Hallo miteinander, zum Reinigen von Leiterkarten nach dem Löten möchte ein Kollege eine Anlage basteln und dazu eine Brause mit fließendem Wasser-Reinigungsmittel-Gemisch mit Bürstenkopf verwenden. Die entsprechende Hardware mit Edelstahlbecken stammt allerdings aus dem allgemeinen Werkstattbedarf, der Bürstenkopf und die Borsten sind somit nicht aus ESD-gerechtem Material. Nun die Frage an der ich mir gerade den Kopf zerbreche: Ist fließendes Wasser in Kombination mit einem geerdetem Edelstahlbecken ausreichend als Schutz vor elektrostatischer Aufladung und somit Beschädigung von Bauteilen? Natürlich ist mir klar, dass die Leitfähigkeit von Wasser z.B. vom Salzgehalt stark abhängig ist und somit das verwendete Reinigungsmittel (es soll Spiritus verwendet werden) eine große Rolle spielen wird. Mein Bauchgefühl sagt mir, dass unter diesen Bedingungen die Leitfähigkeit "zu gut" sein wird, sprich der Ableitwiderstand zu klein wird und zu hohen Strömen führen könnte. Ich freue mich über jede Art von zweiter Meinung, egal ob Bauchgefühl oder hochwissenschaftliche Beweisführung ;) mfg Peter
Na ja, Wassertropfen können hohe Spannungen erzeugen http://www.stefanbion.de/kelvin.htm Aber Wasser mit Reinigungsmittel ist leitfähig (kannst du ja nachmessen), und nicht nur der Bottich, sondern auch der Zulaufschlauch wird geerdet sein, also keine Gefahr.
> möchte ein Kollege eine Anlage basteln Gewerblich? Wenn ja: das Problem kann durch Kauf von jahrzehntelang bewährter Technik einfach behoben werden - http://bandelin.com/branchen/elektronik/
Peter P. schrieb: > Natürlich ist mir klar, dass die Leitfähigkeit von Wasser z.B. vom > Salzgehalt stark abhängig ist und somit das verwendete Reinigungsmittel > (es soll Spiritus verwendet werden) eine große Rolle spielen wird. Ihr werdet zum Reinigen von Leiterplatten ja hoffentlich Wasser mit möglichst geringem Salzgehalt (destilliert) verwenden (Rückstände...) ;-) Mir stellt sich allerdings die Frage, worin der Vorteil bestehen soll, die Reinigungslösung aus einer Brause kommen zu lassen und nicht direkt in eine Wanne einzufüllen. "Normale" ESD Bürsten und Pinsel sowie Wannen gibt es ja jede Menge.
Joe F. schrieb: > Mir stellt sich allerdings die Frage, worin der Vorteil bestehen soll, > die Reinigungslösung aus einer Brause kommen zu lassen und nicht direkt > in eine Wanne einzufüllen. Das Problem ist, dass sich im selben Raum auch eine kleine Werkstatt befindet und die Wanne voll Spiritus-Gemisch ein potentielles Brandrisiko bedeutet. Deshalb ist das Ziel den Ablauf nach Außen zu führen um brennbare Substanzen sicher in einem separaten Raum zu lagern. Bernd G. schrieb: > Gewerblich? Wenn ja: das Problem kann durch Kauf von jahrzehntelang > bewährter Technik einfach behoben werden - > http://bandelin.com/branchen/elektronik/ Das mit den Ultraschallbädern ist kritisch, da nicht alle Bauteile für diese Art Wäsche geeignet sind. Dann landet man am Ende wieder bei der Handwäsche und wäre wieder beim bisherigen Konzept angelangt. Ich werde mich mal mehr darüber informieren, hatte aber erst vor Kurzem ein Datenblatt in den Händen, in dem die Ultraschall-Wäsche explizit untersagt wurde.
> Das mit den Ultraschallbädern ist kritisch, da nicht alle Bauteile für > diese Art Wäsche geeignet sind. Außer Präzisionsquarzen/-oszillatoren und einigen mikromechanischen Teilen dürften das alle modernen Teile vertragen. Ich habe in den vergangenen 25 Jahren noch nichts im US-Bad zerstört. Die Allgebrauchsquarze und Oszillatoren vertragen das ohne weiteres. > Dann landet man am Ende wieder bei der > Handwäsche und wäre wieder beim bisherigen Konzept angelangt. Warum eigentlich überhaupt waschen? Machst du THT-Handbestückung mit Handlötung? Dann solltest du vllt. auf SMT umsteigen mit Reflowlöten und No-clean-Lotpaste. Mit dem US-Bad habe ich in den letzten 10 Jahren nur noch übel verdreckte Baugruppen und Pastenschablonen sowie Leiterplattenfehldrucke geputzt. > Ich werde > mich mal mehr darüber informieren, hatte aber erst vor Kurzem ein > Datenblatt in den Händen, in dem die Ultraschall-Wäsche explizit > untersagt wurde. Diese Exoten kann man auch nach dem US-Bad auflöten, wenn man partout weiter per Hand löten will.
Übrigens: Handbestücken und Handlöten sind keine Merkmale für hohe Qualität.
Bernd G. schrieb: > Warum eigentlich überhaupt waschen? Machst du THT-Handbestückung mit > Handlötung? Dann solltest du vllt. auf SMT umsteigen mit Reflowlöten und > No-clean-Lotpaste. Bei uns wird generell gewaschen, auch nach maschineller Bestückung und Reflow-Löten. Auf no-clean-Pasten kann man sich da nicht verlassen, da auch die Optik für die meisten Kunden eine Rolle spielt. THT Bestückung ist auch unvermeidbar, sei es aus Platzgründen oder schlicht dass gewisse Bauteile nicht in SMT erhältlich sind. Bernd G. schrieb: > Übrigens: Handbestücken und Handlöten sind keine Merkmale für hohe > Qualität. Würde ich so nicht unterschreiben, ein Lötkolben in geübten Händen liefert sicher dieselbe Qualität wie eine maschinelle Fertigung. Bevor wir zu weit abdriften, die Handwäsche ist leider unvermeidlich, zwar nur in den seltensten Fällen (wir haben auch eine Waschmaschine) aber es kommt vor. Mich interessiert die ESD-Problematik unter den geschilderten Bedingungen, die Optimierung der Fertigungsprozesse unterliegt nicht meiner Verantwortung ;)
Offtopic: Du solltest die Chinesen fragen, wie diese ihre wunderhübschen Mainboards für so wenig Geld so blitzeblank bestückt und gelötet bekommen. Wäre interessant, da ja dort ebenso eine Mischbestückung vorliegt.
Hallo, die Antwort ist leider nicht so einfach zu stellen, ohne genauere Infos zu der Reinigung. Prinzipiell entstehen überall wo Reibung und Bewegungen im Spiel sind elektrostische Aufladungen. Auch hier ist ein prinzipielle Gefahr. Wenn das Wasser leitfähig ist, ist das Risiko allerdings eher gering. Soll das Wasser in einem Kreislauf gepumpt werden, oder immer frisches Wasser aus der Leitung und anschließen abfließen? Das Wasser soll dann aus der Bürste direkt kommen? Also vergleichbar mit den Handwaschplätzen für Autos? Wieviel Wasser soll hier durchlaufen, also soll die Bürste nur benetzt werden oder soll schon richtig viel Wasser durchlaufen. Beste Grüße Matthias http://www.esd-berater.de
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