen
hatte und amerikanische Verhältnisse sind in der Regel hier kaum
übertragbar.

> Um die Prototypen zu entwickeln kann ich doch als Freiberufler
> arbeiten? Braucht man zur Vermarktung zwingend ein Gewerbe? Oder kann
> man alles als Freiberufler durchführen? Wie wäre eure Strategie?

Freiberufler sind gemein hin wissenschaftlich oder künstlerisch tätig.
Ausnahme sind die sogenannten Kammernberufe (Ärzte, Anwälte, 
Architekten, etc.).
Praktisch bedeutet das, wenn man virtuell etwas auf hohem Niveau
erarbeiten kann, dass zu den Freiberufen zählt. Wird es allerdings
substanziell, sieht die Sache schon anders aus. Im Grundsatz liegt
der Unterschied nur in der Ersparnis der Gewerbesteuer.

von ● Des I. (Firma: FULL PALATINSK) (desinfector) Benutzerseite


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Bürovorsteher schrieb:
> Zielvorgabe: keine Endkunden, Verkauf nur über Großhändler, Disti o.ä.
> Merke: Kunden sind in jedem Unternehmen ein Störfaktor.

dann bist Du eben vom Grosshändler abhängig.
der drückt mal eben den Preis uswusf.

auch Du musst dann arbeiten. jeden Tag los,
jeden Tag Verantwortung etcpp.

die Einzig wirkliche Zielvorgabe wäre es,
überhaupt nicht mehr arbeiten zu müssen.

von M. K. (sylaina)


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Bürovorsteher schrieb:
> Kunden sind in jedem Unternehmen ein Störfaktor.

Eigentlich sind sie die Antriebsfeder. Ein Unternehmen ohne Kunden geht, 
prinzipbedingt, den Bach runter. Klar, man kann sie auch als Störfaktor 
sehen, lenken sie einen doch vom Däumchen drehen und ähnlichem ab.

von D. I. (Gast)


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Michael schrieb:
> Ist hier eigentlich irgendwer in Singapur ansässig?

Singapur hat mit die höchsten Mieten weltweit, noch vor London und New 
York.

von waflija (Gast)


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>> Das Wohngebiet ist ein Mischgebiet, also kein Problem mit Gewerbe. Ich
>> bin aber kein Eigentümer, das Haus gehört meinen Eltern, ist das
>> problematisch?
> Eher machen die Nachbarn mobil wenn sich dadurch etwas zu deren Nachteil > 
entwickelt (Kundenverkehr, Lieferverkehr, Parkplätze, Lärm, etc.). Würde > ich 
aber nicht überbewerten.

Ja, aber wie gesagt ist das nur ein Nachteil. Ein räumlich getrenntes 
Büro kostet halt meist auch nicht die Welt (Im Zweifel irgendwo zur 
Untermiete) und spart eine Menge ärger. Dazu kommt eine klare Trennung 
zwischen Arbeitszeit und Freizeit. Mir persönlich ist dieser Übergang 
ohne räumliche Trennung schwer gefallen. Nicht ans arbeiten gekommen, 
die ganze Nacht durchgearbeitet usw. Heute ist es so: Bürotür ist zu. - 
jetzt ist Freizeit.

>> Einige Kurse zur Selbstständigkeit habe ich bereits neben meinem
>> Studium besucht, immer mit großem Interesse. Bei der IHK, auch in
>> Koblenz, war ich auch schon mal mit einem Businessplan, aber ich war
>> schwer enttäuscht von der Beratung. Teilweise sind die Mitarbeiter dort
>> sehr befangen, ganz anders als die Dozenten an der Hochschule, wo ich
>> studierte.

Die Gründer Seminare können funktionieren, müssen aber nicht. Gerade im 
Elektrobereich kennen die sich meist nicht aus. Sag den meisten Dozenten 
dort mal du musst VDE, CE und ElektroG beachten und denen fällt der 
Unterkiefern aus dem ratlosen Gesicht.

>> Zu meinem Vorhaben - Ähnlich, wie Chris D. das schreibt, habe ich vor
>> Prototypen zu entwickeln und zu vermarkten. Einige stehen bereits
>> "fertig" bei mir im Regal. Patente hierfür gibt es noch nicht, man
>> könnte sich daher diese also "schützen" lassen.

Patente sind ein schweres Thema. Schwer zu bekommen und von begrenztem 
Nutzen. Gerade wenn du an große Firmen in deinem Gewerbe verkaufen 
willst, als Zulieferer. Die Konzerne wollen klagen dir entweder dein 
Patent "kaputt" oder bauen es so nach, dass es gerade nicht das Patent 
verletzt. Dann hilft die alles nix außer viel Geld und guten Anwälten.

>> Ideen habe ich reichlich zum umsetzen, finanzielle Mittel hingegen
>> nicht. Daher kann ich die kostenintensiven Ideen erstmal nicht umsetzen
>> und muss mit den günstigen anfangen. Also banal gesagt, ist das Vorhaben
>> ähnlich eines Erfinders, wie z.B. Thomas Edison.

Die große Frage ist, wie sicher bist du das deine Produkte gebraucht 
werden? Ist die Idee wirklich aus einer realen Problemstellung 
erwachsen? Oder mehr die tausendste "Wie Facebook, nur besser!!!" App?

>> Um die Prototypen zu entwickeln kann ich doch als Freiberufler
>> arbeiten? Braucht man zur Vermarktung zwingend ein Gewerbe? Oder kann
>> man alles als Freiberufler durchführen? Wie wäre eure Strategie?
>
> Freiberufler sind gemein hin wissenschaftlich oder künstlerisch tätig.
> Ausnahme sind die sogenannten Kammernberufe (Ärzte, Anwälte,
> Architekten, etc.).

Richtig. Deshalb benutze ich den englischen Begriff Freelancer. Du 
brauchst zwingend ein Gewerbe. das tut aber nicht weh. Wenn deine kunden 
vor allem Firmen, am besten mit MwSt. ausweisen. Wenn du auf Nummer 
sicher gehen willst investierst du das Geld für eine UG, macht es 
allerdings auch deutlich komplizierter.

von Chris D. (myfairtux) (Moderator) Benutzerseite


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● J-A V. schrieb:
> Bürovorsteher schrieb:
>> Zielvorgabe: keine Endkunden, Verkauf nur über Großhändler, Disti o.ä.
>> Merke: Kunden sind in jedem Unternehmen ein Störfaktor.
>
> dann bist Du eben vom Grosshändler abhängig.
> der drückt mal eben den Preis uswusf.

Dann sucht man sich einen anderen Großhändler.

Wenn der Bürovorsteher offenbar Dinge produziert, die man nicht mal eben 
an der nächsten Häuserecke kaufen kann, dann ist er in der deutlich 
besseren Position.

Da ist dann auch nix mit "Preise drücken".

Man muss die Kunden so weit bringen, dass sie einem gerne aus der Hand 
fressen - und das geht durchaus. Insbesondere, wenn man Produkte hat, 
die es sonst nicht gibt.

> auch Du musst dann arbeiten. jeden Tag los,
> jeden Tag Verantwortung etcpp.

Verantwortung für mein Leben macht mir Spaß. Ich kann entscheiden und 
niemand redet mir rein. Wunderbar :-)

> die Einzig wirkliche Zielvorgabe wäre es,
> überhaupt nicht mehr arbeiten zu müssen.

Die einzig wirklich Zielvorgabe ist, dass man das, was man macht, 
richtig gerne macht. Dann ist das auch keine Arbeit.

von Stefan D. (reverse)


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Interesse an Selbstständigkeit schrieb:

> Einige Kurse zur Selbstständigkeit habe ich bereits neben meinem
> Studium besucht, immer mit großem Interesse. Bei der IHK, auch in
> Koblenz, war ich auch schon mal mit einem Businessplan, aber ich war
> schwer enttäuscht von der Beratung. Teilweise sind die Mitarbeiter dort
> sehr befangen, ganz anders als die Dozenten an der Hochschule, wo ich
> studierte.

Willkommen in der Realität, deine Profs versprechen dir das blaue vom 
Himmel, oder anders gesagt, die sagen dir nur was möglich sein könnte, 
was nicht sagen sie dir nicht.
Versuch was zu arbeiten um eigene Kohle dazu aufzuwenden und nicht auf 
pump durch das Geld anderer. Fang klein an, dann bleibts auch länger 
bestehen.
Ist die Kohle für Deutschland zu gering, ab nach Shenzen
schau dir dazu Bunnies Blog an
http://www.bunniestudios.com/blog/?paged=12
krall dir sein Buch
http://hackaday.com/2016/02/07/bunnies-guide-to-shenzhen-electronics/
hier ein " Blick ins Buch" als Video
https://www.youtube.com/watch?v=rAXNv_rNGcc


> Patente hierfür gibt es noch nicht, man
> könnte sich daher diese also "schützen" lassen.
> Ideen habe ich reichlich zum umsetzen, finanzielle Mittel hingegen
> nicht.

China :) schau dir diese Reportage an
https://www.youtube.com/watch?v=SGJ5cZnoodY


>
> Um die Prototypen zu entwickeln kann ich doch als *Freiberufler*
> arbeiten? Braucht man zur Vermarktung zwingend ein Gewerbe? Oder kann
> man alles als Freiberufler durchführen? Wie wäre eure Strategie?

Hier kanns du es wie die digitalen Nomaden machen, aus Deutschland 
abmelden und im billigeren Ausland gründen
!! bevor du aber über digitale Nomaden googelst, lass dich nicht 
einlullen von dem " Lifstyle" die sie dir vorgaukeln!!
https://wirelesslife.de/weltweit-steuerfrei/
viele von denen die im Ausland gründen, haben damals in China gegründet, 
ein Konto in China zu bekommen soll nun schwerer sein.

von Chris D. (myfairtux) (Moderator) Benutzerseite


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waflija schrieb:
> Ja, aber wie gesagt ist das nur ein Nachteil. Ein räumlich getrenntes
> Büro kostet halt meist auch nicht die Welt (Im Zweifel irgendwo zur
> Untermiete) und spart eine Menge ärger. Dazu kommt eine klare Trennung
> zwischen Arbeitszeit und Freizeit. Mir persönlich ist dieser Übergang
> ohne räumliche Trennung schwer gefallen. Nicht ans arbeiten gekommen,
> die ganze Nacht durchgearbeitet usw. Heute ist es so: Bürotür ist zu. -
> jetzt ist Freizeit.

Da ist wohl jeder anders. Hier ist das so gelöst, dass wir oben wohnen 
und die untere Etage Unternehmen ist.

Ich finde es angenehm, im Sommer auch mal draußen im Garten am Laptop 
sitzen zu können (manchmal sogar mit Cocktail ;-) oder, wenn der Kopf 
leer ist, einfach mal raus zu gehen, und Rasen zu mähen oder zu kochen 
und danch wieder weiter zu werkeln.

Aber natürlich man muss seine Grenzen kennen. Ich habe mir selbst um 18 
Uhr herum die Grenze gesetzt, nach der ich nach oben gehe. Und daran 
halte ich mich auch recht genau. Manchmal, wenn ich noch etwas fertig 
machen möchte, wird es dann 18:30 - aber es kann dann auch mal 17:30 
sein, wenn wir abends größere Strecken per Tandem fahren wollen. Also 
etwa +/- einer halben Stunde.

Zur Maschinenhalle ist es hier knapp 1km - das ist schon manchmal 
lästig. Andererseits trägt man so auch keine Späne in die Wohnung  ;-) 
So wie zu meinen Anfangszeiten, als ich in der Garage gearbeitet habe. 
Weia, das wäre heute undenkbar - aber so ist es eben am Anfang :-)

Ob Wohnung/Unternehmen zusammen funktionieren, hängt wohl von der 
eigenen Persönlichkeit und den Lebensumständen ab.

> Patente sind ein schweres Thema. Schwer zu bekommen und von begrenztem
> Nutzen. Gerade wenn du an große Firmen in deinem Gewerbe verkaufen
> willst, als Zulieferer. Die Konzerne wollen klagen dir entweder dein
> Patent "kaputt" oder bauen es so nach, dass es gerade nicht das Patent
> verletzt. Dann hilft die alles nix außer viel Geld und guten Anwälten.

Genau so sehe ich das auch. Für einen Einzelkämpfer ist ein Patent 
sinnlos. Denn man muss es im Zweifel auch verteidigen können und da 
fehlt meist das finanzielle Polster für prozesse, die sehr teuer werden 
und sich über Jahre hinziehen. Mal von der psychischen Belastung ganz 
abgsehen!

Sinnvoll kann es sein, wenn man das Patent verkaufen möchte oder einen 
entsprechend schlagkräftigen Investor ins Boot holen kann.

Ansonsten würde ich das Geld lieber in die Entwicklung und Verkauf 
stecken.

Außerdem: wenn kein Patent existiert, wissen die Nachbauer bei 
komplexeren Dingen auch nicht, wie sie funktionieren (so wie bei mir :-) 
und sie müssen selbst nachdenken.

> Richtig. Deshalb benutze ich den englischen Begriff Freelancer. Du
> brauchst zwingend ein Gewerbe. das tut aber nicht weh. Wenn deine kunden
> vor allem Firmen, am besten mit MwSt. ausweisen. Wenn du auf Nummer
> sicher gehen willst investierst du das Geld für eine UG, macht es
> allerdings auch deutlich komplizierter.

Ja, ein Gewerbe hat keine so großen Nachteile. Großer Vorteil ist: Du 
kannst problemlos in die Massenproduktion einsteigen, also ein zweites 
Standbein errichten :-)

Zur gewerblichen Nutzung des Hauses in reinen Wohngebieten: das geht 
schon, hängt immer von der lokalen Behörde ab. Entscheidend ist, dass es 
keine Störung der Nachbarn gibt (Publikumsverkehr, Anlieferung etc.)
Dann erhält man dort auch die Genehmigung - so wie wir hier.

Aber wenn das ein Mischgebiet ist, sollte das eh kein Problem sein. Groß 
stören dürftest Du ja mit Deinen Schaltungen nicht.

: Bearbeitet durch Moderator
von waflija (Gast)


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Aus welchen Ecken von DE kommt ihr den, besonders Threadersteller? 
Vielleicht kann man das ganze einfach bei Kaffee oder Bier mal 
besprechen :)

Ich könnte noch nen Elektroarbeitsplatz mit Büro und Maschinenpark für 
Gehäusefertigung zur Untermiete anbieten bei Köln.

von ● Des I. (Firma: FULL PALATINSK) (desinfector) Benutzerseite


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Chris D. schrieb:
> Dann sucht man sich einen anderen Großhändler.

bedeutet Arbeit

von Chris D. (myfairtux) (Moderator) Benutzerseite


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● J-A V. schrieb:
> Chris D. schrieb:
>> Dann sucht man sich einen anderen Großhändler.
>
> bedeutet Arbeit

Nein, das macht einem richtigen Unternehmer doch Spaß :-}

von Bürovorsteher (Gast)


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● J-A V. schrieb:
> Bürovorsteher schrieb:
>> Zielvorgabe: keine Endkunden, Verkauf nur über Großhändler, Disti o.ä.
>> Merke: Kunden sind in jedem Unternehmen ein Störfaktor.
>
> dann bist Du eben vom Grosshändler abhängig.
> der drückt mal eben den Preis uswusf.
>
> auch Du musst dann arbeiten. jeden Tag los,
> jeden Tag Verantwortung etcpp.
>
> die Einzig wirkliche Zielvorgabe wäre es,
> überhaupt nicht mehr arbeiten zu müssen.

Nun ja, es ist rührend, wie man sich Sorgen um mich macht. Letztendlich 
ist man immer von irgendjemandem in irgendeiner Weise abhängig.
Bei mir drückt niemand die Preise. Der Obereinkäufer meines größten 
Kunden hat das mal erfolglos versucht. Auf meine Fragen, ob meine 
Erzeugnisse nicht seinen technischen Erfordernissen entsprächen oder ob 
er mit der Qualität nicht zufrieden sei oder ob er die Liefertreue 
bemängele, konnte er keine Einwände vorbringen.
Auf seinen Wunsch nach Gewährung höherer Skonti bei längeren 
Zahlungsfristen musste ich ihm entgegenhalten, dass in diesem Falle
i c h  die Modalitäten bestimme und mich seine Einkaufsbedingungen einen 
feuchten Kehricht interesssieren.
Nach diesen grundlegenden Klarstellungen ist er in den vergangenen 10 
Jahren nie wieder mit solchem Pipifax bei mir vorstellig geworden.
Die große Fresse kann man aber eben nur riskieren, wenn man dazu auch 
die entsprechenden Erzeugnisse hat.

Ja sicher, muss ich des öfteren in mein Büro gehen, um zu arbeiten. Aber 
das erschüttert mich nicht weiter, schließlich gibt es hier eine 
Kaffeemaschine und die Heizung funktioniert auch.

von Interesse an Selbstständigkeit (Gast)


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Ich hoffe es ist kein Problem, das ich so viele Fragen in den Thread 
eines anderen stelle.

Die PKV macht mir die meisten Bauchschmerzen. Ich kann nicht in die 
GKV, wechseln in eine andere PKV ist auch so einfach nicht möglich und 
der Beitrag steigt auch immer weiter. Dieser ist schon um das 5-fache 
des Anfangsbetrages gestiegen und die Leistungen sind auch noch 
gesunken. Ich muss mal gezielt nachfragen, ob das wirklich noch teuer 
wird, wenn man sich Selbständig macht.

Das mit den Nachbarn im Wohngebiet ist kein Problem, ist auf dem Land, 
hier sind die Grundstücke nicht so dicht nebeneinander und außerdem ist 
das Verhältnis zu den Nachtbar gut. Denkt ihr, man sollte einen extra 
Telefonanschluss/DSL für die Selbstständigkeit nutzen? Oder den 
gemeinsamen Anschluss und dann hinterher die Rechnung aufteilen? 
Zweiteres wäre günstiger.

Ja, das mit den Patenten / Gebrauchsmuster ist so eine Sache. Mein 
Patentenberater hat mir damals auch gesagt, sollte es ein ähnliches 
Patent bereits existieren, dann können wir unseres entsprechend 
anpassen, dass es nicht gegen das Existierende verstößt.
Also, wenn man so vergeht, dann kann man sich das Ganze auch echt 
sparen, es sei denn man hat viel Geld, starke Nerven und Geduld.

von Cyborg (Gast)


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Interesse an Selbstständigkeit schrieb:
> Die PKV macht mir die meisten Bauchschmerzen. Ich kann nicht in die
> GKV, wechseln in eine andere PKV ist auch so einfach nicht möglich und
> der Beitrag steigt auch immer weiter. Dieser ist schon um das 5-fache
> des Anfangsbetrages gestiegen und die Leistungen sind auch noch
> gesunken. Ich muss mal gezielt nachfragen, ob das wirklich noch teuer
> wird, wenn man sich Selbständig macht.

Wechsel ist schon möglich, man muss nur wissen wie.
Den Weg findet man aber im Web.

> Das mit den Nachbarn im Wohngebiet ist kein Problem, ist auf dem Land,
> hier sind die Grundstücke nicht so dicht nebeneinander und außerdem ist
> das Verhältnis zu den Nachtbar gut. Denkt ihr, man sollte einen extra
> Telefonanschluss/DSL für die Selbstständigkeit nutzen? Oder den
> gemeinsamen Anschluss und dann hinterher die Rechnung aufteilen?
> Zweiteres wäre günstiger.

Wenn du wenigstens 100 mal oder mehr täglich angerufen wirst, dann
wird das schon Auswirkungen haben. Also extra Anschluss. Mit ISDN
kann man ja Anrufe aufs Handy umleiten. Die Nummer wird im Web dann
von allem möglichen (nicht beauftragten Diensten)gekapert und
einfach in deren Datenbank übernommen und ein paar schicken dir dann
dreist eine Rechnung, die man zwar weg werfen kann, aber manche
sind da ganz schön kriminell und leiern auch noch ein Mahnverfahren an, 
dass gerichtlich natürlich keinen Bestand hat, aber Ärger hat man dann
erst mal. Aufpassen muss man da wie ein Schießhund.
Kam bisher nicht zur Sprache, aber lebst du noch bei deinen Eltern?
Wenn es um die Annahme von Paketen geht, dann kann man die ja mit 
einbinden, sofern dabei ein paar Regeln beachtet werden.
Ansonsten sollte man seine Leute aus der Selbständigkeit raus halten. 
Missverständnisse können schnell passieren und dann hängt der Haussegen 
schief.

von Donald Trump (Gast)


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Cyborg schrieb:
> Kam bisher nicht zur Sprache, aber lebst du noch bei deinen Eltern?
> Wenn es um die Annahme von Paketen geht, dann kann man die ja mit
> einbinden, sofern dabei ein paar Regeln beachtet werden.
> Ansonsten sollte man seine Leute aus der Selbständigkeit raus halten.
> Missverständnisse können schnell passieren und dann hängt der Haussegen
> schief.

Sehr geehrter Herr Cyborg, man merkt ihren Äusserungen an, dass sie noch 
sehr jung sind, und keinerlei Ahnung haben. Könnten Sie bitte einfach 
etwas leiser sein?
Danke.

von Cyborg (Gast)


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Donald Trump schrieb:
> Sehr geehrter Herr Cyborg, man merkt ihren Äusserungen an, dass sie noch
> sehr jung sind, und keinerlei Ahnung haben. Könnten Sie bitte einfach
> etwas leiser sein?
> Danke.

Sieh du mal lieber zu, dass die Clinton gewinnt. Frauenbegrabscher
haben in diesem Forum nichts verloren und unsubstanzierte Behauptungen
oder Forderungen geben nur Dumpftrolle ab. F.Y.

von vlado (Gast)


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Ist das der echte Trump?

von Cyborg (Gast)


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vlado schrieb:
> Ist das der echte Trump?

Ja, der deutschsprachige.

von Niine (Gast)


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Hallo zusammen,

Chris D. schrieb:
> Aber:
> Es gibt viele Arten der Selbstständigkeit: der eine macht
> Auftragsentwicklung, der nächste hilft immer nur, wenn die Hütte brennt
> und der dritte hat eigene Produkte und verkloppt diese.

Wie ich es herausgelesen habe, lohnen aber nur eigene Produkte so 
wirklich, oder? Bei Auftragsentwicklung gibt es ja immer das Problem, 
wenn mal kein Auftrag reinkommt. Und Produkte lassen sich in der 
Stückzahl theoretisch unendlich skalieren, demnach auch der Gewinn. 
Arbeitszeit nicht.

Was mich zu meiner Frage bringt:
Hat jemand von euch schon Erfahrung mit Investoren gesammelt? Für die 
ganzen Zertifizierungen im Bereich der Produktentwicklung braucht es ja 
schon eine ganze Stange Geld bis man sein Produkt ganz legal verkaufen 
kann...

Freuen sich Investoren über jemand der ankommt und ein richtig 
handfestes Produkt mit geistiger Tiefe mitbringt? Die ganzen Startups 
beruhen ja meist auf irgendwelchen Essensboxen oder simplen Teilen 
(siehe Höhle der Löwen).
Ein Produkt was niemand mal eben nachbauen kann, das sollte doch schnell 
Geldgeber finden, oder? Hat Chris oder jemand da Erfahrung mit?

waflija schrieb:
> Aus welchen Ecken von DE kommt ihr den, besonders Threadersteller?
> Vielleicht kann man das ganze einfach bei Kaffee oder Bier mal
> besprechen :)

Da würde ich mich gern dazugesellen, habe zwar (noch) nicht selbst 
gegründet, aber würde mir gern Erfahrungen anhören.
Ich komme aus Dresden, falls jemand hier ist :-)

Viele Grüße

von Bürovorsteher (Gast)


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> Für die ganzen Zertifizierungen im Bereich der Produktentwicklung braucht > es 
ja schon eine ganze Stange Geld bis man sein Produkt ganz legal
> verkaufen kann...

Was für Zertifizierungen bitte? Meinst du WEEE und EMV-Prüfungen?
Um die letzgenannten Tatbestände sollte man sich kümmern; das sind aber 
Vorgänge, die erledigt werden, wenn der Leidensdruck zu groß wird.
WEEE hab ich, kostet in meinem Fall fast nichts, EMV kann wehtun, ich 
kenne deine Finanzlage nicht. Weitere Zertifizierungen - habe ich nicht, 
brauche ich nicht, meine Erzeugnisse funktionieren auch ohne. Und 
außerdem hat noch niemand danach gefragt.

> Ein Produkt was niemand mal eben nachbauen kann, das sollte doch schnell
> Geldgeber finden, oder? Hat Chris oder jemand da Erfahrung mit?

Ich kann hier nur für mich selbst sprechen: für dein ungeborenes 
Erzeugnis wird sich keine Sau interessieren.
Bedarfslücke finden, entwickeln, unter realen Bedingungen 
funktionierende Muster herstellen (n >> 2) und potentiellen 
Interessenten ans Herz legen bzw kostenfrei zur Erprobung überlassen.
Idealerweise äußert jemand dir gegenüber den Wunsch nach einer vielfach 
anwendbaren Lösung seines Problems (so bei mir geschehen). Geld wird er 
dir aber ebenfalls nicht über den Tisch reichen. Er wird möglicherweise 
dein Erzeugnis kaufen.
Und dann ist der Weg zum Erfolg immer noch eine lange Durststrecke.

Eigene Finanzierung ist angesagt. Vergiss diesen ganzen Fernsehquatsch 
mit Startups, Investoren und Patentanmeldungen.

von Cyblord -. (cyblord)


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Niine schrieb:
> Freuen sich Investoren über jemand der ankommt und ein richtig
> handfestes Produkt mit geistiger Tiefe mitbringt? Die ganzen Startups
> beruhen ja meist auf irgendwelchen Essensboxen oder simplen Teilen
> (siehe Höhle der Löwen).
Die interessiert die "geistige Tiefe" einen feuchten Kehrricht. Hast du 
einen Business Plan der was taugt? Hast du handfeste Zahlen welche 
Stückzahlen mit welchen Kosten zu welchen Preisen du in den kommenden X 
Jahren verkaufen kannst? DAS interessiert die.

Und wenn du denkst, alle Startups wären doof und nur du hast ein gutes 
Produkt, dann Glückwunsch. Das denken die alle von sich.

> Ein Produkt was niemand mal eben nachbauen kann, das sollte doch schnell
> Geldgeber finden, oder? Hat Chris oder jemand da Erfahrung mit?

Nachbauen kann man alles. "Mal eben" ist relativ.

von Claymore (Gast)


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Niine schrieb:
> Wie ich es herausgelesen habe, lohnen aber nur eigene Produkte so
> wirklich, oder? Bei Auftragsentwicklung gibt es ja immer das Problem,
> wenn mal kein Auftrag reinkommt. Und Produkte lassen sich in der
> Stückzahl theoretisch unendlich skalieren, demnach auch der Gewinn.
> Arbeitszeit nicht.

Wenn man ordentliche Stundensätze hat, lohnt sich Auftragsarbeit schon. 
Wenn man Leute für sich arbeiten lässt, kann man das theoretisch auch 
beliebig skalieren.

In diesem Sinne wäre es ideal, wenn man ein Produkt hat, bei dem man 
alles von der Fertigung bis zum Vertrieb auslagern kann und selbst 
vielleicht nur noch die Entwicklung macht. Am einfachsten geht das 
meiner Meinung nach mit Software.

Niine schrieb:
> Hat jemand von euch schon Erfahrung mit Investoren gesammelt? Für die
> ganzen Zertifizierungen im Bereich der Produktentwicklung braucht es ja
> schon eine ganze Stange Geld bis man sein Produkt ganz legal verkaufen
> kann...

Man muss sich bewusst sein, dass man damit einen gehörigen Teil seiner 
Freiheit hergibt, bis zu dem Punkt, dass man im Prinzip nur noch 
Mitarbeiter in seiner Firma ist und die Investoren alle Entscheidungen 
treffen. Der Mehrwert besteht dann nur noch darin, dass man unmittelbar 
am Unternehmenswert beteiligt ist.

Niine schrieb:
> Freuen sich Investoren über jemand der ankommt und ein richtig
> handfestes Produkt mit geistiger Tiefe mitbringt? Die ganzen Startups
> beruhen ja meist auf irgendwelchen Essensboxen oder simplen Teilen
> (siehe Höhle der Löwen).

Bürovorsteher schrieb:
> Was für Zertifizierungen bitte? Meinst du WEEE und EMV-Prüfungen?

Unter Umständen noch Niederspannungsrichtlinie. Zertifizierung ist zwar 
nicht nötig, aber um gewissenhaft CE zu erfüllen, ist eine Menge Aufwand 
notwendig.

Für Amerika gibt es dann noch UL und FCC.

Und je nach Produkt gibt es dann noch spezielle Zertifizierungen, von 
USB über Bluetooth bis hin zu Industrial Ethernet Systemen. Die können 
teilweise teurer sein als eine einfache EMV-Prüfung.

Bürovorsteher schrieb:
> Eigene Finanzierung ist angesagt. Vergiss diesen ganzen Fernsehquatsch
> mit Startups, Investoren und Patentanmeldungen.

Alles eine Frage der persönlichen Einstellung. Wenn man in erster Linie 
finanzielle Interessen hat und kein eigenes Kapital verbrennen will, ist 
der Weg über Investoren gar nicht so verkehrt. Wenn man sein eigener 
Chef sein will, muss man auch sein eigenes Geld einsetzen.

von Cyblord -. (cyblord)


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Dazu kommt noch, dass du ja praktisch Risikokapital suchst. Du kannst ja 
keine Sicherheiten bieten und die Wahrscheinlichkeit dass der Geldgeber 
sein Geld nie wieder sieht ist sehr hoch. Als Gegenleistung darfst du 
dann horrende Anteile abdrücken. Weil WENN du Gewinn machst, dann will 
er Geldgeber das meiste, bis alles, davon sehen. Sonst lohnt für ihn das 
Risiko nicht.

von Cyborg (Gast)


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Niine schrieb:
> Wie ich es herausgelesen habe, lohnen aber nur eigene Produkte so
> wirklich, oder?

Nur wenn die Nachfrage da ist, die sonst keiner oder kaum einer bedient.
Gute Ideen müssen auch nachgefragt sein. Da muss einiges zusammen 
passen. Es hat schon viele gegeben, die daran gescheitert sind.

> Bei Auftragsentwicklung gibt es ja immer das Problem,
> wenn mal kein Auftrag reinkommt.

Das ist häufig von guten Kontakten zu den Kunden abhängig. Auch
Chris D. hat nach seinen eigenen Angaben, wohl in der Industrie
gute Kontakte während eines Praktikums knüpfen und ausbauen können.
Wenn man fähig ist, kann man auch Stellenanzeigen nutzen um Kontakte
zu bekommen. Man geht da eben nur etwas anders zielgerichteter vor.

> Und Produkte lassen sich in der
> Stückzahl theoretisch unendlich skalieren, demnach auch der Gewinn.

Aber wirklich nur theoretisch, weil Produkte ja erst mal kapitalintensiv
produziert werden müssen. Außerdem muss man den Markt kennen und die
Nachfrage abschätzen können. Da auf Halde zu produzieren ist längst
nicht mehr zeitgemäß. Auf Messen ausstellen und da Verträge/Aufträge
zu schließen ist ja nun auch Gang und Gebe, aber kostet natürlich ganz 
schön Schotter.
Eine Nachbarin, die eine Schneider-Boutique mit eigenen Mode-Label
betreibt, ist wenigstens drei bis viermal pro Jahr auf Messen präsent.

> Was mich zu meiner Frage bringt:
> Hat jemand von euch schon Erfahrung mit Investoren gesammelt? Für die
> ganzen Zertifizierungen im Bereich der Produktentwicklung braucht es ja
> schon eine ganze Stange Geld bis man sein Produkt ganz legal verkaufen
> kann...

Kommt immer auf den Investor an. Beispiel Banken, für die muss das
Businesskonzept nur plausibel sein. Die sichern ihre Investition
meist mehrfach ab, so das deren Risiko gering ist. Nix für Anfänger
die den Markt nicht kennen und in eiskaltes Wasser springen müssten.
Dann lieber versuchen Kapital über Verwandte und Bekannte oder
Kickstarter zu bekommen. Hat dann andere Auswirkung, wenns schief
geht.

> Freuen sich Investoren über jemand der ankommt und ein richtig
> handfestes Produkt mit geistiger Tiefe mitbringt?

Die freuen sich mehr über satte Renditen. Womit, dürfte den meisten
erst mal egal sein. Sollte halt nur passen.

> Die ganzen Startups
> beruhen ja meist auf irgendwelchen Essensboxen oder simplen Teilen
> (siehe Höhle der Löwen).

Das ist bei denen doch purer Eigennutz da im Moment für Kapital kaum
Zinsen zu bekommen sind. Also setzt man auf Risiko, aber das wird
auf die Teilnehmer abgewälzt. Viele merken das nur nicht.

> Ein Produkt was niemand mal eben nachbauen kann, das sollte doch schnell
> Geldgeber finden, oder? Hat Chris oder jemand da Erfahrung mit?

Bei entsprechender Nachfrage, sollte das möglich sein, aber die Gefahr
ist vorhanden, dass man sich dabei verhaspelt, sprich: sich 
verkalkuliert.
Das passiert selbst BWLern (selbst erlebt).

> waflija schrieb:
>> Aus welchen Ecken von DE kommt ihr den, besonders Threadersteller?
>> Vielleicht kann man das ganze einfach bei Kaffee oder Bier mal
>> besprechen :)

Was willst du denn da palavern? Das mach per PN oder als Gast hier
im Forum. Die wenigsten werden ihre Idee preis geben wollen, aus
Angst, andere könnten daran verdienen. Die besten Ideen verschimmeln 
sowieso deshalb in irgend welchen Schubladen, weil man selbst nicht
davon überzeugt ist oder einfach das Risiko scheut.

> Da würde ich mich gern dazugesellen, habe zwar (noch) nicht selbst
> gegründet, aber würde mir gern Erfahrungen anhören.

Erfahrungen nützen nur bei identischen Rahmenbedingungen.
Wenn ein Problem akut wird, sollte man sich erst zum richtigen
Zeitpunkt damit beschäftigen.

> Ich komme aus Dresden, falls jemand hier ist :-)

Ich habe schon von Existenzgründer-Stammtischen gehört, aber
ob es die überall gibt, weiß ich nicht. Außerdem muss man erst
mal selbständig werden, um da privilegiert in diesen Reihen aufgenommen
und eingeladen zu werden. Ein Verwandter ist Selbständig und
bekommt andauernd Einladungen zu solchen Treffen. Manche machen
Sinn, manche nicht.

von Cyblord -. (cyblord)


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Cyborg schrieb:
> Dann lieber versuchen Kapital über Verwandte und Bekannte

"Mit Freunden sing und lach, doch niemals Geschäfte mach".

Genau so natürlich mit der Familie. Niemals jemandem Geld leihen oder 
selbst was von jemandem leihen innerhalb des Freundeskreises oder 
Familie. Bringt nur Ärger.

von Cyborg (Gast)


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Cyblord -. schrieb:
> Bringt nur Ärger.

Der legt sich, wenn man mit offenen Karten spielt.
Wenn es Familiär nachhaltig schief geht, dann weil man
gelogen hat. Das sollte man vermeiden. Noch ist Blut
dicker als Wasser.

von Cyblord -. (cyblord)


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Cyborg schrieb:
> Cyblord -. schrieb:
>> Bringt nur Ärger.
>
> Der legt sich, wenn man mit offenen Karten spielt.
Quatsch, das bringt gar nix. Wer privates und geschäftliches derart 
vermischt, dem kann man nicht mehr helfen.

von Bürovorsteher (Gast)


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> Dann lieber versuchen Kapital über Verwandte und Bekannte

OMG, zieh die nicht auch noch in deine windigen Geschäfte mit rein, mit 
denen hast du in aller Regel noch lebenslang zu tun.
Der echte Mann haftet selbst für seine wirtschaftlichen Eskapaden.
Wenn der Schotter nicht reicht, Finger weg. Wenn du nicht fliegen 
kannst, musst du laufen.

von Lars R. (lrs)


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Ein Aspekt ist hier meiner Ansicht nach noch nicht berücksichtigt:

Vor einigen Jahren hatte ich mir Dinge/Strategien/Handlungen 
vorgenommen, die damals meiner Ansicht nach erfolgreich gewesen wären. 
Jedoch war ich zu diesem Zeitpunkt noch nicht so weit. Nun, da ich (oder 
andere Umstände von denen es abhing) für das Angedachte "so weit bin", 
nun kann ich damit meiner Ansicht nach nicht mehr erfolgreich sein. Dies 
mag vom eigenen Erkenntniszugewinn geprägt sein, vor allem IMHO jedoch 
vom rasanten Lauf der Zeit. Beispielsweise haben die Einstiegshürden und 
die globale Konkurrenz zugenommen. Auch die Mentalität von Menschen, 
potenziellen Partnern, usw verändert sich, insbesondere in Deutschland.

Ebenso verhält es sich mit Empfehlungen Anderer, insbesondere von "Alten 
Hasen", die bereits viele Erfolgsstories miterlebt haben. Jene können 
beurteilen, was heute jetzt in dieser Stunde Erfolg hat (das ist auch 
nicht so schwierig). Jedoch können sie nicht beurteilen, ob es morgen 
(wenn Du dann soweit bist), auch noch Erfolg hat.

Jede "x-beliebige" Auftragstätigkeit kam für mich nicht in Frage. 
Trotzdem habe ich mich im Nachhinein betrachtet mit zu vielen Dingen 
nebenher befasst. Es reiht sich eins ans andere und man denkt sich, es 
passt ganz gut dazu. Nun bin ich immer noch nicht da, wo ich sein 
möchte.

: Bearbeitet durch User
von Bürovorsteher (Gast)


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> Nun bin ich immer noch nicht da, wo ich sein möchte.

Ich war noch nie dort, wo ich hätte sein müssen. Na und?

von Bürovorsteher (Gast)


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Und meist war ich im falschen Film.

von Lars R. (lrs)


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Bürovorsteher schrieb:
>> Nun bin ich immer noch nicht da, wo ich sein möchte.
>
> Ich war noch nie dort, wo ich hätte sein müssen. Na und?

Für gewöhnlich erreiche ich meine Ziele.

von Cyblord -. (cyblord)


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Lars R. schrieb:
> Bürovorsteher schrieb:
>>> Nun bin ich immer noch nicht da, wo ich sein möchte.
>>
>> Ich war noch nie dort, wo ich hätte sein müssen. Na und?
>
> Für gewöhnlich erreiche ich meine Ziele.

Kinderspiel. Man muss sich halt die Ziele passend setzen. z.B. heute 
endlich mal von der Flasche Whisky ins Schlafzimmer ohne auf dem Weg 
dazwischen zu kotzen. Kann man schaffen... Und wenn heute nicht, dann 
vielleicht morgen.

: Bearbeitet durch User
von Lars R. (lrs)


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Cyblord -. schrieb:
> Lars R. schrieb:
>> Bürovorsteher schrieb:
>>>> Nun bin ich immer noch nicht da, wo ich sein möchte.
>>>
>>> Ich war noch nie dort, wo ich hätte sein müssen. Na und?
>>
>> Für gewöhnlich erreiche ich meine Ziele.
>
> Kinderspiel. Man muss sich halt die Ziele passend setzen. z.B. heute
> endlich mal von der Flasche Whisky ins Schlafzimmer ohne auf dem Weg
> dazwischen zu kotzen. Kann man schaffen... Und wenn heute nicht, dann
> vielleicht morgen.

Oder (für manche ganz schwierig) nur themenbezogen ohne BS posten. Ich 
weiß, man kann jederzeit damit aufhören, wenn man nur wöllte. Das sagen 
die anderen auch immer.

von Cyblord -. (cyblord)


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Lars R. schrieb:
> Oder (für manche ganz schwierig) nur themenbezogen ohne BS posten.


Junge, lies dir mal deinen Post durch wenn du BS (sic.) lesen willst.

Beitrag "Re: Elektrotechnik Selbständigkeit ?"

: Bearbeitet durch User
von Lars R. (lrs)


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Chris D., mich interessiert Deine Einschätzung:

Würdest Du mit der Idee/dem Konzept, dass Du hattest heute wieder 
erfolgreich sein, wenn Du heute von Null auf beginnen würdest. Du 
schreibst ja selbst, dass Du in Deinem Segment als Anbieter komfortabel 
lebst. Eine zwischenzeitlich eingetretene Marktsättigung oder 
Übersättigung wäre demnach kein Gegenargument (?)

von M. W. (elektrowagi78) Benutzerseite


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JeanClaudeVonDamme schrieb:
> Ich würde den Elektroingenieuren unter Euch mal die Fragen stellen, ob
> die Selbstständigkeit nach dem Studium eine Option ist.

NEIN! Nicht direkt nach dem Studium.

> Haben sich hier einige Elektroingenieure im Forum selbständig gemacht
> und falls ja in welcher Branche ?
Ja, in der Elektrotechnik

> War die Selbständigkeit mit allzugroßen Problemen verbunden ?
JA, aber mit lösbaren Problemen. Steuer, Bilanz, Gründung, 
Gewerbeaufsicht, Abzocker und zahlungsunwillige Kunden

> Würdet ihr sie weiterempfehlen ?
Für jemanden, der was kann und sich mit anderen im Haifischbecken messen 
möchte, in jedem Fall. Für Studenten, Anfanger und BWL unerfahrene, die 
sich nicht geschickt einbringen können, auf keinen Fall!

Ich behaupte, dass höchstens ein Drittel aller ingenieure fähig sind, 
als Selbständiger zu überleben und davon bestenfalls die Hälfte, also 
ein Drittel gut lebt. Das obere Viertel ist dann letztlich in der Lage, 
insgesamt besser zu fahren, als als Angestellter. Heisst: Für 3 von 4 
Ingenieuren ist die Festanstellung mit Brötchengeber besser.

> Muss man für die Freiheit, die man durch die Selbständigkeit
> erlangt, unter finanziellen Defiziten (also im Vergleich zu einem
> Angestelltenjob) leiden ?
"Muss" nicht, aber es ist oft so - siehe  den Paragrahen oben.

> Und könntet ihr mir sagen, welche Möglichkeiten es gibt sich
> als Elektroingenieur selbstständig zu machen ?
Wenn Du da schon nicht selber die Idee hast, dann bist Du nur ein 
buchbarer Aushilfsingenieur, an dem die Geier verdienen und lässt das 
besser sein. Du musst wenigsten eine Sache im Geüäck haben, die Du 
gewaltig gut beherrschst und mit der Du gute Projkete an Land ziehen 
kannst, für die Firmen richtig Geld ausgeben.

Da kann der Anfänger halt nichts. Woher auch?

Solche startups aus dem Nichts funktionieren nur in der IT, wenn einer 
eine völlig neue APP entwickelt.

> JeanClaudeVanDamme
So naiv wie Du hier fragst, bist Du kein Typ vom Kaliber des Jean-Claude 
van Damme, sondern entsprichst eher der tollpatschigen Ente Alfred J. 
Kwak.

von Mark B. (markbrandis)


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Cyblord -. schrieb:
> Cyborg schrieb:
>> Dann lieber versuchen Kapital über Verwandte und Bekannte
>
> "Mit Freunden sing und lach, doch niemals Geschäfte mach".
>
> Genau so natürlich mit der Familie. Niemals jemandem Geld leihen oder
> selbst was von jemandem leihen innerhalb des Freundeskreises oder
> Familie. Bringt nur Ärger.

Pauschale Aussagen sind immer falsch. ;-)

Wenn ich weiß, dass ein Verwandter/Bekannter von mir es mit dem 
Zurückgeben von Geld oder auch Gegenständen nicht so genau nimmt, dann 
leih ich ihm natürlich auch nix. Aber wenn ich weiß, dass der in Ordnung 
ist und alles korrekt zurückgibt - warum nicht?

: Bearbeitet durch User
von Paul (Gast)


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Ich bin beeindruckt, dass in diesem Thread so viele sinnvolle Beiträge 
stehen, sogar von einem Moderator. So kenne ich dieses Forum gar nicht.

von Chris D. (myfairtux) (Moderator) Benutzerseite


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Lars R. schrieb:
> Chris D., mich interessiert Deine Einschätzung:
>
> Würdest Du mit der Idee/dem Konzept, dass Du hattest heute wieder
> erfolgreich sein, wenn Du heute von Null auf beginnen würdest.

Ja, das sollte funktionieren. Allerdings müsste ich auch heute wohl 
zuerst ordentlich Klinken putzen (bzw. mit Koffer auf Messen rumlaufen, 
hatte ich hier schon öfter beschrieben).

> schreibst ja selbst, dass Du in Deinem Segment als Anbieter komfortabel
> lebst.

Ja, das stimmt - zumindest für meine Ansprüche.

Allerdings besetze ich mittlerweile durchaus auch andere Nischen: unsere 
Produktpalette dreht sich nicht mehr nur um chemische Verfahrenstechnik.

Es gibt einfach viele gute Nischen und Ideen - man wäre dumm, nicht zu 
diversifizieren. Das neueste Projekt hat bspw. überhaupt nichts mit 
unserem bisherigen Geschäft zu tun. Es ist etwas völlig anderes. Aber 
warum nicht? Die neue Nische lief bisher als anderes Unternehmen sehr 
gut, die Investition ist überschaubar und vor allem wird es mich nach 
dem Bau der Maschinen fast keine Zeit mehr kosten. Damit bediene ich 
dann nur Privatkunden, im Gegensatz zum bisherigen Geschäft, das fast 
nur B2B abläuft.

> Eine zwischenzeitlich eingetretene Marktsättigung oder
> Übersättigung wäre demnach kein Gegenargument (?)

Nein. Das ursprüngliche Geschäft läuft recht kontinuierlich: es sind 
keine großen Sprünge drin, aber die Einnahmen kommen zuverlässig.
Als Grundlage ist das gut :-)

Eine gewisse Größe sollte eine Nische natürlich haben.

zur Frage von Kredite/Investoren:
Ich sehe das ähnlich wie der Bürovorsteher. Wenn es irgend wie geht, 
dann selbst durchziehen. Auch keine Verwandten anpumpen.

Lieber kleinere Brötchen backen und dafür selbst Herr im Haus sein.

Interessant kann ein großer Investor aber sein, wenn man ein wirklich 
gutes Patent hat und das auch verteidigen können möchte. Dann benötigt 
man einfach einen schlagkräftigen Partner.

von Niine (Gast)


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Cyborg schrieb:
> Ich habe schon von Existenzgründer-Stammtischen gehört, aber
> ob es die überall gibt, weiß ich nicht.
Ich auch, allerdings tümmeln sich da eher die BWLer. Für mich persönlich 
interessanter wäre eher Erfahrungen von 
Elektrotechnikern/Maschinenbauern zu hören.

Cyblord -. schrieb:
> "Mit Freunden sing und lach, doch niemals Geschäfte mach".
Hier muss ich Cyblord beipflichten.
Ein Investor kann für gewöhnlich recht gut einschätzen ob das was du da 
machst Sinn macht oder nicht. Familienmitglieder kennen sich meist nicht 
aus und geben dir dann Leichtsinnig ihr Geld. Aus Sympathie oder einfach 
aus Hoffnung in dich. Verläuft die ganze Sache dann gegen die Wand ist 
das bestimmt nichtmehr so spaßig.
Letztens hatte doch in der Löwenhöhle eine Dame ihrem Neffen (?!) ihre 
Rentenauszahlung von 60.000€ gegeben. Da ging es gerade nochmal gut. 
Aber wenn es schief geht, das ist dann schon traurig...

Chris D. schrieb:
> Interessant kann ein großer Investor aber sein, wenn man ein wirklich
> gutes Patent hat und das auch verteidigen können möchte. Dann benötigt
> man einfach einen schlagkräftigen Partner.
Ich sehe den Vorteil des steileren Wachstums durch einen Geldgeber. Man 
hat das Geld um die richtigen Investitionen von Anfang an zu tätigen, 
was man allein vielleicht nicht schafft und im schlimmsten Fall deswegen 
scheitert.

Mir gehört lieber 75% von 10.000.000€ als 100% von 50.000€. Es ist wohl 
die Frage wieviel man abgeben muss. 15% kann man schonmal abgeben und 
der Investor hat noch nicht viel zu sagen. Bei 50% gebe ich natürlich 
recht, dass man Angestellter im eigenen Unternehmen ist.
Klar, ohne ist am besten. Aber die Vorteile liegen halt auch auf der 
Hand.

Viele Grüße

von Cyborg (Gast)


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Niine schrieb:
> Ein Investor kann für gewöhnlich recht gut einschätzen ob das was du da
> machst Sinn macht oder nicht.

Weder aus betriebswirtschaftlichen noch aus fachlichen Gründen.
Da stellt sich ganz logisch nachvollziehbar, wie man den Investor
einstufen soll, denn der wird mitunter da kräftig mit mischen wollen.
Wenn der dann seine Mittel zurück zieht, wird man kaum was machen
können, weil es einen dann kalt erwischt. Ich hab mal von so einem
Fall gehört, dass ein Geschäftspartner das noch vorhandene
Betriebsvermögen (ca. 30k€)abgehoben und sich ins Ausland abgesetzt
hat. Der andere Teilhaber, der zurück blieb, war dann ruiniert und
musste dann wieder einen Job annehmen.

> Familienmitglieder kennen sich meist nicht
> aus und geben dir dann Leichtsinnig ihr Geld.

Das ist dann wohl ein Vertrauensfrage, die man unter Verwandten eher
verzeihen kann, als bei einem Fremden. Zumindest werden einem dann
nicht die Mittel sofort entzogen werden können und man kann noch
retten, was noch zu retten ist. Ein externer Investor wäre wohl 
skrupelloser.

Selbstverständlich kann man das alles nicht verallgemeinern.
Da spielen viel Kriterien eine Rolle. Ruinieren sollte es dabei
niemanden. Das Kapital sollte dabei als Risikokapital eingestuft
werden. Dann kann sich auch keiner beschweren, wenn es dann
schief geht.

von Cyblord -. (cyblord)


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Mark B. schrieb:

> Wenn ich weiß, dass ein Verwandter/Bekannter von mir es mit dem
> Zurückgeben von Geld oder auch Gegenständen nicht so genau nimmt, dann
> leih ich ihm natürlich auch nix. Aber wenn ich weiß, dass der in Ordnung
> ist und alles korrekt zurückgibt - warum nicht?

Warum nicht? Na vielleicht KANN er dir einen Kredit nicht zurückzahlen. 
Du brauchst aber vielleicht das Geld auch gerade. Dann hängt der Segen 
schon mal schief. Die Frau ist dann auch sauer weil man eigene Pläne 
nicht umsetzen kann, weil der nichtsnutzige Onkel nicht zurück zahlt.

Da ist so schnell Feuer unterm Dach.
"Bei Geld hört die Freundschaft auf." Denkst du dieser Spruch ist total 
aus der Luft gegriffen?

von Cyborg (Gast)


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Cyblord -. schrieb:
> "Bei Geld hört die Freundschaft auf." Denkst du dieser Spruch ist total
> aus der Luft gegriffen?

Das hängt doch von den Verhältnismäßigkeiten ab.
Ein Verwandter sollte da auch nicht den größten Teil investieren,
sondern nur einen Teil, den er bei Totalverlust auch verschmerzen
kann. Genau so gut kannst du ja das Geld für den eigenen Bedarf
ausgeben, z.B. ein Auto und dabei bös auf die Nase fallen.
Klar ist man dann selbst schuld, aber darum gehts ja gar nicht.

von Cyblord -. (cyblord)


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Cyborg schrieb:

> Das hängt doch von den Verhältnismäßigkeiten ab.
> Ein Verwandter sollte da auch nicht den größten Teil investieren,
> sondern nur einen Teil, den er bei Totalverlust auch verschmerzen
> kann.

Jaja der ist sicher noch super freundlich und entspannt wenn er wegen 
dir einen TEIl seines Vermögens verloren hat. Auf das nächste 
Familienfest kann man sich dann freuen. Da sind dann auch gleich dessen 
Kinder da, denen ihr Erbe du verbrannt hast. Das wird gemütlich.

Außerdem werden die wenigstens Investieren sondern etwas Leihen. Darum 
gings in den letzten Posts auch. Und leihen bedeutet die wollen ihr Geld 
sehen.
Schon lange vor 1000 EUR hört bei den meisten der Spaß auf. Auf einen 
deutlichen höheren Verlust folgt da unweigerlich mächtig Ärger.

>Genau so gut kannst du ja das Geld für den eigenen Bedarf
> ausgeben, z.B. ein Auto und dabei bös auf die Nase fallen.
> Klar ist man dann selbst schuld, aber darum gehts ja gar nicht.
Ne ist nur völlig was anderes. Aber du bist bereits derart beknackt dass 
bei dir bald alles sowieso dasselbe ist.

: Bearbeitet durch User
von Lars R. (lrs)


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Chris D. schrieb:
> Lars R. schrieb:
>> Chris D., mich interessiert Deine Einschätzung:
>>
>> Würdest Du mit der Idee/dem Konzept, dass Du hattest heute wieder
>> erfolgreich sein, wenn Du heute von Null auf beginnen würdest.
>
> Ja, das sollte funktionieren. Allerdings müsste ich auch heute wohl
> zuerst ordentlich Klinken putzen (bzw. mit Koffer auf Messen rumlaufen,
> hatte ich hier schon öfter beschrieben).

Interessant. Kannst Du Dich an einen Rat erinnern (oder mehrere), den 
jemand anders Dir gegeben hat UND der (sehr) hilfreich war?

von Elektron (Gast)


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Lars R. schrieb:
> Interessant. Kannst Du Dich an einen Rat erinnern (oder mehrere), den
> jemand anders Dir gegeben hat UND der (sehr) hilfreich war?

Der ultimative Rat lautet:
Frag nicht so viel (und geh Anderen damit auf die Nerven), mach 
einfach mal!

von Chris D. (myfairtux) (Moderator) Benutzerseite


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Lars R. schrieb:
>> Ja, das sollte funktionieren. Allerdings müsste ich auch heute wohl
>> zuerst ordentlich Klinken putzen (bzw. mit Koffer auf Messen rumlaufen,
>> hatte ich hier schon öfter beschrieben).
>
> Interessant. Kannst Du Dich an einen Rat erinnern (oder mehrere), den
> jemand anders Dir gegeben hat UND der (sehr) hilfreich war?

Da gibt es verschiedene Quellen. Ich versuche mal eine grobe Aufzählung 
- die Reihenfolge gibt nicht die Gewichtung wieder:

1. gründlich vorbereiten
Schlau machen bzgl. Informationspflichten (Website/Shop), steuerlichen 
Dingen, Buchhaltung. All das geht problemlos vor Beginn der Tätigkeit.

2. ein sehr guter Rat war, nicht zu sehr auf andere zu schauen. Man 
sollte sich auf das konzentrieren, was man selbst beeinflussen kann.

3. Tipps von Leuten, die noch nie selbstständig waren, ignorieren!

4. Dinge (z.B. Probleme) mit Kunden in folgender Reihenfolge klären: 
persönliches Gespräch - Telefon - E-Mail - Brief. Wenn es also Probleme 
gibt und der Kunde nicht vor Ort ist: anrufen. Keine E-Mail - anrufen!

5. Nicht zu schnell wachsen

6. Öfter mal komplett abschalten. Das Unternehmen ist nur ein Teil 
Deines Lebens.

7. Ein gelöstes Problem ist immer einfach! (-> Abschätzung eines 
Aufwandes)

8. Öfter mal einen guten Freund (also einen, der einem auch mal die 
harte Wahrheit sagt) oder die Frau/Freundin ohne fachspezifisches Wissen 
auf die Abläufe schauen lassen.

9. Sich selbst immer wieder auf das Unternehmen schauen lassen und 
versuchen, den eingeschlagenen Weg neutral zu beurteilen und eventuell 
zu korrigieren.

10. wie Elektron schrieb: irgendwann ist der Vorbereitung genug - auch 
wenn noch vermeintlich Dinge fehlen: einfach mal machen!

Von allen Dingen fiel mir 9. mit Abstand am schwersten (daher greife ich 
gerne mal zu 8. ;-). Ich hab mir dann Listen mit Pro/Kontra-Aufzählungen 
gemacht und alle aktuellen Eckdaten aufgeschrieben. So eine Art 
Brainstorming.

: Bearbeitet durch Moderator
von Bürovorsteher (Gast)


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> 3. Tipps von Leuten, die noch nie selbstständig waren, ignorieren!

Full ACK! In der Gewichtung der dickste Punkt.

Von diesen Leuten treiben sich hier in A&B bei relevanten Themen jede 
Menge herum.

von Lars R. (lrs)


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Chris D. schrieb:
> Lars R. schrieb:
>>> Ja, das sollte funktionieren. Allerdings müsste ich auch heute wohl
>>> zuerst ordentlich Klinken putzen (bzw. mit Koffer auf Messen rumlaufen,
>>> hatte ich hier schon öfter beschrieben).
>>
>> Interessant. Kannst Du Dich an einen Rat erinnern (oder mehrere), den
>> jemand anders Dir gegeben hat UND der (sehr) hilfreich war?
>
> Da gibt es verschiedene Quellen. [...]

Das sind alles Ratschläge, die Dir jemand anderes im Gespräch gegeben 
hat?

Punkt 4 halte ich für wichtig. Die anderen Punkte finde ich weniger 
hilfreich, eher selbstverständlich. Punkt 6 kann man befolgen, wenn das 
Geschäft läuft. Vorher wohl kaum. Es kann natürlich sein, das Geschäft 
läuft nie richtig, wurde weiter oben bereits thematisiert...

Punkt 8: Ja, wenn man diesbezüglich jemanden mit Kompetenz hat? Das 
widerspricht sich schnell mit Punkt 3.

von Mark B. (markbrandis)


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Chris D. schrieb:
> 3. Tipps von Leuten, die noch nie selbstständig waren, ignorieren!
>
> 8. Öfter mal einen guten Freund (also einen, der einem auch mal die
> harte Wahrheit sagt) oder die Frau/Freundin ohne fachspezifisches Wissen
> auf die Abläufe schauen lassen.

Diese beiden Tipps widersprechen sich dummerweise gegenseitig.

Meines Erachtens ist Tipp 3. in dieser pauschalen Form eher wenig 
sinnvoll. Wenn jemand gesunden Menschenverstand besitzt und ein gutes 
Urteilsvermögen hat, dann muss er nicht selbst eine Firma geleitet 
haben, um guten Rat geben zu können.

: Bearbeitet durch User
von Chris D. (myfairtux) (Moderator) Benutzerseite


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Lars R. schrieb:
> Das sind alles Ratschläge, die Dir jemand anderes im Gespräch gegeben
> hat?

Ja - das waren die, die mir heute morgen spontan einfielen. Es gibt 
natürlich noch mehr. Aber viele sind einfach auch sehr speziell auf ein 
konkretes Problem zugeschnitten gewesen.

> Punkt 4 halte ich für wichtig. Die anderen Punkte finde ich weniger
> hilfreich, eher selbstverständlich.

Ja, das sollten sie eigentlich sein.

> Punkt 6 kann man befolgen, wenn das
> Geschäft läuft. Vorher wohl kaum.

Täusch Dich nicht. Genau deswegen fand ich den Tipp so wichtig: man 
gerät sehr schnell in eine Mühle, aus der man nicht mehr herausfindet, 
weil im Unternehmen immer irgendwas wichtig ist und keinen Aufschub 
erlaubt. Hat man einmal die Grenze zur totalen Erschöpfung (Burnout) 
überschritten, ist man in Zukunft deutlich weniger belastungsfähig.

Daher habe ich auch von Anfang an immer Urlaube gemacht. Es reichen 
manchmal schon ein paar Tage und das muss nicht viel kosten (ist anfangs 
ja sehr wichtig ;-)

Man muss als Selbstständiger direkt lernen, mit Erholung und Belastung 
umzugehen. Wenn Du die ersten Jahre nur durchackerst, gerätst Du auf 
einen sehr ungesunden Weg für Dich selbst und Dein Unternehmen.

Ich hab auch schnell festgestellt, dass es nichts bringt, auf Biegen und 
brechen zu arbeiten, wenn der Kopf Erholung benötigt, weil die 
Leistungsfähigkeit ohne Erholung immer weiter in den Keller geht. Lieber 
weniger arbeiten, aber dann wirklich konzentriert und frisch und zu den 
Zeiten, wo es "fluppt". Das kann dann auch mal von 17 bis 23 Uhr sein.
Man sollte da wirklich auf seinen Körper hören.

> Punkt 8: Ja, wenn man diesbezüglich jemanden mit Kompetenz hat? Das
> widerspricht sich schnell mit Punkt 3.

Das war schon so gemeint: jemand Fachfremdes, der nix mit der Technik 
oder Unternehmen zu tun hat. Du glaubst nicht, was ganz "normale Leute" 
für Dinge im betrieblichen Ablauf etc. sehen. Auf die wäre jemand, der 
in der Materie steckt, nicht gekommen.

Aber es sollte jemand sein, dem Du am Herz liegst, der Dir also auch 
ernsthaft, aus freien Stücken helfen möchte.

Es kommt natürlich darauf an, wie das Verhältnis zu Deiner Frau ist ;-)

Einen diesbezüglichen Tipp hatte ich noch vergessen (wobei ich den schon 
vorher befolgt hatte):

Irgendeine Art von Ausdauersport, Laufen, Radfahren. Das hilft enorm, 
den Kopf zu spülen und erhält die körperliche Leistungsfähigkeit.

Mir geht es sehr oft so, dass ich mit tausend Kleinigkeiten, die sich 
irgendwie nicht lösen lassen, loslaufe und nach dem Laufen ist 
eigentlich alles sonnenklar und man rätselt, warum man das schwierig 
fand.

Und - zumindest mir geht es so - man hat alleine mit sich in den 
Eifelwäldern einfach die besten Geistesblitze :-)

von Chris D. (myfairtux) (Moderator) Benutzerseite


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Mark B. schrieb:
> Diese beiden Tipps widersprechen sich dummerweise gegenseitig.
>
> Meines Erachtens ist Tipp 3. in dieser pauschalen Form eher wenig
> sinnvoll.

Ja, das war etwas mißverständlich ausgedrückt:

Gemeint waren unkonkrete Ratschläge (Lebensweisheiten) von äußeren 
Bedenkenträgern, ohne das Unternehmen zu kennen.

Ich denke es ist klar, welche Art von Ratschlägen gemeint ist.

> Wenn jemand gesunden Menschenverstand besitzt und ein gutes
> Urteilsvermögen hat, dann muss er nicht selbst eine Firma geleitet
> haben, um guten Rat geben zu können.

Richtig - aber er sollte das Unternehmen zumindest gesehen haben. Dann 
kann man auch ganz konkrete Tipps geben. Daher der Punkt 8.

Die Punkte müssen aber auch nicht für andere wichtig sein - jedes 
Unternehmen ist anders.

Für mich waren sie es aber :-)

: Bearbeitet durch Moderator
von Lars R. (lrs)


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Chris D. schrieb:
> [interessante und sehr hilfreiche Einblicke]

Danke :)

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