Nicht-mikrofonische Kerkos

Gast #4885078
Lesenswert?

Ich suche Kerkos, welche nicht mikrofonisch sind. Sie sollen dazu 
dienen, den Ausgang eines LED-Treibers etwas weniger wellig zu machen 
bzw. vor allem zu EMV-Vermeidungszwecken. Da per PWM gedimmt wird, 
summen herkömmliche Kerkos gerne mal. Die Frequenz kann leider nicht 
erhöht werden.

Bauform ist eigentlich egal, SMD muss es sein. Ab 50 Volt und min. 100 
nF.
#4885113
Lesenswert?

Mike schrieb:

> Ich suche Kerkos, welche nicht mikrofonisch sind.

Die gibt es. Sie sind allerdings ziemlich gross.
https://de.wikipedia.org/wiki/Keramikkondensator#Klasse-1-Keramikkondensatoren

> Bauform ist eigentlich egal, SMD muss es sein. Ab 50 Volt und min. 100
> nF.

Ein solcher Kapazitätswert wird vermutlich die ganze Platine belegen
und trotzdem nicht ausreichen.
Gast #4885266
Lesenswert?

Mike schrieb:

> Ich suche Kerkos, welche nicht mikrofonisch sind.

Dafür müssen es low-k Dielektrika sein. NP0 und C0G.

High-k Dielektrika (X5R, X7R, Z5U, ...) sind piezoelektrisch und daher 
auch mehr oder weniger mikrofonieanfällig.

Wie die Bezeichnung low-k (auf Deutsch "niedrig-epsilon") andeutet, ist 
die mit diesen Keramiken erzielbare Kapazität eher klein, 100nF dürfte 
eng werden.
Gast #4885349
Lesenswert?

Mike schrieb:
> Ich suche Kerkos, welche nicht mikrofonisch sind. Sie sollen dazu
> dienen, den Ausgang eines LED-Treibers etwas weniger wellig zu machen
> bzw. vor allem zu EMV-Vermeidungszwecken. Da per PWM gedimmt wird,
> summen herkömmliche Kerkos gerne mal. Die Frequenz kann leider nicht
> erhöht werden.
>
> Bauform ist eigentlich egal, SMD muss es sein. Ab 50 Volt und min. 100
> nF.

LEDs kann man gern auch ohne Kerkos betreiben. Die Welligkeit stört 
nicht, das sieht man nicht wenn die Frequenz hoch genug ist.

Sonst gäbe es durchaus Alternativen zu Kerkos:
Polymer Tantal haben gleich gute Eigenschaften was den ESR angeht, und 
die summen nicht.

Gute SMD-Elkos wären auch einen Blick wert, da ist natürlich die 
Frequenz etwas begrenzt.
#4885733
Lesenswert?

Mike schrieb:
> sollen dazu
> dienen, den Ausgang eines LED-Treibers etwas weniger wellig zu machen

Wenn es auf Farbkonstanz ankommt betreibt man die LEDs besser nicht mit 
Gleichstrom unterschiedlicher Stärke, sondern mit Impulsen gleicher 
(maximaler) Höhe und und ändert zum Dimmen nur das Tastverhältnis.

Manche LEDs reagieren auf den Betrieb mit weniger als Nennstrom nämlich 
mit einer deutlichen Farbänderung.

P.S.:

Mike schrieb:
> Ohne Kerko sind Störungen auf UKW

Die sollten aber mit wesentlich geringeren Kapazitäten wegzubekommen 
sein.
1nF haben bei 100MHz nur noch 1,6 Ohm.
#4885858
Lesenswert?

Homo Habilis schrieb:
> Martin S. schrieb:
>> Folienkondensatoren
>
> ...haben wohl nix mit Mikrofonie, aber wäre dann die mögliche Kapazität
> nicht geringer? Ich dachte, grade das sei der große Vorteil von Keramik.

Folienkondensatoren habe eine unerwünschte Induktivität, der Wickel 
halt,
http://thumbs1.picclick.com/d/l400/pict/361741517656_/6-x-Styrol-Folien-Kondensator-2200-pF-22-nF.jpg

aber es gibt geschnittene? Folienkondensatoren die nach dem Wickeln an 2 
Seiten beschnitten werden und kontaktiert, das ergibt dann parallele 
Platten.

https://img.conrad.de/medias/global/ce/4000_4999/4600/4600/4607/460737_BB_00_FB.EPS_1000.jpg
Gast #4885942
Lesenswert?

Ob Keramik, Wickel, "geschnittener" Wickel oder so, jeder Kondensator 
wird prinzipbedingt zur Schallabgabe neigen. Auch zur Mikrofonie (also 
Schallaufnahme), doch das war ja hier nicht gemeint. Restlos 
beseitigen kann man das nicht, nur dämpfen. Entweder durch härtere 
Materialien wie Keramik, (die Resonanzfrequenz wird nach oben 
verschoben), durch weichere Materialien, wie Wickel (die 
Resonanzfrequenz ist eher tief).
Eventuell kann man die trötenden C auch verpacken, z.B. in einer 
Vergussmasse verstecken. Je dach Betriebstemperatur könnten zum Test 
schon ein paar Tropfen Heißkleber Abhilfe bringen. Oder eben spezielle 
Elektronikvergussmasse, aber möglichst kein Bausilikon.

Old-Papa
Persönliche Seite #4887719
Lesenswert?

Old P. schrieb:
> Ob Keramik, Wickel, "geschnittener" Wickel oder so, jeder Kondensator
> wird prinzipbedingt zur Schallabgabe neigen. Auch zur Mikrofonie (also
> Schallaufnahme), doch das war ja hier nicht gemeint.

Habe mich auch an dem Begriff gerieben. "tonaussendend" sollte man 
vielleicht lieber als autophon bezeichnen. Oder wie wäre es mit 
"elektrotrem"?

Gibt es dafür einen offiziellen Kurzbegriff?
Gast #4887911
Lesenswert?

Jürgen S. schrieb:
>
> Gibt es dafür einen offiziellen Kurzbegriff?

Nun ja, bei brummenden Trafos spricht man von brummenden Trafos. Bei 
summenden Relais halt von summenden Relais. Warum zu tönenden 
Kondensatoren nicht tönende Kondensatoren sagen?
Mikrofonie gab es vor allem früher bei Röhren (heute auch noch), aber 
auch bei billigen Mikrofonkabeln usw. Auch Kondensatoren können 
mikrofonisch sein, doch dazu muss man schon gegenklopfen.

Old-Papa
#4888128
Lesenswert?

Old P. schrieb:
> Auch Kondensatoren können
> mikrofonisch sein, doch dazu muss man schon gegenklopfen.
Ich hab von meinem Ausbilder die Story gehört, dass Kerkos da 
empfindlicher sind als man denkt - angeblich wurde das ausgenutzt, um 
aus Abhörfahrzeugen von der Straße durch Empfang der ZF aus einem Radio 
die Gespräche im Zimmer abzuhören. Der Schall hat die Kerkos im 
Zwischenkreis schwingen lassen und damit dann die ZF moduliert.
Gast #4888176
Lesenswert?

J. S. schrieb:
> Old P. schrieb:
>> Auch Kondensatoren können
>> mikrofonisch sein, doch dazu muss man schon gegenklopfen.
> Ich hab von meinem Ausbilder die Story gehört, dass Kerkos da
> empfindlicher sind als man denkt - angeblich wurde das ausgenutzt, um
> aus Abhörfahrzeugen von der Straße durch Empfang der ZF aus einem Radio
> die Gespräche im Zimmer abzuhören. Der Schall hat die Kerkos im
> Zwischenkreis schwingen lassen und damit dann die ZF moduliert.

Aha! Alternative Fakten?
In der Theorie wohl machbar, in der Praxis bei Kerkos im ZF-Filter 
wohl eher unwahrscheinlich.
Wer macht mal einen Versuch? Ein paar Meter würden ja schon reichen.

Old-Papa
#4888352
Lesenswert?

J. S. schrieb:
> angeblich wurde das ausgenutzt, um
> aus Abhörfahrzeugen von der Straße durch Empfang der ZF aus einem Radio
> die Gespräche im Zimmer abzuhören.

Ja, zu DDR-Zeiten geisterten viele Märchen rum.

Was vielleicht bei schlecht aufgebauten Radios nach außen strahlte, war 
die Oszillatorstufe. Und da wurden in der Regel vibrationsarme 
Luft-Drekos verwendet. Denn eine Modulation würde zuerst erstmal der 
eingebaute Lautsprecher verursachen, d.h. man hätte ne prima Mitkopplung 
(Jaulen usw.).

Antwort schreiben

Bitte melde dich an, um einen Beitrag zu schreiben.

oder

Mit Google-Account einloggen

Die Registrierung ist kostenlos und dauert nur eine Minute.

Jetzt registrieren