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Forum: HF, Funk und Felder EMV Prüfung und die Konformitätserklärung


Autor: Be W. (bauchspeck)
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Hallo,

ich möchte ein Haushaltsgerät herstellen und vorerst nur in Deutschland 
vertreiben. Es hat ein Gehäuse aus ABS Kunststoff und die simple 
Elktronik wird mit einem 1p Lipo Akku mit integrerter Schutzschaltung 
betrieben (UN Transporttest liegt vor). Zum Laden liegt lediglich ein 
USB-Kabel bei.

Vom Gerät geht grundsätzlich keine Gefahr aus. Das sieht auch die DEKRA 
so und hat lediglich eine EMV Prüfung nach der EMV Richtlinie 2014/30/EU 
zur CE-Kennzeichnung angeboten. Genau genommen wurde die Prüfung 
hiernach angeboten:
EN 55014.1:2006+A1:2009+A2:2011, EN 55014-2:2015

Der Spaß soll 2150,00€ kosten. Da die DEKRA sonst keine Prüfungen für 
nötig hält, gehe ich mal davon aus, hinterher ruhigen Gewissens das 
CE-Kennzeichen anbringen zu dürfen. Allerdings muss ich ja auch damit 
rechnen, eine EG/EU-Konformitätserklärung vorlegen zu müssen. Jetzt mag 
ja vorher schon klar sein, dass andere Richtlinien für das Produkt 
unkritisch sind. Aber trotzdem müssen ja alle Normen und Richtlinien in 
der Konformitätserklärung aufgelistet werden. Das alles führt mich 
gleich zu 4 Fragen:

1. Woher weiß ich überhaupt, welche Richtlinien mein Produkt betreffen?

2. Muss ich zwei Dokumente erstellen? Also die EG-Konformitätserklärung 
für Richtlinien vor 2011 und die EU-Konformitätserklärung für neuere 
Richtlinien?

3. Ist der Preis der DEKRA angemessen oder lohnt es sich, andere 
Prüflabore anzufragen?

4. Ist es auch möglich, dass mir das Prüflabor einfach alle nötigen 
Dokumente ausstellt und ich sie nur noch unterschreibe? Ist ja nicht so, 
dass man nicht noch genug mit WEEE, BattG, VerpackV etc. zu tun hätte...

Autor: Mark S. (voltwide)
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Be W. schrieb:
> Vom Gerät geht grundsätzlich keine Gefahr aus.

Hat das die Dekra so festgestellt?
Meiner Meinung nach geht vom Lipo eine Brandgefahr aus und Du wirst auch 
die Niederspannungsrichtlinie (LVD) erklären müssen.
Wenn ich mich recht entsinne gibt es da auch noch eine 
"Batterieverordnung"
Spezielle Richtlinien für Haushaltsgeräte können hinzu kommen, auf 
diesem Sektor kenne ich mich nicht aus.

An sich würde ich schon erwarten, dass die Dekra Dir alle in Frage 
kommenden Richtlinien nennen kann.

Autor: Mark S. (voltwide)
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Wenn die Dekra EMV mißt, liefert sie Dir einen Prüfbericht der genau das 
dokumentiert. Frag sie halt, ob sie bereit sind, eine vollständige 
CE-Erklärung aus zu stellen.
Die angegebenen Laborkosten liegen nach meinem Dafürhalten im Rahmen, 
sehr viel billiger wirst Du das wohl nicht bekommen (bei Laborkosten um 
200€/h mal so als Hausnummer)

: Bearbeitet durch User
Autor: Michael B. (laberkopp)
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Mark S. schrieb:
> und Du wirst auch die Niederspannungsrichtlinie (LVD) erklären müssen.

Nein, unter 50V~/75V=.

Nur die Risikobewertung (IEC26262, IEC61508) und die sagt:
Kein besonderes Risiko, keine besonderen Umstände.

(Ja, jeder LiIOn Akku kann Feuer fangen und LiIon Akkus
sind auch für viele Feuer verantwortlich, aber schlimmer
als handelsüblich ist das Gerät auch nicht und er hat
zumindest eine Schutzschaltung vom Zulieferer).

Mark S. schrieb:
> (bei Laborkosten um 200€/h mal so als Hausnummer)

Warum sollte EMV länger dauern als 1h ?
Wir haben hier scheinbar nichts, keine Kabel, kein Funk.
Eine Messung Störfestigkeit, eine Abstrahlung und fertig.
Leider sind Messungen seit 20.04.2016 erforderlich,
nichts mehr mit Selbsteinschätzung,
und wer hat schon die Messmittel ? Für kleine Firmen
kostet also der Gang zum Prüflabor.

Am ehesten noch eine Prüfung der Bedienungsanleitung nach DIN EN 82079

Zudem wären 200 teuer, 150 üblicher, und 80 billig.

Autor: Schubidu (Gast)
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Michael B. schrieb:
> Leider sind Messungen seit 20.04.2016 erforderlich, nichts mehr mit
> Selbsteinschätzung,

Hast Du dafuer eine Quelle?

Autor: Michael B. (laberkopp)
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Autor: AufArbeit (Gast)
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Michael B. schrieb:
> Warum sollte EMV länger dauern als 1h ?
> Wir haben hier scheinbar nichts, keine Kabel, kein Funk.
> Eine Messung Störfestigkeit, eine Abstrahlung und fertig.

Da wäre noch ESD, Burst und evtl. Surge (abhängig von Kabellänge) sowie
Störfestigkeit gestrahlt und Leitungsgebunden. Da geht ein Vormittag für 
drauf.

Autor: Route 6. (route_66)
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Mark S. schrieb:
> und Du wirst auch
> die Niederspannungsrichtlinie (LVD) erklären müssen.

Niederspannungsrichtlinie beginnt bei 50 Volt.

Mark S. schrieb:
> Frag sie halt, ob sie bereit sind, eine vollständige
> CE-Erklärung aus zu stellen.

Die DEKRA darf keine Konformitätserklärung abgeben! Das muss der 
Hersteller tun.

Mark S. schrieb:
> Die angegebenen Laborkosten liegen nach meinem Dafürhalten im Rahmen,
> sehr viel billiger wirst Du das wohl nicht bekommen

Billiger wirds, wenn man nicht ins Labor geht.

Michael B. schrieb:
> Leider sind Messungen seit 20.04.2016 erforderlich,
> nichts mehr mit Selbsteinschätzung,

Grunsätzlich falsch. Die deutsche Gesetzgebung und auch die aktuelle 
EMV-Richtlinie fordern keine Prüfung in einem Labor.
Andere Richtlinien könnten diese Forderung stellen.
Das ist aber bei einem Haushaltsgerät kaum der Fall.

Autor: Be W. (bauchspeck)
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Mark S. schrieb:
> Hat das die Dekra so festgestellt?
Jop

Soweit ich das jetzt versthe, könnte ich auch einfach das CE-Kennzeichen 
anbringen und eine Konformitätserklärung erstellen und solange die EMV 
auch passt, wäre das sogar legal. Jetzt könnte es nur sein, dass ein 
Wettbewerber die EMV nachmisst, sie doch nicht passt und er mir an den 
Karren fährt. Insgesamt unwarhscheinlich. Darum sparen sich wohl viele 
kleine Firmen die Messung. Anonym kann ich ja verraten, dass das 
verlockend ist. Ich möchte aber zumindest eine saubere 
Konformitätserklärung haben und dabei brauche ich Unterstützung von 
Profis. Und die bekomme ich wohl nur, wenn ich auch messen lasse.

Kennt jemand einen Anbieter, der günstiger als die DEKRA ist und nicht 
nur misst, sondern auch bei der Erstellung der Dokumente unterstützen 
würde?
Mit der DEKRA bin ich sowieso unzufrieden. Da wird immer nur spät oder 
teilweise gar nicht auf E-Mails geantwortet...

Route 6. schrieb:
> Die DEKRA darf keine Konformitätserklärung abgeben! Das muss der
> Hersteller tun.
Die sollen mir ja auch nur das Dokument erstellen. Unterschreiben würde 
ich es.

Autor: Marc (Gast)
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Be W. schrieb:
> Die sollen mir ja auch nur das Dokument erstellen. Unterschreiben würde ich es.

Eigentlich musst Du dich darum kümmern bzw. entscheiden,
welche Richtlinien bzw. welche Normen für Dein Produkt gelten.
Diese Recherche kannst Du natürlich durch einen Dienstleister ausführen. 
Macht Sinn, wenn man wenig Ahnung in der Materie hat. (Der Dienstleister 
wird das vermutlich nicht umsonst machen, macht Arbeit).


Zur Risikobewertung:
Ich glaube nicht, dass es reicht, zu schreiben: "kein Risiko" (auch 
nicht von der Dekra). Es sollte zumindest eine Auflistung/Analyse 
möglicher Risiken geben und eine Bewertung ob akzeptabel oder nicht 
gegeben.

Autor: schubidu (Gast)
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Michael B. schrieb:
> Beitrag "Risikoanalyse und EMV-Messungen ab dem 20.04.2016"

Naja, das ist keine wirklich belastbare Quelle. Seit dem 20.4.2016 muss 
(wie richtig dargestellt) eine Risikobewertung durchgeführt werden.

Be W. schrieb:
> Insgesamt unwarhscheinlich.

Ne, wenn Dein Produkt erfolgreich ist, dann ist dass das erste was ein 
Konkurrent machen wird.

Nochmal zur Spannung: woher bekommt denn der Kunde sein Ladespannung? 
Stellt er die selber zu Verfügung oder lieferst Du ein Netzteil mit?

Bei Netzteil dran denken: CE+CE != CE (d.h. die EMV Abstrahlungen werden 
nur mit OHmschen Lasten gemessen, nach Produktrichtlinie Netzteile), 
Dein Gesamtsystemdarf aber nicht zuviel abstrahlen.

Autor: Horst (Gast)
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Ich habe für die EMV- Prüfung eines einfachen Gerätes für den 
industriellen Einsatz 10 k EUR bezahlt. Stundensatz sind bei meinem 
Labor EUR 200,--
Die haben mir dann aber auch die Richtlinien rausgesucht, die für mein 
Gerät gültig sind und die ich dann in der Konformitätserklärung 
aufgeführt habe
und einen Beispieltext für diese Erklärung erstellt, den ich dann in 
mein Firmenpapier übernommen und unterzeichnet habe.

Leider ist mir jetzt jedoch ein Kunde an den Karren gefahren und hat 
meine Konformitätserklärung nicht akzeptiert (d.h. nicht der Kunde 
selbst, sondern der von ihm beauftrage externe Sicherheits- und 
Bürokratieberater), weil die Richtlinien meiner Konformitätserklärung 
veraltet sind (ca. 6 Jahre alt).

Für eine Aktualisierung / Prüfung nach den neuen Richtlinien verlangt 
mein ext. Labor abermals 10k EUR, obwohl an dem fraglichen Gerät weder 
mechanisch noch elektrisch seit der 1. Prüfung etwas verändert wurde...

Klar ist das Abzocke- habt ihr eine günstigere, wasserdichte Lösung?

Autor: AufArbeit (Gast)
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Horst schrieb:
> Für eine Aktualisierung / Prüfung nach den neuen Richtlinien verlangt
> mein ext. Labor abermals 10k EUR, obwohl an dem fraglichen Gerät weder
> mechanisch noch elektrisch seit der 1. Prüfung etwas verändert wurde...
>
> Klar ist das Abzocke- habt ihr eine günstigere, wasserdichte Lösung?

Das ist der Grund, warum wir uns ein eigenes EMV-Labor eingerichtet 
haben. Nicht zertifiziert, aber bisher hat jede Vergleichsmessung 
gepasst. Ansonsten muss man halt die Unterschiede der aktualisierten 
Normen bewerten und selbst entscheiden, ob man erneut messen muss. Das 
ist bei unseren Geräten nur in ~5% der Fälle nötig. Die 
Konformitätserklärung muss immer den aktuellen Stand der Normen 
abbilden.

Autor: Be W. (bauchspeck)
Datum:

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schubidu schrieb:
> Ne, wenn Dein Produkt erfolgreich ist, dann ist dass das erste was ein
> Konkurrent machen wird.
Vielleicht hast du Recht. Aber es könnte ja gut sein, dass mein Produkt 
unter den Grenzwerten liegt. Trotzdem riskant.

schubidu schrieb:
> Nochmal zur Spannung: woher bekommt denn der Kunde sein Ladespannung?
> Stellt er die selber zu Verfügung oder lieferst Du ein Netzteil mit?
Das Produkt soll möglichst günstig angeboten werden. Da fast jeder schon 
ein Ladegerät zu Hause hat, lege ich keins bei. Vielleicht biete ich 
dann separat noch eins an. Aber das müsste dann ja außen vor sein.

Horst schrieb:
> Ich habe für die EMV- Prüfung eines einfachen Gerätes für den
> industriellen Einsatz 10 k EUR bezahlt. Stundensatz sind bei meinem
> Labor EUR 200,--
> Die haben mir dann aber auch die Richtlinien rausgesucht, die für mein
> Gerät gültig sind und die ich dann in der Konformitätserklärung
> aufgeführt habe
> und einen Beispieltext für diese Erklärung erstellt, den ich dann in
> mein Firmenpapier übernommen und unterzeichnet habe.
Das wäre genau, was ich will, aber die Kosten sind ja haarsträubend! 
Kannst du sagen, was da wie viel gekostet hat?

Autor: Horst (Gast)
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Das wird wenig Sinn haben, wenn ich die die Kosten aufführe, zumal es 
sich bei meinem Gerät für den industriellen Einsatz handelt und nicht 
für den Konsumerbereich wie bei Deinem Gerät.

Frage einfach mal nach einem Angebot bei den entsprechenden 
Dienstleistern.

Ich war so naiv und hatte geglaubt, mit den einmalig 10k wäre die 
Geschichte vom Tisch. Aber nein, Du mußt Dich ständig up to date halten 
und evt. Änderungen der Richtlinien im Auge bahalten. (Wie machen die 
Kollegen das?
Abo beim Beuth- Verlag?)

Autor: Uwe M. (uwe_mettmann)
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@Be Wa

Wie hoch ist denn die interne Frequenz mit der dein Produkt arbeitet? 
Wenn diese unterhalb von 15 MHz arbeitet, schränken sich die notwendigen 
Messungen stark ein. Wenn du weiterhin die Länge des USB-Kabels auf 3 m 
beschränkst und dazu einen Hinweis in der Bedienungsanleitung verfasst, 
sind noch weniger Messungen notwendig.

Es bleibt dann nur die Funkstörleistungsmessung (wenn die Störausendung 
deutlich unterhalb des Grenzwertes liegt) und ESD. Die Feldbeeinflussung 
ist, so glaube ich, nicht notwendig. Dies sollte aber das von dir 
beauftragte EMV-Labor klären.

Somit müssten den EMV-Messungen im Bereich von 1000,- € kosten.

Wenn du auch ein Netzteil anbietest, so verkaufe es nicht unter deinem 
Namen, sondern so wie es ist, denn dann bist du nicht für die 
Konformität des Netzteils verantwortlich. Wichtig, lege es nicht deinem 
Produkt bei, sondern verkaufe es nur als Zubehör. In dem Fall bist du 
nicht der Hersteller oder Inverkehrbringer des Netzteils, sondern nur 
Händler. Dennoch solltest du ein Netzteil mit CE eines renommierten 
Herstellers verwenden.

Wenn du möchtest, dass das Netzteil zum Lieferumfang gehört, wird die 
EMV-Prüfung deutlich teurer und dein Produkt fällt auch noch unter die 
LVD-Richtlinie, was eine Bewertung der elektrischen Sicherheit notwendig 
macht.

Absolut wichtig ist, einen Akku eines renommierten Herstellers zu 
verwenden, der natürlich auch für den europäischen Markt qualifiziert 
wurde. Nimmst du irgendeinen China-Billig-Akku und der fackelt beim 
Kunden ab, so bist du/deine Firma dafür verantwortlich. Das Risiko 
solltest du nicht eingehen. Ein so ein Schaden kann eine kleine Firma in 
die Insolvenz stürzen.


Gruß

Uwe

Autor: Klaus (Gast)
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Horst schrieb:
> Klar ist das Abzocke-

Na dann mach doch mal selbst ein Testlabor auf und melde dich wieder, 
wenn du Millionär geworden bist.

Horst schrieb:
> Ich war so naiv und hatte geglaubt, mit den einmalig 10k wäre die
> Geschichte vom Tisch. Aber nein, Du mußt Dich ständig up to date halten
> und evt. Änderungen der Richtlinien im Auge bahalten.

Dafür könnte man jemand einstellen. Und dann sieht man, daß das unter 
Umständen mehr kostet als Entwicklung und Produktion.

Horst schrieb:
> Abo beim Beuth- Verlag?)

Sollte man haben, reicht aber nicht. Es zählen im Zweifel nur die 
Richtlinien aus Brüssel und auch deren Veröffentlichungsdaten. Also auch 
die ständig besorgen.

MfG Klaus

Autor: Be W. (bauchspeck)
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Mein Prozessor läuft bei 32MHz, also über 15MHz. Aber das USB Kabel wird 
max. 1 Meter lang sein.

Den Akku wollte ich eigentlich tatsächlich eher von einem 
Billighersteller beziehen, da der wenig strapaziert wird. Geringe 
Ladeströme, geringe Entladeströme und wenige Zyklen. Was ich mir aber 
vorlegen lasse ist das Zertifikat nach dem UN Transporttest UN38.3. 
Damit bin ich doch was den Akku betrifft aus der Verantwortung, oder 
nicht?

Unterm Strich werde ich mir nun ein paar Angebote einholen und dabei 
auch immer erfrgan, ob ich eine Liste der geltenden Normen und 
Richtlinien bekomme. Nochmal die Frage: Kann jemand einen Dienstleister 
empgehlen, der das einigermaßen günstig leisten kann?

Autor: noti (Gast)
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Habe gute Erfahrung mit TÜV Süd bei UL-Zertifizierungen im industriellen 
Bereich, ist aber eine Weile her. Musste neben anderen Zertifizierungen 
auch das chinesische CCC vorbereiten, das wurde aber zum Glück doch 
nicht durchgezogen. Dagegen ist CE ein Kindergeburtstag ;-)

Autor: Mac G. (macgyver0815)
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Be W. schrieb:
> Mein Prozessor läuft bei 32MHz, also über 15MHz.


Das ist sowieso völlig belanglos, auch wenn der nur mit 8 MHz laufen 
würde - es kommt auch auf die Signale auf der Leiterplatte an 
(Flankensteilheit, nicht Taktfrequenz).
Gerade USB kann Probleme machen - sofern nicht nur zum Laden und/oder 
nur im Low-Speed Modus genutzt.
Es können auch Harmonische auftreten, die deutlich über dem Grundtakt 
liegen.
Auch Schaltregler können zum Problem werden und die laufen i.d.R im 
Bereich von 0.05 - 4 MHz.

Autor: Uwe M. (uwe_mettmann)
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Be W. schrieb:
> Mein Prozessor läuft bei 32MHz, also über 15MHz. Aber das USB Kabel wird
> max. 1 Meter lang sein.

Damit fällt die Messung der Funkstörleistung weg und es muss die 
Funkstörfeldstärke gemessen werden. Hinzu kommt dann noch die 
Feldbeeinflussung. Damit wird die Prüfung deutlich teurer und wesentlich 
unterhalb des DEKRA-Preises wirst du nicht kommen.

Wenn du das Risiko eingehen willst, keine Prüfungen oder nicht alle 
durchführen zu lassen, solltest du aber auf alle Fälle die 
Funkstörfeldstärke prüfen lassen. Gibt es hier deutliche 
Grenzwertüberschreitungen, kann das zu Funkstörungen führen und dann 
reagiert die Bundesnetzagentur doch recht biestig, insbesondere, wenn 
sie dann auch noch feststellt, dass du keine Emissionsprüfungen hast 
durchführen lassen.


Be W. schrieb:
> Den Akku wollte ich eigentlich tatsächlich eher von einem
> Billighersteller beziehen, da der wenig strapaziert wird. Geringe
> Ladeströme, geringe Entladeströme und wenige Zyklen. Was ich mir aber
> vorlegen lasse ist das Zertifikat nach dem UN Transporttest UN38.3.
> Damit bin ich doch was den Akku betrifft aus der Verantwortung, oder
> nicht?

Das Problem ist, dass kritische LiPo-Akkus eventuell in sich gefährlich 
sind. Sie sind aber wesentlich unkritischer als Li-Ion-Akkus. Bezüglich 
von Sicherheit von Akkus bin ich aber nicht der richtige 
Ansprechpartner. Ich kann dir nur empfehlen, den von einem Fachmann 
beraten zu lassen.

Wenn du doch Billigakkus nehmen möchtest, ist es wichtig, dass du die 
Akkus von einem in der EU ansässigen Händler beziehst, denn ansonsten 
bist du der Inverkehrbringer und für die Einhaltung der EU-Anforderungen 
verantwortlich, sprich EMV, el. Sicherheit usw.


Be W. schrieb:
> Nochmal die Frage: Kann jemand einen Dienstleister empgehlen, der das
> einigermaßen günstig leisten kann?

Du solltest ein Labor in deiner Nähe wählen. Einerseits kannst du bei 
den Prüfungen dabei sein und wenn etwas nicht bestanden wird, kannst du 
gleich handeln. Das spart dann eventuell mehr Geld als die paar 100,- €, 
die ein entferntes Labor für einen reibungslosen Prüfdurchgang verlangt.

Da aber nun keine weiß, wo du in Deutschland ansässig bist, ist die 
Empfehlung eines Labors natürlich schwierig.


Gruß

Uwe

: Bearbeitet durch User
Autor: Be W. (bauchspeck)
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Das USB wird nur zum Laden benötigt und ein Schaltregler ist auch nicht 
verbaut. Die einzige Störquelle ist eine kleiner Bürstenmotor, der um 
die 400 mA zieht.


Uwe M. schrieb:
> Damit fällt die Messung der Funkstörleistung weg und es muss die
> Funkstörfeldstärke gemessen werden. Hinzu kommt dann noch die
> Feldbeeinflussung. Damit wird die Prüfung deutlich teurer und wesentlich
> unterhalb des DEKRA-Preises wirst du nicht kommen.
Würde es sich ohne das Kabel anders verhalten?

Uwe M. schrieb:
> Da aber nun keine weiß, wo du in Deutschland ansässig bist, ist die
> Empfehlung eines Labors natürlich schwierig.

Ein guter Punkt. Im Raum Stuttgart wäre gut.

Autor: Hp M. (nachtmix)
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Be W. schrieb:
> Die einzige Störquelle ist eine kleiner Bürstenmotor, der um
> die 400 mA zieht.

Du hast doch gesagt, es sei noch ein µC drin?
Je nach Verwendung, Layout und Programmierung kann der nahezu beliebig 
viel oder wenig stören.

Autor: MaWin (Gast)
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Be W. schrieb:
> Die einzige Störquelle ist eine kleiner Bürstenmotor, der um die 400 mA
> zieht.

Du weisst, dass sogar vor CE und EMV gerade solche Motoren auch in 
Kinderspielzeug mit aufwändigen (2 UKW Drosseln und 3 Kondensatoren) 
Filtern dicht am Motor ausgestattet waren - nicht ohne Grund.

Gengen Störeinstrahlung ist so ein Gerät aber robust.

Autor: Mac G. (macgyver0815)
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Be W. schrieb:
> Die einzige Störquelle ist eine kleiner Bürstenmotor,


Der hat aber leider kleine FUNKenstrecken integriert.
"Funk" heisst so, weil man Funken zum "Funken" benutzen kann ;-)

Könnte sogar die Hauptstörquelle des Geräts sein, gerade wenns ein 
billiger Typ ist.

Autor: Uwe M. (uwe_mettmann)
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Be W. schrieb:
> Das USB wird nur zum Laden benötigt und ein Schaltregler ist auch nicht
> verbaut. Die einzige Störquelle ist eine kleiner Bürstenmotor, der um
> die 400 mA zieht.

Lässt sich durch zwei keramische Kondensatoren 10 nF, die zwischen (+) 
und Gehäuse und (-) und Gehäuse kommen, oft entstören. Die Kondensatoren 
werden mit kurzen Beinchen direkt an dem Gehäuse angelötet. Das längere 
Beinchen geht dann zu den Motoranschlüssen. Die spannungszuführenden 
Leitungen werden nicht an den Motoranschlüssen angelötet sondern direkt 
an Kondensatorbeinchen und zwar direkt am Kondensator. Reicht das als 
Entstörung nicht, wird noch eine Induktivität oder ein Ferrit in die 
Zuleitungen gelötet.

Das nur als Hinweis, falls es mit dem Motor Probleme mit einer zu hohen 
Störaussendung gibt, denn dann könnt ihr gleich die Abhilfemaßnahmen 
ausprobieren.


Be W. schrieb:
> Würde es sich ohne das Kabel anders verhalten?

Du meinst das USB-Kabel. Nein, das macht kein Unterschied.
Du solltest aber zusehen, dass die eigentliche Funktion deines Gerätes 
auch während des Ladens gegeben ist. Ist das nicht der Fall, muss dein 
Gerät in zwei Betriebszustände geprüft werden (Laden und normaler 
Betrieb), was die Prüfung erheblich teurer machen würde. Wichtig ist 
noch, dass du als Ladegerät eins verwenden musst, dass wenig Störungen 
aussendet. Zum Laden kannst du auch ein Notebook verwenden. 
Üblicherweise habe EMV-Labore Test-Notebooks, von denen sie wissen, dass 
sie wenig Störungen aussenden oder sie wissen, welche Störungen von 
ihrem Notebook kommen. Sprich so etwas im Vorfeld mit dem Labor ab.

Sollte sich während der EMV-Prüfungen rausstellen, dass die die 
Störaussendung zu hoch ist, so deaktiviere den normalen Betrieb (so dass 
nur geladen wird) und als zweiten Schritt ziehe mal das USB-Kabel ab und 
aktiviere wieder den normalen Betrieb. Ist in beiden Fällen die 
Störaussendung dann OK, wäre als Abhilfe, dass der normale Betrieb 
während des Ladens nicht möglich ist. Dann sind allerdings die 
EMV-Prüfungen teurer, weil zwei Betriebszustände getestet werden müssen.

Be W. schrieb:
> Uwe M. schrieb:
>> Da aber nun keine weiß, wo du in Deutschland ansässig bist, ist die
>> Empfehlung eines Labors natürlich schwierig.
>
> Ein guter Punkt. Im Raum Stuttgart wäre gut.

Tut mir leid, im Raum Stuttgart kenne ich kein Labor persönlich und 
somit kann ich keine Empfehlung abgeben.


Gruß

Uwe

: Bearbeitet durch User
Autor: Gerd E. (robberknight)
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Be W. schrieb:
>> Da aber nun keine weiß, wo du in Deutschland ansässig bist, ist die
>> Empfehlung eines Labors natürlich schwierig.
>
> Ein guter Punkt. Im Raum Stuttgart wäre gut.

Elmac in Bondorf

Autor: Be W. (bauchspeck)
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Vielen Dank euch allen, da waren nochmal viele hilfreiche Punkte dabei!

Also wird es besonders viel Sinn machen, wenn ich bei der Prüfung dabei 
bin, weil man dann gleich die genannten Entstörmaßnahmen anbringen kann.

Beim Laden blinkt übringens nur eine LED, ansonsten sind alle Funktionen 
identisch. Das würde ich jetzt mal nicht als zusätzlichen Betriebsmodus 
auslegen.

Ich versuche daran zu denken, hier mal zu berichten, wie das Thema 
ausgegangen ist.

Autor: Andreas (Gast)
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Hallo,

ein Hinweis an den TO:

folgende Richtlinien/Gesetze müssen auf jedenfall auch noch beachtet 
werden:

RoHs - Pflicht! viel Spaß beim prüfen aller Bauteile bzw. Platinen ;-), 
geht am einfachsten über eine Bestätigung des Herstellers

Reach - kann, kommt z.B. auf das Material vom Gehäuse an, geht ebenfalls 
über eine Erklärung des Lieferanten/Herstellers

ElektrG - Pflicht! wird ein Gerät in Europa verkauft muss es auch 
entsorgt werden. Dafür muss man sich bei der entsprechenden Stelle 
registrieren lassen und die pro Jahr in Verkehr gebrachte Menge an 
Geräten melden. Dem Kunden muss dann die Möglichkeit zur kostenlosen 
Rückgabe an den Hersteller/Inverkehrbringer gegeben werden. Eine 
Entsorgung dieser Geräte muss über entsprechend zugelassene Firmen 
erfolgen und das kostet dann Geld.

Autor: Be W. (bauchspeck)
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Andreas schrieb:
> RoHs - Pflicht! viel Spaß beim prüfen aller Bauteile bzw. Platinen ;-),
> geht am einfachsten über eine Bestätigung des Herstellers
>
> Reach - kann, kommt z.B. auf das Material vom Gehäuse an, geht ebenfalls
> über eine Erklärung des Lieferanten/Herstellers
Danke für den Hinweis, das werde ich von Bestücker einholen.

Andreas schrieb:
> ElektrG - Pflicht! wird ein Gerät in Europa verkauft muss es auch
> entsorgt werden. Dafür muss man sich bei der entsprechenden Stelle
> registrieren lassen und die pro Jahr in Verkehr gebrachte Menge an
> Geräten melden. Dem Kunden muss dann die Möglichkeit zur kostenlosen
> Rückgabe an den Hersteller/Inverkehrbringer gegeben werden. Eine
> Entsorgung dieser Geräte muss über entsprechend zugelassene Firmen
> erfolgen und das kostet dann Geld.
Auch für den Hinweis vielen Dank. Ein ärgerliches Thema. Aber hierfür 
habe ich schon Angebote von verschiedenen Anbietern für einen 
Komplettservice eingeholt. Ein paar Hundert Euro im Jahr sind dafür 
fällig.

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