Hallo, hab mal wieder eine Frage an die Profis:
Frequenz = 14,2 MHz (20m Band)
Diese Frequenz erreicht man mit:
1uH + 125.6pF
aber auch mit
1.256uH + 100pF
in sachen Gleichberechtigung gehts auch so
11uH + 11.42pF
Ist das Wurscht wie man L und C dimensioniert oder muß man auf was
achten?
Ich denke da an eine Wanduhr die bissl schepp hängt, die läuft zwar auch
noch aber beim zuhören tuts etwas weh :-)
Daniel V. schrieb:> Ist das Wurscht wie man L und C dimensioniert
Fast.
Gewöhnlich ist da ja noch etwas angeschlossen und dann können sich schon
Unterschiede ergeben.
Gewöhnlich strebt man aber ein hohes L/C-Verhältnis an, also eher die
dritte Lösung, weil sich dabei meist höhere Güteziffern ergeben.
Gelegentlich kommt man auch zu krummen Kapazitätswerten, wenn man
Kondensatoren mit verschiedenen Temperaturkoeffizienten kombiniert um
den Tk der Induktivität zu kompensieren, und so die Resonanzfrequenz
temperaturunabhängig zu machen.
Den Temperatureinfluss sollte man nicht unterschätzen!
Was ich mal gelesen habe (keine ahnung ab das stimmt), man soll darauf
achten, dass Xc und Xl etwa gleich sind.
Das wäre zB hier gegeben:
6.612uH + 19pF = 14.2 MHz
Xl = 589.9 ohm
Xc = 589.9 ohm
würde der "ungedämpfte" Schwingkreis mit diesen werten am
"ausgeglichensten" laufen?
Daniel V. schrieb:> man soll darauf> achten, dass Xc und Xl etwa gleich sind.
Das sind sie bei der Resonanzfrequenz immer!
P.S.:
Wenn du die Xc und Xl gleichsetzt und dann diese Gleichung nach f
auflöst, bekommst du die bekannte Thomsonsche Schwingungsgleichung.
Daniel V. schrieb:> Frequenz = 14,2 MHz (20m Band)>> Diese Frequenz erreicht man mit:> 1uH + 125.6pF> aber auch mit> 1.256uH + 100pF>> in sachen Gleichberechtigung gehts auch so> 11uH + 11.42pF
Kommt hin.
> Ist das Wurscht wie man L und C dimensioniert
Nein.
> oder muß man auf was achten?
1. Eigenresonanz der Spule (sinkt mit steigender
Induktivität ab); oberhalb wirkt die Spule als
Kondensator; zu große Spule hat zu niedrige
Eigenresonanz --> nutzlos
2. Streukapazitäten --> bei 11µH/11.4pF wirkt sich
jedes pF Abweichung schon ziemlich stark aus
3. Betriebsgüte bzw. Resonanzwiderstand --> Anpassung
an Generator und Last; lässt sich aber mit Anzapfung
am L bzw. am C hinbiegen; zu schmalbandige Kreise
sind genauso unnütz wie zu breitbandige
Übrigens, bevor du mit der Frequenz im Dunkeln tappst:
Auf uralten Grafikkarten befinden sich oft Quarzoszillatoren 14,31818
MHz im DIL-Gehäuse, die man hier prima gebrauchen kann ;-)
Wenn du dir die Formeln für Güte und für die Impedanz bei Resonanz
anschaust, kannst du erkennen, wie sie von Kapazität und Induktivität
beeinflusst werden.
Impedanz Parallelkreis in Reonanz
Zr = L/(C*RL)
Güte Parallelkreis
Q = R*sqrt(C/L)
Die Wikipedia Artikel zu Schwingkreis und Gütefaktor sind recht
brauchbar geschrieben, aber für einen Einsteiger ziemlich komprimiert.
Ein wenig Zeit brauchst du daher schon, um da durch zu finden.
72, John
> ... kannst du erkennen, wie sie von Kapazität und Induktivität> beeinflusst werden.
Tatsächlich? Und selbst der Widerstand spielt noch eine Rolle ---
Hallo Daniel
Es kommt auf den Verwendungszweck an. Um möglichst viel Signal aus einem
HF-Verstärker zu bekommen, kann die Variante 11uH + 11.42pF sinnvoll
sein. Wobei sich die Kapazitäten der angeschlossenen Teile zur
Schwingkreiskapazität hinzuaddieren. Zusammen mit der Eigenkapazität der
Spule bilden diese auch die minimal mögliche Kapazitätsgrenze.
Die Kapazität eines Halbleiters ist nicht konstant, sondern ändert sich
je nach Arbeitspunkt. Spielt die Drift eine entscheidende Rolle, so
empfiehlt sich, dem Schwingkreis eine deutlich höhere Festkapazität
parallelzuschalten, um das Verhältnis zu verbessern. Dazu verwendet man
erst mal Keramikkondensatoren vom Typ NP0, welche eine geringe Drift und
hohe Güte aufweisen. Ist die Drift noch zu groß, kann wie oben
beschrieben, ein Kondensator mit umgekehrten Koeffizienten
dazugeschaltet werden.
Für einen stabilen, freischwingenden Oszillator muss man deshalb die
Kapazität möglichst groß auslegen, solange er noch sicher anschwingt und
der Abstimmbereich nicht leidet.
Frequenzdrift bei Änderung der Kapazität um nur 0,1pF:
11µH + 11,42pF -> 14200kHz
11µH + 11,32pF -> 14263kHz
1µH + 125,62pF -> 14200kHz
1µH + 125,52pF -> 14206kHz
Hp M. schrieb:
>Gewöhnlich strebt man aber ein hohes L/C-Verhältnis an, also eher die>dritte Lösung, weil sich dabei meist höhere Güteziffern ergeben.
Dieses Thema gab es hier schon öfters.
Die Güte hängt nicht vom L/C-Verhältnis ab, sondern von
den Verlusten des Schwingkreises. Es kann durchaus ein
Schwingkreis mit niedrigen L/C-Verhältnis eine höhere
Güte haben. Um eine hohe Betriebsgüte zu haben, wählt
mann das L/C-verhältnis so, daß der Resonanzwiderstand
nicht größer als die Impedanz der Schaltung oder
zum Beispiel der Antenne ist. Ist der Resonanzwiderstand
des Schwingkreises größer kann man durch Transformieren
anpassen. Zum Beispiel durch anzapfen der Spule oder
duch kapazitive Spannungsteiler.
Elektrofan schrieb:> Tatsächlich? Und selbst der Widerstand spielt noch eine Rolle
schön, dass auch du das erkannt hast und das auch noch allen mitteilst.
Das ist sehr aufschlussreich und sagt viel über dich.
Schwingkreis und Güte:
https://de.wikipedia.org/wiki/G%C3%BCtefaktor#Parallelschaltung
Die echte Güte eines Schwingkreises hängt von vielen Faktoren ab und
kann nicht so einfach berechnet werden. Es gibt aber für jeden Aufbau
eines Schwingkreises ein Gütemaximum, oberhalb und unterhalb dieser
Frequenz nimmt die Güte ab.
Angenommen, beide Schwingkreise mit den oben angenommenen Werten hätten
eine Güte von Q=100, dann würde sich Rp deutlich unterscheiden.
L C Q Rp
1µH 125pF 100 8,94k
11µH 11,4pF 100 98,2k
Beim Kollektor eines Bjt in Emitterschaltung handelt es sich um keine
ideale Stromquelle. Würde man jedoch die beiden Schwingkreise aus einer
idealen Stromquelle ansteuern, wäre das Spannungssignal am zweiten
Schwingkreis um mehr als Faktor 10 größer.
Ohne weitere Maßnahmen reagiert dieser Schwingkreis zudem empfindlicher
auf Belastung z.B. durch den Miller-Effekt der treibenden Stufe und die
Ankopplung der nachfolgenden Stufe. Zusammen mit der Belastung nimmt
nicht nur die Amplitude ab, sondern auch Güte bzw. Selektivität.
Günter Lenz schrieb:> Die Güte hängt nicht vom L/C-Verhältnis ab ...
So in dieser allgemeinen Formulierung ist das nicht richtig. Vermutlich
hat er das auch nicht so gemeint. Für die Mitleser will ich das aber
nicht in dieser irreführenden Form stehen lassen.
Richtig ist, und das hat Günter Lenz vermutlich auch gemeint, das
Folgende:
Die Güte hängt nicht NUR vom L/C-Verhältnis ab. Die Grösse des
Einflusses des L/C Verhältnis auf die Güte hängt von der Grösse der
Verluste ab, wie man an den oben zitierten Formeln erkennen kann.
72 John
@John (Gast):
> Elektrofan schrieb:>> Tatsächlich? Und selbst der Widerstand spielt noch eine Rolle> schön, dass auch du das erkannt hast und das auch noch allen mitteilst.
Nein, ich habe mich erinnert. -
Im Gegensatz zu manchen anderen vergesse schon mal was, z.B. nach einem
halben Jahrhundert ...
> Die Güte hängt nicht NUR vom L/C-Verhältnis ab
Die Güte hängt nur scheinbar oder kaum vom L/C-Verhältnis in der Formel
ab, sondern zuallererst zu 90% von der Güte der Induktivität. Im
Speziellen vom Drahtwiderstand, vom Skineffekt, von Eisenverlusten, von
Streuverlusten und von Wirbelströmen im benachbarten Material. Es müssen
immer reale Größen in die Formel eingesetzt werden und dann schaut die
Sache komplett anders aus.
John schrieb:> Die Güte hängt nicht NUR vom L/C-Verhältnis ab. Die Grösse> des Einflusses des L/C Verhältnis auf die Güte hängt von> der Grösse der Verluste ab, wie man an den oben zitierten> Formeln erkennen kann.
Ich wäre alle beteiligten Seiten SEHR verbunden, wenn
wir es uns zur Gewohnheit machen könnten, stets von
BETRIEBSgüte und LEERLAUFgüte zu sprechen.
Die (endliche) Leerlaufgüte wird NUR durch die inneren
Verluste in den (realen) Bauteilen hervorgerufen.
Die (gegenüber der Leerlaufgüte weiter verminderte)
Betriebsgüte hat ihre Ursache in der ohmschen Belastung
des Schwingkreises durch die umgebende Schaltung.
Günter Lenz schrieb:> Hp M. schrieb:>>Gewöhnlich strebt man aber ein hohes L/C-Verhältnis>>an, also eher die dritte Lösung, weil sich dabei>>meist höhere Güteziffern ergeben.>> Dieses Thema gab es hier schon öfters.
Ja.
> Die Güte hängt nicht vom L/C-Verhältnis ab, sondern> von den Verlusten des Schwingkreises.
Stop.
Die LEERLAUFGÜTE hängt NUR von den inneren Verlusten
ab. Ja.
> Um eine hohe Betriebsgüte zu haben, wählt mann das> L/C-verhältnis so, daß der Resonanzwiderstand nicht> größer als die Impedanz der Schaltung oder zum> Beispiel der Antenne ist.
Nochmal Stop: Hier bestätigst Du indirekt das, was
Hp M. oben behauptet hat -- dass nämlich die "Güte"
tatsächlich vom L/C-Verhältnis abhängt. Das trifft
aber nur auf die Betriebsgüte zu.
Possetitjel schrieb:> Nochmal Stop: Hier bestätigst Du indirekt das, was> Hp M. oben behauptet hat
Ich habe das nicht "behauptet", sondern lediglich erwähnt um unserem
jungen Freund eine Richtlinie an die Hand zu geben.
Selbstverständlich ist mir der Unterschied zwischen Leerlaufgüte und
Betriebsgüte bekannt, aber ich habe das absichtlich nicht erwähnt um das
Thema nicht unnütz aufzublähen.
Die Betriebsgüte eines Schwingkreises kann man ja über die Ankopplung
einstellen, aber wenn schon die Leerlaufgüte schlecht ist, ist Hopfen
und Malz verloren.
Und wenn man die tatsächlichen Umstände einbezieht, also Spulen mit
ähnlichen mechanischen Dimensionen aber unterschiedlicher Windungszahl
miteinander vergleicht, dann ergibt es sich eben, dass der Schwingkreis
mit dem größeren L/C-Verhältnis die höhere Leerlaufgüte (jetzt
zufrieden?) hat.
Possetitjel schrieb:> Die LEERLAUFGÜTE hängt NUR von den inneren Verlusten ...
Ein von aussen praktisch unbelasteter Kreis zeigt bei gleich bleibender
innerer Belastung durch die Verluste, aber unterschiedlichem L/C sehr
wohl unterschiedliche Dämpfung und unterschiedliche Bandbreite.
Leerlaufgüte und Betriebsgüte berechnet man gleich, in Beiden Fällen
geht R, C und L ein. Im Betriebsfall habe ich nur die Zusätzliche
Belastung durch die Beschaltung. So habe ich das gelernt, finde ich
immer noch in der Literatur, zeigte sich in der praktischen Arbeit und
kann mit Simulation jederzeit gezeigt werden.
z.B.: Zinke,Brunswig: Hochfrequenztechnik 1, 6. Auflage, S.22, für den
"zusammengestzten Parallelresonanzkreis" (C verlustfrei angenommen und L
mit Serienverlustwiderstand):
Q = ... = sqrt(L/C)/R = ...
Die Abweichung zur weiter oben zitierten Formel kommt daher, dass hier R
die Bezeichnung für den Serienwiderstand der Spule ist.
Zeige doch bitte eine Quelle für die Behauptung, dass die Leerlaufgüte
eines Prallelkreises mit KONZENTRIERTEN ELEMENTEN von L und C absolut
unabhängig ist.
Es gibt zwar noch andere Definitionen für die Güte des Parallelkreises
mit konzentrierten Elementen, die lassen sich aber in die hier
angeführte Formel überführen. zum Beispiel Q = Xk/R (von der selben
Literaturstelle).
Das wird sich schon aufklären lassen, 72, John
John schrieb:
>Zeige doch bitte eine Quelle für die Behauptung, dass die Leerlaufgüte>eines Prallelkreises mit KONZENTRIERTEN ELEMENTEN von L und C absolut>unabhängig ist.
Man kann Schwingkreise mit hohen L/C-Verhältnis so konstruieren,
daß sie eine hohe Leerlaufgüte oder eine sehr schlechte
Leerlaufgüte haben. Das gleiche kann man aber auch mit
Schwingkreise machen die ein kleines L/C-Verhältnis haben.
Wenn man sich mal L und C als ideal vorstellt, also keinerlei
Verluste, dann ist die Güte unendlich hoch, vollkommen
unabhängig vom L/C-Verhältnis. So ein Schwingkreis gibt es
natürlich nicht. Je besser es gelingt die Verluste zu
verringern um so höher ist die Leerlaufgüte. Wer Lust hat
kann ja mal ein Experiment machen, einen Ferritschalenkern
bewickeln (den Wickelraum voll ausnutzen) und damit einen
Schwingkreis aufbauen. Dann die Wicklung wieder runter
und eine Wicklung mit mehr Windungen rauf und den
Schwingkreiskondensator verkleinern um auf die gleiche
Resonanzfrequenz zu kommen. Dann wird man feststellen, daß
beide Schwingkreise die gleiche Leerlaufgüte haben,
nur der Resonanzwiderstand ist größer geworden.
John schrieb:> Possetitjel schrieb:>> Die LEERLAUFGÜTE hängt NUR von den inneren Verlusten ...>>[...]> Zeige doch bitte eine Quelle für die Behauptung, dass> die Leerlaufgüte eines Prallelkreises mit KONZENTRIERTEN> ELEMENTEN von L und C absolut unabhängig ist.
Nein, das sollte nicht meine Aussage sein; das war schlecht
formuliert.
Die Leerlaufgüte umfasst nur die INNEREN Verluste.
In die Betriebsgüte gehen -- neben der Leerlaufgüte -- nur
noch die äußere Belastung und das L/C-Verhältnis ein; somit
kann man durch Ändern des L/C-Verhältnisses die Betriebsgüte
einstellen, die man benötigt.
Die Leerlaufgüte muss dazu nur ungefähr bekannt sein; wenn sie
hoch genug ist, kann ihr Einfluss häufig ganz vernachlässigt
werden.
Die Betriebsgüte ist in diesem Sinne gutartig, weil sich der
einfache theoretische Zusammenhang auch in der Praxis ganz
einfach ausnutzen lässt.
Auf die Leerlaufgüte trifft das aber nicht zu -- zwar ist der
theoretische Zusammenhang genauso einfach, aber das ist für die
Praxis nicht hilfreich: Sowohl die Induktivität als auch die
Verluste hängen stark von konkreten technischen Details der
Konstruktion ab; deswegen gibt es keinen nutzbaren allgemeinen
Zusammenhang zwischen der Größe der Induktivität und der Höhe
der Verluste.
Wenn man das L/C-Verhältnis ändert, kann man eine einigermaßen
sinnvolle, theoretisch fundierte Vorhersage über die Betriebsgüte
machen.
Auf die Leerlaufgüte trifft das nicht zu -- zumindest wüsste
ich keinen Grund, warum es so sein sollte.
Durch das Verändern des L/C Verhältnis, bei gleicher Resonanzfrequenz
ändert sich die Güte. Das gilt sowohl für die Leerlaufgüte des von
aussen praktisch unbelasteten Parallelschwinkreises, als auch für die
Betriebsgüte des durch den Rest der Schaltung (z.B. Quellen
Innenwiderstand und Last) belasteten Parallelschwingkreises.
Bei der Betriebsgüte verschwinden die Verluste auch nicht, ihr Einfluss
wird nur geringer und tritt oft stark zurück, wenn die Verluste im Kreis
sehr viel kleiner als die äusseren Belastungen sind.
Daniel hat in seinem Eröffnungspost ja ein gutes Beispiel aus der Praxis
genannt. Anhand dieser Daten lässt sich die Leerlauf Güte und ihre
Beeinflussung durch das L/C Verhältnis zeigen. Das Rechnen kann man dem
Simulationsprogramm überlassen, das in diesem Bereich bekanntlich
richtige Werte mit ausreichender Genauigkeit liefert. Nebenbei fallen
dann die gut nachvollziehbaren Bilder an.
Gezeigt wird im Anhang parkreis-03 ein Prallelkreis. Der Kondensator
wird als praktisch verlustfrei angenommen und die Spule hat einen
Verlustwiderstand. An die Quelle ist er sehr hochohig, also praktisch
unbelastet angeschlossen. L/C wird variiert.
Man sieht sofort, dass sich die Bandbreite ändert. Das bedeutet, dass
sich die Güte durch die Änderung des LC ebenfalls verändert hat.
Im Anhang parkreis-04 ist das noch weiter verdeutlicht, um die
Bandbreite genauer erkennen zu können. -3dB Linien wurden eingezeichnet.
Es ist gut zu sehen, wie die die Bandbreite variiert.
Die sich verändernde Güte beträgt Q = f0/B , wobei B = fgo-fgu .
Das widerlegt eindeutig die folgenden Zitate und ist jetzt hoffentlich
auch für einen Einsteiger in diese Materie gut nachvollziebar.
Possetitjel schrieb:> Die LEERLAUFGÜTE hängt NUR von den inneren Verlusten> ab.
das ist nicht schlecht formuliert, sondern schlicht unzutreffend,
Günter Lenz schrieb:> Dieses Thema gab es hier schon öfters.> Die Güte hängt nicht vom L/C-Verhältnis ab, sondern von> den Verlusten des Schwingkreises.
so wie auch dieses unzutreffend ist.
@John
Du hast hier drei Schwingkreisbeispiele gezeigt, mit
unterschiedlichen Verlusten, wobei der unterste
Schwingkreis die geringsten Verluste hat und deshalb
hat er auch die höchste Güte. Wären die Verluste bei
allen drei Schwingkreisen gleich, wären auch die
Güten gleich.
Hallo John
> das ist nicht schlecht formuliert, sondern schlicht unzutreffend,
Natürlich sagt die Formel, dass die Güte mit dem L/C-Verhältnis zunimmt.
Der Rv steht für den Drahtwiderstand. Einen Rp, welcher all die anderen
Verluste simuliert, hast du komplett weggelassen.
Beitrag "Re: LC-Schwingkreis"
Offensichtlich nimmt mit einer größeren Spule auch der Drahtwiderstand
zu.
Eine typische Luftspule (ohne Eisenverluste):
1µH D=10mm L=10mm Draht: 12Wdg. D=0,4mm L=0,4m -> Rv= 56mOhm
11µH D=10mm L=10mm Draht: 40Wdg. D=0,2mm L=1,3m -> Rv=700mOhm
Beide Spulen nutzen ganz grob das selbe Wickelvolumen für den Draht.
Dadurch kann die kleine Induktivität mit einem dickeren Drahtdurchmesser
gewickelt werden. Die große Induktivität wird zweilagig gewickelt. Jetzt
simuliere mal die Schwingkreise mit diesem Rv! Und da fehlen immer noch
die anderen Verluste.
Bei John seine drei Beispiele könnte man auf den
ersten Blick denken, daß alle drei Schwingkreise
die gleichen Verluste haben weil ja alle drei Rv
gleich groß sind, und so zum Schluss kommen, daß
das L/C-Verhältnis die Güte verbessert. So ist es
aber nicht. Verlust bedeutet, es wird Wärme erzeugt.
Im Ersten Schwingkreis fließt ein größerer Strom und
deshalb erzeugt der Rv auch mehr Verlust (Wärme) und
dehalb hat dieser Schwingkreis auch die geringste Güte.
Man kann auch drei Schwingkreise mit unterschiedlichen
L/C-Verhältnis konstruieren die gleiche Verluste haben
und deshalb die Güten gleich sind. Man kann auch drei
Schwingkreise konstruieren wo der Schwingkreis mit dem
höchsten L/C-Verhältnis die schlechteste Güte hat, und
dann sagen mit abnehmenden L/C-Verhältnis wird die
Schwingkreisgüte besser, aber daß ist genauso falsch.
Also das L/C-Verhältnis bestimmt nicht die
Schwingkreisgüte.
Günter Lenz schrieb:> Wären die Verluste bei> allen drei Schwingkreisen gleich, wären auch die> Güten gleich.
Einfach wäre es gewesen, Güte im Zusammenhang mit Verlusten nach zu
schlagen.
Aber statt dessen schreibst du den selben Irrtum in einem nur wenig
abgewandelten Prosatext. Wenn man nachsieht, sagen die Formeln, in denen
die Verlustleistung vorkommt deutlich etwas anderes. Eine Simulation,
die die Verlustleistung konstant hält, zeigte das auch sofort.
Solange da nur Behauptungen aufgestellt werden, gibt die Diskussion
nichts mehr her. Da fehlten die Formeln, nachvollziehbare
Literaturzitate und Simulationsergebnisse, kurz es fehlten alle Belege
zu den Behauptungen. Mein Interesse an unbelegten Gerüchten hält sich in
Grenzen.
grüsse, John
> Da fehlten die Formeln, nachvollziehbare Literaturzitate und Simu-> lationsergebnisse, kurz es fehlten alle Belege zu den Behauptungen.
Ja dann bau doch zwei dieser Schwingkreise auf, messe die Güte und
beweise damit deine These. Mit der ermittelten Güte kann der Rp
berechnet werden und erst dann hast du eine aussagefähige Simulation.
John schrieb:> Einfach wäre es gewesen, Güte im Zusammenhang mit> Verlusten nach zu schlagen.
Noch einfacher wäre gewesen, nicht nur den eigenen
Standpunkt zu wiederholen, sondern gezielt auf das
einzugehen, was die Vorredner geschrieben haben.
Günter Lenz schrieb:> Man kann Schwingkreise mit hohen L/C-Verhältnis so konstruieren,> daß sie eine hohe Leerlaufgüte oder eine sehr schlechte> Leerlaufgüte haben.
Und wem das noch zu gut ist, nimmt einen Widerstandsdraht und wickelt
ihn bifilar.
B e r n d W. schrieb:> Die selben Spulen nochmal, jedoch mit Skin-Effekt. Bei 14MHz beträgt die> Eindringtiefe 17,4 µm.>> 1µH Draht D=0,4mm L=0,4m f=14MHz -> Rv = 0,32 Ohm> 11µH Draht D=0,2mm L=1,3m f=14MHz -> Rv = 2 Ohm
... und damit ist Q=ωL/R = 279 im ersten Fall und 491 im Zweiten.
Das zeigt wohl klar, wohin die Reise geht.
@Daniel V.
Ein Wert aus der Praxis für diese Frequenz: Wähle L so, dass dein C etwa
bei 30..50pF liegt, und wickle die Spule selber auf einen Spulenkörper
aus Kunststoff.
Möglichst nur eine Lage und kurze Spulen sind besser als lange. Ein
Verhältnis von Durchmesser zu Länge von 1:1 ist ok.
Evtl. findest du in der Bastelkiste noch einen Spulenkörper mit einem
Abgleichkern aus Ferrit von einem alten Fernseher.
Die käuflichen Festinduktivitäten solltest du im Geschäft lassen, sie
sind i.d.R. von Haus aus zu schlecht.
HF-Litze bringt bei dieser Frequenz auch kaum noch etwas, man kann da
gut gewöhnlichen CuL mit 0,2..0,3mm Durchmesser nehmen.
Natürlich nicht, wenns ein Sender werden soll, dafür braucht man dickere
Drähte bis hin zu fingerdicken Kupferrohren.
Versuche nicht die Spule zu lackieren, das erhöht die Dämpfung. Ein
Tröpfchen Klebstoff um die Enden zu fixieren ist aber erlaubt.
Bitte auch keinen (Schalt-)Draht mit PVC-Isolation nehmen! Das Zeug
verwandelt die wertvolle HF-Energie in Wärme.
Hp M. schrieb:> B e r n d W. schrieb:>> Die selben Spulen nochmal, jedoch mit Skin-Effekt. Bei 14MHz>> beträgt die Eindringtiefe 17,4 µm.>>>> 1µH Draht D=0,4mm L=0,4m f=14MHz -> Rv = 0,32 Ohm>> 11µH Draht D=0,2mm L=1,3m f=14MHz -> Rv = 2 Ohm>> ... und damit ist Q=ωL/R = 279 im ersten Fall und 491 im> Zweiten.> Das zeigt wohl klar, wohin die Reise geht.
Nee. Überzeugt mich noch nicht.
Die Zahlen sind z.T. aus der Luft gegriffen; ich sehe die
grundsätzliche, allgemeingültige Tendenz noch nicht.
Also: Da konstante Frequenz vorausgesetzt wird, ist omega*L
direkt proportional zu L selbst. Impedanzverhältnis 1µH zu 11µH
ist genau 1:11.
Für identische Spulengüte müsste also auch R um Faktor 11
unterschiedlich sein.
Nun ist L idealerweise genau proportional n^2; also ist bei 11µH
der Draht Wurzel(11) mal länger als bei 1µH; das ist Faktor 3,32.
Wenn wir identische Spulengeometrie annehmen (und damit identischen
Wickelraum), muss ein Draht, der um Faktor Wurzel(11) länger ist,
um Faktor Wurzel(Wurzel(11)) dünner sein...
Hmm. Okay. Ich sehe.
Wenn man den Skineffekt vernachlässigt, ist der Drahtquerschnitt
für den Drahtwiderstand maßgebend, und die Effekte heben sich genau
auf, weil ein Draht, der um Wurzel(n) länger ist und einen um
Wurzel(n) geringeren Querschnitt hat, einen um genau Faktor n
größeren Widerstand aufweist.
Wenn man aber den Skineffekt mit einrechnet, ist der Drahtumfang
für den Drahtwiderstand maßgebend, und der Widerstand ist nur um
Faktor n^(3/4) größer; die Güte ist somit um n^(1/4) größer.
Tatsächlich ist für das Beispiel 11^(1/4) = 1.82 ~= 491:279.
Größere Induktivitäten haben also -- unter ansonsten identischen
Bedingungen (Baugröße, Kernmaterial,...) -- tatsächlich eine
Tendendz zu höherer Güte; diese geht ungefähr mit der vierten
Wurzel aus der Induktivität.
Das ist interessant.
> 279 im ersten Fall und 491 im Zweiten.> Das zeigt wohl klar, wohin die Reise geht.
Nein, zeigt es nicht. Schon der Drahtwiederstand, ob mit oder ohne
Skin-Effekt, bringt die hohe Induktivität fast auf das Nievau der
niedrigen. Die anderen Verluste fehlen noch. Jedes Material, welches
sich in der Nähe der Spule befindet, reduziert deren Güte, auch
Isolatoren. So mancher Kunststoff zieht bis zu 5% Wasser, bei Holz sind
es 10-20%. Ein Wickelkörper für Spulen mit hoher Güte ist z.B. Styropor,
da es zu 90-95% aus Luft besteht. Keramik ist ein gutes Material,
besonders wenn der Draht nur an wenigen Stellen den Wickelkörper
berührt.
Auf dieser Seite gibt es Kurven:
http://theradioboard.com/rb/viewtopic.php?t=534
Bei tiefen Frequenzen stimmt die Theorie (L/C Verhältnis) mit der Kurve
überein, darüber flacht die Kurve schnell ab, es gibt ein Maximum,
darüber wird die Güte wieder schlechter. Es ist offensichtlich eine
Kunst für sich, die höchste Güte auf der gewünschten Frequenz zu
erzielen.
Ein weiterer Link:
http://coil32.net/theory/qfactor.html
B e r n d W. schrieb:> So mancher Kunststoff zieht bis zu 5% Wasser, bei Holz sind> es 10-20%.
Hat denn jemand hier Holz oder Pappe empfohlen?
B e r n d W. schrieb:> Ein Wickelkörper für Spulen mit hoher Güte ist z.B. Styropor,> da es zu 90-95% aus Luft besteht.
Nur leider taugt das mechanisch nichts.
Die gebräuchlichen Spulenkörper sind aber aus dem gleichen Kunststoff,
Polystrol, hergestell, und weil sie rohrförmig sind, sind sie stabiler.
Auch da ist jede Menge Luft drin, die man ggfs durch einen Abgleichkern
ergänzen kann.
Man kann sogar den Tk der darauf gewickelten Spulen voraussagen und ggfs
kompensieren.
B e r n d W. schrieb:> Auf dieser Seite gibt es Kurven:> http://theradioboard.com/rb/viewtopic.php?t=534
Aber nur für HF-Litzen und nur für einen hier nicht gewünschten
Frequenzbereich. Dass die teuren HF-Litzen im Kurzwellenbereich keinen
Vorteil mehr haben, erwähnte ich ja schon. Jenseits von ca. 10MHz würde
ich sogar erwarten, dass sie schlechter als Volldraht sind.
B e r n d W. schrieb:> Es ist offensichtlich eine> Kunst für sich, die höchste Güte auf der gewünschten Frequenz zu> erzielen.
Ja, aber man hat ja mittlerweile 100 Jahre Erfahrung, welchen Weg man
dafür gehen muss.
Hp M. schrieb:> B e r n d W. schrieb:>> So mancher Kunststoff zieht bis zu 5% Wasser, bei>> Holz sind es 10-20%.>> Hat denn jemand hier Holz oder Pappe empfohlen?
Wieso "empfohlen"?
Spulenkörper aus Pertinax (=Presspappe) waren üblich.
> B e r n d W. schrieb:>> Es ist offensichtlich eine Kunst für sich, die höchste>> Güte auf der gewünschten Frequenz zu erzielen.>> Ja, aber man hat ja mittlerweile 100 Jahre Erfahrung,> welchen Weg man dafür gehen muss.
Unbestritten.
Nur ändert das nix daran, dass das Erreichen einer
möglichst hohen Leerlaufgüte deutlich komplexer ist als
das Erzielen einer definierten, vorgegebenen Betriebsgüte.
Die These "hohe Induktivität gibt hohe Güte" ist eine
Aussage über eine Tendenz und kein Naturgesetz.
>> Ein Wickelkörper für Spulen mit hoher Güte ist z.B. Styropor,>> da es zu 90-95% aus Luft besteht.> Nur leider taugt das mechanisch nichts.
Ich hab das noch nicht probiert, es gab aber durchaus nachvollziehbar
erfolgreiche Versuche, eine Flachspule zwischen zwei Styroporplatten
einzuklemmen. Die Spule ist so thermisch isoliert, was für die nächsten
10 Minuten eine geringe Drift verspricht. Eventuell gut genug für einen
freischwingenden Oszillator auf 20m.
> Jenseits von ca. 10MHz würde ich sogar erwarten,> dass sie schlechter als Volldraht sind.
Ab 10 MHz würde schon langsam eine Silberbeschichtung Sinn machen. Ich
war lediglich etwas entteuscht über die geringe Verbesserung. Der
nächstdickere Kupferdraht ist oft genauso gut. Nach langer Zeit
angelaufenes Kupfer sieht zwar nicht mehr so schön aus, die Güte
verringert sich dadurch nur minimal. Man sollte vermeiden, auf einer
Kupferspule wild rumzulöten, denn dann besteht die Oberfläche aus
Lötzinn und dies leitet wirklich schlecht.
>> die höchste Güte auf der gewünschten Frequenz zu erzielen.> Ja, aber man hat ja mittlerweile 100 Jahre Erfahrung,> welchen Weg man dafür gehen muss.
Man hat eher den Weg eingeschlagen, sich für Massenprodukte mit Güten
von 50-70 zu begnügen und hochwertige Filter aus Keramik oder mit
Quarzen herzustellen. Hochwertige Schwingkreise bleiben heute eher dem
Hobbyelektroniker und dem Amateur vorbehalten.
B e r n d W. schrieb:> Man hat eher den Weg eingeschlagen, sich für Massenprodukte> mit Güten von 50-70 zu begnügen und hochwertige Filter aus> Keramik oder mit Quarzen herzustellen.
Naja, eigentlich ist es noch schlimmer: LC-Filter werden
in Massenprodukten generell verdrängt, obwohl sie eigentlich
gute Eigenschaften haben -- sie lassen sich halt nicht so
gnadenlos spottbillig herstellen wie ICs oder Widerstände.