Forum: Offtopic Genauigkeitsfanatiker - warum?


von Wolfgang R. (Firma: www.wolfgangrobel.de) (mikemcbike)


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Der Threadtitel klingt etwas provokant, ist aber ganz ernst gemeint.

Kann mir jemand erklären, welchen sinnvollen Nutzen im Bereich 
"Elektronik als Hobby" ultragenaue Generatoren oder Messgeräte haben?

Dieser Thread hat mich erneut auf die Frage gebracht: 
Beitrag "DIY Frequency Counter mit 10 bis 12 Digits?"

Außerdem gab es noch Rubidiom-Normale, hochgenaue Spennungsquellen und 
Multimeter mit gefühlten 8 Stellen hinter dem Komma.

Ich bin seit 25 Jahren Entwicklungsing der Elektronik und mir reichten 
bisher im Extremfall 5-stellige Spannungswerte und in den meisten Fällen 
die Frequenzen auf +/- 1%...

Hab ich was falsch gemacht? Bin ich zu schlampig?

Vorschläge für einen sinnvollen Einsatz (außer "weil man es kann" 
bitte!)?

von Pandur S. (jetztnicht)


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Naja. Leute, die denken, sowas bringt's. Und uebersehen, dass sie mit 
viel Erfahrung, in Jahrzehnten gemessen, und 5 Prototypen erst einen 
Bruchteil des Weges zurueckgelegt haben. Messmittel sind natuerlich auch 
keine vorhanden.
Man kann so ein Steckenpferd nebenbei herziehen, und erreicht nach ein 
paar Jahren sicher beachtliche Resultate, und lernt auch sonst sehr 
viel. Aber eben, weder guenstig, noch schnell.
Das Teuerste, auf das man sich bezieht, meist als "ist mir viel zu 
teuer", muss man schliesslich dann haben, oder zugriff darauf..

von Uhu U. (uhu)


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Wolfgang R. schrieb:
> sinnvollen Nutzen

Gibts denn auch sinnlosen Nutzen?

von Wolfgang R. (Firma: www.wolfgangrobel.de) (mikemcbike)


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Uhu U. schrieb:
> Gibts denn auch sinnlosen Nutzen?

"Weil ich es kann"

von Jonny O. (-geo-)


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> Vorschläge für einen sinnvollen Einsatz (außer "weil man es kann"
> bitte!)?

Ich denke ein Hobby ist grade deshalb ein Hobby weil es sich vom Zwang 
"sinnvoll" zu sein gelöst hat :-) Ich denke das ist so ähnlich wie mit 
der Kunst. Es handelt sich einfach um ein Produkt des Überflusses - eine 
Art Spiel.

Wenn ich mir meine Projekte anschaue, so ist keines davon irgendwie 
besonders sinnvoll :-D

Lg
J.O

von Pandur S. (jetztnicht)


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Ich hab auch so ein Steckenpferd. Temperaturcontroller. Begann als 
Kundenwunsch, wurde ein Produkt. Das Produkt ist eingefroren, aber die 
Entwicklung geht weiter. Es ergeben sich einige interessante 
Disziplinen, die man alle anschauen muss. Ich bin schon ueber ein 
Jahrzehnt dran, und mach alle paar Monate einen neuen Prototypen. 
Allerdings nicht mit dem Fokus mehr Stellen auf dem display

von J.-u. G. (juwe)


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Oh D. schrieb:
> Das Produkt ist eingefroren,

Hat der Temperaturcontroller versagt? :)

von Pandur S. (jetztnicht)


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> .. Hat der Temperaturcontroller versagt?

Genau. Die Kunden wollen ein Device mit festen Spezifikationen ab 
Stange. Nicht jedes Mal was anderes, das vielleicht ihre Anspruche 
erfuellt, dafuer nicht mehr kompatibel ist. Ich bin nicht Apple
:-)

von Peter R. (pnu)


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Eigentlich gehört es zum Können eines Ingenieurs, sich mit den 
Anforderungen möglichst an die Aufgabe seines Projekts anzupassen. Nicht 
nur Fragen des Aufwands sondern auch Fragen der Robustheit und vieles 
Andre muss da beachtet werden.

Darüber hinauszugehen ist dann eher eine Sache des Habenwollens oder der 
(vom Kaufmann?) geweckten Kundenwünsche.

Bei 10exp-7 fängt z.B. bei Frequenz das "haben-will" schon an. Bei den 
Celsiusgraden die Zehntel-Grade, die eh schon kaum zuverlässig messbar 
sind. usw.

Ich selbst tob' mich halt an Frequenznormalen aus, nur nimmt GPS mir 
zunehmend die Freude dran.  Da sehen die eigenen erreichten Werte so 
schnell kümmerlich aus.

Andre werden halt mit sechsstelligen DVMs und Spannungsnormalen 
glücklich.
oder mit Stereoanlagen, die den Klirrfaktor in Zehntelprozent angeben 
oder nur noch als Klirrpegel in dBs.

von Christoph db1uq K. (christoph_kessler)


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Ok, Die Motivation des verstorbenen Ulrich Bangert war schon sehr 
speziell. Für die geplante Amateur-Marssonde ist so eine Präzision 
tatsächlich interessant.
http://ulrich-bangert.de/AMSAT-Journal.pdf

Und jeder Navi benutzt die GPS-Genauigkeit. Es reicht noch nicht um 
Blinden zu sagen, ob sie auf dem Gehweg oder der Fahrbahn stehen, ob das 
je möglich ist, ist fraglich.

Die Spezialisten treffen sich auf http://leapsecond.com/
Zum Beispiel der amateurmäßige Nachweis der Zeitverschiebung zwischen 
Zeitstandards auf Meereshöhe und einem hohen Berg.

von Klaus B. (butzo)


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Peter R. schrieb:

> Andre werden halt mit sechsstelligen DVMs und Spannungsnormalen
> glücklich.
Acht! "Kauf die Acht!",

ein HP3458A fehlt mir noch, Ref hab ich :-)


Butzo

von Timm T. (Gast)


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Oh D. schrieb:
> Genau. Die Kunden wollen ein Device mit festen Spezifikationen ab
> Stange

... an einigen geht Ironie unbemerkt vorüber...

von Bernd F. (metallfunk)


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Ich suche immer noch das bezahlbare Cäsiumnormal.
Warum?
Ich möchte meine eigene Atomuhr im Büro.

Aber mal ernsthaft: Auch in der Metallbranche gibt es Messgeräte,
die jenseits unserer Fertigungsmöglichkeiten liegen.

Also wäre die Anschaffung solcher Teile nur noch Unsinn.
Andererseits macht so ein Meßroboter toll was her:)

Es bringt nichts, über Sinn oder Unsinn der Ausstattung zu
philosophieren.

Der Pfälzer sagt: " Wenn es schön macht? "

Grüße Bernd

von Sebastian W. (dl3yc)


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Es kommt wie so oft auf die Anforderungen an. Will man auf 24GHz QRV 
sein, also funken, hat man schon die ein oder andere Anforderung an 
seine Frequenzaufbereitung. Bei einem 300Hz breiten Übertragungskanal 
nervt eine gewisse Frequenzinstabilität schon sehr. Und nun schaut man 
was man für wenig Geld beschaffen kann oder mit akzeptablen Aufwand 
selber bauen kann. Ich für meinen Teil schau einfach wie weit man gehen 
und selbst erreichen kann. Vorallem als Messtechnik-Fan wird man dann 
schnell zum Genauigkeitsfanatiker - aber es soll halt auch keine 
Schätztechnik sein ;-)

Es gibt sicher auch viele Entwickler, die nie die Anforderung hatten 
Leistungen im pW-Bereich (in Worten: pico-Watt) messen zu wollen - für 
einen gewöhnlichen HF-Entwickler ist das aber eine alltägliche 
Größenordnung im Empfängerbau.

Genauso ist das auch mit hochstablen DC-Spannungsquellen und 
-messgeräten...

73! Sebastian

von Kai S. (kai1986)


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Hallo,

ich kann jetzt nur von mir selbst sprechen.
6000 Count Multimeter langt an sich schon, kommt aber doch mal vor, das 
eine Stelle mehr hilfreich wäre. Da bin ich beim Fluke 87 V mit 20000 
Counts, was dann aber mit ca. 500€ schon ne anständige Investition ist 
und von den Messbereichen in Richtung kleine Spannung und kleiner Strom 
auch nicht mehr kann als das vorhandene. Der Funktionsgewinn ist somit 
eher klein und der Anschaffungspreis hoch.
Also Überlegung Tischmultimeter, da das Verhältnis Preis/Funktionsumfang 
besser ist als bei Handmultimetern. Bei mir ist die Entscheidung dann 
auf ein Keysight 34465A (6 1/2 Stellen) gefallen. Brauche ich 6 1/2 
Stellen? Nein. Brauche ich die Genauigkeit? Nein.
ABER: Ich kann zum Messen eines Stromfluss von wenigen µA den 47 Ohm 
Widerstand im Tiefpassfilter direkt als Shunt verwenden und muss nicht 
anfangen irgendwas aufzutrennen, da ich ja die Auflösung habe. Ich 
möchte einen Spannungsverlauf über Stunden aufzeichnen, kann ich direkt 
mit dem DMM machen, kann ja 50k Werte speichern, die ich auf nen USB 
Stick speichern kann. Ich kann mir die Messwerte auch direkt grafisch 
darstellen lassen (Super, da kann ich mir das übertragen auf den PC 
schon sparen).
4-Leiter Widerstandsmessung, super, ich muss nicht mehr anfangen mit der 
Konstantstromquelle, dem Handmultimeter und dem Umrechnen rum zu machen, 
ich stecke einfach die 4 Strippen ins große DMM.
Zudem hab ich noch ne LXI Schnittstelle, sprich, ich kann das DMM als 
"Messkarte" für den PC verwenden.
Nebeneffekt: Ich hab ein super tolles Multimeter, das mir auch noch die 
Entscheidung abnimmt, welcher von den 3 Handmultimeterwerten denn jetzt 
stimmt (Erkenntnis, das billigste hat recht).
Aber dafür 1400€ ausgeben? Ja, das zahle ich für nen anständigen Laptop 
oder 2 iPhones auch, hab aber nach 10 Jahren bei dem Multimeter noch nen 
anständigen Restwert, ein 10 Jahre alter Laptop oder das 5 Jahre alte 
iPhone ist nix mehr wert.


Wolfgang R. schrieb:
> Kann mir jemand erklären, welchen sinnvollen Nutzen im Bereich
> "Elektronik als Hobby" ultragenaue Generatoren oder Messgeräte haben?

"Elektronik als Hobby" betreiben einige Leute auf einem Niveau, das mit 
jeder Hochschule durchaus mithalten kann, da ist dann halt auch eine 
entsprechende Ausrüstung nötig, die über Jahre oder Jahrzehnte 
zusammengespart wird bzw. teils selbst gebaut.

Gruß Kai

von Axel S. (a-za-z0-9)


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Wolfgang R. schrieb:
> Kann mir jemand erklären, welchen sinnvollen Nutzen im Bereich
> "Elektronik als Hobby" ultragenaue Generatoren oder Messgeräte haben?

Die Frage nach dem "Nutzen" ist bei einem Hobby prinzipiell falsch 
gestellt. Bestenfalls kann man nach dem "Sinn" fragen. Und typische 
Antworten wären dann "weil es geht" oder "um dahin zu gehen wo noch kein 
Mensch zuvor gewesen ist".

> Dieser Thread hat mich erneut auf die Frage gebracht:
> Beitrag "DIY Frequency Counter mit 10 bis 12 Digits?"

Ein bemerkenswert schlecher Vertreter seiner Art. Aber ja, es gibt 
ähnliche Threads zur Spannungs- oder Widerstandsmessung.

Es gibt so Typen, die unbedingt die Grenzen des technisch machbaren 
ausloten wollen. Sie tragen Bezeichnungen wie "Time-Nuts" oder 
"Volt-Nuts". Kann man nicht erklären. Muß man mit leben.

Oder ignorieren.

> Ich bin seit 25 Jahren Entwicklungsing der Elektronik und mir reichten
> bisher im Extremfall 5-stellige Spannungswerte und in den meisten Fällen
> die Frequenzen auf +/- 1%...
>
> Hab ich was falsch gemacht? Bin ich zu schlampig?

Nö. Du bist einfach nur pragmatisch.

Eine der ersten Regeln die ich im Werk(!)unterricht gelernt habe ist: 
"nicht so genau wie möglich, sondern so genau wie nötig". Danke, Herr 
Nischk (sicher inzwischen verstorben) für die Vermittlung dieses 
elementaren Merksatzes!

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