Forum: Analoge Elektronik und Schaltungstechnik Pulsstrom bis 587A mit IRLB3034 schalten


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von Thierry (Gast)


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Hallo Experten,

Ich möchte 10 GreenCap 100F 2,7V Kondensatoren (Parallelschaltung) 
schalten, um kurzfristig am Ausgang "CONN_LOAD" einen grossen Strom zu 
erhalten.
Die Kondensatoren können je max. 58,7 Ampere (peak) abgeben, was total 
587 Ampere wären 
(http://www.masters.com.pl/files/ds/samwha/samwha-green-cap.pdf).
Für den IRLB3034 
(https://www.elektronik-kompendium.de/public/schaerer/FILES/irlb3034pbf.pdf) 
sollte dies ja kein Problem darstellen (im Pulsbetrieb ist er ja gem. 
Datenblatt bis zu 1372 Ampere betreibbar).
Um die Schaltzeiten kurz zu halten wird ein Push-Pull-Treiber verwendet 
(schnelles Laden/Entladen vom Gate).
Der Treiber wird über einen externen Trigger gesteuert, welcher via 
Optokoppler galvanisch vom System getrennt ist.
Das Laden der Kondensatoren wird manuell über den Schalter "CHARGE" 
betätigt (der Trigger ist dabei deaktiviert).

Fragen:

1.) Ist die Schaltung bzw. das Konzept soweit OK, oder müsste da was 
grundlegend anders gemacht werden?
2.) Mir machen die "dünnen Beinchen" des IRLB3034 (TO-220AB) beim 
Schalten solcher Ströme ein wenig Sorgen. Muss ich da etwas besonderes 
beachten, oder ist das bei Puls-Betrieb unproblematisch?

von Christian S. (roehrenvorheizer)


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Hallo,

Fig 8 im Dabla zeigt, wie lange die Pulse sein dürfen. Alles über 10 ms 
ist auf 200A limitiert, da das TO220 Package dies nicht aushält, ohne 
daß die Drähte abschweißen.

Ohne Strombegrenzung bekommt man so jeden handlichen FET kaputt. Da 
würde schon ein einzelner Elko reichen.

Wie lange wird bei deinem Aufbau der Puls dauern? Ist diese Zeit 
definiert?

MfG

von Der (Gast)


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Coilgun? Railgun?

von Ben B. (Firma: Funkenflug Industries) (stromkraft)


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Nö, für eine Coilgun oder Railgun ist die Spannung viel zu gering. Mich 
würde auch interessieren wozu er das braucht.

Von den 2,7V bleibt ja bei 500A alleine durch die Steckverbindung schon 
nichts mehr übrig und die Kabel müssten auch gigantische Dimensionen 
haben.

Ansonsten, damit das eine Chance auf Funktion hat, würde ich aus dem 
Bauch heraus sagen mindestens so 6..8 dieser Transistoren parallel. Und 
selbst dann bleiben die ersten 100mV schon an den Transistoren hängen.

von Physiker (Gast)


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Thierry schrieb:
> Die Kondensatoren können je max. 58,7 Ampere (peak) abgeben, was total
> 587 Ampere wären

Bist du dir gaaanz sicher, dass so ein Kondensator nicht doch 58,8 A 
Peak schafft, also insgesamt 588 A?

von Hauspapa (Gast)


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1. betrieb ohne Gatewiderstand kann zu Oszillationen neigen.

2. dein Treiber ist viel zu schwach.

3. schätze mal die Streuinduktivität vom Aufbau und berechne die 
Spannung die nötig ist um den Strom schnell genug Aufzubauen.

Viel Erfolg
Hauspapa

von georg (Gast)


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Hauspapa schrieb:
> schätze mal die Streuinduktivität vom Aufbau

Es ist zu befürchten, dass, wenn er alles optimal aufbaut, auch der 
Strom möglicherweise viel höher ist als zulässig. Es ist nirgends etwas 
zu sehen was den Strom kontrolliert begrenzen könnte, Kontaktwiderstände 
z.B. sind nicht definiert und weitgehend zufällig.

Georg

von Lothar M. (Firma: Titel) (lkmiller) (Moderator) Benutzerseite


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Thierry schrieb:
> Die Kondensatoren können je max. 58,7 Ampere (peak) abgeben
Nein, so ist das nicht, sondern andersrum: du musst dafür sorgen, dass 
dieser Strom niemals nicht überschritten wird...

> Für den IRLB3034 sollte dies ja kein Problem darstellen
> (im Pulsbetrieb ist er ja gem. Datenblatt bis zu 1372 Ampere betreibbar).
Das Problem ist, dass du dir hier eine Schaltung aus Grenzwerten 
zusammengebastelt und zudem jeglichen parasitären einfluss 
(Leitungswiderstand und -induktivität) einfach ignoriert hast. Deshalb 
wird es nicht so funktionieren wie du es dir vorstellst.

> 2.) Mir machen die "dünnen Beinchen" des IRLB3034 (TO-220AB) beim
> Schalten solcher Ströme ein wenig Sorgen. Muss ich da etwas besonderes
> beachten, oder ist das bei Puls-Betrieb unproblematisch?
An diesen dünnen Beinchen fallen wegen des Widerstands von sagen wir mal 
5 mOhm bei 500A dann 2,5V ab.

von Stefan F. (Gast)


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Um solche Ströme ernsthaft zu schalten verwendet man ganz andere 
Bauteile.

http://www.powerguru.org/sic-mosfet-module-replaces-up-to-3x-higher-current-si-igbt-modules-in-voltage-source-inverter-application/

Der wäre für 100A, es gibt aber auch größere. Von den Herstellern dieser 
Bauteile gibt es auch passende Treiber oder gar fertige Module mit 
integriertem Treiber. Die Strombegrenzung ist damit allerdings noch 
nicht erledigt.

Such Dir hier einen aus: 
https://www.infineon.com/cms/de/product/power/igbt/igbt-modules/

von Bullenrassler (Gast)


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Hi,
IGBTs haben Schleusenspannung von 1,7 V bis 3 V. Für 2,7V ist das 
nichts.

Grüße

von MiWi (Gast)


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Thierry schrieb:
> Hallo Experten,

>
> Fragen:
>
> 1.) Ist die Schaltung bzw. das Konzept soweit OK, oder müsste da was
> grundlegend anders gemacht werden?
> 2.) Mir machen die "dünnen Beinchen" des IRLB3034 (TO-220AB) beim
> Schalten solcher Ströme ein wenig Sorgen. Muss ich da etwas besonderes
> beachten, oder ist das bei Puls-Betrieb unproblematisch?

Les Dir das durch, dann sollten auch etliche bisher ungestellte Fragen 
beantwortet sein:


http://www.eevblog.com/forum/projects/guesses-on-what-i-am-attempting-here/


Tatus69 sollte Deiner Muttersprache mächtig sein, kannst ihn also auch 
direkt fragen

Viel Erfolg

von der schreckliche Sven (Gast)


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Lothar M. schrieb:
> An diesen dünnen Beinchen fallen wegen des Widerstands von sagen wir mal
> 5 mOhm bei 500A dann 2,5V ab.

Chip: 1,4 mOhm. Beinchen: 5 mOhm. Im Ernst?

Stefan U. schrieb:
> Um solche Ströme ernsthaft zu schalten verwendet man ganz andere
> Bauteile.

Einen SiC-Mosfet für 1200 Volt? Wenn er 2,7 Volt schalten will?

Hauspapa schrieb:
> 2. dein Treiber ist viel zu schwach.

Stimmt einfach nicht.

Manchmal erzählt Ihr ordentlich Unsinn.

von Teo D. (teoderix)


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der schreckliche Sven schrieb:
> Manchmal erzählt Ihr ordentlich Unsinn.

Na Unsinn is das hier nich wirklich, nur reichlich übertrieben 
dargestellt. Anders bekommt man ja bei solch Vorhaben unbedarfter, kein 
Gehör geschenkt.

von Stefan F. (Gast)


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> Einen SiC-Mosfet für 1200 Volt? Wenn er 2,7 Volt schalten will?

Es ging mir darum, mal ein Bauteil zu zeigen, das für Ströme in diese 
Größenordnung geeignet ist.

Das ist wie Baumstamm versus Streichholz.

Die niedrige Spannung macht es sogar noch anspruchsvoller, weil hier 
weniger Spannungsabfall tolerierbar ist, als bei höheren Spannungen.

von der schreckliche Sven (Gast)


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Stefan U. schrieb:
> Es ging mir darum, mal ein Bauteil zu zeigen, das für Ströme in diese
> Größenordnung geeignet ist.

Das von Dir angegebene Teil hat den 11-fachen On-Widerstand im Vergleich 
zum IRLB3034. Der IRLB3034 verträgt laut Hersteller 195 Ampere 
Dauerstrom. Daß der dabei nicht nur fett, sondern sehr fett verlötet und 
sehr gut gekühlt sein muß, ist klar.

Thierry schrieb:
> 1.) Ist die Schaltung bzw. das Konzept soweit OK, oder müsste da was
> grundlegend anders gemacht werden?

Der Treiber. Verwende besser einen integrierten Mosfet-Treiber, der für 
Logic-Level Mosfets geeignet ist. Nicht weil die Transistoren zu schwach 
wären, sondern wegen der niedrigen Schwellenspannung der Mosfets.
Du mußt schon einige IRLB3034 parallel schalten. Denn wenn die Spannung 
nur 2,7 Volt beträgt, und 0,7 Volt am Transistor verlorengehen, dann ist 
das ein herber Verlust.
Du willst die Schaltzeiten "kurz halten"? Dann schau mal ins Datenblatt 
des Optokopplers.

von Thierry (Gast)


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Besten Dank für all die Kommentare und Hinweise.

Christian S. schrieb:
> Fig 8 im Dabla zeigt, wie lange die Pulse sein dürfen. Alles über 10 ms
> ist auf 200A limitiert, da das TO220 Package dies nicht aushält, ohne
> daß die Drähte abschweißen.

Danke für den Hinweis. Wenn ich das richtig verstehe, kann ich bei einem 
Puls von 10ms maximal 500A schalten, wobei über dem FET ein 
Spannungsabfall von ca. 1V entstehen würde? D.h. bei längeren Pulsen 
muss ich zwingend mehrere FETs verwenden. (Zudem ist ein Spannungsabfall 
von V echt zu viel!)

Christian S. schrieb:
> Wie lange wird bei deinem Aufbau der Puls dauern? Ist diese Zeit
> definiert?

Das sollte im Bereich zwischen 10ms und ~500ms sein (variabel).

Ben B. schrieb:
> Nö, für eine Coilgun oder Railgun ist die Spannung viel zu gering. Mich
> würde auch interessieren wozu er das braucht.

Punktschweissen von 0.1mm Nickel-Strips auf Li-Ion Akkus :)

Hauspapa schrieb:
> 1. betrieb ohne Gatewiderstand kann zu Oszillationen neigen.

Man hat mir hier mal in einem anderen Thread gesagt, dass ich den 
Gatewiderstand weglassen soll, da dieser die Lade- bzw. Entladezeiten 
unnötig verlängert. Zudem ist das Gate ja entweder via BD139 "direkt" an 
+10V oder via BD140 "direkt" mit GND verbunden.. wieso beginnt das dann 
zu schwingen?
Aber OK, wie wäre denn dieser Widerstand optimalerweise zu 
dimensionieren? Ca. 20-60 Ohm?

Hauspapa schrieb:
> 3. schätze mal die Streuinduktivität vom Aufbau und berechne die
> Spannung die nötig ist um den Strom schnell genug Aufzubauen.

Du hast nicht zufällig einen Literaturhinweis oder einen Link zu dem 
Thema?

MiWi schrieb:
> Les Dir das durch, dann sollten auch etliche bisher ungestellte Fragen
> beantwortet sein:
>
> http://www.eevblog.com/forum/projects/guesses-on-what-i-am-attempting-here/

Danke für den Hinweis und den Link.

der schreckliche Sven schrieb:
> Der IRLB3034 verträgt laut Hersteller 195 Ampere
> Dauerstrom. Daß der dabei nicht nur fett, sondern sehr fett verlötet und
> sehr gut gekühlt sein muß, ist klar.

Ja, das ist klar. Und dass auf einer 35µm Kupfer-Leiterplatine die 
Leiterbahn für solche Ströme mit massivem Kupferdraht o.Ä. "vergrössert" 
werden muss, ist auch klar.

der schreckliche Sven schrieb:
> Verwende besser einen integrierten Mosfet-Treiber, der für
> Logic-Level Mosfets geeignet ist. Nicht weil die Transistoren zu schwach
> wären, sondern wegen der niedrigen Schwellenspannung der Mosfets.
> Du mußt schon einige IRLB3034 parallel schalten. Denn wenn die Spannung
> nur 2,7 Volt beträgt, und 0,7 Volt am Transistor verlorengehen, dann ist
> das ein herber Verlust.
> Du willst die Schaltzeiten "kurz halten"? Dann schau mal ins Datenblatt
> des Optokopplers.

Danke für das sehr konstruktive Feedback. Kannst du mir einen 
Mosfet-Treiber für diesen Anwendungsfall empfehlen? Evtl. einer, mit dem 
ich gleich mehrere Mosfets betreiben kann?
Heisst Logic-Level nicht einfach, dass ich den mit 5V verwenden kann, 
aber nicht muss? Soweit ich verstanden habe hat der Betrieb mit (nur) 5V 
halt gewisse Nachteile wie z.B. längere Schaltzeiten, etc., oder?
Ja, auch 0.7V sind immer noch zuviel Verlust. Ich denke so mit 0.25V 
könnte ich aber ganz gut leben.
Optokoppler: "kurz" ist relativ :) Bei Pulsen von 10ms sind Ein- bzw. 
Ausschaltzeiten von 0.008ms bzw. 0.037ms kein Problem, denke ich. Aber 
so aus Neugierde: Was wäre die Alternative? :)

Grüsse,
Thierry

von Teo D. (teoderix)


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Thierry schrieb:
> Ich möchte 10 GreenCap 100F

Sind die wirklich nötig?
Ich kenn sowas nur mit normalen Kondensatoren, da hat man auch nicht 
das Problem mit der niedrigen Spannung.

In reihe schalten könnte man sie natürlich auch noch. KA was da bei 
solchen Impulsströmen zu beachten is. Zum Laden braucht du da natürlich 
einen Balancer.

von Possetitjel (Gast)


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Thierry schrieb:

> D.h. bei längeren Pulsen muss ich zwingend mehrere
> FETs verwenden.

Das würde ich sowieso machen.

Mal ehrlich, ein IRFZ44N kostet bei Reichelt 44ct und
hält knapp 50A Dauerstrom (bzw. 160A gepulst) aus.

Mit 40 Stück (Kostenpunkt: 17.60 Euro) kannst Du 2kA
Dauerstrom bzw. 6.4kA Pulsstrom schalten. Pfennigfuchserei
ist doch an dieser Stelle völlig kontraproduktiv.

(Ja, ich weiss, die Treiber kommen noch dazu. Vielleicht
kann man vier FETs mit einem Treiber schalten, dann
braucht man nur 10 Treiber. Müsste man durchrechnen.)

Sachgerechter Aufbau (Stromverteilung!) ist natürlich
wichtig.


> Punktschweissen [...]

Das macht man normalerweise mit einem Trafo.
Kondensatorimpulsschweissen, was Du vorhast, ist wegen
der hohen zu schaltenden Ströme ziemlich sportlich.


> Hauspapa schrieb:
>> 1. betrieb ohne Gatewiderstand kann zu Oszillationen
>>    neigen.
>
> Man hat mir hier mal in einem anderen Thread gesagt, dass
> ich den Gatewiderstand weglassen soll,

Naja, man sollte ihn wenigstens nicht zu groß machen.
Jedes Ohm zählt.

> wieso beginnt das dann zu schwingen?

Das Gate ist eine ziemlich große Kapazität, und die
Zuleitung zum Gate wirkt als Induktivität --> Schwingkreis.
Der Impuls beim Schalten regt den Schwingkreis dann zu
Schwingungen an; der Gate-Widerstand wirkt als Dämpfung,
d.h. er reduziert die Güte.
Das müsste man aber mal nachrechnen -- mittels Formel, oder
(für Dünnbrettbohrer :) simulieren.

Beitrag #5294144 wurde von einem Moderator gelöscht.
von MiWi (Gast)


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Thierry schrieb:
> Besten Dank für all die Kommentare und Hinweise.
>
> Grüsse,
> Thierry

Nachdem bei der ganzen Geschichte nur ein paar Fets, ein bischen Platine 
und ein paar Kondensatoren draufgehen können, die alle nicht sehr viel 
Geld kosten:

mach doch einfach, fange mit wenig C (10.000uF) und nur 2V an..

Schau das Du ein Oszi mit 4 Kanälen hat (Trigger, Gate am Treiber, Gate 
am FET, Spannung am Drain direkt am FET gemesssen, Spannung an der Last, 
direkt an der Last gemessen)

Nicht vergessen GND vom Tastkopf an der Last über einen 10-47Ohm 
Widerstand an GND an der Last anklemmen, damit da keine Masseschleifen 
entstehen.

Hirn einschalten, ggfs Augenschutz nicht vergessen und

einschalten. Kaboooom wird es schon nicht machen eher ein leises klick 
und das Cu sird ein bischen rauchen... ev. auch ein  FET. Bilder 
speichern, hier posten und weiterfragen...

Aber: Was soll schon viel passieren wenn anfangs nur 1C und 2 V im Spiel 
sind....

MiWi

von Ben B. (Firma: Funkenflug Industries) (stromkraft)


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Fürs Punktschweißen muß ich doch "nur" dafür sorgen, daß ich eine 
bestimmte benötigte Energiemenge möglichst schnell in Form von Wärme in 
den Schweißpunkt bekomme.

Das würde ich mit höherer Spannung und einer größeren Anzahl normaler 
Kondensatoren machen. Es macht meiner Meinung nach auch keinen Sinn, die 
Energiemenge über die Pulsbreite zu regeln. Ich würde da über die 
Ladespannung oder ggf. Menge der Kondensatoren gehen und den Impuls 
möglichst kurz halten. Ein längerer Impuls führt nur dazu, daß die Wärme 
aus dem Schweißpunkt hinausläuft und nicht zur Verschweißung beiträgt.

: Bearbeitet durch User
von Stefan F. (Gast)


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> Mal ehrlich, ein IRFZ44N ... hält knapp 50A Dauerstrom ... aus.

Laut Datenblatt von International Rectifier hat er einen RDSon von 17,5m 
Ohm. Multipliziere das mit 50A, dann kommst du auf 0,875V 
Verlustspannng. Ich dachte wir waren uns einig, dass so viel 
Verlustspannung in dieser Anwendung nicht akzeptabel ist.

Weiterhin beträgt die Verlustleistung 0,875V * 50A = 43,75 Watt. Zehn 
Stück davon verheizen dann schon satte 431 Watt! Bei steigender 
Temperatur (im Transistor) steigt übrigens auch der Innenwiderstand und 
damit die Verlustleistung.

Da die Pulsdauer bis zu 500ms lang sein soll, braucht man dann schon 
eine anspruchsvolle Kühlung.

Machbar ist es, aber Anfängern würde ich das nicht empfehlen. Im Bereich 
Leistungselektronik betrachte ich mich selbst nach 30 Jahren 
Hobby-Erfahrung und Ausbildung zum Kommunikationselektroniker übrigens 
immer noch als Anfänger.

von der schreckliche Sven (Gast)


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Possetitjel schrieb:
> Mal ehrlich, ein IRFZ44N kostet bei Reichelt 44ct und
> hält knapp 50A Dauerstrom (bzw. 160A gepulst) aus.

IRFZ44: 18 mOhm
IRFB3034: 1,4 mOhm

Hast Du die letzten 35 Jahre verpennt?
Mit den IRFZ Dingern könnte man noch Klasse A Gitarrenverstärker basteln 
oder so.

von der schreckliche Sven (Gast)


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Thierry schrieb:
> Heisst Logic-Level nicht einfach, dass ich den mit 5V verwenden kann,

Logic-Level heißt auch niedrige Schwellenspannung. Bei 1-2 Volt am Gate 
beginnt der Mosfet zu Leiten. Zum Abschalten muß die Gatespannung also 
unter einem Volt sein. In Deiner Schaltung bleibt da für die 
Basiswiderstände R1+2 nicht viel übrig (~0,3V). Um da noch ausreichend 
Basisstrom liefern zu können, müssten die also recht niederohmig sein. 
Zum Einschalten muß dann der Opto entsprechend Strom liefern.
Die Distributoren haben entsprechende Suchfunktionen. Unter 
"Mosfet-Treiber" wirst Du schon fündig.

von Armin X. (werweiswas)


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Servus

Schaut euch als Diskussionsgrundlage mal dieses Projekt an.
Da werden 8 ähnliche Mosfets parallelgeschaltet.
https://malectrics.eu/

von Stefan F. (Gast)


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> IRFB3034 Hast Du die letzten 35 Jahre verpennt?

Hobbyelektroniker kommen nicht an alle Bauteile heran.

Bei diesem Transistor ist mir im DB die sehr hohe Gate-Kapazität von 
rund 10nF aufgefallen. Ansonsten ist das ein beeindruckes Arbeitspferd.

von Ben B. (Firma: Funkenflug Industries) (stromkraft)


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Hohe Qg ist bei diesen FETs wegen der großen Chipfläche normal.

von der schreckliche Sven (Gast)


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Stefan U. schrieb:
> Hobbyelektroniker kommen nicht an alle Bauteile heran.

Hm. Also, sogar der Conrad bietet Überraschungen.
Mouser hat ein großes Sortiment.
Es gibt noch mehr Versandhändler, die auch an Privatleute versenden.
Was der Hobbyelektroniker nicht kriegt, braucht er auch nicht wirklich. 
Das war vor 35 Jahren noch anders....

von MiWi (Gast)


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Stefan U. schrieb:
>> IRFB3034 Hast Du die letzten 35 Jahre verpennt?
>
> Hobbyelektroniker kommen nicht an alle Bauteile heran.
>
> Bei diesem Transistor ist mir im DB die sehr hohe Gate-Kapazität von
> rund 10nF aufgefallen.

Hallo Stefan

Na und?

Nimmst ein MJD44H11/MJD45H11 Paar und rumpelst mit 12A ins Gate, geht 
schon..

Oder einen MIC4421... oder irgendeinen der Teile, die es wie Sand am 
meer gibt.


Wir machen mit diesem Paar 20kHz @ Cies=21n und das Gate bekommt alle 
25uS 7-8A zu sehen. Zuerst ins Gate und dann raus aus dem Gate.

Das L hin und zurück ist nicht so kritisch, denn der Strom klingt ja 
relativ "langsam" ab wenn die Gatekapazitäten voll oder leer werden.

Viel wichtiger ist, das der Gatestrom sich nicht durch gewickelte 
Lastwiderstände sondern Dickschichtwiderstände begrenzt wird, die einen 
gerinen L-Anteil haben. Bei 2 Ohm _Gesamt_gatewiderstand macht sich die 
Zuleitung auch schon bemerkbar.

Mit anderen Worten: wo ist das Problem ein Gate (oder mehrere) schnell 
(1-2 uS bis es voll oder ausgeräumt ist) mit ausreichend Strom zu 
versorgen?

schnelle Snubberdiode oder sonstige Hilfsmittel mit etlichen A Peak 
nicht vergessen, sonst rennen die 500A recht erfolgreich an den FETs.

Das wesentliche bei den Strömen sind kurze Pfade von und zu den 
relevanten Kerkos und Cs. Ein paar 10u/50V(!) 1210-Kerkos so nah wie 
möglich an den FETs helfen sehr.

Das mit der Kühlung ist nicht so schlimm, in 500mS tut sich "draußen" 
nicht viel das wird vor allem von der thermischen Kapazität des 
Chipträgers und seiner unmittelbaren Umgebung abgefangen (Cu als Schiene 
hilft da ordentlich), die Wärme muß aber dann vor dem nächsten Puls 
draußen sein, ist aber kein großes Problem, denn die vielen Farads 
wollen auch geladen werden, das dauert...

wie gesagt, man sehe sich den Aufbau von tatus69 im eevblog an, da kann 
man viel lernen wie es gut gemacht wird. Ebenso die Diskussion wie das 
mit den Supercaps funktionieren könnte.

MiWi

von Possetitjel (Gast)


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Stefan U. schrieb:

> Laut Datenblatt von International Rectifier hat er einen
> RDSon von 17,5m Ohm. Multipliziere das mit 50A, dann
> kommst du auf 0,875V Verlustspannng. Ich dachte wir waren
> uns einig, dass so viel Verlustspannung in dieser Anwendung
> nicht akzeptabel ist.

Sieg durch k.o.
Ich hatte zwar die Verlustleistung überschlagen, aber nicht
den Spannungsabfall bedacht. Mist.


> Weiterhin beträgt die Verlustleistung 0,875V * 50A = 43,75 Watt.
> Zehn Stück davon verheizen dann schon satte 431 Watt!

Das ist nur Impulsleistung. Wieso sollte das ein Problem
werden?
Die Kondensatoren müssen ja zwischendurch auch wieder geladen
werden. Bei einem Hobbygerät kann man sicherlich mit 5s Pause
zwischen den Impulsen leben (oder habe ich anderslautenden
Wünsche überlesen?).


> Bei steigender Temperatur (im Transistor) steigt übrigens
> auch der Innenwiderstand und damit die Verlustleistung.

Ich bin nicht mit dem Anspruch angetreten, eine nachbau-
sichere, optimale Schaltung zu liefern ;)
Das sollte nur eine Anregung sein, ein "massiv paralleles
System" ernsthaft in Erwägung zu ziehen.

von Possetitjel (Gast)


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MiWi schrieb:

> Mit anderen Worten: wo ist das Problem ein Gate (oder
> mehrere) schnell (1-2 uS bis es voll oder ausgeräumt
> ist) mit ausreichend Strom zu versorgen?

Rein technisch gibt's wohl keins.

Ansonsten hängt es von den individuellen Fähigkeiten
und auch den ökonomischen Möglichkeiten ab -- das
FET-Magazin neu aufzumunitionieren kostet halt auch
etwas :)

Man müsste das Gesamtsystem betrachten; knapp 600A
kommen mir ohnehin etwas knapp vor für den geplanten
Zweck.

von MiWi (Gast)


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Possetitjel schrieb:
> MiWi schrieb:
>
>> Mit anderen Worten: wo ist das Problem ein Gate (oder
>> mehrere) schnell (1-2 uS bis es voll oder ausgeräumt
>> ist) mit ausreichend Strom zu versorgen?
>
> Rein technisch gibt's wohl keins.
>
> Ansonsten hängt es von den individuellen Fähigkeiten
> und auch den ökonomischen Möglichkeiten ab -- das
> FET-Magazin neu aufzumunitionieren kostet halt auch
> etwas :)



Du bist eh ein alter Hase, also komm, sei nicht ganz so phantasielos was 
preiswerte Materialbeschaffung betrifft...

Mainboards oder Grafikkarten aus dem ASZ abstauben, diese vorsichtig 
"putzen" und Material für die ersten Erfahrungen ist in wahrlich 
ausreichender Menge vorhanden.

Wenn die im ASZ nix hergeben ab zum nächsten PC-Tandler, der hat genug 
vermeintlichen Müll herumliegen.

Platinen lassen sich mit Stanleymesser oder einer Proxon aus dem vollen 
und niederimpedant schnitzen und fräsen, man schaue sich nur die div. 
Boards von John Larkin (Highland Technology) an:

https://www.dropbox.com/s/oz62u59ourty079/Z420_C1.JPG?raw=1

Das ist übrigens so ein Teil um etlichen Strom (abs. max 1kA) durch 
Widerstände zu schubsen um zu sehen wie überlastfest die sind.

Elkos sind 3x 22000uF/80V, der Fet ist ein IXFH-FT400N075T2 und das 
ganze wurde ausführlichst in "exploding wirewound resistors" in der 
Newsgroup sci.electronics.design diskutiert. Sehr lehrreich.


Der innere Schweinehund um von 3A auf 60A zu kommen ist schwerer zu 
überwinden als der, der einem im Weg steht wenn es gilt um von 60A auf 
600A zu kommen. BTDT.

MiWi

von Stefan F. (Gast)


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>> Weiterhin beträgt die Verlustleistung 0,875V * 50A = 43,75 Watt.
>> Zehn Stück davon verheizen dann schon satte 431 Watt!

> Das ist nur Impulsleistung. Wieso sollte das ein Problem
> werden?

ich sehe darin kein Problem, aber es wird eine anspruchsvolle Aufgabe.

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