Forum: Mikrocontroller und Digitale Elektronik Phasenverschobenes Oversampling ADC


von Patrick B. (p51d)


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Hallo allerseits

Ich bin gerade ein wenig verwirrt und hoffe ihr könnt mir weiter helfen.
Folgendes Problem: Ich möchte eine Wheatsone Brücke mit 4 DMS auswerten. 
Damit das ganze in die bereits vorhandene B&R Umgebung passt, habe ich 
an das Modul X20AIB744 gedacht.
- 4 separate DMS Eingänge, die sequentiell alle ~50us gesampelt werden
- Samplerate pro Kanal = 5kHz
- Eingangsfilter bei 2.5kHz und 3. Ordnung

Eigentlich sieht das ganze sehr gut aus, nur reicht mir die 
Abtastfrequenz nicht aus. Ich würde 10-20kHz benötigen und das bei nur 
einem Kanal.
Ich kenne ein Prinzip bei RF Abtastungen, bei dem das Signal in IQ (mit 
90° Phasenverschiebung) aufgeteilt und von 2 ADC abgetastet wird.
Könnte ich jetzt hier auch so vorgehen? Die DMS Brücke auf alle 4 Kanäle 
parallel schalten und die Samplerate "fiktiv" erhöhen?
Das Eingangsfilter lässt mich an der Variante noch etwas zweifeln.

Besten Dank,
Gruss
Patrick

von Dogbert (Gast)


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IQ sampling meint idr das Signal ist in zwei 90Grad zueinander 
verschobenen Versionen aufgrund von Mischung mit zwei 90Grad 
verschobenen Trägern vorhanden.
Man kann es als eine "verdopplung" der Abtastrate sehen.

Das ist es hier wohl nicht.

IQ Demodulation mit 0Hz Träger muss noch erfunden werden.

Ich kenn die Geräte nicht, doch ohne Mischer/IQ-Demodulator sollten 
diese mehreren Kanäle äquidistant von den Abtastphasen verteilt samplen 
um die effektive Samplerate zu erhöhen.
Banale Erkenntnis.

von Dogbert (Gast)


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Noch was:

Ich denke man kann auch mit nicht äquidistant verteilten Samplephasen 
oversamplen, doch dass stellt höhere Andorderungen an ADC Auflösung, AA 
Filter und Nachbearbeitung (phasenverschiebungs FIR) der Samples.

Das geht wohl bis zu einem "wild quasizufälligen" Sampletakt, so lange 
man nur weiss wann die Samples genommen werden könnte man theoretisch 
100% rekonstruieren, natürlich mit der Bedinungung das minimal 1 Sample 
pro halber minimaler Signalperiode genommen wird, glaube ich.

Mathematischer Beweis oder Falsifizierung darf gerne hinzugefügt werden.

von Gerald M. (gerald_m17)


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Ist bei einer Wheatstonebrücke aus 4 DMS (=Vollbrücke) nicht gerade der 
Witz, dass sich Temperatur und sonstige Fehler auslöschen, und man 
einfach nur die Spannung an einem Punkt messen muss?
Und wie kann dir die Abtastfrequenz nicht reichen? Du meinst die 
Bandbreite mit der du deine Veränderung messen möchtest? Die ist in der 
Tat mit 2.5kHz begrenzt.

von Ralph (Gast)


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Also lass uns das mal zusammenfassen.

Du hast 4 Kanäle die mit je 10- 20 KHz gesampled werden sollen/müssen.
Du hast ein HW Modul dafür ausgesucht das nur 5 KHz sample kann.

==> Die Anforderung  4 x (10-20 KHz) passt nicht zur ausgesuchten HW.

==> 2 Optionen
1. Eine andere HW zum Samplen suchen, die 4 Kanäle mit den geforderten 
10 -20 KHz samplen kann
2. Die Anforderung zur Samplerate, 4 x (10-20 KHz) , prüfen und wenn 
möglich anpassen.

Man kann halt mit einem Smart nicht beim DTM Rennen mitfahren und 
erwarten um den Sieg mitfahren zu können, nur weil der Smart halt 
verfügbar ist.

Man brauch schon das passende Gerät für die gegebenen Anforderungen.

von Sven B. (scummos)


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Ob du mit 90° oder 180° Phasenverschiebung (== doppelte Samplerate) 
abtastest kommt m.E. in diesem Fall im Endeffekt auf dasselbe raus. Du 
bekommst dieselben Informationen. Anders ist das nur wenn das 
abgetastete Signal unterabgetastet wird: dann kannst du mit 90° die 
beiden Seitenbänder unterscheiden, mit 180° aber nicht. Oder?

von Pandur S. (jetztnicht)


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Bringt ein DMS denn ueberhaupt die 10kHz Bandbreite ? Bringt das zu 
messenden system die 10kHz Bandbreite ?

von Patrick B. (p51d)


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Gerald M. schrieb:
> Und wie kann dir die Abtastfrequenz nicht reichen? Du meinst die
> Bandbreite mit der du deine Veränderung messen möchtest? Die ist in der
> Tat mit 2.5kHz begrenzt.

Ich möchte eine dynamische Kraftmessung bei einer Presse machen. Der 
Pressvorgang dauert ca. 200ms. Der "interessante" Teil ist nur während 
1/4 der Zeit. Damit nun eine Auswertung der Kraft-Weg-Kurve möglich ist, 
brauche ich innerhalb der 50ms ein paar Datenpunkte...

Ralph schrieb:
> Du hast 4 Kanäle die mit je 10- 20 KHz gesampled werden sollen/müssen.
> Du hast ein HW Modul dafür ausgesucht das nur 5 KHz sample kann.

Nein (umgekehrt), ich habe 1 Modul mit 4 Kanälen und jeweils 5kHz 
Sample-Rate (jeweils 50us verschoben). Und ich möchte 1 Sensor mit 20kHz 
Sample-Rate abtasten. Das heisst der eine Sensor möchte ich parallel auf 
alle 4 Kanäle anschliessen, die jeweils mit 5kHz (aber sequenziell 50us 
verschoben) abgetastet werden. Rein rechnerisch generiere ich mir so 4 
mal mehr Daten (schön symmetrisch), was theoretisch einem ADC-Kanal mit 
20kHz entsprechen würde.

von Sven B. (scummos)


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Patrick B. schrieb:
> Nein (umgekehrt), ich habe 1 Modul mit 4 Kanälen und jeweils 5kHz
> Sample-Rate (jeweils 50us verschoben). Und ich möchte 1 Sensor mit 20kHz
> Sample-Rate abtasten. Das heisst der eine Sensor möchte ich parallel auf
> alle 4 Kanäle anschliessen, die jeweils mit 5kHz (aber sequenziell 50us
> verschoben) abgetastet werden. Rein rechnerisch generiere ich mir so 4
> mal mehr Daten (schön symmetrisch), was theoretisch einem ADC-Kanal mit
> 20kHz entsprechen würde.

Das funktioniert schon. Jedes Oszi macht das heutzutage so.

von Gerald M. (gerald_m17)


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Wenn das Gerät einen Halbwegs tauglichen Tiefpassfilter hat, bekommst 
du, auch wenn du es hin bekommst den einen Kanal mit 20kHz zu samplen, 
zwar dein mehr an Datenpunkten, diese beinhalten alllerdings Nulll 
Information.
Denn alle Bewegungen schneller als 2.5kHz werden herausgefiltert. Das 
bedeutet, auch wenn du mit 100kHz samplest, bekommst du keine 
dynamischen Prozesse mit beispielsweise 5kHz mit. Du bekommst mehr 
Datenpunkte, ja, die sind aber genau so wertvolll wie die Trendlinie in 
Excel.

von Peter D. (peda)


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Sven B. schrieb:
> Das funktioniert schon. Jedes Oszi macht das heutzutage so.

Der nötige Schaltungsaufwand lohnt sich aber erst ab >10MHz.

von Possetitjel (Gast)


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Sapperlot W. schrieb:

> Bringt ein DMS denn ueberhaupt die 10kHz Bandbreite ?

Davon kann man ausgehen.

Wikipädie sagt, dass exakte Grenzfequenzen nicht bekannt
sind, aber erfolgreiche Messungen bei z.B. 5MHz bekannt
sind.

Ich weiss aus eigener Anschauung, dass Messungen an Proben,
die mit Rotationsschlagwerken zertrümmert werden, mit DMS
vorgenommen werden.
Die Zeitdauer der Umformung der Probe liegt, konservativ
gerechnet, im unteren Millisekundenbereich. Das ist für
den DMS kein Problem.

von Possetitjel (Gast)


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Patrick B. schrieb:

> Ich kenne ein Prinzip bei RF Abtastungen, bei dem das Signal
> in IQ (mit 90° Phasenverschiebung) aufgeteilt und von 2 ADC
> abgetastet wird. Könnte ich jetzt hier auch so vorgehen?

Im Prinzip ja.

> Die DMS Brücke auf alle 4 Kanäle parallel schalten und die
> Samplerate "fiktiv" erhöhen?

Ja -- naja, die Erhöhung ist nicht "fiktiv". Die ist real.

> Das Eingangsfilter lässt mich an der Variante noch etwas
> zweifeln.

Korrekt erkannt.

Ein Filter 3. Ordnung dämpft 3*6dB = 18dB je Oktave; bei
2.5kHz Grenzfrequenz bleiben bei 10kHz Signalfrequenz
ungefähr 1% der originalen Amplitude übrig. So geht's
also nicht.

Wenn Du wirklich nur mehr Punkte brauchst, hilft Inter-
polation. Benötigst Du dagegen eine höhere Grenzfrequenz,
musst Du mindestens das Tiefpassfilter umgehen. Am
einfachstens wird sein, eine geeignete Messhardware zu
verwenden.

von Jim M. (turboj)


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Patrick B. schrieb:
> Könnte ich jetzt hier auch so vorgehen? Die DMS Brücke auf alle 4 Kanäle
> parallel schalten und die Samplerate "fiktiv" erhöhen?

IMO arbeiten die Meßbrücken mit einem definierten Strom durch den DMS. 
Wenn
Du da was parallel schaltest fließt nicht mehr der definierte Strom 
sondern die Summe - die Brücke zeigt dann irgendwas an, eine Messung 
würde ich das nicht mehr nennen wollen.

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