Bei dem folgenden Text geht es um Arbeitsrecht und Projektplanung. Ich
habe vor mein Arbeitsverhältnis für Mitte
September aus wichtigem Grund (wegen Überforderung) und mit Arztattest
zu kündigen.
Was bisher geschah:
Nach einer Psychose bin ich zu 50% schwerbehindert und nehme regelmäßig
Psychopharmaka. Auf Rat meiner Verwandten
absolvierte ich ein FH-Informatik-Studium mit 1,5. Seit einiger Zeit
heißt mein Stoff nun 200mg Amisulprid morgentlich.
Billig wie Reißzwecken haben die Tabletten sicher eine lange Test- und
Patentierungsphase hinter sich und andere
Akademiker zu Hausbesitzern gemacht.
Zunächst gestaltete sich die "Jobsuche" schwierig. Alter, Psychopharmaka
mit Blickkontakt sowie mangelnder Uni-Abschluss
... all das sind Themen die auch Therapeuten kennen. Bisher war ich nur
bei tariffreien Firmen. Einmal bei einer
Leihfirma. Insgesamt kam ich auf vier doppel-GmbHs. Der Personalzweig
hält dabei stets geringes Stammkapital. Damit
bezahlt dann die Arbeitsagentur den letzten Lohn für viele Mitarbeiter.
Der Geld-Zweig kann ungestört weiter Bestände
verkaufen und Patente halten.
Mein jetziger AG besteht aus einer Familie und deren Schulfreunden.
Somit sind es sieben motorisierte Leute - mindestens
vier mit BMW. Lohn-Mitarbeiter gibt es schwankend 20 bis 40. Einer
arbeitet als Praktikant umsonst. Einige von den
anderen erhalten Mindestlohn. Ich bekomme 20,-€ pro Stunde wobei laut
Entgeltatlas das mittlere Informatiker Gehalt in
meinem Bundesland oberhalb der Bemessungsgrenze der Arbeitsagentur
liegt, es kann also nicht von ihnen ermittelt werden.
Wie viele Lohn-Mitarbeiter wohne ich weiter entfernt und muss mit der
Bahn anreisen, weil mein Netto nicht für ein
Umweltzonen-Auto ausreicht. Mittagessen gibt es nicht, auch kein Döner
in der Nähe. Jeder muss sich selbst was
mitbringen. Und so lebe ich seit drei Jahren von Fischdosen.
Fachlich sieht es so aus:
Projekt i) Interne PC-Software mit Treibern und fünf Interessenparteien.
Läuft irgendwie schlecht, kann aber nicht
repariert werden. Immer bei Inbetriebnahme weigert sich irgendwer. Teil
kämpfe ich darum, einem fünf Jahre alten PC
zu bekommen teils um eine Windows 7 Lizenz. Man installiert die SW aber
nach 30 Tagen schaltet sich wie erwartet das
Windows ab. Bei jedem der drei Anläufe bekam ich es zurück. Ich habe
instinktiv Bauchgrimmen wenn ich von dem Programm
höre weil ich weiß wie die Finger immer brannten als ich sie mir
verbrannte und dass ich sie mir wieder verbrennen
werde.
Projekt ii) International in Kleinserie verkauftes HW-Produkt mit drei
kommunizierenden µC. Ich bekam es halbkaputt
übergeben. Es wird auch nach Übersee verkauft. Ein Stück kostet mehr als
1000,-€. Bootloader-Reset-Button bekomme ich
nicht. Zu teuer. Jetzt ging ein Gerät sogar in den Bootloader-Modus und
blieb darin hängen. Anforderungen an das Gerät
könnte ich durch Blackbox-Test herausbekommen. Nichts schriftliches.
Ecken von Textfeldern im PC-Client sind bei der
Vorführung als zu eckig bemängelt worden.
Personell sieht es ähnlich aus:
Inhaber ist nicht zu sprechen. Führt manchmal Banker durch die Firma,
hat aber für uns keine Zeit. Sonst niemand der
Anforderungen festlegt oder Leute oder Werkzeug bewilligen könnte. Email
an ihn geht unter, Outlook geht kaputt dann.
Telefone sind abgeklemmt. Teurere Handys funktionieren teils, meins hat
Probleme mit dem durchgehenden Freizeichen. Zwei
Informatiker für zwei Projekte (für jeden eins oder
Zeitscheibenbetrieb). Kein Projektleiter. Teils kommen Leute des
Denver-Clans mal vorbei und geben Anweisungen. Die Firma macht
Sub-Arbeiten für unterschiedliche Konzerne mit
Montage-Zeichnungen die von den Konzernen angefertigt und als deren
geistiges Eigentum gekennzeichnet sind. Ein
Mitarbeiter vor meiner Zeit hier brachte sich am Ende seines
Erholungsurlaubes um. Meetings gibt es für die
"Schulfreunde" aber wir Informatiker sind davon stets ausgenommen.
Einweisung erfolgt am Arbeitsplatz.
Auf dem Arbeitsmarkt sieht es dünn aus ...
Nachdem ich mich vor einiger Zeit arbeitssuchend gemeldet habe kamen
"Aufforderungen zur Bewerbung" aus Regensburg (weit
entfernt von mir). Leihfirmen rufen an und wollen mich als
"Programmierer" - haben sonst nur handwerkliches Personal.
Firmen bei denen ich mich beworben habe antworten mit dem Hinweis, dass
das "Bewerbungsverfahren" länger dauern würde.
Eine Firma wollte ich mit dem Handy anrufen, wurde aber nichts, denn der
Inhaber war im Urlaub. Also nicht "Frei ab
sofort". Selten wird mal in der Anzeige Geld geboten. Dann nur 3,5K
statt Beitragsbemessungsgrenze. Litfassäulen
zeigen - wie immer im 7-Jahres-Rhythmus - weiße Fläche oder NGO-Werbung
statt Werbung für ein konkretes käufliches
Produkt.
Das Arztattest -
Die Arbeitsagentur hat jetzt einen Vordruck aus drei A4-Seiten. Er wird
persönlich gewidmet und am Empfang ausgehändigt.
Keinesfalls soll den sich jemand selber als PDF runterladen. Darin:
Seite 1 - Eigene Stellungnahme) Welche Tätigkeiten kann ich nicht mehr
machen: Ein-Mann-Projekte ohne Projektleiter.
Schichtarbeit nein. Ob ich mich noch bücken kann. Keine Antwort.
Umwelteinflüssen ausgesetzt wie Lärm. Pressluftpfeifen
vielliecht. Aber das muss ich hier nicht schreiben. Ja: Ich habe wie
vorgesehen ein Gespräch geführt und um Abhilfe
gebeten und siehe da: auch keine Zusage erhalten.
Seite 2 - Das Attest) Teil eins geht darum dass ich die Tätigkeit nicht
machen kann. Dann bräuchte ich dort nicht
mehr weitermachen. Teils zwei geht irgendwie darum dass ich gar nicht
mehr arbeiten kann. Dann bräuchte ich kein
ALG 1 mehr. Runter auf Schonvermögen.
Seite 3 - Die Arbeitsagentur bezahlt dem Arzt ein Honorar ) Von etwa
50,-€ nur einfacher Satz.
Was interssiert mich jetzt?
- Wie bekomme ich ALG 1 ohne Sperrzeit oder mit nur 6 Wochen Sperrzeit?
- Wie halte ich mein Arbeitszeugnis frei von Vertragsende mit krummem
Datum?
- Die Firma will mich gern behalten, wie vermeide ich, dass sie den
Wunsch ins Arbeitszeugnis einträgt?
- Kann ich sicher gehen, dass die Arbeitsagentur nicht mein Gehirn als
arbeitsunfähig einstuft?
- Wie groß sollten Projekte sein und wie lange sollten sie dauern. Gibt
es Zahlen zwischen NULL und liegender acht?