Forum: Offtopic ESD Schutz (fließendes) Wasser


von Peter P. (peterpanda)


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Hallo miteinander,

zum Reinigen von Leiterkarten nach dem Löten möchte ein Kollege eine 
Anlage basteln und dazu eine Brause mit fließendem 
Wasser-Reinigungsmittel-Gemisch mit Bürstenkopf verwenden. Die 
entsprechende Hardware mit Edelstahlbecken stammt allerdings aus dem 
allgemeinen Werkstattbedarf, der Bürstenkopf und die Borsten sind somit 
nicht aus ESD-gerechtem Material.

Nun die Frage an der ich mir gerade den Kopf zerbreche: Ist fließendes 
Wasser in Kombination mit einem geerdetem Edelstahlbecken ausreichend 
als Schutz vor elektrostatischer Aufladung und somit Beschädigung von 
Bauteilen?

Natürlich ist mir klar, dass die Leitfähigkeit von Wasser z.B. vom 
Salzgehalt stark abhängig ist und somit das verwendete Reinigungsmittel 
(es soll Spiritus verwendet werden) eine große Rolle spielen wird. Mein 
Bauchgefühl sagt mir, dass unter diesen Bedingungen die Leitfähigkeit 
"zu gut" sein wird, sprich der Ableitwiderstand zu klein wird und zu 
hohen Strömen führen könnte.

Ich freue mich über jede Art von zweiter Meinung, egal ob Bauchgefühl 
oder hochwissenschaftliche Beweisführung ;)

mfg
Peter

von Michael B. (laberkopp)


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Na ja, Wassertropfen können hohe Spannungen erzeugen

http://www.stefanbion.de/kelvin.htm

Aber Wasser mit Reinigungsmittel ist leitfähig (kannst du ja 
nachmessen), und nicht nur der Bottich, sondern auch der Zulaufschlauch 
wird geerdet sein, also keine Gefahr.

von Bernd G. (Gast)


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> möchte ein Kollege eine Anlage basteln

Gewerblich? Wenn ja: das Problem kann durch Kauf von jahrzehntelang 
bewährter Technik einfach behoben werden - 
http://bandelin.com/branchen/elektronik/

von Joe F. (easylife)


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Peter P. schrieb:
> Natürlich ist mir klar, dass die Leitfähigkeit von Wasser z.B. vom
> Salzgehalt stark abhängig ist und somit das verwendete Reinigungsmittel
> (es soll Spiritus verwendet werden) eine große Rolle spielen wird.

Ihr werdet zum Reinigen von Leiterplatten ja hoffentlich Wasser mit 
möglichst geringem Salzgehalt (destilliert) verwenden (Rückstände...) 
;-)

Mir stellt sich allerdings die Frage, worin der Vorteil bestehen soll, 
die Reinigungslösung aus einer Brause kommen zu lassen und nicht direkt 
in eine Wanne einzufüllen.

"Normale" ESD Bürsten und Pinsel sowie Wannen gibt es ja jede Menge.

von Peter P. (peterpanda)


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Joe F. schrieb:
> Mir stellt sich allerdings die Frage, worin der Vorteil bestehen soll,
> die Reinigungslösung aus einer Brause kommen zu lassen und nicht direkt
> in eine Wanne einzufüllen.

Das Problem ist, dass sich im selben Raum auch eine kleine Werkstatt 
befindet und die Wanne voll Spiritus-Gemisch ein potentielles 
Brandrisiko bedeutet. Deshalb ist das Ziel den Ablauf nach Außen zu 
führen um brennbare Substanzen sicher in einem separaten Raum zu lagern.

Bernd G. schrieb:
> Gewerblich? Wenn ja: das Problem kann durch Kauf von jahrzehntelang
> bewährter Technik einfach behoben werden -
> http://bandelin.com/branchen/elektronik/

Das mit den Ultraschallbädern ist kritisch, da nicht alle Bauteile für 
diese Art Wäsche geeignet sind. Dann landet man am Ende wieder bei der 
Handwäsche und wäre wieder beim bisherigen Konzept angelangt. Ich werde 
mich mal mehr darüber informieren, hatte aber erst vor Kurzem ein 
Datenblatt in den Händen, in dem die Ultraschall-Wäsche explizit 
untersagt wurde.

von Bernd G. (Gast)


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> Das mit den Ultraschallbädern ist kritisch, da nicht alle Bauteile für
> diese Art Wäsche geeignet sind.

Außer Präzisionsquarzen/-oszillatoren und einigen mikromechanischen 
Teilen dürften das alle modernen Teile vertragen. Ich habe in den 
vergangenen 25 Jahren noch nichts im US-Bad zerstört. Die 
Allgebrauchsquarze und Oszillatoren vertragen das ohne weiteres.

> Dann landet man am Ende wieder bei der
> Handwäsche und wäre wieder beim bisherigen Konzept angelangt.

Warum eigentlich überhaupt waschen? Machst du THT-Handbestückung mit 
Handlötung? Dann solltest du vllt. auf SMT umsteigen mit Reflowlöten und 
No-clean-Lotpaste.
Mit dem US-Bad habe ich in den letzten 10 Jahren nur noch übel 
verdreckte Baugruppen  und Pastenschablonen sowie 
Leiterplattenfehldrucke geputzt.

> Ich werde
> mich mal mehr darüber informieren, hatte aber erst vor Kurzem ein
> Datenblatt in den Händen, in dem die Ultraschall-Wäsche explizit
> untersagt wurde.

Diese Exoten kann man auch nach dem US-Bad auflöten, wenn man partout 
weiter per Hand löten will.

von Bernd G. (Gast)


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Übrigens: Handbestücken und Handlöten sind keine Merkmale für hohe 
Qualität.

von Peter P. (peterpanda)


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Bernd G. schrieb:
> Warum eigentlich überhaupt waschen? Machst du THT-Handbestückung mit
> Handlötung? Dann solltest du vllt. auf SMT umsteigen mit Reflowlöten und
> No-clean-Lotpaste.

Bei uns wird generell gewaschen, auch nach maschineller Bestückung und 
Reflow-Löten. Auf no-clean-Pasten kann man sich da nicht verlassen, da 
auch die Optik für die meisten Kunden eine Rolle spielt. THT Bestückung 
ist auch unvermeidbar, sei es aus Platzgründen oder schlicht dass 
gewisse Bauteile nicht in SMT erhältlich sind.


Bernd G. schrieb:
> Übrigens: Handbestücken und Handlöten sind keine Merkmale für hohe
> Qualität.

Würde ich so nicht unterschreiben, ein Lötkolben in geübten Händen 
liefert sicher dieselbe Qualität wie eine maschinelle Fertigung.


Bevor wir zu weit abdriften, die Handwäsche ist leider unvermeidlich, 
zwar nur in den seltensten Fällen (wir haben auch eine Waschmaschine) 
aber es kommt vor. Mich interessiert die ESD-Problematik unter den 
geschilderten Bedingungen, die Optimierung der Fertigungsprozesse 
unterliegt nicht meiner Verantwortung ;)

von Bernd G. (Gast)


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Offtopic: Du solltest die Chinesen fragen, wie diese ihre wunderhübschen 
Mainboards für so wenig Geld so blitzeblank bestückt und gelötet 
bekommen.
Wäre interessant, da ja dort ebenso eine Mischbestückung vorliegt.

von Matthias P. (Firma: ESD-Berater) (matthiaspae)


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Hallo,

die Antwort ist leider nicht so einfach zu stellen, ohne genauere Infos 
zu der Reinigung.

Prinzipiell entstehen überall wo Reibung und Bewegungen im Spiel sind 
elektrostische Aufladungen. Auch hier ist ein prinzipielle Gefahr. Wenn 
das Wasser leitfähig ist, ist das Risiko allerdings eher gering.

Soll das Wasser in einem Kreislauf gepumpt werden, oder immer frisches 
Wasser aus der Leitung und anschließen abfließen?

Das Wasser soll dann aus der Bürste direkt kommen? Also vergleichbar mit 
den Handwaschplätzen für Autos?

Wieviel Wasser soll hier durchlaufen, also soll die Bürste nur benetzt 
werden oder soll schon richtig viel Wasser durchlaufen.

Beste Grüße

Matthias

http://www.esd-berater.de

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