Forum: Offtopic Fahrzeugdiebstahl - Abzocke oder echt?


von Martin S. (sirnails)


Lesenswert?

Ich bin gestern beim Youtube durchzappen auf folgenden Videobeitrag 
gestoßen:

https://www.youtube.com/watch?v=AuCJhFC7OAw

Prinzipiell halte ich die Vorgehensweise für möglich. Ein Repeater 
hilft, das Auto außerhalb des Radius der Keyless-Entry-Systeme zu 
öffnen.

Edith: Wobei - wenn ich recht darüber nachdenke: Selbst wenn mein Kumpel 
mit dem BMW Keyless-Entry-Schlüssel in der Tasche neben seinem Auto 
steht, kann ich das Auto nicht öffnen. Nur, wenn ich seine Hand dann 
berühre, klappt das aufsperren. Vermutlich wird hier der Körper als 
Träger für die Wellen genutzt. In diesem Fall würde auch ein Repeater 
nichts bringen.

Nur das mit dem Wegfahren scheint mir irgendwie komisch. Der Schlüssel 
steht zumindest bei BMW unter ständiger Gegenprüfung. Die 
Verschlüsselung der Fernbedienung ist ja bisher nicht geknackt worden - 
entsprechend ist es nicht möglich, die Verifikation zu fälschen. Das 
Keyless-Go-System weiß also, dass der Schlüssel fehlt und schaltet 
binnen Sekunden den Motor aus.

Hier im Video passiert das allerdings nicht. Das erscheint mir höchst 
unglaubwürdig.

Kann es sein, dass hier die Reporter satt verarscht werden, und dem 
Typen eine Werbeplattform für seine ominöse Box zu bieten?

Auch die Ausstattung seiner "Werkstatt" ist für mich nicht dem 
entsprechend, was man für die Entwicklung solcher Elektronik bräuchte. 
Ein paar alte Oszis (analog), ein Voltcraft Netzteil, ein ur-ur-uralter 
SNA und ein überdimensionaler Bildschirm.

Das stinkt doch nach Fisch, oder?

von Wolfgang R. (Firma: www.wolfgangrobel.de) (mikemcbike)


Lesenswert?

It must be true, it's on the internet!

von Sven J. (svenj)


Lesenswert?

Moin,

nope, sobald der Motor läuft bekommt man zwar angezeigt, dass der 
Schlüssel fehlt, es wird aber nichts abgeschaltet. Zumindest bei 1er und 
3er BJ 2011. Würd mich wundern, wenn das anders war.

Es ist sogar so, dass man nach dem Abschalten des laufenden Motors 
diesen eine kurze Zeit lang ganz ohne Schlüssel neu-starten kann. Dass 
ist eine Panikfunktion, falls man in einer Notsituation den Motor 
abwürgt und schnell wieder starten muss.

Noch besser war allerdings der Stunt mit dem Modem. Hatte die c't 
veröffentlicht, glücklicherweise nachdem sie BMW die Pistole auf die 
Brust gesetzt hatten und die ihre Patches ausgespielt haben:

https://www.heise.de/ct/ausgabe/2015-5-Sicherheitsluecken-bei-BMWs-ConnectedDrive-2536384.html

--
 SJ

von Simon B. (zmon)


Lesenswert?

Sven J. schrieb:
> ...bekommt man zwar angezeigt, dass der Schlüssel fehlt, es wird aber
> nichts abgeschaltet...

Gibts auch anders:
https://amp.welt.de/amp/regionales/hamburg/article144233550/Baby-wirft-waehrend-Fahrt-Autoschluessel-aus-Fenster.html

von Michael B. (laberkopp)


Lesenswert?

Martin S. schrieb:
> Das Keyless-Go-System weiß also, dass der Schlüssel fehlt
> und schaltet binnen Sekunden den Motor aus.

Nö, meins nicht. Da kann man aussteigen und der Motor läuft weiter.

Schliesslich könnte auch ein Kind den Schlüssel auf der Autobahnfahrt 
aus dem Fenster werfen.

Da heute jedes Auto eine Wegfahrsperre hat, müsste jedes durch wegfahren 
geklaute Auto (nicht durch abschleppen oder Schlüsselklau) vom 
Hersteller ersetzt werden, schliesslich hat es eine wesentliche, 
gesetzlich verpflichtende Eigenschaft schon ab Produktion nicht gehabt.

Da trotzdem Autos verschwinden, nutzen Autohersteller die wohl vor allem 
als Ausrede warum inzwischen alle Steuergeräte so verdongelt sind, daß 
man Reparaturen nur noch in Markenwerkstätten durchführen kann - und 
damit jede grössere Reparatur finanziell unsinnig wird, die Lebensdauer 
eines Autos künstlich massiv verringert wird.

von Thomas E. (thomase)


Lesenswert?

Martin S. schrieb:
> Das stinkt doch nach Fisch, oder?

Unabhängig davon, ob es funktioniert oder nicht:

"Udo Hagemann, Sicherheitsexperte" ist zutiefst unseriös.

"Sicherheitsexperte" kann sich jeder Hampel nennen. Seriös wird es erst, 
wenn neben dem Reiter auch das Ross genannt wird:

"Udo Hagemann, ADAC-Sicherheitsexperte"
"Udo Hagemann, TÜV Rheinland"
"Udo Hagemann, Chaos Computer Club"

von Johannes O. (jojo_2)


Lesenswert?

Martin S. schrieb:
> Prinzipiell halte ich die Vorgehensweise für möglich. Ein Repeater
> hilft, das Auto außerhalb des Radius der Keyless-Entry-Systeme zu
> öffnen.
Bekanntes Problem.

>
> Edith: Wobei - wenn ich recht darüber nachdenke: Selbst wenn mein Kumpel
> mit dem BMW Keyless-Entry-Schlüssel in der Tasche neben seinem Auto
> steht, kann ich das Auto nicht öffnen. Nur, wenn ich seine Hand dann
> berühre, klappt das aufsperren. Vermutlich wird hier der Körper als
> Träger für die Wellen genutzt. In diesem Fall würde auch ein Repeater
> nichts bringen.
Nein. Auch wenn ich den Schlüssel im Rucksack habe, kann ich mein 
Fahrzeug öffnen (kein BMW). Es kann aber, bedingt durch Zeug in 
Hosentasche/Rucksack dazu kommen, dass der Schlüssel nur erkannt wird, 
wenn X gemacht wird. (Abschirmung etc. Wenns Handy drüber legt gehts 
kaum.)

> Nur das mit dem Wegfahren scheint mir irgendwie komisch. Der Schlüssel
> steht zumindest bei BMW unter ständiger Gegenprüfung. Die
> Verschlüsselung der Fernbedienung ist ja bisher nicht geknackt worden -
> entsprechend ist es nicht möglich, die Verifikation zu fälschen. Das
> Keyless-Go-System weiß also, dass der Schlüssel fehlt und schaltet
> binnen Sekunden den Motor aus.
Das darf NICHT passieren. Wird es auch nicht. Denn, wie oben 
geschrieben, kann die Verbindung zum Schlüssel unbeabsichtigt getrennt 
werden. Batterie leer, fällt runter, man sitzt drauf etc. Da darf das 
Auto dann nicht einfach ausgehen, das wäre viel zu gefährlich.

> Hier im Video passiert das allerdings nicht. Das erscheint mir höchst
> unglaubwürdig.
>
> Kann es sein, dass hier die Reporter satt verarscht werden, und dem
> Typen eine Werbeplattform für seine ominöse Box zu bieten?
>
> Auch die Ausstattung seiner "Werkstatt" ist für mich nicht dem
> entsprechend, was man für die Entwicklung solcher Elektronik bräuchte.
> Ein paar alte Oszis (analog), ein Voltcraft Netzteil, ein ur-ur-uralter
> SNA und ein überdimensionaler Bildschirm.
Das sind einfach ein paar Geräte fürs Filmteam. Die stehen drauf, wenn 
Technik im Hintergrund blinkt und flackert. In diesen Aufnahmen ist SEHR 
viel Show. (Selbst miterlebt...)


>
> Das stinkt doch nach Fisch, oder?

Nein. Aber das Problem ist altbekannt. Eben mal wieder Themen neu 
aufgewärmt und den Leuten Angst gemacht (ggf. auch zurecht)

Bitte melde dich an um einen Beitrag zu schreiben. Anmeldung ist kostenlos und dauert nur eine Minute.
Bestehender Account
Schon ein Account bei Google/GoogleMail? Keine Anmeldung erforderlich!
Mit Google-Account einloggen
Noch kein Account? Hier anmelden.