Spätestens jetzt, wo es Synthesizer-Chips mit eingebautem VCO gibt, kann
man das Getue mit Rauschquellen wirklch nicht mehr rechtfertigen. Für
Filtermessungen will man ein Anregungssignal, das imstande ist, den
Spektrumanalyzer voll auszusteuern, sagen wir 10 dBm auf einer
Frequenz. Davon sind Rauschquellen weit entfernt.
Selbst wenn eine Rauschquelle 10 dBm liefern würde, und das erfordert
hemmungslose Nachverstärkung, dann wäre das die Summe von allen
Frequenzen gleichzeitig. Der Spektrumanalyzer sieht davon aber nur so
viel wie in seine Filterbandbreite passt. Während man bei einem
Sinussignal mit schmaler Analyzerbandbreite immer besseren
Dynamikbereich bekommt, ist das bei Rauschanregung nicht so. Halbieren
der Bandbreite halbiert auch die Anregung.
Verstärker fangen übrigens schon 20 dB vor der beginnenden Kompression
an, die Statistik des Rauschsignals zu ändern, das liegt am hohen
Crestfaktor. Das gilt natürlich auch als Messobjekt, wenn man versucht,
den Frequenzgang eines breitbandigen Verstärkers zu messen.
Den BFR93 im Avalanche-Betrieb habe ich in einem früheren Leben
natürlich auch schon ausprobiert, paarundzwanzig dB über thermisch geht
immer, auch
recht flach bis über 2 GHz, wie's mir jemand am Stand der
Postfachhochschule in Weinheim freundlicherweise ausgemessen hat. Aber
das taugt letztlich kaum für Rauschzahlmessungen wegen der weitgehend
unbekannten Quellimpedanz, noch für Frequenzgangmessungen wegen der
popeligen Leistung. Ein Nachverstärker wäre zuerst Teil des Problems und
erst im 2. Durchgang Teil der Lösung.
Das thermische Rauschen eines Widerstands mit LMH6702 zu verstärken
funktioniert übrigens ganz ordentlich bis > 100 MHz. Ich hab's benutzt
um mit power combinern Eichmarken für das Phasenrauschen von
Oszillatoren zu setzen, als so eine Art Transfernormal.
Ansonsten rate ich dringend zum VNWA von DG8SAQ oder irgendeinem
gebrauchten Mess-Sender, oder Synthesizer-Demoboards.
Gruß, Gerhard