Forum: Platinen Bauteil auf Folienkabel auflöten


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von Horst M. (dehenry)


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Hallo,

ich muss ein gebrochenes Folienkabel von einem Objektiv austauschen. Auf 
dem alten Kabel sind an zwei Stellen Bauteile (vermutlich eine 
Lichtschranke) aufgelötet, siehe erstes Foto. Die Lötstellen sind 
verdeckt unter dem Bauteil und gehen nicht durchs Kabel durch (also 
ähnlich wie SMD), d.h. auf der Rückseite ist nur Folie. Das zweite Foto 
zeigt dieselbe Stelle des neuen Kabels mit den Lötpunkten und das dritte 
Foto die Rückseite.

Kann man mit dem Lötkolben das alte Kabel von der Rückseite erhitzen und 
die Lichtschranke so ablöten (und sie entsprechend auf dem neuen ,Kabel 
auflöten) oder schmilzt die Folie dann? Wenn das nicht geht - wie dann?

Ich habe Angst, die Lichtschranken zu beschädigen. Wenn die kaputt 
gehen, kann ich die Kamera wegwerfen...

Danke!

: Verschoben durch Admin
von Michael B. (laberkopp)


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Horst M. schrieb:
> Kann man mit dem Lötkolben das alte Kabel von der Rückseite erhitzen und
> die Lichtschranke so ablöten (und sie entsprechend auf dem neuen ,Kabel
> auflöten) oder schmilzt die Folie dann?

Lötkolben nicht auf 320 Grad stellen und eine Spitze nehmen auf der die 
ganze Fläche aufliegen kann (also eher einen heissen Metallklotz).

Beim ablöten wirst du feststellen, daß es stinkt, braun wird aber ohne 
schmelzen geht, Kapton schmilzt nicht.

Dann kannst du auch neu drauflöten, allerdings ist dazu auch Lötzinn und 
Flussmittel nötig, also erst das Bauteil oder die Lötpads verzinnen.

von Horst M. (dehenry)


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Danke! Mein Lötkolben kann nur 270, 320 und 370 Grad, dann wohl 270. Das 
mit der flachen Lötspitze wird nicht ganz einfach...

 Die Rückseite sieht ja dunkler aus als der Rest des Kabels. Ist das 
einfach dasselbe Material doppelt bzw. muss man diese zweite Schicht vor 
dem Löten abziehen (wenn das überhaupt geht...)?

Hier noch ein Foto von der Bruchstelle. Das Folienkabel war an der 
Stelle mit einem scharfen 180 Grad-Knick verbaut und irgendwann ist es 
an der Stelle gebrochen. An der Stelle die Leiterbahnen irgendwie 
nachzulöten halte ich für ziemlich aussichtslos - viel zu fein.

von Soul E. (souleye) Benutzerseite


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Horst M. schrieb:
> Danke! Mein Lötkolben kann nur 270, 320 und 370 Grad, dann wohl 270. Das
> mit der flachen Lötspitze wird nicht ganz einfach...

Du hast doch das kaputte Kabel zum Üben. Da kannst Du auf der vollen 
Länge Schmurgeltests mit veranstalten.

Wenn Deine Lötspitze zu klein ist, dann bieg Dir ein Stück Blech 
drumherum und füll den Hohlraum mit Lot. Der Klumpen braucht dann eine 
Weile zum Warmwerden, gibt aber eine gute Herdplatte ab.

>  Die Rückseite sieht ja dunkler aus als der Rest des Kabels. Ist das
> einfach dasselbe Material doppelt bzw. muss man diese zweite Schicht vor
> dem Löten abziehen (wenn das überhaupt geht...)?

Das ist der stiffener, eine Art Verstärkungsfolie. Das die da ist hat 
mechanische Gründe, vielleicht wird die Lichtschranke damit irgendwo 
eingeklemmt.


> Hier noch ein Foto von der Bruchstelle. Das Folienkabel war an der
> Stelle mit einem scharfen 180 Grad-Knick verbaut und irgendwann ist es
> an der Stelle gebrochen. An der Stelle die Leiterbahnen irgendwie
> nachzulöten halte ich für ziemlich aussichtslos - viel zu fein.

Wenn der Platz reicht kannst Du da ein Stück Schaumstoffklebeband 
zwischenpacken, damit der 180°-Knick einen Biegeradius bekommt.

von Horst M. (dehenry)


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soul e. schrieb:
> Du hast doch das kaputte Kabel zum Üben. Da kannst Du auf der vollen
> Länge Schmurgeltests mit veranstalten.

Ich bin unsicher, ob ich das alte Kabel ganz kaputtmachen kann oder es 
vielleicht doch mit einer Reparatur der gebrochenen Adern versuchen 
soll. Ich habe echt Bammel, die Lichtschranken (3 Stück auch noch...) zu 
versauen.

von Rufus Τ. F. (rufus) (Moderator) Benutzerseite


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Könnte es sein, daß die Lichtschranke zerlegbar ist, daß man also den 
schwarzen Kunststoffkörper nach oben hin abziehen kann?

Mach mal ein Bild, bei dem der Focuspunkt tatsächlich auf der 
Lichtschranke liegt, und zwar aus einem noch flacheren Winkel 
(Bildstrahl fast parallel zur Folienleiteroberfläche), so daß man die 
Chance hat, vielleicht auch die Lötstellen erahnen zu können.

von Horst M. (dehenry)


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Hier mal eine vergrößerte Aufnahme von der Lichtschranke - besser kriege 
ich es nicht hin. Ich habe es mal sachte mit versucht, aber ich glaube 
nicht, dass sich da etwas abziehen lässt. Wenn das ginge, müssten ja 
vier einzelne kleine Pins senkrecht auf dem Folienkabel aufgelötet sein. 
Das würde ich erst recht nicht hinbekommen...

: Bearbeitet durch User
von Axel R. (Gast)


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BGA-Lichtschranke - krass...

von Olaf (Gast)


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Interessante Herausforderung. :-)

Wo hast du denn die Flexcable ohne Bestueckung her bekommen? Mich 
wundert das der Hersteller die so abgibt.


Abloeten wuerde ich mit Heissluft machen. Das ist in diesem Fall aber 
insofern eine Herausfoerderung weil das Plastik der Lichtschranken dem 
gewisse Grenzen setzt.
Hast du das Datenblatt der Lichtschranken? Da sollte es ein 
Temperaturprofil geben. Ich gehe mal davon aus das die normal mit 
260Grad im Reflow geloetet werden koennen. Es waere aber auch denkbar 
das die weniger aushalten und man spezielles Lot braucht. (gibt es bei 
manchen LEDs)

Wenn du Heissluft nimmst dann achte darauf die Lichtschranke mit etwas 
Alufolie zu umwickeln damit sie keinen direkten Luftstrom abbekommt. 
Dann das Starflexkabel von hinten erwaermen. Nicht zu kalt (dauert dann 
zu lange) aber auch nicht zu warm. :-)

Andere Moeglichkeit waere wohl eine Heizplatte wenn du sowas hast. 
Notfalls eine Metallplatte auf dem Ofen. Zur Messung der Temperatur ein 
Stueck bleifreies Lot drauf legen. Wenn das schmilzt dann weisst du das 
die Temperatur akzeptabel ist.

Abloeten ist IMHO schwieriger wie aufloeten weil du ja zum aufloeten 
bleihaltige Loetpaste verwenden kannst. Dann ist die Temperatur etwas 
niedriger.

Wenn du nicht regelmaessig SMD/BGA loetest dann lasse es sein. Das ganze 
ist nicht schwierig, aber man braucht Uebung. Wie beim Fahrrad fahren. 
.-)

Olaf

von Rufus Τ. F. (rufus) (Moderator) Benutzerseite


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Olaf schrieb:
> Abloeten wuerde ich mit Heissluft machen. Das ist in diesem Fall aber
> insofern eine Herausfoerderung weil das Plastik der Lichtschranken dem
> gewisse Grenzen setzt.

Da hat der Folienleiter sicher auch ein Wörtchen mitzureden.

von Horst M. (dehenry)


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> Wo hast du denn die Flexcable ohne Bestueckung her bekommen? Mich
> wundert das der Hersteller die so abgibt.

Das ist (leider) nur ein China-Teil, aber ich war froh, dass ich das 
überhaupt bekommen habe. Das Kabel ist teilbestückt mit einigen 
Steckerleisten, aber die Lichtschranken fehlen. Datenblatt habe ich 
nicht.

> Abloeten wuerde ich mit Heissluft machen.

Was ist der Vorteil von Heissluft? Ich habe nur einen Lötkolben und mit 
dem habe ich das Ding bis jetzt bei 270 Grad nicht abbekommen. Kann man 
auch auf 320 Grad gehen oder schmilzt dann die Folie?

> Wenn du nicht regelmaessig SMD/BGA loetest dann lasse es sein.

Tue ich nicht, aber ich sehe hier keine Alternative.

von Soul E. (souleye) Benutzerseite


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Olaf schrieb:

> Abloeten wuerde ich mit Heissluft machen. Das ist in diesem Fall aber
> insofern eine Herausfoerderung weil das Plastik der Lichtschranken dem
> gewisse Grenzen setzt.

Eben, damit stresst Du die Bauteile deutlich mehr. Flexfolien werden 
meist per Bügellötverfahren gelötet, und die Thermode kann man sich aus 
einem Streifen Doseblech und einer alten Lötspitze gut selber bauen. 
Kapton hält kurzfristig 400°C und dauerhaft 240°C aus. Da Du durch den 
Stiffener durchheizen musst würde ich das Ganze eher kurz und heiss 
machen, und beim Auflöten mit einer ordentlichen Menge Flussmittel.

Ein altes Teil zum Üben wäre aber trotzdem nicht verkehrt.

von Olaf (Gast)


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> Da hat der Folienleiter sicher auch ein Wörtchen mitzureden.

Da wuerde ich mir jetzt keine Sorgen machen. DAs sieht wie Starrflex 
aus:

http://www.contag.de/leiterplatten.php?leiterplatten_produkte_starrflex.html

Im Prinzip also ganz normaler Leiterplatte nur etwas duenner. Das ist 
dafuer gedacht einmal bei 260Grad durch den Ofen zu fahren. Irgendwie 
muss der Hersteller da ja auch sein BGA drauf bekommen haben. 
Folienleiter fuer Steckverbinder sind etwas anderes.

Olaf

von Soul E. (souleye) Benutzerseite


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soul e. schrieb:

> Ein altes Teil zum Üben wäre aber trotzdem nicht verkehrt.

...das muss ja nicht aus einem Objetiv stammen. Besorg Dir eine 
Kapton-Flexfolie aus einem alten Display und löte die auf einem Stück 
Streifenrasterplatte fest. Das gibt ein Gefühl für Zeiten und 
Temperaturen.


Starflex ist etwas anderes. Bei Starrflex-Leiterplatten ist der flexible 
Teil Bestandteil des Laminates. Man kann sich das vorstellen wie eine 
vierlagige Leiterplatte, wo an manchen Stellen der Kern und zwei Lagen 
weggefräst wurden.

von Rufus Τ. F. (rufus) (Moderator) Benutzerseite


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Olaf schrieb:
> DAs sieht wie Starrflex aus

Das hier?!

https://www.mikrocontroller.net/attachment/321604/IMG_20170224_151005.jpg

Nein. Das sieht nicht wie Starrflex aus. Wirklich nicht.

von Horst M. (dehenry)


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Leute, ich kann einen Sieg melden! Es hat funktioniert, die Kamera läuft 
(bis jetzt - ich will den Tag ja nicht vor dem Abend laufen) wieder 
einwandfrei.

Es war wirklich eine haarige Sache - ich glaube, ich weiß jetzt, wie 
sich ein Neurochirurg fühlt. ;-) Das Ablöten der Lichtschranken war am 
schwersten. Das Original-Kabel ist deutlich bessere Qualität und 
anscheinend etwas dicker als das neue und deshalb brauchte ich eine 
höhere Temperatur beim Ab- als beim Auflöten. Ich bin während dem 
Erhitzen mit einem Skalpell zwischen Pins und Folie gegangen und habe 
die Pins der Lichtschranken so nach und nach abgelöst, aber das war 
schwieriger als es jetzt klingt. Das Anlöten war deutlich einfacher, 
aber da war die Schwierigkeit, die Lichtschranken ganz genau in der 
richtigen Position auf dem Kabel anzulöten.

Ich freue mich gerade riesig - Euch vielen Dank für Eure vielen Tipps!

von Klaus R. (klaus2)


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Super, Glückwunsch!

Klaus.

von Rufus Τ. F. (rufus) (Moderator) Benutzerseite


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Rein interessehalber:

Was war das für ein Objektiv?

von Horst M. (dehenry)


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Es war kein separates Objektiv, sondern das Objektiv einer Sony RX100 
(Mark I). Jedenfalls viel zu schade, um die wegen eines blöden 
Flexkabels wegzuwerfen.

: Bearbeitet durch User
von Rufus Τ. F. (rufus) (Moderator) Benutzerseite


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Ah. Trotzdem: Mutiger Einsatz.

Weiterhin gutes Licht!

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