Forum: Mikrocontroller und Digitale Elektronik simpler Digital-Optokoppler als Single-Chip-Lösung


von Michael S. (rbs_phoenix)


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Hallo zusammen,
ich habe mich schon öfter gefragt, ob es einen Single-Chip Optokoppler 
für digitale Signale gibt. Ich habe gesucht, aber keinen gefunden, der 
das macht "was ich im Kopf habe".

Um es mal zu beschreiben:
Ich habe eine unidirektionale Verbindung zwischen 2 Chips, z.B. uCs. 
Diese Verbindung möchte/muss ich galvanisch trennen. Die Lösung die ich 
kenne und schon häufiger aufgebaut habe sieht so aus: Ich habe einen 
Optokoppler, dessen LED-Anode ich auf Vcc lege und dessen LED-Kathode 
ich über einen Transistor auf GND schalte (für den Fall, dass der uC den 
LED-Strom nicht liefern/senken kann). Den Ausgangstransistor schließe 
ich mit dem Emitter an AGND an und hänge den Collector über einen 
Pull-Up an V+. Die Negation kann dann per Software wieder "korrigiert" 
werden.

Es gibt aber ja auch sogenannte Optokoppler mit digitalen Ausgängen. Die 
sehen quasi genauso aus, haben aber Ausgangsseitig einen Output-, ein 
Masse- und einen Versorgungs-Pin. Der Ausgang ist also so, wie bei einem 
Logik-Gatter. Laut einigen Schaltbildern ist dort eine Fotodiode und 
Schmitt-Trigger Buffer.

Der Punkt, um den es mir geht ist: Der Eingang ist immernoch die LED 
direkt, die mein Chip nicht liefern/senken kann. Ich hätte also gerne 
einen Optokoppler, der Eingangsseitig einen Vcc, GND und Input-Pin hat 
und Ausgangsseitig wie bei o.g. Optokoppler einen V+, AGND und 
Output-Pin. Also eigentlich nichts anderes, als Eingangsseitig noch 
einen Buffer, der den LED-Strom schaltet, der über den Vcc Pin kommt. 
Ein High geht rein, ein High kommt raus, z.B. TTL oder CMOS konform am 
Eingang und Ausgang. Der Chip müsste vermutlich noch eine 
Konstantstromquelle haben, um die LED bei verschiedenen Vcc-Spannungen 
optimal zu betreiben.

Ich habe soeinen Optokoppler aber noch nirgends entdeckt. Gibt es sowas 
nicht oder bin ich nur zu blöd zum gucken?
Kann mir jemand einen Typ nennen, der das so kann, wie ich es 
beschrieben habe?

Vielen Dank

Grüße
Michael

von Keller Im (Gast)


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So ein Ding habe ich weder gesehen noch jemals Bedarf danach gehabt.
Wenn Du keinen Single Transistor verlöten möchtest,dann
kannst Du doch einen Single Inverter einsetzen.So benötigst
Du nur einen klassischen Vorwiderstand für den Optokoppler.

von Tom (Gast)


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Schau mal nach Analog Devices die ADUM Serie.
Das sind zwar keine Optokoppler sondern magnetisch,
sind aber ganz tolle Teile zum galvanischen trennen.

von Peter D. (peda)


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Michael S. schrieb:
> Ich habe soeinen Optokoppler aber noch nirgends entdeckt.

Z.B. HCPL-7710:

http://de.farnell.com/broadcom-limited/hcpl-7710-000e/optokoppler-cmos-12-5mhz/dp/9346902

Ich nehme für neue Projekte aber die ADUM140x. 4 Koppler in einem 
Gehäuse und beide Richtungen.

von Michael S. (rbs_phoenix)


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Alles klar, vielen Dank. Den HCPL habe ich wohl wirklich übersehen.

Die ADUMs kenne ich, nehme ich auch gerne.

Aber es gibt da jemanden, der schwört auf optische Trennung, da die 
Kopplung hochfrequenter Störungen zwischen den Masseleitungen besser 
sein soll. Ich konnte ihn nicht für die ADUMs begeistern.

von Peter D. (peda)


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Michael S. schrieb:
> Aber es gibt da jemanden, der schwört auf optische Trennung

transient immunity:
HCPL: 10kV/µs
ADUM: 25kV/µs

Capacitance (Input-to-Output) je Kanal:
HCPL: 0,6pF
ADUM: 2,2pF / 4 = 0,55pF

von Michael S. (rbs_phoenix)


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Ich denke da liegt der Unterschied zwischen erfahren und eingefahren.

von Jim M. (turboj)


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Michael S. schrieb:
> (für den Fall, dass der uC den
> LED-Strom nicht liefern/senken kann)

Liefern oder senken kann er immer, sonst ist nämlich keine halbwegs 
schnelle digitale Kommunikation möglich. Man bedenke, dass der 
nachfolgende Eingang als Kapazität mit der Ausgangsimpedanz einen 
Tiefpass bildet. Daher können µCs immer wenigstens einige mA treiben, 
was für einen Opto ausreichen sollte.

Die letzten µC ohne Totem-Pole Ausgängen die mir begegnet sind waren 
8051ger - und deren moderne Varianten wie EFM8 haben (zuschaltbare) 
Push-pull Ausgänge.

von Andreas S. (Firma: Schweigstill IT) (schweigstill) Benutzerseite


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Ich habe neulich für eine sehr empfindliche Analogelektronik einen 
kapazitiven Isolator von TI genommen, und zwar den ISO7842 mit 8kV 
Spannungsfestigkeit, 100kV/us Störfestigkeit und insgesamt 2,0pF 
Koppelkapazität.

Bei manchen, insbesondere sehr schnellen, Digitalisolatoren muss man 
jedoch in der Tat aufpassen, sich keine EMV-Probleme einzuhandeln. 
Insbesondere die ganz frühen Modelle von Analog Devices galten als 
wahrer Schreck in der EMV-Messkammer. Das, was jedoch von manchen 
Entwicklern vergessen wird, ist - je nach Typ - eine zusätzliche 
kapazitive Kopplung der beiden Seiten über die Leiterplatte. Empfohlen 
wird z.B. einer Überlappung der beiden Masseflächen über etliche mm^2, 
um eine sehr niederimpedante und großflächige Kopplung zu erzielen. Bei 
vielen neuen Isolatoren werden diese Kapazitäten aber (laut Datenblatt) 
nicht mehr zwingend benötigt.

von Peter D. (peda)


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Andreas S. schrieb:
> Empfohlen
> wird z.B. einer Überlappung der beiden Masseflächen über etliche mm^2,
> um eine sehr niederimpedante und großflächige Kopplung zu erzielen.

Also ich lese genau das Gegenteil:
"In applications involving high common-mode transients, care should be 
taken to ensure that board coupling across the isolation barrier is 
minimized."

Ich habe immer eine große Lücke zwischen den beiden GND unter dem IC 
(siehe Bild).

Ich hatte allerdings mal wegen Lieferschwierigkeiten einen "scheinbar" 
kompatiblen ISO7241 bestücken lassen und prompt funktionierte die 
Schaltung nicht mehr. Ich konnte statisch andere Pegel auf beiden Seiten 
messen, d.h. der Ausgang folgte mal dem Eingang und mal nicht.
Nach Umlöten auf AD ging wieder alles einwandfrei. Seitdem lasse ich die 
Finger von den TI ISOxxx.

von Manfred (Gast)


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Michael S. schrieb:
> Single-Chip Optokoppler
> für digitale Signale gibt.

An anderer Stelle wurde mir mal empfohlen:
g457 schrieb:
> Typvorschlag: 6N136 oder 6N137 für die Datenleitungen

von Hurra (Gast)


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Da werf ich noch folgende ins Rennen:

SI8420

https://www.silabs.com/documents/public/data-sheets/si841x-2x-datasheet.pdf
Die Funktion ist ähnlich der der ADUM.

Die Silabs sind aber erheblich günstiger, so gegen den halben Preis 
teils. Probleme konnte ich noch keine feststellen, und EMV habe ich mit 
denen schon durch. Sowohl Immunität (Surge/Burst) als auch Abstrahlung.

Mit der ISO Serie von TI gab es hier allerdings angeblich schon einmal 
Probleme. Wenn ich mich recht erinnere irgendein Abstrahlungsproblem - 
die sollen lt. einem Kollegen Störungen produziert haben.

von S. K. (hauspapa)


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Wenns denn nunmal optisch sein soll:
FOD0710 und seine Brüder währe noch zu nennen.
So richtig billig ist das aber nicht.

Ein Chip der kein 1 mA für einen Optokoppler bringt?  Müsste man schauen 
welche Geschwindigkeiten gefordert sind aber mit geschickter 
Bauteileauswahl ist das durchaus möglich. Praktisch jeder nimmt da 1x 
Standard Optokoppler + 2 Widerstände und ist glücklich.

viel Erfolg
Hauspapa

von Master S. (snowman)


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ohne alles gelesen zu haben, schau mal diese bausteine an:
https://www.silabs.com/documents/public/data-sheets/si861x-2x-datasheet.pdf
Einfacher geht's nicht, und sind auch nicht sonderlich teuer :-)

edit: ok, da war einer über mir schneller

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