Wir haben ja immer mal wieder jemanden hier, der Fragen zum dualen
Studium stellt, sei es dass es ums Bezahlen oder den Sinn geht.
Mich würde mal interessieren, wie das real läuft?
Ich habe vor sehr langer Zeit studiert, wo es das nicht gab, musste
alles selber finanzieren und bezahlen und bin auch immer noch nicht
sicher, ob sich mein Studium gelohnt hat, angesichts des Jugendwahns und
Billigwahns, der bei den Firmen ausgebrochen ist.
Wie sieht das für euch aus?
1) Wieviel Zeit vebringt man an der Uni und dann im Job?
Ist das dieselbe Zeitmenge, wie sie es auch im normalen Studium wäre,
nur anders verteilt?
2) Wieviel bezahlen die Firmen? Auch Zeit an der Uni oder nur das, was
ihr bei denen arbeitet? Bekommt man dasselbe oder weniger, oder mehr,
als wenn man voll arbeitet? Ich nehme an, man bekommt anteilig die
Stunden, die man da ist, aber denselben Stundenlohn?
3) Wie ist das steuerlich? Ich nehme an, man zahlt weniger Steuern, weil
man sehr wenig arbeitet und auch noch das Studium absetzen kann?
4) Wie geht das mit der Krankenkasse? Wie rechnen die die Beiträge?
Das ganze ist meines Wissens nach Landesabhängig.
Ich kann aber mal für BaWü antworten.
Analog OPA schrieb:> 1) Wieviel Zeit vebringt man an der Uni und dann im Job?> Ist das dieselbe Zeitmenge, wie sie es auch im normalen Studium wäre,> nur anders verteilt?
Die Aufteilung ist recht genau 50/50. Bei uns waren das in der Regel 3
Monate Vorlesung mit Klausuren in den letzten 2 Wochen und dann 3 Monate
in der Firma. Nur im 5./6. Semester waren jeweils die Theorie- und
Praxisbölcke fast direkt aneinander, sodass dann (in meinem Fall) 5
Monate am Stück im Betrieb waren.
Analog OPA schrieb:> 2) Wieviel bezahlen die Firmen? Auch Zeit an der Uni oder nur das, was> ihr bei denen arbeitet? Bekommt man dasselbe oder weniger, oder mehr,> als wenn man voll arbeitet? Ich nehme an, man bekommt anteilig die> Stunden, die man da ist, aber denselben Stundenlohn?
Man macht als Student ja noch keine vollwertige Arbeit und die Firma hat
Betreuungsaufwand.
Die Bezahlung erfolgt die ganze Zeit und war bei mir etwas über
Azubiniveau (variiert aber natürlich zwischen den Firmen)
Analog OPA schrieb:> 3) Wie ist das steuerlich? Ich nehme an, man zahlt weniger Steuern, weil> man sehr wenig arbeitet und auch noch das Studium absetzen kann?
Für das Studium bezahlt man selber nichts. Das macht die Firma. Ich
hätte jetzt auch behauptet, dass die Studiumszeit auch als Arbeitszeit
gilt (es herrscht Anwesenheitspflicht), aber da bin ich mir nicht
sicher.
Analog OPA schrieb:> 4) Wie geht das mit der Krankenkasse? Wie rechnen die die Beiträge?
Da weiß ich jetzt nicht, was du meinst. Man hat ein reguläres
Monatseinkommen vond er Firma (auch während der Theoriephase) und zahlt
da halt regelmäßig seine Beiträge.
Analog OPA schrieb:> Ich habe vor sehr langer Zeit studiert, wo es das nicht gab,
Die erste duale Hochschule (damals Berufsakademie) startet am 1. Oktober
1974
Du hast davor Studiert?
lalelu schrieb:> Das ganze ist meines Wissens nach Landesabhängig.
Dabei werden 3x2 Kombinationen unterschieden:
{berufs-, praxis-, ausbildungs-} x {begleitend, integriert}
Zwei Varianten (berufsbegleitend, berufsintegriert) sind das, was man
auch als als nebenberufliches Studium bezeichnet.
Die vier anderen Varianten sind die typischen dualen Studien. Sie
unterscheiden sich darin, ob des sich beim praktischen Teil um eine
Ausbildung in einem anerkannten Ausbildungsberuf handelt oder nicht:
praxisbegleitend, praxisintegriert: keine Ausbildung
ausbildungsbegleitend, ausbildungsintegriert: anerkannte Ausbildung
"begleitend" bedeutet, dass praktischer Teil und Studium nicht
sonderlich bis gar nicht aufeinander abgestimmt sind. "integriert"
bedeutet, dass die Teile abgestimmt sind, bis hin zur gegenseitigen
Anerkennung von Prüfungsleistungen (typisch für ausbildungsintegriert,
Zwei zum Preis von Einem).
lalelu schrieb:> Analog OPA schrieb:>> 4) Wie geht das mit der Krankenkasse? Wie rechnen die die Beiträge?>> Da weiß ich jetzt nicht, was du meinst. Man hat ein reguläres> Monatseinkommen vond er Firma (auch während der Theoriephase) und zahlt> da halt regelmäßig seine Beiträge.
Während der gesamten Zeit ist man Azubi und gleichzeitig
Hochschulstudent. Als Azubi ist man unabhängig von der Höhe der mtl.
Bezüge Pflichtmitglied einer Krankenkasse. Man ist also über die gesamte
Zeit versichert.
Volle schrieb:> Analog OPA schrieb:>> Ich habe vor sehr langer Zeit studiert, wo es das nicht gab,>> Die erste duale Hochschule (damals Berufsakademie) startet am 1. Oktober> 1974
Die BA gab es damals nur in BaWü.
Analog OPA schrieb:> 2) Wieviel bezahlen die Firmen? Auch Zeit an der Uni oder nur das, was> ihr bei denen arbeitet? Bekommt man dasselbe oder weniger, oder mehr,> als wenn man voll arbeitet? Ich nehme an, man bekommt anteilig die> Stunden, die man da ist, aber denselben Stundenlohn?
Je nach Fähigkeiten. Meistens Mindestlohn für die Answesenheitszeit in
der Firma. Mehr ist Verhandlungssache, aber praktisch ausgeschlossen,
denn warum sollte jemand, der nur die Hälfte des Jahres arbeitet und
nichts kann, mehr bekommen?
Außerdem unterzeichnet man zu Beginn einen Leibeigenenvertrag. Nach
Abschluss des Studiums gehörst du für 3 Jahre, oder was nach aktueller
Gesetzeslage gerade noch nicht sittenwidrig ist, der Firma und müsstest
dich hoch verschulden um vor Ablauf der Zeit aus dem Vertrag
herauszukommen.
Duali schrieb:> Je nach Fähigkeiten. Meistens Mindestlohn für die Answesenheitszeit in> der Firma. Mehr ist Verhandlungssache, aber praktisch ausgeschlossen,> denn warum sollte jemand, der nur die Hälfte des Jahres arbeitet und> nichts kann, mehr bekommen?>> Außerdem unterzeichnet man zu Beginn einen Leibeigenenvertrag. Nach> Abschluss des Studiums gehörst du für 3 Jahre, oder was nach aktueller> Gesetzeslage gerade noch nicht sittenwidrig ist, der Firma und müsstest> dich hoch verschulden um vor Ablauf der Zeit aus dem Vertrag> herauszukommen.
So ein Quatsch:
- die Vergütung gibt es auch für die Theoriephasen
- die Vergütung ist unabhängig vom Mindestlohn, in der Regel darunter
und ein bisschen über Azubiniveau der Firma (Klitsche/Ostdeutschland
300-600/Monat, Konzern von 800-1500/Monat, meist gestaffelt nach Jahr)
- "Knebelverträge", bei denen man nach Abschluss noch x Jahre bei der
Firma bleiben muss, gibt es nur bei ganz miesen Firmen, um die man
besser einen großen Bogen macht
Karsten B. schrieb:> So ein Quatsch:> - die Vergütung gibt es auch für die Theoriephasen> - die Vergütung ist unabhängig vom Mindestlohn, in der Regel darunter> und ein bisschen über Azubiniveau der Firma (Klitsche/Ostdeutschland> 300-600/Monat, Konzern von 800-1500/Monat, meist gestaffelt nach Jahr)
So ein Quatsch!
Wo ist nun der Unterschied, ob ich 650€ durchgehend oder 1300€ als
Mindestlohn für die Hälfte der Zeit bekomme? Vermutlich, dass du mit
solchen Spitzfindigkeiten dein Ego aufpolieren musst.
Fakt ist, du lebst vom halben Mindestlohn. Und wer über 800€ dafür
bekommt, dass er nicht arbeitet, sondern studiert, sollte sich das
Kleingedruckte SEEEHR genau durchlesen! Lieber 4 Jahre Bafög oder Hartz4
als seine Seele dem Teufel verkaufen!
Kann auch nur für BW sprechen.
Gehalt ist meist um die 1000€ Netto, immer abwechselnd 3 Monate "Arbeit"
(Hier wird man meist durch verschiedene Abteilungen geschleust) und 3
Monate Studium. Geld gibt es durchgängig, auch während des studierens.
Urlaub kann man nur in den Arbeitsblöcken nehmen.
Wenn man sich nicht blöd anstellt, hat man danach auch einen Job,
welcher ganz gut ist und auch ordentlich bezahlt wird, denn die Firmen
die das bei uns ausschreiben sind meist die größeren, kleine Klitschen
machen sowas eher nicht und ich denke das ist auch nicht so
empfehlenswert, da auch der inhouse Support dann fehlt.
Von Strafen, dass man etwas zurück zahlen muss wenn man kündigt habe ich
noch nie etwas gehört, von einem Azubi wird ja auch nicht das Geld
zurück verlangt was die Schule gekostet hat.
Duali schrieb:> Karsten B. schrieb:>> So ein Quatsch:>> - die Vergütung gibt es auch für die Theoriephasen>> - die Vergütung ist unabhängig vom Mindestlohn, in der Regel darunter>> und ein bisschen über Azubiniveau der Firma (Klitsche/Ostdeutschland>> 300-600/Monat, Konzern von 800-1500/Monat, meist gestaffelt nach Jahr)>> So ein Quatsch!> Wo ist nun der Unterschied, ob ich 650€ durchgehend oder 1300€ als> Mindestlohn für die Hälfte der Zeit bekomme? Vermutlich, dass du mit> solchen Spitzfindigkeiten dein Ego aufpolieren musst.>
Sorry, du liegst nunmal daneben:
- Es wird nicht nach Fähigkeit bezahlt, wie du schreibst. Die
Vergütungen orientieren sich an den Azubis und dürfen auch laut Gesetz
nicht stark davon abweichen. Maximal gibt es nen Bonus, wenn man gute
Noten hat, der aber meiner Erfahrung nach selten höher als 100€ liegt.
- "meistens Mindestlohn für die Anwesenheit" suggeriert, man wäre die
Hälfte der Zeit ohne Lohn. So ist es nunmal nicht. Und auch die Summe
deckt sich nicht mit meiner Erfahrung (zwischen 300 bis knapp 1500 habe
ich alles schon gesehen).
> Fakt ist, du lebst vom halben Mindestlohn. Und wer über 800€ dafür> bekommt, dass er nicht arbeitet, sondern studiert, sollte sich das> Kleingedruckte SEEEHR genau durchlesen! Lieber 4 Jahre Bafög oder Hartz4> als seine Seele dem Teufel verkaufen!
Und auch hier: Knebelklauseln waren selbst bei den miesesten Klitschen,
von denen ich gehört habe, nicht "schlimmer" als "nach dem Studium
bleibst du noch 3 Jahre hier". Da ist die mangelnde Qualität der
Ausbildung einer Klitsche deutlich gravierender als die folgende
Bindefrist.
Und fängst du bei einem Konzern an, gibt es statt der Bindefrist
vielmehr den Jackpot einer garantierten Übernahme...
Da Ich das gerade lese: Was passiert, wenn man nach dem Studium nicht
bei denen anfängt, zu arbeiten? Ich nehme an, man muss denen was
zurückzahlen?
In welcher Höhe?
Liegen denn dann die Gehälter nach Übernahme vorher fest?
Da kann Ich auch woanders anfangen, bekomme 10.000 mehr und löse mich
aus. So wie Neymar das gemacht hat :D
Karsten B. schrieb:> "Knebelverträge", bei denen man nach Abschluss noch x Jahre bei der> Firma bleiben muss, gibt es nur bei ganz miesen Firmen, um die man> besser einen großen Bogen macht
Meines Wissens haben das alle Firmen.
Analog OPA schrieb:> Ich habe vor sehr langer Zeit studiert, wo es das nicht gab
Das muss aber sehr lange her sein. Berufsakademien gibt es seit den
70ern.
Bei mir ist es jetzt auch schon länger her, etwas mehr als 10 Jahre
(heutige DHBW). Wesentlich verändert hat sich aber nichts.
Analog OPA schrieb:> 1) Wieviel Zeit vebringt man an der Uni und dann im Job?> Ist das dieselbe Zeitmenge, wie sie es auch im normalen Studium wäre,> nur anders verteilt?
Die reine Zeit an der Hochschule ist schon etwas kürzer als an der FH.
Dafür hat man mehr Praxis, in einem guten Betrieb lernt man da auch
Grundlagen und richtiges ingenieursmäßiges Arbeiten. Die Qualität des
Betriebs ist beim dualen Studium tatsächlich entscheidend.
Analog OPA schrieb:> 2) Wieviel bezahlen die Firmen? Auch Zeit an der Uni oder nur das, was> ihr bei denen arbeitet? Bekommt man dasselbe oder weniger, oder mehr,> als wenn man voll arbeitet? Ich nehme an, man bekommt anteilig die> Stunden, die man da ist, aber denselben Stundenlohn?
Ich hatte damals im ersten Jahr 600 Euro netto + Kindergeld. Im dritten
Jahr waren es dann schon fast 1000 Euro. Heute dürfte der Einstieg schon
um die 1000 Euro liegen.
Analog OPA schrieb:> 3) Wie ist das steuerlich? Ich nehme an, man zahlt weniger Steuern, weil> man sehr wenig arbeitet und auch noch das Studium absetzen kann?
Keine Steuern, weil man ja unter dem Freibetrag liegt.
Analog OPA schrieb:> 4) Wie geht das mit der Krankenkasse? Wie rechnen die die Beiträge?
Damals musste man volle Sozialbeiträge zahlen. Das hat sich aber
geändert, seit die DH einen echten Hochschulstatus hat. Wie genau es
läuft weiß ich aber nicht.
Duali schrieb:> Fakt ist, du lebst vom halben Mindestlohn. Und wer über 800€ dafür> bekommt, dass er nicht arbeitet, sondern studiert, sollte sich das> Kleingedruckte SEEEHR genau durchlesen! Lieber 4 Jahre Bafög oder Hartz4> als seine Seele dem Teufel verkaufen!
Ein Azubi bekommt auch weniger als Mindestlohn.
Interessierter Mitleser schrieb:> Da Ich das gerade lese: Was passiert, wenn man nach dem Studium nicht> bei denen anfängt, zu arbeiten? Ich nehme an, man muss denen was> zurückzahlen?
Es gibt bestimmte Boni, die sie wohl zurückfordert dürfen. Die reguläre
Ausbildungsvergütung aber nicht.
Anonymous schrieb:> Meines Wissens haben das alle Firmen.
Nein, definitiv nicht.
Interessierter Mitleser schrieb:> Da Ich das gerade lese: Was passiert, wenn man nach dem Studium> nicht> bei denen anfängt, zu arbeiten? Ich nehme an, man muss denen was> zurückzahlen?>> In welcher Höhe?>> Liegen denn dann die Gehälter nach Übernahme vorher fest?>> Da kann Ich auch woanders anfangen, bekomme 10.000 mehr und löse mich> aus. So wie Neymar das gemacht hat :D
Das kommt auf das an, was in dem Studienvertrag zwischen dir und deinem
Unternehmen steht. Allerdings wurden derartige Klauseln 2008
höchstrichterlich eingeschränkt, sind also nicht immer rechtens.
Ich weiß von mir und vielen Kommilitonen an der DHBW, dass es keine
derartigen Übernahmeklauseln gab. Zumindest mein Vertrag enthielt
keinerlei Klauseln, die Regelungen über die Zeit nach dem Studienende
trafen.
Ich und einige andere Kommilitonen konnten nach dem dualen Bachelor
problemlos ein Vollzeit-Masterstudium anfangen, ohne jetzt noch
irgendwas mit dem Unternehmen zu tun zu haben. Im Umkehrschluss
bedeutete das aber auch, dass einige Leute, die gerne im Unternehmen
geblieben wären, nicht übernommen wurden, da zu diesem Zeitpunkt kein
Bedarf bestand.
Ich studiere aktuell an der DHBW (Dualen Hochschule BaWü). Daher kann
ich auch wirklich von (meiner) aktuellen Situation berichten.
Zuerst einmal:
Gehalt:
Die Vergütung erfolgt bei uns in der Firma exakt wie bei einem Azubi.
Und die Firma hat einen relativ guten Tarif. Sprich: es kommt jeden
Monat (egal ob gerade Hochschule oder Arbeit ist) ein Tarifgehalt
(allerdings unter Mindestlohn, was ich persönlich okay finde) aufs
Konto, zusätzlich gibt es noch Weihnachts- und Urlaubsgeld. Die
Vergütung ist gestaffelt, und wird jährlich erhöht.
Was im Falle eines Abbruchs (kostenmäßig) zu befürchten ist, weiß ich
nicht (und möchte es auch nicht rausfinden).
Kosten:
Studieren in D ist an sich kostenlos. Da es der DHBW allerdings jüngst
finanziell nicht mehr so gut ging, muss jeder Student
Verwaltungsgebühren und Ähnliches zahlen (beläuft sich in den gesamten
drei Jahren auf weit unter 1000€). Diese Kosten übernehmen manche
Arbeitgeber, aber bei weitem nicht alle. An meinem Campus sind
zusätzlich noch ~150€ Skriptkosten fällig geworden. Diese Regelung gibt
es aber auch erst seit meinem Studienbeginn.
Ablauf:
In der Regel wechseln sich dreimonatige Theorie- und Praxisphasen ab.
Speziell bei mir ist es aber so, dass manche 3-Monats-Blöcke aneinader
gelegt werden, so dass man auch ein halbes Jahr am Stück an einem Ort
ist. Das ist gerade in der Arbeit wichtig, weil man in dieser Zeit
tatsächlich etwas sinnvolles Arbeiten kann.
Theorie:
Mein spezieller Studiengang ist ein sog. Intensivstudiengang, das
bedeutet, dass man pro Studienjahr statt normalen 60 Punkten nun 70 ECTS
Punkte sammeln kann. MUSS, nicht kann.
Ein großer "Nachteil" der DHBW ist, dass ein Studium nach spätestens 3
Jahren rum ist. Sprich: es gibt keine Semester, die man wiederholen
kann. Wenn man durch eine Klausur fällt hat man eine Nachklausur (pro
Klausur schlechter als 4,0). Wenn man da nicht alle Besteht, dann hat
man einmal pro Studienjahr (nicht Semester) die Möglichkeit auf eine
mündliche Nachprüfung in einem Fach. Wenn man diese nicht schafft ist
das Studium zi Ende und man wird von Amts wegen Exmateikuliert. Und das
geht (schon beobachtet) unter Umständen sehr schnell...
Arbeit:
Die Praxisphasen dürften sich von Unternehmen zu Unternehmen sehr
unterscheiden. Oft werden kleinere bis mittlere Projekte unter Betreuung
durchgeführt. Teilweise gibt es aber auch Durchläufe der verschiedenen
Abteilungen.
Am Ende jeder Praxisphase muss eine Projektarbeit angefertigt werden,
die dann auch bewertet wird. Dazu kommt dann im 6. Semester die
Bachelorarbeit.
Bezüglich Steuern und Versicherung: ich bin mir leider gerade nicht
sicher und müsste nachschauen. Im wesentlichen ist man aber einem Azubi
gleichgestellt.
Weil oben was von Fesselverträgen geschrieben wurde: ich habe einen
Vertrag mit der DHBW, nicht direkt mit dem Partnerunternehmen. Dort ist
die Vergütung etc. festgelgt. Es gibt keine Klauseln, wie oben vermutet.
Im Gegenteil: man hat als Student die Möglichkeit, direkt von der Firma
übernommen zu werden und damit prinzipiell schon mal einen sicheren
Arbeitsplatz.
Soviel in aller "Kürze" (am Handy getippt)
Mit freundlichen Grüßen,
N.G.
N. G. schrieb:> Theorie:> Mein spezieller Studiengang ist ein sog. Intensivstudiengang, das> bedeutet, dass man pro Studienjahr statt normalen 60 Punkten nun 70 ECTS> Punkte sammeln kann. MUSS, nicht kann.
70 ECTS waren bis vor ein paar Jahren dort noch Standard ;)
Also ich habe vor mittlerweile 13 Jahren mein Duales Studium als Diplom
Wirtschaftsinformatiker beendet, das ganze war an einer Berufsakademie
in Ba-Wü. Die Bude nicht in allen Punkten eine Klitsche ab nah dran, die
Bezahlung lag etwas über dem. was die Azubis bekommen haben, aber weit
unter dem was ein Azubi in einem Konzern bekommen hat. Ich hatte im
dritten Jahr die 1000€ Brutto geknackt. Auch ich hatte eine Klausel,
dass ich mindestens 3 Jahre im Unternehmen bleiben muss. Die wäre aber
nicht gültig gewesen, das zumindest das Ergebnis meiner Recherche
damals. Ich war allerdings trotzdem 4 Jahre in dem Unternehmen. Leider
mit extrem schlechter Bezahlung. Die Gegend war eher ländlich und ich
komme aus ärmlichen Verhältnissen, für mich waren die 2300€ Brutto nach
dem Studium ein Haufen Geld.
Mein großes Problem mit der ganzen Sache, ich bin nur die Informatik
Schiene gefahren, ich war dort nur Entwickler und ich bin seit 13 Jahren
nur Softwareentwickler. Mittlerweile lebe ich nahe Stuttgart und da ist
das BA Studium als Wi.Inf. plus Berufserfahrung als Entwickler irgendwie
nicht so gefragt, zumindest bei den brauchbaren Firmen. Für 60k und
Überstunden im Gehalt mit drin, hab ich freie Auswahl.
N. G. schrieb:> Theorie:> Mein spezieller Studiengang ist ein sog. Intensivstudiengang, das> bedeutet, dass man pro Studienjahr statt normalen 60 Punkten nun 70 ECTS> Punkte sammeln kann. MUSS, nicht kann.> Ein großer "Nachteil" der DHBW ist, dass ein Studium nach spätestens 3> Jahren rum ist. Sprich: es gibt keine Semester, die man wiederholen> kann. Wenn man durch eine Klausur fällt hat man eine Nachklausur (pro> Klausur schlechter als 4,0). Wenn man da nicht alle Besteht, dann hat> man einmal pro Studienjahr (nicht Semester) die Möglichkeit auf eine> mündliche Nachprüfung in einem Fach. Wenn man diese nicht schafft ist> das Studium zi Ende und man wird von Amts wegen Exmateikuliert. Und das> geht (schon beobachtet) unter Umständen sehr schnell...
Das klingt ehrlich gesagt ziemlich verschult und so gar nicht nach einem
Studium. (Ist nicht wertend gemeint, jede Ausbildungsform mag ihre
Berechtigung haben)
Hat man denn gar keine Wahlfächer oder kann zumindest Fremdsprachenkurse
etc. belegen?
Darf man sich das Thema der Bachelorarbeit selbst aussuchen oder wird es
einem einfach vorgegeben?
Herrscht Anwesenheitspflicht in den Vorlesungen, die auch sogar durch
Unterschriftslisten überprüft wird - Also ist man gezwungen in
schlechten unnötigen Vorlesungen zu sitzen?
Kann man denn kein Auslandssemester in einem Land, an einer Uni seiner
Wahl einlegen?
Hat man denn nie die Erfahrung gemacht, trotz monatelangem Mathe Lernens
und guten Voraussetzungen (z.B. Mathe Abi Note sehr gut), durch eine
Matheklausur zu fallen oder sie gerade so mit einer 4,0 zu bestehen?
Ich bin überhaupt kein Anhänger von Sabbitcal Years, Work and Travel
oder generell einem pseudo-philosophischen Gammelleben, aber mein
Studium habe ich wirklich versucht total auszureizen und habe es, trotz
der enormen Anstrengung, genoßen. Ich bin zwar in der Industrie
gelandet, aber die 5 Jahre mit engem Kontakt zu der Wissenschaft, wenn
man so will und der Möglichkeit sein Studium nicht nur als Ausbildung,
sondern auch als Selbstverwirklichung zu erleben, möchte ich nicht
missen.
Karsten B. schrieb:> N. G. schrieb:>> Theorie:>> Mein spezieller Studiengang ist ein sog. Intensivstudiengang, das>> bedeutet, dass man pro Studienjahr statt normalen 60 Punkten nun 70 ECTS>> Punkte sammeln kann. MUSS, nicht kann.>> 70 ECTS waren bis vor ein paar Jahren dort noch Standard ;)
Ja, heute wohl auch noch. War etwas unglücklich ausgedrückt.
Aber die 30 ECTS-Punkte fürs Bachelor-Studium machen ein Master-Studium,
wo diese dann angerechnet werden, wahrscheinlich etwas entspannter ;-)
hansi schrieb:> N. G. schrieb:>> Theorie:>> ...>> Das klingt ehrlich gesagt ziemlich verschult und so gar nicht nach einem> Studium. (Ist nicht wertend gemeint, jede Ausbildungsform mag ihre> Berechtigung haben)>> Hat man denn gar keine Wahlfächer oder kann zumindest Fremdsprachenkurse> etc. belegen?
Kling aber irgendwie abwertend. Genau das ist immer das Argument von
selbsternannten "echten Studenten" (nicht böse sein, aber irgendwann
kann man es nicht mehr hören).
Ja, es ist an der DHBW vieles fest geplant, man hat weniger
Wahlfreiheiten. Das hängt aber auch damit zusammen, dass die
Studieninhalte mit den Partnerunternehmen (zumindest teilweise)
abgestimmt sind.
Zu Zusatzangeboten steht unten noch was. Sprachlich kann man sich
außerhalb der Vorlesungen auch fortbilden.
Trotz allem ist es ein echtes Studium.
> Darf man sich das Thema der Bachelorarbeit selbst aussuchen oder wird es> einem einfach vorgegeben?
So weit bin ich selbst noch nicht, kann also nicht aus erster Hand
berichten.
Im Wesentlichen ist es aber so, dass man die Arbeit in seinem
Unternehmen anfertigt. Damit bestimmt das Unternehmen erst mal das Thema
(zumindest auf dem Zettel). Speziell bei mir in der Firma wird es so
gehandhabt, dass man in den letzten Praxisphasen der Abteilung zugeteilt
wird, in der man die Bachelor-Arbeit schreibt. Somit kann man (wenn man
nicht ungeschickt ist) das Thema beeinflussen.
Inwiefern sich das zu der Abschlussarbeit eines Uni-Studiums
unterscheidet weiß ich leider nicht.
> Herrscht Anwesenheitspflicht in den Vorlesungen, die auch sogar durch> Unterschriftslisten überprüft wird - Also ist man gezwungen in> schlechten unnötigen Vorlesungen zu sitzen?
Ja, pro forma gibt es Anwesenheitspflicht. Aber: ist ja auch
verständlich, für die Zeit, die man in der DH verbringt, wird man
schließlich bezahlt, ist also Arbeitszeit. Dazu kommt, dass man sich im
Krankheitsfall auch beim Arbeitgeber krankmelden muss.
So weit das Offizielle. Was ich von meinen Kommilitonen mitbekommen
habe, wird das von der Unternehmensseite unterschiedlich gehandhabt. Es
gibt wohl Firmen, die die gemeldeten Krankheitstage zwischen Hochschule
und sich selbst abgleichen, etc.
Unterschriftenlisten gibt es im Normalfall keine, außer ein Prof lässt
eine für seine Unterlagen durchgehen (was er damit macht: keine Ahnung).
Wirklich schlechte Vorlesungen gibt es nicht (zumindest hatte ich noch
keine). Natürlich gibt es solche, die einen nicht wirklich
interessieren, aber damit muss man eben leben (zugegeben, das hat schon
ein bisschen was von "Schule"). Und man kann, wenn Zuhören echt nicht
sinnvoll ist, auch etwas anderes machen (vom Lösen von Aufgaben über
Zocken bis zu Schlafen). Wie sinnvoll das ist muss man mit sich selber
klären. Persönlich bin ich der Meinung, dass ich, wenn ich schon da sein
muss und dafür bezahlt werde, auch einfach aufpassen kann.
> Kann man denn kein Auslandssemester in einem Land, an einer Uni seiner> Wahl einlegen?
Sogar doppelt:
In den Theoriephasen:
Ja und Nein. Auslandssemester ja, allerdings muss man drauf achten, dass
die dort geschrieben Prüfungen auch anerkannt werden, sonst muss man
diese in Deutschland wieder nachschreiben. Ist aber glaube ich an einer
Universität oder normalen Hochschule nicht anders.
In den Praxisphasen:
Sofern das Unternehmen zustimmt, kann man die Praxispahsen auch in einem
anderen Standort der DHBW verbringen und dort die Projektarbeiten
anfertigen.
> Hat man denn nie die Erfahrung gemacht, trotz monatelangem Mathe Lernens> und guten Voraussetzungen (z.B. Mathe Abi Note sehr gut), durch eine> Matheklausur zu fallen oder sie gerade so mit einer 4,0 zu bestehen?
Also generell gilt an der DHBW, dass deutlich weniger ausgesiebt wird.
Schließlich beendet man damit auch ein bestehendes Arbeitsverhältnis.
Allerdings heißt dass nicht, dass jeder durchgewunken wird (in meinem
Kurs sind im ersten Jahr ~10% gegangen, allerdings nicht alle wegen
mangelnden Prüfungsleistungen). Auch waren erst heute wieder
Nachklausuren in unserem Studiengang.
Ein Studium kriegt man an der DHBW nicht geschenkt!
> Ich bin überhaupt kein Anhänger von Sabbitcal Years, Work and Travel> oder generell einem pseudo-philosophischen Gammelleben, aber mein> Studium habe ich wirklich versucht total auszureizen und habe es, trotz> der enormen Anstrengung, genoßen. Ich bin zwar in der Industrie> gelandet, aber die 5 Jahre mit engem Kontakt zu der Wissenschaft, wenn> man so will und der Möglichkeit sein Studium nicht nur als Ausbildung,> sondern auch als Selbstverwirklichung zu erleben, möchte ich nicht> missen.
Wer sagt, dass man ein DHBW-Studium nicht genießen kann? ;-)
Also ich tue es so weit es geht auf jeden Fall. Allerdings habe ich, wie
oben geschrieben, keinen Vergleich, also sind alle Aussagen natürlich
subjektiv.
Zum angeschnittenen Thema "Wissenschaft":
Ja, Forschung an einer Uni dürfte eine größere Rolle spielen, als an der
DHBW (aber wieder: mangels direktem Vergleich...).
Trotzdem gibt es studentische Projekte, wie zum Beispiel Rennteams
(Formula Student, z.B. DHBW Ravensburg -
http://www.global-formula-racing.com/de/), Robocup Teams (z.B. DHBW
Mannheim - https://tigers-mannheim.de/), und auch echte
Forschungsprojekte. Wen es interessiert, der kann auf der Seite der DHBW
und den entsprechenden Seiten der einzelnen Hochschulen genaueres dazu
lesen.
Eine wissenschaftliche sog. "Große Studienarbeit" kann zum Beispiel in
einem solchen Projekt geschrieben werden (und ist wirklich unabhängig
vom Unternehmen).
Langsam wirds aber spät, morgen (bzw. inzwischen heute) sind wieder
Vorlesungen ab 8 Uhr, deswegen belasse ich es mal dabei.
Mit freundlichen Grüßen,
N.G.
Naja ein duales Studium hat natürlich auch viele Vorteile und mein Post
ist auch total subjektiv.
Letztendlich ist die formale Qualifikation nur ein Teil des Ganzen und
man findet von jedem Hochschultyp gute und schlechte Absolventen.
Ich vermute auch dass der Prozentsatz der motivierten Studenten an der
DH höher ist als an der Uni oder FH, wenn ich mich an meine Studienzeit
zurückerinnere...
Da gabs schon ein paar Leute die pro Semester teilweise nur eine Klausur
bestanden haben oder nicht mal wussten was genau sie da überhaupt
studieren.
Aber das heißt nicht das alle Uni Absolventen während ihres Studiums nur
den Larry gemacht haben.
Wird wohl Zeit, dass sich ein echter dualer Student hier meldet :D
Mein Unternehmen ist ein Mittelständler in NRW.
Also, bei mir läuft das so ab: 7 Theoriephasen (je 12 Wochen) auf etwas
über 3,5 Jahre verteilt. In den ersten 2 Jahren mache ich eine
Berufsausbildung. In den Praxisphasen habe ich entweder
Prüfungsvorbereitung oder habe kleine Aufgaben/Projekte in wechselnden
Abteilungen.
Mein Gehalt wächst im Laufe der Jahre von circa 750 Brutto bis 1050
Brutto.
So eine Klausel, dass ich 3 Jahre nach Ende des Studiums hier weiter
arbeiten soll steht im Vertrag. Sonst müsste ich die Studiengebühr von
knapp 20K zurück bezahlen.
Diese Klausel ist aber sehr schwammig und sicherlich nicht 100%
rechtlich durchsetzbar.
An sich ist es nicht besonders stressig oder besonders schwer. Alles
irgendwie machbar.
Hi,
ich denke einiges davon hängt ganz von dem Kooperationsvertrag zwischen
Hochschule und Betrieb ab, anderes halt direkt vom Arbeitsvertrag.
1) Wieviel Zeit vebringt man an der Uni und dann im Job?
Ist das dieselbe Zeitmenge, wie sie es auch im normalen Studium wäre,
nur anders verteilt?
In Lemgo wird die Woche als 4-Tage Woche strukturiert. Das bedeutet,
dass 4 Tage in der Woche Studium ansteht und ein Tag in der Woche Firma.
Dann sind da natürlich noch Urlaubsansprüche, die aber nur den Betrieb
betreffen. In den Semesterferien sind die Studis dann ebenfalls im
Betrieb (da wird dann wohl de Urlaub genommen).
Mal als Beispiel die Handhabung seitens der Hochschule OWL:
https://www.hs-owl.de/fb5/studiengaenge/duales-studium.html
2) Wieviel bezahlen die Firmen? Auch Zeit an der Uni oder nur das, was
ihr bei denen arbeitet? Bekommt man dasselbe oder weniger, oder mehr,
als wenn man voll arbeitet? Ich nehme an, man bekommt anteilig die
Stunden, die man da ist, aber denselben Stundenlohn?
Hängt wohl vom Unternehmen ab.
Siehe:https://www.wegweiser-duales-studium.de/gehalt/infos/
3) Wie ist das steuerlich? Ich nehme an, man zahlt weniger Steuern, weil
man sehr wenig arbeitet und auch noch das Studium absetzen kann?
Ich denke mal es gilt der normale Steuersatz entsprechend dem Einkommen.
4) Wie geht das mit der Krankenkasse? Wie rechnen die die Beiträge?
Keine Ahnung.
VG
Andi
Hallo,
ich habe ein duales Bachelor-Studium mit vertiefter Praxis an einer
Technischen Hochschule in Bayern gemacht. Die Bezahlung war in etwa
1500€ davon wurden dann wie bei einem Auszubildenden die
Sozialversicherungen abgezogen. Am Ende blieben ca 1150€ netto übrig.
Von der Firma wurde erwartet, dass man in den Semesterferien Vollzeit
40h arbeitet und während dem Semester ca. 8-10h. Es gab dann noch 30
Tage Urlaub.
Praxissemester und Bachelorarbeit hat man dann auch noch bei der Firma
verbracht.
Im großen und ganzen war die Arbeit eher langweilige Konzernarbeit mit
Exceltabellen ausfüllen und in Tools rumklicken. Ich habe im Anschluss
den Master drauf gesetzt und promoviere nun.
Duali schrieb:> Lieber 4 Jahre Bafög oder Hartz4> als seine Seele dem Teufel verkaufen!
Naja, Hartz4 gibt es in aller Regel nicht, wenn man als Student
eingeschrieben ist. Sonst würden das wohl alle Studenten so machen.
Bafög gibt es auch nicht unter allen Bedingungen.
Hat hier jemand Erfahrung mit Hartz und statt zu hartzen einfach zur Uni
zu gehen?
Nach dem Motto was niemand weiß was niemanden heiß. Natürlich nur
hypothetisch gefragt, denn das ist ja bekanntlich nicht erlaubt.
Hartzer schrieb:> Nichts tun ist erlaubt,> Weiterbildung verboten. Gibt schon genug schlaue Menschen.
Es geht darum, dass du bei Inanspruchnahme der staatlichen
Transferleistung ALG II im Gegenzug dem Arbeitsmarkt uneingeschränkt zur
Verfügung zu stehen hast. Als immatrikulierter Student tust du das aber
nicht.