Es gibt Regeln und Gesetze, die gut gemeint aber schlecht gemacht genau
ins Gegenteil ausschlagen. Wenn jeder unkontrolliert die persönlichen
Daten Anderer erfragen kann, dann wäre beispielsweise eine Registrierung
in einem Forum ein Schuss ins Knie und man wäre besser dran, wenn man
das - soweit möglich - nicht macht. Denn was er nicht an Daten hat kann
Andreas auch nicht rausrücken.
Wenn jeder die Adresse des Anderen erfragen kann, dann werden das nicht
nur die Good Guys tun, sondern eben auch jene, die man mit einem solchen
Gesetz eigentlich bekämpfen will.
In der ersten Stufe wäre das also ein Anonymisierungs-Fördergesetz. Was
selbstredend alsbald ein Anonymisierungs-Verbotsgesetz zur Folge hätte.
Abradolf L. schrieb:> Wie sensibilierst man Leute für das Thema?
Nach meiner Erfahrung ist das nicht möglich.
Mit ein wenig Glück denken die Leute mit denen man über
solche Themen spricht nur dass du gnadenlos übertreibst
und nicht dass du ein Aluhut/Verschwörungsspinner bist.
Ich persönlich freue mich jedesmal wenn es einen von
den Stasi-befürwortern Existenzbedrohend erwischt und
ich sagen kann "Jetzt hast du was du immer wolltest."
Das stösst zwar auf genauso wenig Verständniss aber das
macht es nicht weniger erheiternd.
Chr. M. schrieb:> Ich persönlich freue mich jedesmal wenn es einen von> den Stasi-befürwortern Existenzbedrohend erwischt und> ich sagen kann "Jetzt hast du was du immer wolltest."
Wenn Stasigesetze nur die Stasi betreffen würde, dann wärs ein Grund für
Freude. Wie man allerdings Freude dabei empfinden kann, selber Opfer
davon zu werden, erschliesst sich mir nicht.
Jedenfalls sieht es vorerst so aus, als ob Maas den Extremisten und
Hatespeechern Instrumente in die Hand geben will, die Vernünftigen zu
terrorisieren. Schöne Aussichten.
Apropos Politikverbot und Offtopic - eigentlich ist das in "Offtopic"
offtopic und in "Webseite" ontopic, denn das betrifft u.U. eben auch
Webseiten wie diese hier.
A. K. schrieb:> Apropos Politikverbot und Offtopic - eigentlich ist das in "Offtopic"> offtopic und in "Webseite" ontopic, denn das betrifft u.U. eben auch> Webseiten wie diese hier.
Stimmt schon, aber ich wollte das jetzt nicht wieder mit 100 anonymen
Gästen diskutieren :)
Abradolf L. schrieb:> Wie sensibilierst man Leute für das Thema?
Garnicht, es sei denn du willst als Verschwörungstheoretiker oder
Spinner abgestempelt werden.
Es ist traurig, aber mittelfristig werden wir im Netz komplett
durchschaubar werden und unsere Daten werden, personenbezogen, jedem zur
Verfügung stehen.
Dazu aus den USA:
https://www.washingtonpost.com/news/the-switch/wp/2017/03/28/the-house-just-voted-to-wipe-out-the-fccs-landmark-internet-privacy-protections/
Da darf also jeder mit genug Kleingeld den Providern sämtliche Daten
abkaufen, inklusive Sozialversicherungsnummer.
Damit bist du dort praktisch komplett gläsern.
Unser Innenminister schlägt ja ähnliche Töne an.
Auch im Gespräch mit technisch fitten Kollegen bin ich erstaunt wie egal
denen das Thema ist.
Der Grundtenor ist immer "ich hab ja nichts zu verbergen".
Ich finde die Anstrenungen von Netzpolitik.org & Co. sehr lobenswert,
aber auf lange Sicht werden die scheitern.
Unsre Enkel werden sich garnicht mehr vorstellen können das man im Netz
mal anonym war. Historisch gesehen wird das dann eine kurze
Randerscheinung der 90er und frühen 2000er sein.
Le X. schrieb:> Garnicht,
Möglicherweise macht es jeder Aufklärungsversuch noch schlimmer.
Bei den Leuten bleibt nur im Gedächtnis hängen:
Internet/Computer = unsicher, gefährlich, kriminell
und dann taucht einer der Politverbrecher auf und
verspricht alles sicher und besser zu machen.
Am Ende kommt der "Aufgeklärte" zu dir und erzählt
ganz stolz dass er wegen deiner Aufklärung nun
extra CxU gewählt hat weil die alles besser machen.
EDIT: vielleicht sollten wir den gläsernen Bürger
inzwischen als Zukunftsmodell akzeptieren.
Nicht nur weil es viele neue neue und gerne
gesehene Möglichkeiten für die Gesellschaft eröffnet
sondern auch weil es unsere "Elite" transparenter macht.
Nätürlich muss dann die Gesetzgebung auch in diese Richtung
gehen und nicht wie zur Zeit dass Konzerne und Politiker
alles ungestraft dürfen und der Normalbürger sich durch
sein bloses dasein schon strafbar macht.
Chr. M. schrieb:> Le X. schrieb:>> Garnicht,>> EDIT: vielleicht sollten wir den gläsernen Bürger> inzwischen als Zukunftsmodell akzeptieren.> Nicht nur weil es viele neue neue und gerne> gesehene Möglichkeiten für die Gesellschaft eröffnet> sondern auch weil es unsere "Elite" transparenter macht.>> Nätürlich muss dann die Gesetzgebung auch in diese Richtung> gehen und nicht wie zur Zeit dass Konzerne und Politiker> alles ungestraft dürfen und der Normalbürger sich durch> sein bloses dasein schon strafbar macht.
Wir sind doch schon längst gläserne Bürger, falls wir nicht völlig auf
die "moderne" Technik, Handy, Internet, mit EC-/ Kreditkarte zahlen,
verzichten möchten.
Die Kunst besteht wohl darin, das zu steuern, was von mir gläsern wird.
Bzw. der Glaube daran, das tatsächlich zu können.
Chr. M. schrieb:> EDIT: vielleicht sollten wir den gläsernen Bürger> inzwischen als Zukunftsmodell akzeptieren.
Wobei das natürlich voraussetzt, dass du kein Geld brauchst. Weil das
dann jemand anders hat, der zufällig auch als Chr. Messener auftritt.
Mit allen nötigen Informationen bewaffnet, die man für diesen Auftritt
so braucht, also Adresse, Geburtsdatum+Ort und Ausweisnummer etc. Und
der mit seinen tausenden gekauften Identitäten dann ganz gut leben kann.
Der Clou an der aktuellen Fassung des gläsernen Bürgers ist ja, dass wir
damit bereits im Outsourcing-Stadium sind. Also die ganzen Informationen
unkontrolliert bei jedem landen dürfen (aktuelle US-Version), der was
damit anfangen kann. Nicht bloss beim Staat.
Mich wundert allerdings, dass noch niemand gemerkt hat, wie einfach man
es in der US-Version damit seinen Gegnern macht. Russen, Iraner,
Chinesen, ... Wozu teuer spionieren, wenn man viele nützliche
Informationen für vergleichsweise wenig Geld einfach ganz offiziell
einkaufen kann. Nicht mal geheim.
A. K. schrieb:> Wobei das natürlich voraussetzt, dass du kein Geld brauchst. Weil das> dann jemand anders hat, der zufällig auch als Chr. Messener auftritt.> Mit allen nötigen Informationen bewaffnet, die man für diesen Auftritt> so braucht, also Adresse, Geburtsdatum+Ort und Ausweisnummer etc. Und> der mit seinen tausenden gekauften Identitäten dann ganz gut leben kann.
Bei der Logik behauptest du auch dass praktisch jeder Angestellte
im Einwohnermeldeamt und jeder Polizist ständig alle Konten von
allen plündert weil er ja ganz bequem zugriff auf die Daten hat.
Klingt doch sehr abwegig.
Und nochmal die grundsätzliche Feststellung:
Computer und die Daten die sie speichern sind nicht sicher!!
Sämtliche absicherung grenzt den Personenkreis nur ein der
Zugriff hat, übrig bleibt immer Netzbetreiber, herrschendes Regime
und böse Menschen.
Wenn die Daten von allen transparent sind ist der Rest natürlich so
geregelt dass man mit den öffentlichen Daten nicht das Konto auflösen
oder die nächste Pleitebank kaufen kann.
Noch ein EDIT: Ich spreche von langfristiger entwicklung, also ca. die
nächsten 50-200 Jahre.
Chr. M. schrieb:> Bei der Logik behauptest du auch dass praktisch jeder Angestellte> im Einwohnermeldeamt und jeder Polizist ständig alle Konten von> allen plündert weil er ja ganz bequem zugriff auf die Daten hat.
Stress mit der Krankenkasse, weil sie der Meinung sind, dass sie mehr
bekommen müssten: Kontopfändung. Stress mit dem Finanzamt, weil sie Dich
"geschätzt" haben: Kontopfändung. Klar kann man das meistens klären,
aber das dauert und inzwischen ist das Geld erst mal weg oder das Konto
nicht benutzbar.
Chr. M. schrieb:> dass man mit den öffentlichen Daten nicht das Konto auflösen> oder die nächste Pleitebank kaufen kann.
Aber mit den Daten Konten anlegen und darüber Geschäfte abwickeln, von
denen Du nichts weisst, scheint in den USA inzwischen ein beliebter
Volkssport zu sein. Und da wir ja jeden Dreck okkupieren müssen, der aus
dem Westen kommt...
Chr. M. schrieb:> Bei der Logik behauptest du auch dass praktisch jeder Angestellte> im Einwohnermeldeamt und jeder Polizist ständig alle Konten von> allen plündert weil er ja ganz bequem zugriff auf die Daten hat.
Bisher gab es immerhin gewisse Einschränkungen, wer an welche Daten ohne
viel Aufwand ran kommt. Wenn jedoch jeder, der - in der US-Version - in
der Lage ist, eine entsprechende Nachricht an die Provider zu verfassen,
ziemlich viel von deiner Identität mitsamt Browser- und DNS-Historie
erfragen kann, dann ist das doch ein wenig mehr als bisher. Schon mal
von Identitätsdiebstahl gehört?
Es geht mir nicht um den Mitarbeiter vom Bürgerbüro. Sondern um dem
Gauner in <Sonstwo>, der Geld lieber auf seinem als meinem Konto sieht.
Der muss dann nicht einmal viel gaunern, wenn er nützliche Informationen
ganz offiziell erhalten kann.
Es geht mir aber auch um jene Spezln, die damit bekämpft werden sollen,
nämlich Extremisten aller Colour. Die sich damit Listen von zu mobbenden
Gegnern beschaffen können um die Brüllhoheit im Netz zu erlangen. Weil
anständige Leute sich bei zu viel Ärger aus dem Netz zurückziehen und
dann in den sozialen Netzwerken am Ende nur die mobbenden Schreihälse
übrig bleiben. Das wär dann ein Klassiker des "law of unintended
consequences", ein Rohrkrepierer.
> Und nochmal die grundsätzliche Feststellung:> Computer und die Daten die sie speichern sind nicht sicher!!
Das ist noch lange kein Grund, weshalb mein Internet-Provider das Recht
haben sollte, jedem Neugierigen meine Ausweisnummer mitzuteilen. Ich
finde es auch nicht zwingend, dass mein Arbeitgeber und alle
Werbetreibenden meine private Browser-Historie erfahren, am Ende dann
auch noch legal, auch wenn die das vielleicht dringendst interessiert.
A. K. schrieb:> Das ist noch lange kein Grund, weshalb mein Internet-Provider das Recht> haben sollte, jedem Neugierigen meine Ausweisnummer mitzuteilen. Ich> finde es auch nicht zwingend, dass mein Arbeitgeber und alle> Werbetreibenden meine private Browser-Historie erfahren, am Ende dann> auch noch legal, auch wenn die das vielleicht dringendst interessiert.
Und dann sind da noch die Leaks.
Gibt ja genug Beispiele der Vergangenheit, z.B. bei Sony.
Wenn nun jeder mit bisschen Kleingeld den Providern sämtliche Daten
abkaufen kann dann kannst du dir sicher sein: früher oder später landet
der Batzen irgendwo einsehbar im Netz.
Sobald die Daten den Provider verlassen sind sie nicht mehr sicher und
damit Freiwild.
Dann wirds lustig wenn jeder der google bedienen kann meine
Browserhistorie und meine Aufenthaltsorte kennt.
Natürlich ist das eine weitere Sauerei wie sie zu erwarten war
und es wird mit Sicherheit noch schlimmer werden.
Gerade wurde doch nutzungsabhängige Maut beschlossen worden
incl. ständiger Kenzeichen scannung.
In wenigen Jahren haben wir Gesichts und Verhaltenserkennende
Kameras überall.
Handy hat jeder.
Das Internet vergisst auch nichts.
...
Dass Daten die anfallen auch genutzt werden wissen wir doch inzwischen
alle und dass es nach 1-2 Skandalen auch ganz normal wird alles zu
verkaufen sollte auch keinen mehr überraschen.
Daher mein Vorschlag alles öffentlich zu machen.
Die Gesellschaft wird einen Weg finden damit umzugehen.
Niemand ist erpressbar mit etwas das schon alle wissen.
Das mit dem Identitätsdiebstahl ist nur ein mittelgutes Argument.
Dokumentenfälscher gibt es schon so lange wie Dokumente,
ob die mit 1-Haar-Pinsel oder Maus am Werk sind, die Zahl
dürfte etwa konstant sein.
Chr. M. schrieb:> Gerade wurde doch nutzungsabhängige Maut beschlossen worden> incl. ständiger Kenzeichen scannung.
Und die CDU trommelt sofort für eine Nutzung der anfallenden Daten über
die Mauterfassung hinaus. War sooo klar...
> In wenigen Jahren haben wir Gesichts und Verhaltenserkennende> Kameras überall.
Hab mir letztens bei YT "Person of Interest" gegeben. Abgesehen von der
Selbstverständlichkeit, mit der da Gewalt und Selbstjustiz ausgeübt
werden, ist das eine wunderbare Konditionierung: Du wirst überwacht, die
Regierung weiss Alles über Dich, finde Dich damit ab. Und die Maschine
muss nur richtig programmiert sein, dann ist das zum Wohl aller. Naja,
fast aller.
Timm T. schrieb:> ist das eine wunderbare Konditionierung: Du wirst überwacht, die> Regierung weiss Alles über Dich, finde Dich damit ab. Und die> Maschine muss nur richtig programmiert sein, dann ist> das zum Wohl aller.
Auch die neueren Folgen gesehen? Da wird schon recht deutlich
rausgearbeitet, dass das ursprüngliche Design "der Maschine" absichtlich
ein paar Sicherheitsmechanismen hatte, zB. der Reboot und das Löschen
des Speichers um Mitternacht. Deren Entfernen (durch die Regierung) bzw.
Samaritan (V2 mit Vollzugriff) wird IMO überhaupt nicht positiv
dargestellt, von daher kann ich das mit "wunderbarer Konditionierung"
nicht unterschreiben. Im Gegenteil, von der notwendigen Action
abgesehen, zeigt die Serie doch recht gut und gar nicht mal so weit
hergeholt, was mit Big Data alles schiefgehen kann.
Timm T. schrieb:> "Person of Interest"https://de.wikipedia.org/wiki/Person_of_Interest
Klingt ja nach halbwegs realistischer Zukunftsvision.
Dann liegt es nur noch an den Leuten ob in der Zukunft
ein Kaugummi ausspucken einen Drohnentaser nach sich zieht
oder nur ernshaftes bestraft wird.
Wenn ich mir die Erdgeschichte so ansehe dann komm ich zu
dem Schluss dass sich liberal geprägte Zeiten mit
diktatorisch geprägten Zeiten immer abwechseln
In den liberal geprägten Zeiten sind die meisten glücklich,
es ensteht Wissen und Kunst während
in den diktatorisch gepägten Zeiten die Leute gerne mal umgebracht
werden und Wissen verbannt wird.
Person of Interest ist eine sehr unterhaltsame Serie, aber wie man da
schon wieder eine Konditionierung der Zuschauer reininterpretieren kann
erschließt sich mir nicht, ...
Ich frage mich wie die Macher reagiert haben als der NSA Skandal publik
wurde und damit schlagartig klar war, dass die Macher schon näher an der
Realität sind als ursprünglich gedacht war. Die Serie begann 2011.
Georg A. schrieb:> Auch die neueren Folgen gesehen?
Bis zum bitteren und irgendwie recht schnellen Ende.
Georg A. schrieb:> Da wird schon recht deutlich> rausgearbeitet, dass das ursprüngliche Design "der Maschine" absichtlich> ein paar Sicherheitsmechanismen hatte
Genau das soll es ja suggerieren: Man muss "die Maschine" nur "richtig"
bauen und schon wird alles gut. Das wird zwar zwischendurch mal von der
Exekutive oder vom Erbauer selbst hinterfragt, aber kurz drauf ist man
wieder auf dem richtigen Weg.
Und die einzige Gruppe, die die Totalüberwachung überhaupt hinterfragt,
wird erst durch ihre Gewalttätigkeit als inakzeptable Alternative
aufgestellt und stellt sich später als fremdgesteuert heraus.
Georg A. schrieb:> von daher kann ich das mit "wunderbarer Konditionierung"> nicht unterschreiben
Die Konditionierung beginnt mit jeder Serie, in der erstmal erklärt
wird: Alle werden überwacht, es gibt dafür eine Maschine.
Timm T. schrieb:> Die Konditionierung beginnt mit jeder Serie, in der erstmal erklärt> wird: Alle werden überwacht, es gibt dafür eine Maschine.
Nein, sie beginnt schon dort, wo Gut und Böse definiert zugeordnet
werden.
Namaste
Timm T. schrieb im Beitrag #4956876
> Stress mit der Krankenkasse, weil sie der Meinung sind, dass sie mehr> bekommen müssten: Kontopfändung. Stress mit dem Finanzamt, weil sie Dich> "geschätzt" haben: Kontopfändung.
Dagegen kann man sich (derzeit noch) schützen indem man seine Konten im
Ausland hält.
So, das Gesetz ist verabschiedet. Mal sehen wie lange es dauert bis das
Bundesverfassungsgericht dieses Gesetz wieder einkassiert.
Habe gehört Erdogan, Kim-Jong Un und Lukaschenka haben zu diesem
leuchtturmartigen Demokratiefortschritt schon ihre Glückwunschkarten
Richtung Berlin losgeschickt.
Es scheint den meisten Leuten egal zu sein. Solange Fußball im Fernsehen
kommt....
Wie "sensibel" man heute bezüglich Datenschutz, Überwachung und
Abhängigkeit von Netzwerkdiensten ist, sieht man ja auch an der
Diskussion um die Abschaffung von Bargeld.
Zoe
Le X. schrieb:> Und es scheint den Medien relativ egal zu sein.
Ja, Benji -so sieht es aus...
> Die Homoehe ist wohl interessanter.
Dürfen jetzt auch gleichgeschlechtliche Router aneinander gesteckt
werden?
-Feldkurat-
Solche Gesetze gibts immer um diese Zeit. Wann immer im Fernsehen
irgendein internationales Fussballturnier läuft, wird es kritisch.
Le X. schrieb:> Die Homoehe ist wohl interessanter.
Andersrum. Die wurde ebenso hinter der Abschirmung durch Fussball
durchgewunken, damit sie durch ist bevor die Holzköpfe wieder nüchtern
sind. Zwei Fliegen mit einer Klappe. Obwohl... sind da nicht grad 2
Turniere?
A. K. schrieb:> Solche Gesetze gibts immer um diese Zeit. Wann immer im Fernsehen> irgendein internationales Fussballturnier läuft, wird es kritisch.>> Le X. schrieb:>> Die Homoehe ist wohl interessanter.>> Andersrum. Die wurde ebenso hinter der Abschirmung durch Fussball> durchgewunken, damit sie durch ist bevor die Holzköpfe wieder nüchtern> sind. Zwei Fliegen mit einer Klappe. Obwohl... sind da nicht grad 2> Turniere?
Also ich hatte ebenfalls den Eindruck, dass das Homoehe-Gesetzesvorhaben
ein wenig von dem NetzDG ablenken sollte. Bei einem
umstrittenen/fragwürdigen Gesetz, das "durchgewunken" werden soll, würde
man doch normalerweise versuchen, möglichst wenig öffentliche
Aufmerksamkeit darauf zu lenken - und das kann man bei der Homoehe ja
nun wirklich nicht sagen, darüber und über die Abstimmung heute wurde in
der letzten Woche ja pausenlos berichtet. Und damit steht es in krassem
Gegensatz zum NetzDG, darüber wurde in den letzten 7 Tagen quasi
überhaupt nicht mehr berichtet. Zur Homoehe-Abstimmung hat Spiegel
Online sogar extra einen Liveticker "eingerichtet" - dabei hat das
NetzDG (auch zurecht Zensurgesetz genannt) in meinen Augen ungleich
grössere und schlimmere gesellschaftliche Auswirkungen...
Joachim S. schrieb:> Also ich hatte ebenfalls den Eindruck, dass das Homoehe-Gesetzesvorhaben> ein wenig von dem NetzDG ablenken sollte.
Kann sein, dass es gut gepasst hat, aber geplant war es nicht. Merkel
wollte die von anderer Seite erst kurzfristig angesetzte Ehe-Frage
unbedingt aus dem Wahlkampf raushalten, weil das innerhalb der Union für
Streit sorgen könnte, während die anderen feixend zusehen. Und heute war
wohl der letzte Tag vor der Sommerpause des Bundestags.
> grössere und schlimmere gesellschaftliche Auswirkungen...
Heute las ich eine Feinheit, die etwas hoffen macht.
Deutsche Gesetze können so grundgesetzwidrig sein wie es nur geht, sie
sind erst einmal so lange wirksam bis das BVerfG sie kippt. Mir scheint
das mittlerweile Prinzip zu sein: Man macht ein mehr oder weniger offen
grundgesetzwidriges Gesetz und wenn das nach 2-3 Jahren platzt, ersetzt
man es durch die nächste grundgesetzwidrige Fassung. Und so geht das
munter weiter.
Bezogen auf europäische Grundsätze scheint das hingegen nicht zu gelten.
Wird gegen ein bestehendes EuGH Urteil verstossen, sind deutsche Gesetze
schon vor einer diesbezüglichen Entscheidung des BVerfG oder EuGH
unwirksam, lassen sich also bereits durch einen Entscheid eines unteren
Gerichts kippen. Weshalb die Vorratsdatenspeicherung platzte.
https://www.heise.de/newsticker/meldung/Kommentar-Zuckt-sie-noch-Vom-nahen-Ende-der-Vorratsdatenspeicherung-3760088.html
A. K. schrieb:>> Nur der Vollständigkeit halber: Es heißt Netzwerkdurch_setzungs_gesetz.>> Ein Netzwerkdurchsuchungsgesetz gab es letzte Woche, als "Gesetz zur> effektiveren und praxistauglicheren Ausgestaltung des Strafverfahrens."
Apropos: Müsste man ein Gesetz, das den ziemlich flexiblen Einsatz von
Staatstrojanern freigibt, also vom dem, was man im Volksmund "Virus"
nennt, nicht eigentlich Netzwerkdurchseuchungsgesetz nennen?
Le X. schrieb:> Und es scheint den Medien relativ egal zu sein.> Die Homoehe ist wohl interessanter.
So ist es, eine Selbstverständlichkeit wird zum Großen Erfolg
aufgeblasen, um die substanziellen Beschneidungen der Bürgerrechte
lautlos abzuwickeln. Gleichzeitig wird viel Trara um mit einem
angeblichen GG-Konflikt das GG mal gleich mit umschreiben zu können und
ganz nebenbei wird damit die Tür ein Stückchen weiter aufzustoßen und
GG-Änderungen zur Normalität zu erheben.
Namaste
Winfried J. schrieb:> Gleichzeitig wird viel Trara um mit einem> angeblichen GG-Konflikt das GG mal gleich mit umschreiben zu können und> ganz nebenbei wird damit die Tür ein Stückchen weiter aufzustoßen und> GG-Änderungen zur Normalität zu erheben.
Yep. Aber europäisches Recht hat Vorrang gegenüber nationalem Recht,
auch Verfassungsrecht. Das ist zwar auch in Deutschland kein
spannungsfreies Verhältnis, aber so lange (!) die deutschen Gerichte
danach handeln, sind dem Schindluder letztlich doch Grenzen gesetzt.
Nicht alles ist gut, was aus Deutschland kommt und nicht alles ist
schlecht, was aus der EU kommt. Manchmal ist es auch umgekehrt.
A. K. schrieb:> Müsste man ein Gesetz, das den ziemlich flexiblen Einsatz von> Staatstrojanern freigibt, also vom dem, was man im Volksmund "Virus"> nennt, nicht eigentlich Netzwerkdurchseuchungsgesetz nennen?
Das hätte was! :-)
Abradolf L. schrieb:> Ehrlicherweise dürfte es nach dem heutigen Tag zu keiner weiteren GroKo> mehr kommen. Es ist an Beliebigkeit nicht mehr zu überbieten.
Mit dem Risiko, dass der Thread dicht gemacht wird: Wen zum Teufel kann
man wählen, wenn man auf der Suche nach einer Partei ist, die
überzeugend auf der richtige Seite der Bürgerrechte und Freiheiten steht
und nicht bloss selbst händeringend drauf wartet, die Vorschriften der
anderen durch eigene zu ersetzen? Oberhalb der Splitterparteien finde
ich grad keine, der ich das abnehme.
Abradolf L. schrieb:> Ehrlicherweise dürfte es nach dem heutigen Tag zu keiner weiteren GroKo> mehr kommen. Es ist an Beliebigkeit nicht mehr zu überbieten.
Welchen Zusammenhang siehst du zwischen GroKo und Ehrlichkeit?
Arno
A. K. schrieb:> Oberhalb der Splitterparteien finde> ich grad keine, der ich das abnehme.
... darunter auch nicht.
Parteien werden zum Machterwerb/erhalt gegründet.
Machtausübung ist das Gegenteil von Freiheit, diese wird nach eigenem
Ermessen in Teilen dem Volk zugestanden um im Gegenzug Macht über
selbiges ausüben zu können.
Genau darauf läuft das Heutige Theater hinaus.
Namaste
A. K. schrieb im Beitrag #5060917:
> Die kenne ich nicht. Deshalb kein Urteil meinerseits.
Eine solche Partei die auf Macht verzichtete und nur der Freiheit diente
wäre unsinnig, weil sie machtlos wäre.
Namaste
Winfried J. schrieb:> Eine solche Partei die auf Macht verzichtete und nur der Freiheit diente> wäre unsinnig, weil sie machtlos wäre.
Man kann mit Minderheitenpositionen an Macht teilhaben. Hat
jahrzehntelang funktioniert, gerade in Deutschland. Müssten ja nicht
immer Hoteliers und Apotheker sein.
A. K. schrieb:> Wen zum Teufel kann> man wählen, wenn man auf der Suche nach einer Partei ist, die> überzeugend auf der richtige Seite der Bürgerrechte und Freiheiten steht> und nicht bloss selbst händeringend drauf wartet, die Vorschriften der> anderen durch eigene zu ersetzen? Oberhalb der Splitterparteien finde> ich grad keine, der ich das abnehme.
Tja gute Frage, selbiges frage ich mich auch. Meine endgültige
Entscheidung werde ich erst am Wahltag treffen, denn bis dahin kann ja
noch einiges passieren. Entweder eine Kleinstpartei aus den Sonstigen
oder die Molotow-Fickt-euch-alle-Nach-mir-die-Sintflut-Option AfD.
Arno H. schrieb:> Welchen Zusammenhang siehst du zwischen GroKo und Ehrlichkeit?
Nun der heutige Tag war eine Arsch-Ins-Gesicht-Aktion, eigentlich eine
Bankrotterklärung und ein Koalitionsbruch.
Aber gut, lassen wir das, diese Sorte Diskussion ist hier nicht
erwünscht. Jeder der über die Tagesschau noch hinausblickt, kann nur
noch mit dem Kopf schütteln ob der aktuellen Situation. Ich erwarte
immer noch, dass der Scheißehaufen nach der Wahl hochblubbert. Dann
kommt wieder das Gejammer von wegen man hätte es ja nicht wissen können.
Edit: Bis 2009 im Grunde und auch nachwievor teile ich die Grundhaltung
der FDP, allerdings weiß jeder wie enttäuschend die praktische
Realisierung ausgesehen hat. Bevor die wieder meine Stimme kriegen
müssen sie sich erstmal eine Legislaturperiode lang beweisen (Regierung
oder Opposition).
Es fällt mir bis heute nicht leicht, diese Partei tatsächlich zu wählen,
aber ich muss zugute halten:
So gut wie immer, wenn es in den letzten Jahren irgendwelche
Gesetzesentwürfe gab, die ich zutiefst abgelehnt habe, hat die
Linkspartei diese ebenfalls abgelehnt - und zwar häufig als einzige
(relevante) Partei.
Beim NetzDG war es wieder genauso.
A. K. schrieb:> @Winfried: Solch allgemeine philosophische Erwägungen, an deren Ende man> sich höchsten die Kugel geben kann (oder den anderen) liegen mir nicht> so.
Mir schon.
Sie ermöglichen es die Eigene Position zu definieren.
Das sieht für mich so aus: Die Freiheit welche ich wünsche kann ich
nicht erzielen, ohne mich an Machtkämpfen zu beteiligen, was ich nicht
will. Mithin verzichte ich auf jegliche Machtbeteiligung, arrangiere
mich mit den dadurch durch mich auf diese weise nicht veränderbaren
Verhältnissen so gut es geht, erdulde sie, aber legitimiere sie nicht,
z.B. durch Wahlbeteiligung.
An die Politik: Was ihr tut tut ihr nicht in meinem Namen, niemand kann
meinen Namen für seine Zwecke missbrauchen. meine Unterstützung gibt es
nicht für gar keine Machtspiele der Welt, noch nicht mal Mitschuld an
den Zuständen erkenne ich an, ich legitimiere niemandes Handeln den das
wäre Anmaßung.
Ich verweigere das Spiel um die Macht.
Joachim S. schrieb:> Linkspartei
Wer mit dem Teufel Speisen will braucht einen langen Löffel.
Dieser Haufen hatte 40 Jahre lang alle Macht inne und kannte nur Gewalt
und Einschüchterung. Sollten sie je wieder zur Macht gelangen wird es
nicht besser. Es sind die selben Leute und ihre Nachgezogenen ohne Reu
und Einsicht darin. Ich kenne
sie aus intimster Beziehung und weis wie sie ticken. Das soziale
Engagement nehme ich Ihnen nicht noch einmal ab es ist ihr Schafspelz.
Namaste
Winne es ist aber völlig Wurscht ob man die Linkspartei nicht wählt oder
die AfD. Wenn man das tut wählt man Groko..und die zeichnen sich nicht
gerade dadurch aus das sie in irgend einer Form besser währen als AfD
oder Links, keine lügt so beständig und schlecht wie die...
Gruß,
Holm
Inwiefern wird das unsägliche NetzDG eigentlich µC.net betreffen? Ist ja
auch ein "kommerzielles soziales Netzwerk".
Wenn ich die Verpflichtungen sehe die da mitkommen, alleine schon die
Berichts- und Dokumentationspflicht, der Umgang mit Beschwerden, etc,
etc, etc, etc, etc... Auf die Mods dürfte einiges an Arbeit zukommen.
EDIT: sehe gerade,
"Der Anbieter eines sozialen Netzwerks ist von den Pflichten nach den §§
2 und 3 befreit, wenn das soziale Netzwerk im Inland weniger als zwei
Millionen Nutzer hat."
Damit dürfte µC.net wohl -vorerst- rausfallen...