Angenommen in einem FET ist durch eine passende Gate-Source-Spannung ein
Leitender Kanal entstanden. Kann jetzt ein Strom sowohl von Source nach
Drain
als auch von Drain nach Source fließen? Wenn ja warum?
Oftmals ist bei Si-FETs eine parallele Diode eingezeichnet (meist im
Schaltbild rechts) welche Funktion erfüllt die Diode?
Vielen Dank schon mal für die Antworten
tsaG schrieb:> Angenommen in einem FET ist durch eine passende Gate-Source-Spannung ein> Leitender Kanal entstanden. Kann jetzt ein Strom sowohl von Source nach> Drain als auch von Drain nach Source fließen?
Ja.
> warum?
Schau in dein Lehrbuch (alternativ Wikipedia) wie ein MOSFET
funktioniert. Dann wird das unmittelbar klar.
> Oftmals ist bei Si-FETs eine parallele Diode eingezeichnet> welche Funktion erfüllt die Diode?
Diese Diode ist ein Nebeneffekt der Konstruktion, konkret: der
Verbindung des Substrats mit Source. Sie ist nicht hinzugefügt worden,
um eine spezielle Funktion zu erfüllen.
Wikipedia:
Prinzipiell sind Source- und Drain-Anschluss zunächst gleichwertig.
Meist ist der Aufbau aber nicht symmetrisch, um ein besseres Verhalten
zu erzielen. Außerdem wird bei den meisten Bauformen Bulk intern
elektrisch mit Source verbunden, da ein Potentialunterschied zwischen
Source und Bulk die Eigenschaften des Transistors (vor allem die
Schwellenspannung) negativ beeinflusst (body effect). Auf die
grundlegende Funktion hat diese Verbindung keinen Einfluss. Allerdings
entsteht zusätzlich eine Diode zwischen Bulk- und Drain-Anschluss, die
parallel zum eigentlichen Transistor liegt.
tsaG schrieb:> Angenommen in einem FET ist durch eine passende Gate-Source-Spannung ein> Leitender Kanal entstanden. Kann jetzt ein Strom sowohl von Source nach> Drain als auch von Drain nach Source fließen?
Natürlich nur, wenn entsprechende Potentiale am FET anliegen.
> Wenn ja warum?
Ergibt sich aus dem Funktionsprinzip des FETs und kann nur schlecht
mit zwei Sätzen erklärt werden.
> Oftmals ist bei Si-FETs eine parallele Diode eingezeichnet> welche Funktion erfüllt die Diode?
Diese Diode entsteht automatisch bei der Fertigung von MOSFETs.
Die kann man nicht einfach weglassen.
tsaG schrieb:> Angenommen in einem FET ist durch eine passende Gate-Source-Spannung ein> Leitender Kanal entstanden. Kann jetzt ein Strom sowohl von Source nach> Drain> als auch von Drain nach Source fließen?
Ja
tsaG schrieb:> Wenn ja warum?
Gegenfrage: Warum nicht? In dem p-dortierte Substrat sind zwei
n-dotierte Bereiche. Warum sollte also der Strom da nur in eine Richtung
durchkönnen? Wenn man Bulk von Source trennen würde, hätte man ja einen
komplett symmetrischen Aufbau.
tsaG schrieb:> Oftmals ist bei Si-FETs eine parallele Diode eingezeichnet (meist im> Schaltbild rechts) welche Funktion erfüllt die Diode?
Die erfüllt keine "Funktion" in dem Sinne. Schau dir mal an, wie ein FET
physikalisch aufgebaut ist: Die Diode kommt einfach durch den p-n
Übergang zustande.
tsaG schrieb:> welche Funktion erfüllt die Diode?
Um diese Frage exakt zu beantworten, ohne zu unterstellen, daß eine
"geplante" Funktion gemeint sein müsse:
Bei Brückenschaltungen aus FET(s) ersetzt/ersetzen diese Diode(n)
manchmal die "extra" Freilaufdiode(n), weil sie ja "eh schon da ist
(sind)".
Auch wird manchmal bei Synchrongleichrichter-Schaltungen (eine der
bekanntesten Anwendungen mit "Source-nach-Drain-Stromfluß") auf diese
Diode "zurückgegriffen" - und zwar z.B. beim Betrieb mancher
LLC-Resonanzwandler bei geringer Last.
Dieter schrieb:> Der Effekt wird auch bei Verpolschutzschaltungen ausgenutzt, als Hinweis> auf eine Anwendung in der Praxis.
Oder bei BLDC-Treibern wenn der Motor gebremst und Strom zurückgespeist
wird.
manchmal... schrieb:> Um diese Frage exakt zu beantworten, ohne zu unterstellen, daß eine> "geplante" Funktion gemeint sein müsse:
Falsch formuliert. Kann man so gar nicht richtig formulieren. Bitte den
Satz einfach ignorieren, meine Absicht ergibt sich aus den Beispielen.
(Und ist mit meinem Vorredner und Folgeredner identisch.)
manchmal... schrieb:> Bei Brückenschaltungen aus FET(s) ersetzt/ersetzen diese Diode(n)> manchmal die "extra" Freilaufdiode(n), weil sie ja "eh schon da ist> (sind)".
Folglich bräuchte ich doch gar keine extra Freilaufdioden für den
Freilaufpfad.
Warum werden die trotzdem oft eingebaut?
tsaG schrieb:> manchmal... schrieb:>> Bei Brückenschaltungen aus FET(s) ersetzt/ersetzen diese Diode(n)>> manchmal die "extra" Freilaufdiode(n), weil sie ja "eh schon da ist>> (sind)".>> Folglich bräuchte ich doch gar keine extra Freilaufdioden für den> Freilaufpfad.> Warum werden die trotzdem oft eingebaut?
Was für ein "Freilaufpfad"?
tsaG schrieb:> Folglich bräuchte ich doch gar keine extra Freilaufdioden für den> Freilaufpfad.> Warum werden die trotzdem oft eingebaut?
Weil eine Diode die du als Bauteil kaufst optimiert ist bezüglich
Schaltverhalten und anderen Parametern.
Wenn du jetzt fragst, warum man die Bodydiode nicht optimiert:
weil es Geld kostet und nicht jede Anwendung eine Diode braucht und
Wald- und Wiesendioden als Bauteile viel günstiger sind, wenn man doch
eine benötigt.
fdf schrieb:> Was für ein "Freilaufpfad"?
Beim Ausschalten induktiver Lasten entstehen sehr hohe Spannungsspitzen,
wenn man dem Srom keinen Pfad zum Weiterfließen anbietet.
Ein solcher Pfad ist der "Freilaufpfad".
Ralf B. schrieb:> warum man die Bodydiode nicht optimiert:
Ich vermute sehr, dass diese parasitäre(!) Diode nur zu Lasten primärer
Parameter (Rdson, Gateladung, usw) "optimierbar" wäre. Und dann wird das
schnell uninteressant.
tsaG schrieb:> Folglich bräuchte ich doch gar keine extra Freilaufdioden für den> Freilaufpfad.
Wenn du immer genau wüsstest, wann ein Strom durch den Mosfet fließen
will, dann könntest du den auch einfach aktiv ansteuern. Dann hättest du
sogar die 0,7V der Diode gespart (das nennt sich dann "aktiver
Gleichrichter" oder "aktive Diode")...
Beitrag "Wie soll dieser aktive Gleichrichter funktionieren?"
M.A. S. schrieb:> Beim Ausschalten induktiver Lasten entstehen sehr hohe Spannungsspitzen,> wenn man dem Srom keinen Pfad zum Weiterfließen anbietet.> Ein solcher Pfad ist der "Freilaufpfad".
Danke für die Erklärung. ICH weiß, was ein Freilaufpfad ist, das war
eine Denk-Hilfe für den TO. Es sollte auch klar sein, wo die
Freilaufdiode
in der Schaltung liegt (um die Frage beantworten zu können).
Ralf B. schrieb:> Weil eine Diode die du als Bauteil kaufst optimiert ist bezüglich> Schaltverhalten und anderen Parametern.>> Wenn du jetzt fragst, warum man die Bodydiode nicht optimiert:> weil es Geld kostet und nicht jede Anwendung eine Diode braucht und> Wald- und Wiesendioden als Bauteile viel günstiger sind, wenn man doch> eine benötigt.
So einen Quatsch habe ich lange nicht mehr gelesen. Bitte erst mal
verstehen, wie ein MOSFET aufgebaut ist und wie dieser funktioniert,
bevor hier so lustige Urban-Legends entstehen.
fdf schrieb:> So einen Quatsch habe ich lange nicht mehr gelesen. Bitte erst mal> verstehen, wie ein MOSFET aufgebaut ist und wie dieser funktioniert,> bevor hier so lustige Urban-Legends entstehen.
Wieso Quatsch? Er hat doch recht: Die parasitäre Diode zu optimieren ist
nicht wirklich sinnvoll, wenn es als Cent-Bauteile wesentlich bessere
Dioden als eigenständiges Bauteil gibt (Davon abgesehen, dass man z.B.
eine Schottky-Diode schwer als "Body-Diode" im MOSFET findet...).
der schreckliche Sven schrieb:> Ralf B. schrieb:>> warum man die Bodydiode nicht optimiert:>> Das tun sie doch, die Hersteller. Schaut doch mal in die Datenblätter> moderner Mosfets.
Genau. Beispiel:
http://aosmd.com/pdfs/datasheet/AO3422.pdf
Reverse Recovery Time 30ns ist gar nicht so schlecht, für ein
parasitäres Element.
jz23 schrieb:> Wieso Quatsch? Er hat doch recht
Nein, hat er nicht. Die ganze Argumentationskette ist Unsinn.
Die parasitäre Body-Diode ist ein Abfallprodukt und kein
primäres Leistungsmerkmal eines MOSFET. Da wird gar nichts optimiert.
soso schrieb:> Genau. Beispiel:> http://aosmd.com/pdfs/datasheet/AO3422.pdf>> Reverse Recovery Time 30ns ist gar nicht so schlecht, für ein> parasitäres Element.
Noch so ein Schlaumeier. Was soll denn jetzt diese Aussage?
Das Verhalten wurde ausgemessen und der Spezifikation hinzugefügt.
Da wurde nichts absichtlich optimiert und basierend auf dieser
einen Spezifikation ein ach-so-toller MOSFET entwickelt.
Ob 30ns nun gut sind oder nicht, steht gar nicht zur Diskussion.
fdf schrieb:> Da wurde nichts absichtlich optimiert
Und Du hast Dich nicht absichtlich informiert.
Heutzutage werden Mosfets für geschaltete Spannungsregler optimiert, bei
denen in einer Halbbrücke einer als Freilaufdiode fungiert. Da in einer
Halbbrücke nicht beide Mosfets gleichzeitig an sein dürfen, gibt es eine
Totzeit, während der die Bodydiode den Strom übernimmt. Darum ist die
Bodydiode auf kürzeste trr undsoweiter optimiert. Und zwar mit Absicht.
fdf schrieb:> Danke für die Erklärung.
Bitte.
fdf schrieb:> ICH weiß, was ein Freilaufpfad ist, das war> eine Denk-Hilfe für den TO.
Formulierst Du Deine "Denkhilfen" immer wie ernstgemeinte Fragen, mit
deren Beantwortung nicht gemeinte Leute dann ihre Zeit verschwenden!?
fdf schrieb:> Noch so ein Schlaumeier. Was soll denn jetzt diese Aussage?> Das Verhalten wurde ausgemessen und der Spezifikation hinzugefügt.> Da wurde nichts absichtlich optimiert und basierend auf dieser> einen Spezifikation ein ach-so-toller MOSFET entwickelt.>> Ob 30ns nun gut sind oder nicht, steht gar nicht zur Diskussion.
Das ist schon gut, und ich denke, das wurde auch etwas optimiert. Eine
normale Gleichrichterdiode (wie eine UF4001) ist zum Beispiel schlechter
(die ist mit 50ns angegeben). Jetzt ist eine UF4001 aber schon eine
optimierte Ultrafast-Diode.
Die 30ns sind also respektabel.
Ist ja auch klar:
Es MUSS optimiert werden, sonst sind FET in Vollbrücken quasi
unbenutzbar, oder man müsste Dioden parallel schalten. FET sind für
Schaltaufgaben optimiert, insbesondere diese HEX.- Trench.- usw Typen,
die man heute häufig findet.
Das ist eine Diode oft keine Option.
Wenn du andere Einblicke hast, dann teile sie mit uns. Bitte mit
Quellen. Ich habe eine Quelle genannt, ein Datenblatt.
Im Übrigen wäre ich für eine sachliche Diskussion dankbar.
der schreckliche Sven schrieb:> Ralf B. schrieb:>> warum man die Bodydiode nicht optimiert:>> Das tun sie doch, die Hersteller. Schaut doch mal in die Datenblätter> moderner Mosfets.
Interessant.
Meine Vorlesung Leistungselektronik ist leider schon ein bischen her.
Vielen Dank für die Informationen.
Na, da lehnt sich ber ein gewisser fdf sehr weit aus dem Fenster. Ich
hatte vor 30 Jahren genau mit dem Thema zu tun: "intrinsic (reverse)
diode" benutzen oder nicht? Und selbstverständlich hatten die
bedeutendsten Hersteller damals längst begonnen, eben diese "intrinsic
diode" zu optimieren. Der Rds(ON) war ja bereits für TO220-Gehäuse-Typen
auf unter 50 Milliohm heruntergedrückt worden. Das war also kein Thema
mehr. Nur galt halt immer noch der Lehrsatz in der durchweg
englischsprachigen Fachliteratur der Erstlieferanten:"The best way to
use the inrinsic diode is not to use it". Siliconix veröffentlichte in
seinen Data-books aber längst eine "digitale"
Audio-Endverstärker-Schaltung mit 200kHz-Arbeitsfrequenz, eine getastete
Endstufe für induktive Lasten namens Hifi-Lautsprecher. Und
"International Rectifier" entwickelte sich zum Top-Player mit seiner
Reihe um den IRF 540, auch IRF 640 herum. Dort war auch exakt
beschrieben, wie man die (hauseigenen) Power-Mosfets in einer H-Brücke
anzusteuern hat, damit man eben keine externen Dioden mehr braucht. Der
englische Lehrsatz war "gebrochen", ein echter Break-Through. Und die
Konkurrenz meines damaligen Arbeitgebers lieferte bereits Motor-Servos
in Serie, mit eben jenen IRFs..."virtually indestructable". Und die
Literatur dazu war damals....auf Papier, muahahahaaa...(ja, wir konnten
noch lesen!!)
tsaG schrieb:> Angenommen in einem FET ist durch eine passende Gate-Source-Spannung ein> Leitender Kanal entstanden. Kann jetzt ein Strom sowohl von Source nach> Drain als auch von Drain nach Source fließen? Wenn ja warum?
Ja, warum nicht ?
Es gibt keine PN-Übergänge mehr die bisher gesperrt haben (bzw. von
denen einer bisher gesperrt hat), es ist nur noch ein ohmscher
Widerstand.
Das macht man sich auch zu Nutze, z.B. in Akkuschutzschaltungen
https://www.maximintegrated.com/en/app-notes/index.mvp/id/123
(siehe dort die gegeneinander verschalteten FETs weil bei einem stets
die Body-Diode leitet).
Hier gibt es auch ein schönes Bild eines JFET auf dem man die Symmetrie
erkennt
http://hrsasa.asn.au/docs/Fetron.pdf
Ob Drain oder Source mehr befingert sind, das Gate liegt wzasichen
beiden.
Selbstverständlich wird die parasitäre Diode in Leistungsbauteilen
optimiert, sie hat nämlich ganz erhebliche Auswirkungen auf die
erreichbaren Schaltverluste des Bauteils. Und es ist völlig sinnlos in
einer hart schaltenden Anwendung eine externe Diode mit besseren
Parametern zu der Diode im FET parallel zu schalten. Der Grund liegt in
den parasitären Elementen des Aufbaus. Die Stromschleife zwischen den
beiden (interner und externer) Dioden hat schnell mal einige 10nH an
Induktivität - der Strom hat während einer kurzen Totzeit von einigen
10ns nicht ansatzweise genug Zeit in die externe Diode abzukommutieren.
Nach Ablauf der Totzeit treibt der einschaltende MOSFET dann die interne
Diode voll ins Reverse Recovery und verursacht erhebliche
Schaltverluste.
[Mod: unnötige persönliche Angriffe ohne Informationsverlust gelöscht]
Blubbb schrieb:> Der Grund liegt in> den parasitären Elementen des Aufbaus. Die Stromschleife zwischen den> beiden (interner und externer) Dioden hat schnell mal einige 10nH an> Induktivität
Das Argument würde ich gelten lassen, wenn die Substratdiode des
geschalteten FETs den Strom übernehmen könnte. Dann könnte der Strom auf
dem selben Pfad weiterfließen ohne größere Schleifenfläche - was aber so
nicht stattfindet.
Wenn du einen FET in der Brücke abschaltest übernimmt jeweils die
Substratdiode des anderen FETs im selben Brückenzweig den Strom (nicht
die Substratdiode des geschalteten FET). Deshalb musst du eine gewisse
"externe" Stromschleife immer kommutieren. Die parasitäre
Schleifeninduktivität wirst du mit Nutzung der Substratdioden genau so
wenig los wie mit Nutzung von externen Dioden.
Achim S. schrieb:> Das Argument würde ich gelten lassen, wenn die Substratdiode des> geschalteten FETs den Strom übernehmen könnte. Dann könnte der Strom auf> dem selben Pfad weiterfließen ohne größere Schleifenfläche - was aber so> nicht stattfindet.>> Wenn du einen FET in der Brücke abschaltest übernimmt jeweils die> Substratdiode des anderen FETs im selben Brückenzweig den Strom (nicht> die Substratdiode des geschalteten FET). Deshalb musst du eine gewisse> "externe" Stromschleife immer kommutieren. Die parasitäre> Schleifeninduktivität wirst du mit Nutzung der Substratdioden genau so> wenig los wie mit Nutzung von externen Dioden.
Du hast die falsche Schaltflanke im Kopf. Es geht um die hart schaltende
Schaltflanke. Annahme: Lowside FET ist leitend und Stromrichtung
"positiv", also der Strom fliesst aus der Brücke hinaus zur Last. Nun
schaltet der Lowside FET ab. Der Strom wechselt nun aus dem Kanal in die
Substratdiode des gerade noch leitfähigen FETs. Nach Ablauf der
Interlockzeit schaltet dann der Highside FET ein. Der Strom hat während
der Interlockzeit keine Chance in die externe Diode zu wechseln.
Blubbb schrieb:> Lowside FET ist leitend und Stromrichtung> "positiv", also der Strom fliesst aus der Brücke hinaus zur Last. Nun> schaltet der Lowside FET ab. Der Strom wechselt nun aus dem Kanal in die> Substratdiode des gerade noch leitfähigen FETs.
Du meinst das Abschalten des aktiven Freilaufs? Ok, diese Flanke kann es
in der Brückensteuerung auch geben, und dafür hat die interne Diode
tatsächlich Vorteile gegenüber der externen. Das zählt als Argument für
die Aussage:
Blubbb schrieb:> Selbstverständlich wird die parasitäre Diode in Leistungsbauteilen> optimiert, sie hat nämlich ganz erhebliche Auswirkungen auf die> erreichbaren Schaltverluste des Bauteils.
Die Aussage
Blubbb schrieb:> Und es ist völlig sinnlos in> einer hart schaltenden Anwendung eine externe Diode mit besseren> Parametern zu der Diode im FET parallel zu schalten.
ist damit aber trotzdem nicht begründet, da es ja die "normale"
Abschaltflanke mit unvermeidbarer Stromschleife im Brückenbetrieb ebenso
gibt, und für diese die besseren Eigenschaften einer externen Diode
weiter zum Tragen kommen können (ohne dass Substratdiode einen Vorteil
gegenüber der externe Diode aufgrund einer kleineren Stromschleife
hätte).
Oder zählt diese Flanke bei deiner Brücke nicht als hart schaltend?
Achim S. schrieb:> Aussage> Blubbb schrieb:>> Und es ist völlig sinnlos in>> einer hart schaltenden Anwendung eine externe Diode mit besseren>> Parametern zu der Diode im FET parallel zu schalten.>> ist damit aber trotzdem nicht begründet, da es ja die "normale"> Abschaltflanke mit unvermeidbarer Stromschleife im Brückenbetrieb ebenso> gibt, und für diese die besseren Eigenschaften einer externen Diode> weiter zum Tragen kommen können (ohne dass Substratdiode einen Vorteil> gegenüber der externe Diode aufgrund einer kleineren Stromschleife> hätte).> Oder zählt diese Flanke bei deiner Brücke nicht als hart schaltend?
Doch! Gerade darum geht es ja. Überleg dir was am Ende der Totzeit
passiert, am Ende des Totzeitintervalls ist immer noch die "schlechte"
Diode im Lowside FET leitend. Der Strom hatte noch keine Zeit in die
externe Diode umzukommutieren. Als parasitäre Induktivität hast du
schnell 30nH zusammen, die Flusspannung an der internen Diode ist
vielleicht 1V. In 30ns Totzeit kannst du somit maximal 1A Strom in der
externen Diode aufbauen, der Grossteil des Laststroms fliesst immer noch
durch die interne Bodydiode. Wenn nun die Highside einschaltet schaltet
diese also auf eine nicht gesperrte interne Diode mit entsprechender
Reverse Recovery Ladung. Und die Anteile des Reverse Recovery Effekts an
den Schaltverlusten sind je nach Anwendung gewaltig, ganz besonders bei
höheren Sperrschichttemperaturen.
Hm, reden wir hier gerade aneinander vorbei? Ich versuchs mal andersum:
Sind wir uns einig, dass es bei dem Betrieb der Brücke ein Abschalten
von FETs gibt, bei dem der Strom zwingend auf ein anderes Bauelement
umkommutieren muss? (der High-Side FET hatte Strom geliefert. Jetzt ist
er aus, die Spannung rauscht von der induktiven Last getriebennach unten
und ein anderes Bauelement muss den Strom von der Low-Side
weiterliefern). Das andere Bauelement kann die Substratdiode des
low-side FETs sein oder eine parallel dazu liegende externe Diode
("später" übernimmt dann der eingeschaltete low-side FET den Strom per
akivem Freilauf).
Sind wir uns weiter darüber einig, dass es für diese Flanke keinen
relevanten Unterschied bezüglich parasitärer Eigenschaften der
Stromschleife gibt zwischen der Substratdiode des zweiten FETs und der
dazu parallel liegenden externen Diode? (beide Bauelemente waren zuvor
stromlos, der Strom kam aus dem high-side FET.)
Falls beides zutrifft: ist dann nicht ein möglichst "gutes"
Schaltverhalten der Diode von Vorteil im Hinblick auf die Verluste und
ist das nicht ein direkter Widerspruch zu der Aussage:
Blubbb schrieb:> Und es ist völlig sinnlos in> einer hart schaltenden Anwendung eine externe Diode mit besseren> Parametern zu der Diode im FET parallel zu schalten.
Achim S. schrieb:> Hm, reden wir hier gerade aneinander vorbei?
Ja scheint so:
Achim S. schrieb:> Sind wir uns einig, dass es bei dem Betrieb der Brücke ein Abschalten> von FETs gibt, bei dem der Strom zwingend auf ein anderes Bauelement> umkommutieren muss? (der High-Side FET hatte Strom geliefert. Jetzt ist> er aus, die Spannung rauscht von der induktiven Last getriebennach unten> und ein anderes Bauelement muss den Strom von der Low-Side> weiterliefern). Das andere Bauelement kann die Substratdiode des> low-side FETs sein oder eine parallel dazu liegende externe Diode> ("später" übernimmt dann der eingeschaltete low-side FET den Strom per> akivem Freilauf).> Sind wir uns weiter darüber einig, dass es für diese Flanke keinen> relevanten Unterschied bezüglich parasitärer Eigenschaften der> Stromschleife gibt zwischen der Substratdiode des zweiten FETs und der> dazu parallel liegenden externen Diode? (beide Bauelemente waren zuvor> stromlos, der Strom kam aus dem high-side FET.)
Das ist soweit richtig. Das ist aber die weiche Flanke (du hast an
dieser Flanke zero-voltage switching (ZVS)). Für diese Flanke ist das
Schaltverhalten der Diode nicht annähernd so entscheiden da es hier kein
Reverse Recovery gibt. Der Strom wird während der Flanke von den
parasitären Kapazitäten der Schalter geführt, nach dem erreichen der
Flussspannung wird er von der Diode übernommen. Die Schaltverluste
entstehen hier hauptsächlich im Kanal des abschaltenden FETs, die
Schaltverluste auf der Lowside sind vernachlässigbar klein und de facto
irrelevant.
Die betreffende Flanke von der ich geschrieben habe ist die hart
schaltende Flanke (gleiche Stromrichtung, aber von Lowside nach Highside
zurück). Und bei dieser Flanke hat der Laststrom kaum Zeit vom gerade
abgeschalteten FET in die externe Diode umzukommutieren bis auch schon
die Highside wieder einschaltet. Die Induktivität von der ich
geschrieben habe ist die Leiterschleife die die beiden Dioden (interne
und externe) miteinander aufspannen. Der Highside Schalter ist nicht in
diesem erwähnten Strompfad enthalten.
Die Schaltverluste der harten Flanke sind erheblich höher als die der
weichen - einerseits durch das Reverse Recovery, zudem wird bei der
harten Flanke auch die gespeicherte Ladung in den parasitären
Kapazitäten verheizt. Die Kanalverluste welche du beim weichen Schalten
hast kommen auch noch dazu.
tsaG schrieb:> Kann jetzt ein Strom sowohl von Source nach> Drain> als auch von Drain nach Source fließen? Wenn ja warum?
Ja, wegen des symmetrischen Aufbaus.
Der bekannte BF245 z.B. sowie etliche weitere JFETs sind explizit als
symmetrische Typen ausgewiesen, d.h. du darfst ungestraft D und S
vertauschen.
MOSFETs hingegen sind wegen der parasitären Substratdiode meist
unsymmetrisch.
Wieso sollte man denn die schlechte Substratdiode nutzen wenn man doch
parallel einen richtig fetten Mosfet hat.
Ein Mosfet kann auch in Gegenrichtung Strom führen. Fließt ein Strom
über die Bodydiode den der Mosfet nicht abstellen kann und
möglicherweise wegen den höheren Verlusten den Mosfet killen könnte,
wird der Mosfet angesteuert und so die Verbindung zwischen D-S wieder
sehr niederohmig mit R_DS_on.
Markus H. schrieb:> Fließt ein Strom über die Bodydiode den der Mosfet nicht abstellen kann> und möglicherweise wegen den höheren Verlusten den Mosfet killen könnte,> wird der Mosfet angesteuert
Das musst du aber wie gesagt irgendwie erkennen oder wissen und
genau rechtzeitig und schnell genug abschalten. Das war weiter oben
schon als "synchrone Gleichrichtung" im Gespräch...
Markus H. schrieb:> Wieso sollte man denn die schlechte Substratdiode nutzen wenn man doch> parallel einen richtig fetten Mosfet hat.
Also noch mal.
Die "Diode", die im Symbol des MOSFETs angedeutet wird, ist keine
absichtliche oder zusätzliche Diode im Transistor.
Es ist ein Verhalten des Kanals. Die "Diode" hat auch die selben
thermischen Eigenschaften, wie der MOSFET an sich.
Daher wird auch nie diese "Diode" optimiert, sondern Eigenschaften des
MOSFETs.
fdf schrieb:> Markus H. schrieb:>> Wieso sollte man denn die schlechte Substratdiode nutzen wenn man doch>> parallel einen richtig fetten Mosfet hat.>>> Also noch mal.>> Die "Diode", die im Symbol des MOSFETs angedeutet wird, ist keine> absichtliche oder zusätzliche Diode im Transistor.>> Es ist ein Verhalten des Kanals. Die "Diode" hat auch die selben> thermischen Eigenschaften, wie der MOSFET an sich.>> Daher wird auch nie diese "Diode" optimiert, sondern Eigenschaften des> MOSFETs.
Ja, OK und womit nimmst du damit Bezug auf meine Aussage?
Markus H. schrieb:> Wieso sollte man denn die schlechte Substratdiode nutzen wenn man doch> parallel einen richtig fetten Mosfet hat.
Weil es (zumindest in Bezug auf die Schaltverluste) eben eine Totzeit
gibt während derer man sich das nicht wirklich aussuchen kann.
Streitet Euch nicht, ein Mod hat bereits eingegriffen. Der ursprüngliche
Fragesteller hat sich längst aus dem Thread verabschiedet und einen
neuen eröffnet. Ihr habt alle z. T recht und manchesmal auch nicht.
JFETs sind halt das ziemliche Gegenteil von MOSFETs, zur Erinnerung
"junction"="Verbindung" des Gates versus "Metal Oxide"=Isolator
dazwischen, Gate eben nicht "galvanischer Verbindung" mit dem Rest...
Die antiparallel eingezeichnete Diode bei MOSFEts soll vor allem die
Nicht-Steuerbarkeit des Bauteils in dieser Richtung belegen. Während
also die Drain-Source-Strecke eines JFETs steuerbar bleibt
(eingangsseitig) ist sie beim MOSFET in der "Sperrichtung" des
eigentlichen "Transistors" nicht mehr "eingangsseitig" steuerbar,
sondern stets leitend, sobald nur über der Ausgangsseite die
entsprechende Polarität anliegt. Der Aspekt der induktiven
Leiterschleife ist hervorragend beschrieben worden. Daß man sich`s je
nach Anwendungsfall auch nicht wirklich aussuchen kann auch. Völlig
falsch ist die Unterstellung FETs an sich seien immer symmetrisch (Beleg
mit Bild, etc.) Einfach mal die Eingangskapazität eines typischen
MOSFETS (bis 30 Ampere) messen/nachlesen, damals zu meiner Zeit locker
1...2nF, aber eben Gate-Source und eben nicht Gate-Drain. Genauso dürfen
natürlich am Drain (heutzutage) einige 100 Volt zappeln, solange nur die
Ansteuerschaltung des Gates genügend niederohmig ist (Millerkapzität).
Und falls Ihr Euch noch weiter "akademisch" streiten wollt: Motor als
Last einer H-Brücke und die Bedtriebsbedingungen "free-wheel", "stall",
"full-speed drive reverse". Ab da wird der "fünfte Fet" in der H-Brücke
Pflicht. Noch viel Spaß beim Diskutieren.