Der Threadtitel klingt etwas provokant, ist aber ganz ernst gemeint. Kann mir jemand erklären, welchen sinnvollen Nutzen im Bereich "Elektronik als Hobby" ultragenaue Generatoren oder Messgeräte haben? Dieser Thread hat mich erneut auf die Frage gebracht: Beitrag "DIY Frequency Counter mit 10 bis 12 Digits?" Außerdem gab es noch Rubidiom-Normale, hochgenaue Spennungsquellen und Multimeter mit gefühlten 8 Stellen hinter dem Komma. Ich bin seit 25 Jahren Entwicklungsing der Elektronik und mir reichten bisher im Extremfall 5-stellige Spannungswerte und in den meisten Fällen die Frequenzen auf +/- 1%... Hab ich was falsch gemacht? Bin ich zu schlampig? Vorschläge für einen sinnvollen Einsatz (außer "weil man es kann" bitte!)?
Naja. Leute, die denken, sowas bringt's. Und uebersehen, dass sie mit viel Erfahrung, in Jahrzehnten gemessen, und 5 Prototypen erst einen Bruchteil des Weges zurueckgelegt haben. Messmittel sind natuerlich auch keine vorhanden. Man kann so ein Steckenpferd nebenbei herziehen, und erreicht nach ein paar Jahren sicher beachtliche Resultate, und lernt auch sonst sehr viel. Aber eben, weder guenstig, noch schnell. Das Teuerste, auf das man sich bezieht, meist als "ist mir viel zu teuer", muss man schliesslich dann haben, oder zugriff darauf..
> Vorschläge für einen sinnvollen Einsatz (außer "weil man es kann" > bitte!)? Ich denke ein Hobby ist grade deshalb ein Hobby weil es sich vom Zwang "sinnvoll" zu sein gelöst hat :-) Ich denke das ist so ähnlich wie mit der Kunst. Es handelt sich einfach um ein Produkt des Überflusses - eine Art Spiel. Wenn ich mir meine Projekte anschaue, so ist keines davon irgendwie besonders sinnvoll :-D Lg J.O
Ich hab auch so ein Steckenpferd. Temperaturcontroller. Begann als Kundenwunsch, wurde ein Produkt. Das Produkt ist eingefroren, aber die Entwicklung geht weiter. Es ergeben sich einige interessante Disziplinen, die man alle anschauen muss. Ich bin schon ueber ein Jahrzehnt dran, und mach alle paar Monate einen neuen Prototypen. Allerdings nicht mit dem Fokus mehr Stellen auf dem display
> .. Hat der Temperaturcontroller versagt?
Genau. Die Kunden wollen ein Device mit festen Spezifikationen ab
Stange. Nicht jedes Mal was anderes, das vielleicht ihre Anspruche
erfuellt, dafuer nicht mehr kompatibel ist. Ich bin nicht Apple
:-)
Eigentlich gehört es zum Können eines Ingenieurs, sich mit den Anforderungen möglichst an die Aufgabe seines Projekts anzupassen. Nicht nur Fragen des Aufwands sondern auch Fragen der Robustheit und vieles Andre muss da beachtet werden. Darüber hinauszugehen ist dann eher eine Sache des Habenwollens oder der (vom Kaufmann?) geweckten Kundenwünsche. Bei 10exp-7 fängt z.B. bei Frequenz das "haben-will" schon an. Bei den Celsiusgraden die Zehntel-Grade, die eh schon kaum zuverlässig messbar sind. usw. Ich selbst tob' mich halt an Frequenznormalen aus, nur nimmt GPS mir zunehmend die Freude dran. Da sehen die eigenen erreichten Werte so schnell kümmerlich aus. Andre werden halt mit sechsstelligen DVMs und Spannungsnormalen glücklich. oder mit Stereoanlagen, die den Klirrfaktor in Zehntelprozent angeben oder nur noch als Klirrpegel in dBs.
Ok, Die Motivation des verstorbenen Ulrich Bangert war schon sehr speziell. Für die geplante Amateur-Marssonde ist so eine Präzision tatsächlich interessant. http://ulrich-bangert.de/AMSAT-Journal.pdf Und jeder Navi benutzt die GPS-Genauigkeit. Es reicht noch nicht um Blinden zu sagen, ob sie auf dem Gehweg oder der Fahrbahn stehen, ob das je möglich ist, ist fraglich. Die Spezialisten treffen sich auf http://leapsecond.com/ Zum Beispiel der amateurmäßige Nachweis der Zeitverschiebung zwischen Zeitstandards auf Meereshöhe und einem hohen Berg.
Peter R. schrieb: > Andre werden halt mit sechsstelligen DVMs und Spannungsnormalen > glücklich. Acht! "Kauf die Acht!", ein HP3458A fehlt mir noch, Ref hab ich :-) Butzo
Oh D. schrieb: > Genau. Die Kunden wollen ein Device mit festen Spezifikationen ab > Stange ... an einigen geht Ironie unbemerkt vorüber...
Ich suche immer noch das bezahlbare Cäsiumnormal. Warum? Ich möchte meine eigene Atomuhr im Büro. Aber mal ernsthaft: Auch in der Metallbranche gibt es Messgeräte, die jenseits unserer Fertigungsmöglichkeiten liegen. Also wäre die Anschaffung solcher Teile nur noch Unsinn. Andererseits macht so ein Meßroboter toll was her:) Es bringt nichts, über Sinn oder Unsinn der Ausstattung zu philosophieren. Der Pfälzer sagt: " Wenn es schön macht? " Grüße Bernd
Es kommt wie so oft auf die Anforderungen an. Will man auf 24GHz QRV sein, also funken, hat man schon die ein oder andere Anforderung an seine Frequenzaufbereitung. Bei einem 300Hz breiten Übertragungskanal nervt eine gewisse Frequenzinstabilität schon sehr. Und nun schaut man was man für wenig Geld beschaffen kann oder mit akzeptablen Aufwand selber bauen kann. Ich für meinen Teil schau einfach wie weit man gehen und selbst erreichen kann. Vorallem als Messtechnik-Fan wird man dann schnell zum Genauigkeitsfanatiker - aber es soll halt auch keine Schätztechnik sein ;-) Es gibt sicher auch viele Entwickler, die nie die Anforderung hatten Leistungen im pW-Bereich (in Worten: pico-Watt) messen zu wollen - für einen gewöhnlichen HF-Entwickler ist das aber eine alltägliche Größenordnung im Empfängerbau. Genauso ist das auch mit hochstablen DC-Spannungsquellen und -messgeräten... 73! Sebastian
Hallo, ich kann jetzt nur von mir selbst sprechen. 6000 Count Multimeter langt an sich schon, kommt aber doch mal vor, das eine Stelle mehr hilfreich wäre. Da bin ich beim Fluke 87 V mit 20000 Counts, was dann aber mit ca. 500€ schon ne anständige Investition ist und von den Messbereichen in Richtung kleine Spannung und kleiner Strom auch nicht mehr kann als das vorhandene. Der Funktionsgewinn ist somit eher klein und der Anschaffungspreis hoch. Also Überlegung Tischmultimeter, da das Verhältnis Preis/Funktionsumfang besser ist als bei Handmultimetern. Bei mir ist die Entscheidung dann auf ein Keysight 34465A (6 1/2 Stellen) gefallen. Brauche ich 6 1/2 Stellen? Nein. Brauche ich die Genauigkeit? Nein. ABER: Ich kann zum Messen eines Stromfluss von wenigen µA den 47 Ohm Widerstand im Tiefpassfilter direkt als Shunt verwenden und muss nicht anfangen irgendwas aufzutrennen, da ich ja die Auflösung habe. Ich möchte einen Spannungsverlauf über Stunden aufzeichnen, kann ich direkt mit dem DMM machen, kann ja 50k Werte speichern, die ich auf nen USB Stick speichern kann. Ich kann mir die Messwerte auch direkt grafisch darstellen lassen (Super, da kann ich mir das übertragen auf den PC schon sparen). 4-Leiter Widerstandsmessung, super, ich muss nicht mehr anfangen mit der Konstantstromquelle, dem Handmultimeter und dem Umrechnen rum zu machen, ich stecke einfach die 4 Strippen ins große DMM. Zudem hab ich noch ne LXI Schnittstelle, sprich, ich kann das DMM als "Messkarte" für den PC verwenden. Nebeneffekt: Ich hab ein super tolles Multimeter, das mir auch noch die Entscheidung abnimmt, welcher von den 3 Handmultimeterwerten denn jetzt stimmt (Erkenntnis, das billigste hat recht). Aber dafür 1400€ ausgeben? Ja, das zahle ich für nen anständigen Laptop oder 2 iPhones auch, hab aber nach 10 Jahren bei dem Multimeter noch nen anständigen Restwert, ein 10 Jahre alter Laptop oder das 5 Jahre alte iPhone ist nix mehr wert. Wolfgang R. schrieb: > Kann mir jemand erklären, welchen sinnvollen Nutzen im Bereich > "Elektronik als Hobby" ultragenaue Generatoren oder Messgeräte haben? "Elektronik als Hobby" betreiben einige Leute auf einem Niveau, das mit jeder Hochschule durchaus mithalten kann, da ist dann halt auch eine entsprechende Ausrüstung nötig, die über Jahre oder Jahrzehnte zusammengespart wird bzw. teils selbst gebaut. Gruß Kai
Wolfgang R. schrieb: > Kann mir jemand erklären, welchen sinnvollen Nutzen im Bereich > "Elektronik als Hobby" ultragenaue Generatoren oder Messgeräte haben? Die Frage nach dem "Nutzen" ist bei einem Hobby prinzipiell falsch gestellt. Bestenfalls kann man nach dem "Sinn" fragen. Und typische Antworten wären dann "weil es geht" oder "um dahin zu gehen wo noch kein Mensch zuvor gewesen ist". > Dieser Thread hat mich erneut auf die Frage gebracht: > Beitrag "DIY Frequency Counter mit 10 bis 12 Digits?" Ein bemerkenswert schlecher Vertreter seiner Art. Aber ja, es gibt ähnliche Threads zur Spannungs- oder Widerstandsmessung. Es gibt so Typen, die unbedingt die Grenzen des technisch machbaren ausloten wollen. Sie tragen Bezeichnungen wie "Time-Nuts" oder "Volt-Nuts". Kann man nicht erklären. Muß man mit leben. Oder ignorieren. > Ich bin seit 25 Jahren Entwicklungsing der Elektronik und mir reichten > bisher im Extremfall 5-stellige Spannungswerte und in den meisten Fällen > die Frequenzen auf +/- 1%... > > Hab ich was falsch gemacht? Bin ich zu schlampig? Nö. Du bist einfach nur pragmatisch. Eine der ersten Regeln die ich im Werk(!)unterricht gelernt habe ist: "nicht so genau wie möglich, sondern so genau wie nötig". Danke, Herr Nischk (sicher inzwischen verstorben) für die Vermittlung dieses elementaren Merksatzes!
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