Hallo,
ich wäre für allerlei Denkanstöße sehr dankbar. Trotz intensiver
Recherche (Internet, Literature etc.) komme ich bei der folgenden
Aufgabe einfach nicht weiter.
Gegeben:
P=75 kW , nN=2.100min−1 (Nenndrehzahl) , Un=320V , Isn=170A
Außerdem noch:
LS=747,49 pikoH (Synchroninduktivität), Up=147,1V (Polradspannung),
phi=37,3° , Xs=0,66 (Synchronreaktanz) , Q=57,09kW (aufgenommene
Blindleistung) und Mn=341Nm (Nenn-Drehmomen)
Stromwärme und Reibungsverluste werden vernachlässigt!
Frage:
Wie groß ist die maximal abgegebbare Leistung, wenn Nennspannung und
Nennstrom nicht überschritten werden dürfen? Bei welcher Drehzahl und
welchem Drehmoment stellt sich dieser Betriebspunkt ein? (Tipp:
Kosinus-Satz)
Mein Ansatz:
Zuerst die max. Leistung rechnen, d.h. bei cos(phi)=1 (phi=0) habe ich
ein Zeigerdiagramm, bei dem die Stator-Spannung Usn und Nenn-Strom Isn
in Phase stehen.
-> Pmax = wurzel(3)*Un*Isn*cos(0) = wurzel(3)*320V*170A = 94,22 kW
Jetzt um die nmax (max. Drehzahl) zu berechnen, kann ich doch das
Verhältnis
nmax / nN = Upmax / Usn setzen???
Laut Aufgabenstellung bleiben Usn und Isn unverändert, spricht ich
zeichne im Zeigerdiagramm die Usn senkrecht ein (siehe Anhang). Leider
habe ich immer noch zwei bzw. drei Unbekannten, nämlich Xs
(frequenzabhängig), Up und Polradwinkel.
Ich brauche einen Tipp. Vielleicht habe ich etwas übersehen.
Wahrscheinlich muss ich mit der berechneten max. Leistung irgendwas
machen. Außerdem hilft mir der Kosinus-Satz
cos(polradwinkel) = (Us²+Up² - (Xs*Is)² ) / 2UsUp nicht wirklich
weiter, da eben Up und Xs nicht bekannt sind.
(Lösung: nmax=4063min-1 und Mmax=221,5Nm)
Danke!
mfG
Xs ist eigentlich nicht unbekannt, die Frequenz der Speisespannung ist
ja konstant, oder? Damit ist Xs auch als konstant anzunehmen.
Ma D. schrieb:> Außerdem noch:> LS=747,49 pikoH (Synchroninduktivität), Up=147,1V (Polradspannung),> phi=37,3° , Xs=0,66 (Synchronreaktanz) , Q=57,09kW (aufgenommene> Blindleistung) und Mn=341Nm (Nenn-Drehmomen)
Gilt das für den Nennpunkt? Also für
Ma D. schrieb:> Gegeben:> P=75 kW , nN=2.100min−1 (Nenndrehzahl) , Un=320V , Isn=170A
Btw, Blindleistung niemals in Watt, Einheit ist VAr, Watt nur für
Wirkleistung.
Der Hinweis mit dem Cosinussatz lässt mich überlegen, ob da thetha
(Polradwinkel) 90° (Kipppunkt) angenommen wird.
Ich meinem, denk mal drüber nach...Synchronmaschine an fester Frequenz
hat eine fest Drehzahl und ein variables Moment. Dieses ist maximal wenn
thetha 90° ist M~sin(thetha). Dh deine Gleichung kann lautet dann 1 =
Ma D. schrieb:> (Us²+Up² - (Xs*Is)² ) / 2UsUp
Das kannst du jetzt nach den gesuchten Größen auflösen.
Ach ja, eine wichtige Formel um allgemein elektrische und mechanische
Leistung umzurechnen ist das Wissen das
Pmech = M * omega = M *2*pi*n (n muss in 1/s umgerechnet werden)= eta *
Pel
Ich hab deine Aufgabe nicht selbst durchgerechnet aber ich hab das
Gefühl, dass dir noch etwas Erfahrung und Grundwissen fehlen. Aber dafür
sind solche Aufgaben ja da. Dran bleiben.
Hm. Irgendwas ist da noch komisch. Wird diese Maschine an fester oder
variabler Frequenz betrieben? Darüber hast du leider nichts gesagt. Ich
hab nur gerade gesehen, dass du ein Ergebnis hast, bei dem die Drehzahl
fast doppelt so hoch wie die Nenndrehzahl ist.
Ralf B. schrieb:> Dh deine Gleichung kann lautet dann 1 =>> Ma D. schrieb:>> (Us²+Up² - (Xs*Is)² ) / 2UsUp
da cos(90°) natürlich 0 ist, ist die 1 oben Blödsinn, sondern:
0=....
Ma D. schrieb:> Mein Ansatz:> Zuerst die max. Leistung rechnen, d.h. bei cos(phi)=1 (phi=0) habe ich> ein Zeigerdiagramm, bei dem die Stator-Spannung Usn und Nenn-Strom Isn> in Phase stehen.> -> Pmax = wurzel(3)*Un*Isn*cos(0) = wurzel(3)*320V*170A = 94,22 kW
Hab jetzt mal einen Moment Zeit gehabt und mal die mechanische Leistung
aus deinem gegebenen Ergebnis berechnet. Liegt auch bei circa 94kW. Ich
hab immer noch das Gefühl, das die Angabe der Frequenz fehlt. Sonst
könntest du nämlich verschiedene Wege gehen.
1)
Xs ausrechnen aus Xs=omega*Ls (mit omega= 2*pi*f)
Mit Xs mal Isn den Spannungsabfall ausrechnen, Up bestimmen (ablesen
Zeigerdiagramm oder Pythagoras)
Dann die Verhältnisgleichung nutzen, die du bereits genannt hast:
n_max/n_nenn=Upmax/Upnenn
Dann P=M*n um das Moment zu berechnen
2) Über die gegebene Frequenz die dazugehörige Synchrondrehzahl
ausrechnen (Polpaarzahl benötigt). Dann aus der el. Leistung wieder über
P=M*n
Zunächst einmal danke für die Ratschläge. Das ging ja schneller als
gedacht.
Zu den Fragen kurz:
Ralf B. schrieb:> Xs ist eigentlich nicht unbekannt, die Frequenz der Speisespannung ist> ja konstant, oder? Damit ist Xs auch als konstant anzunehmen.
Hätte ich anfangs auch gedacht, jedoch spricht die Formel aus der
Synchronmaschinen-Schaltung (siehe Anhang) dagegen:
Xs = ws*Ls = 2Pi*fs*Ls
in der Frequenz (fs = n*p) befindet sich doch die Drehzahl und
Polpaarzahl, daher habe ich vermutet, dass die Xs (Synchronreaktanz) von
der Frequenz abhängt.
Ralf B. schrieb:>> Außerdem noch:>> LS=747,49 pikoH (Synchroninduktivität), Up=147,1V (Polradspannung),>> phi=37,3° , Xs=0,66 (Synchronreaktanz) , Q=57,09kW (aufgenommene>> Blindleistung) und Mn=341Nm (Nenn-Drehmomen)>> Gilt das für den Nennpunkt? Also für
Ja genau, die Werte gelten ebenfalls für den Nennpunkt, die ich aus
vorherigen Teilaufgaben berechnet habe. Außerdem habe ich die
Polpaarzahl von 4 (achtpoliger permanent-erregter Antrieb) vergessen zu
erwähnen.
Damit lässt sich die Frequenz berechnen (140 Hz = fs = p*n =
4*2100min-1).
Ralf B. schrieb:> 1)> Xs ausrechnen aus Xs=omega*Ls (mit omega= 2*pi*f)> Mit Xs mal Isn den Spannungsabfall ausrechnen, Up bestimmen (ablesen> Zeigerdiagramm oder Pythagoras)> Dann die Verhältnisgleichung nutzen, die du bereits genannt hast:> n_max/n_nenn=Upmax/Upnenn> Dann P=M*n um das Moment zu berechnen
Genauso bin ich auch vorgegangen, allerdings bin ich über die Xs und Up
(oder Polradwinkel) gestolpert. Um den Zeigerdiagramm komplett zeichnen
zu können, brauche ich doch mindestens einer diesen Werten. Ich weiß
aber, dass beim max. Wirkleistung Us und Xs*Isn im rechten Winkel
zueinander liegen. Mit dem Polradwinkel hätte sich das ganze schnell
erledigt. Dann hätte ich einfach im Zeigerdiagramm die Gegenkathete
(Xs*Isn) bis zum Winkel verlängert und hätte alles.
Ach ja, den Pythagoras habe ich folgendermaßen angewendet:
Up² = Us² + (Xs*Isn)²
Wobei Up und Xs (glaube?) meine Unbekannten sind.
mfG
Schönes einphasiges ESB. Ich werde richtig nostalgisch *g
Noch ein paar Grundlagen:
Das Ersatzschaltbild ist statorbezogen. Damit sollte fs konstant sein,
damit dann auch Xs. Wenn nicht, fehlt die Frequenz, sonst ist das System
unterbestimmt.
Die einzige drehzahlabhängige Größe ist Up. n und damit Up wird sich so
einstellen, dass die komplexe Masche eingehalten wird, in Phase und
Betrag. Das kennst du vielleicht im Gleichstromsystem von der
Gleichstrommaschine, wo sich die Ankerspannung drehzahlabhängig
einstellt.
Ma D. schrieb:> Hätte ich anfangs auch gedacht, jedoch spricht die Formel aus der> Synchronmaschinen-Schaltung (siehe Anhang) dagegen:> Xs = ws*Ls = 2Pi*fs*Ls> in der Frequenz (fs = n*p) befindet sich doch die Drehzahl und> Polpaarzahl, daher habe ich vermutet, dass die Xs (Synchronreaktanz) von> der Frequenz abhängt.
fs=n*p ist die sog. Frequenzbedingung. fs ist hier die Ursache, nicht
die Wirkung, also n die abhängige Variable, nicht umgekehrt, zumindest
nicht im Motorbetrieb. Im Generatorbetrieb ist es natürlich so wie du es
aufgestellt hast und die Frequenz der Statorspannung würde sich dann
gemäß Frequenzbedingung einstellen.
Aber den richtigen Schritt hast du schon erkannt. Du bist fast fertig.
Du hast das Zeigerdiagramm genau richtig aufgemalt. Us und Is in Phase
für maximale Leistung. Damit ist Uxs (Spannung über Xs) Is*jXs. Wegen
der Multiplikation mit j ist das ganze dann 90° voreilend, genau wie in
deinem Zeigerdiagramm. Damit ist dann Up^2=Un^2+(In*Xs)^2.
Ich hab das mal durchgerechnet. Ich komme auf 339.1V als Up und dann mit
(Upmax/(Un/sqrt(3)))*n_nenn auf 3854 1/min. Nicht ganz dein gegebenes
Ergebnis aber schon nah dran. Kann es sein, dass du eventuell noch eine
Angabe für R_s, den Statorwiderstand, hast? Dieser Spannungsabfall In*Rs
könnte diese Abweichung leicht erklären.
Ach ja, die Aufgabe hat ein paar interessante Interpretationen, die für
das Verständnis förderlich sind.
Überleg dir zB. mal was es bedeutet, dass Up tatsächlich fast doppelt so
groß ist wie die Strangspannung.
Man bezeichnet das ganze wegen der Ähnlichkeit zu einer
Gleichstrommaschine auch als Betrieb im Feldschwächbereich und es folgt
daraus, dass sich die Drehzahl deutlich über die Nenndrehzahl erhöhen
kann.
Und die einzige Änderung die man macht ist den Strom auf die Phasenlage
der Spannung zu regeln, also cos(phi) auf 1.
Man tauscht also Moment für Drehzahl ein. Unter der Nenndrehzahl kann
die Synchronmaschine immer ihr volles Moment liefern. Über der
Nenndrehzahl sinkt das Drehmoment parabolisch.
Eine Hauptanwendung für 100kW PSM sind Elektroautos. Die Tatsache, dass
Up im Feldschwächbereich größer als Us ist, muss bei der Auslegung der
Isolierung berücksichtigt werden.
Die Tatsache das Moment mit Drehzahl sinkt ist allerdings positiv, da
dies ähnlich wie ein Getriebe wirkt. Niedriger "Gang", niedrige
Drehzahl, hohes Moment. Hoher "Gang", hohe Drehzahl, niedriges Moment.