Naja. Mal Spaß, Ironie und Sarkasmus beiseite, Dominic:
Mit etwas Verständnis für das, was der Anfänger aus eigener Kenntnis
und aus mehr oder weniger genauen populären Darstellungen weiss (man
denke nur an das Übertakten von Prozessoren), muss man ihm zugestehen,
dass er nicht unterscheiden kann.
Es gibt eigentlich nur wenige Bauteile, bei denen jede Überschreitung
der Absolute Maximum Ratings, uns sei sie auch noch so gering,
unmittelbar und sicher zur Zerstörung führt.
Das weiss der Erfahrene, weil er schon mal einen uC mit 5V statt 3,3V
gespeist hat oder aus ähnlichen Fällen mit allen möglichen Halbleitern.
Bei passiven Bauteilen wird das ganze quantitativ noch unkritischer.
Man muss halt wissen, dass in der überwiegenden Zahl der Fälle, d.h. der
herkömmlichen Bauteile, die "Zerstörung" durch Überspannung ein
gradueller Vorgang ist. Und das der Grad der Zerstörung häufig mit der
Zeit immer stärker zunimmt. Auch muss man wissen, dass bei Halbleitern
der Betrieb innerhalb der Grenzen dennoch zur "Zerstörung" führt - nur
eben in sehr langen Zeiträumen.
Es gibt also, streng genommen, keine absolute Sicherheit, dass eine
Überspannung zur Zerstörung führen wird oder darüber, wie schnell das
geschieht.
Auch muss man wissen, dass bei der Beschreibung der Bedeutung der
Absolute Maximum Ratings in den Datenblättern, heutzutage schon ein
Dutzend Juristen drübergeschaut haben. Da steht dann eben nicht, dass
eine Überschreitung zur Zerstörung führt, sondern, dass die Funktion
nicht mehr garantiert und eine irreversible Störung auftreten kann -
nicht muß.
Natürlich kann man dennoch einmal ein paar tausend Bauteile testen und
feststellen, dass nur ein gewisser Prozentsatz sofort, ein anderer nach
1ms, ein weiterer nach 1s und ein weiterer nach 10m kaputt geht. So oder
so ähnlich hat das auch der Hersteller festgestellt. Es gibt aber auch
grundsätzliche Grenzen die vom Material abhängen und lange bekannt sind.
Aber der eigentliche Grund hat eher mit prinzipiellen Gründen zu tun:
Wenn für ein Ding eine Belastungsgrenze definiert ist (und man, wie bei
einem Halbleiterhersteller) annehmen muss, dass der Wert aufgrund von
Messungen und Versuchen ermittelt wurde, - also, vernünftig und
nachvollziehbar ist -, dann geht man nicht über diese Grenze, weil man
einfach damit die Sicherheit hat, dass das Bauteil unterhalb davon immer
gehen wird!
Das scheint mir mit der Alltagssituation vergleichbar, dass ein in
Berlin, am Kudamm (oder Frankfurt oder einer ähnlichen Großstadt)
stehengelassener Regenschirm (vor allem bei Regenwetter) mit an
Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit nach, nach 10 Minuten weg ist.
Die Regel kann aber nie lauten, dass er das immer sein wird. Nur dass
eine Wiedererlangen des Schirms nicht garantiert werden kann, mit einem
Verschwinden gerechnet werden muss.
In der Folge lässt man einen Regenschirm einfach nicht dort stehen. Es
ist dabei völlig egal, ob in einem Cafè oder auf der Strasse. Wenn man
ihn immer bei sich behält ist man sicher, dass man ihn auch behalten
wird.
Ähnlich wird man die Absolute Maximum Ratings nicht bewusst
überschreiten. Man kann davon ausgehen, dass das grundsätzlich
funktioniert.