Forum: Offtopic Simulation einer QFT


von Daniel A. (daniel-a)


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Hallo zusammen!

Ich hatte vor kurzem folgenden Gedankengang: Man hat noch keinen 
Supraleiter gefunden, der bei Raumtemperatur funktioniert. Mit einer 
Computersimulationen müsste man den PC nach solchen suchen lassen 
können, indem man diesen verschiedene Materialien simulieren lässt.

Mein Ziel ist deshalb, eine Software-Simulation für eine der 
Quantenfeldtheorie (QFT) zu erstellen. Hier wäre meine erste Frage: Auf 
welche QFT soll ich mich konzentrieren? Ich habe gelesen 
Quantenelektrodynamik (QED) würde gute Resultate erzielen. Aber 
Quantenchromodynamik QCD ist wohl weiterentwickelt und noch genauer? Mit 
welcher habe ich die besten Erfolgschancen?

Der nächste Schritt wäre dann alle nötigen Informationen zusammen zu 
suchen, um die Theorien verstehen und Anwenden zu können. Ich hab mir 
mal folgende Bücher bestellt:
 * Lectures on Quantum Field Theory ( 
https://www.amazon.de/gp/r.html?C=3ILR4VQSVD3HI&K=2WU4YWT0DYYKG&M=urn:rtn:msg:2018012921434967b6105f4524459a9bd1c3e87d70p0eu&R=2XNWKK5DSBHMG&T=C&U=http%3A%2F%2Fwww.amazon.de%2Fdp%2F9812832858%2Fref%3Dpe_3044161_185740101_TE_item&H=6L2LB6MOSB8QWUQZ3T3YQAGNCB4A&ref_=pe_3044161_185740101_TE_item 
)
 * Quantum Mechanics (Bransden, B. H.,Joachain, C. J.) ( 
https://www.amazon.de/gp/r.html?C=3ILR4VQSVD3HI&K=2WU4YWT0DYYKG&M=urn:rtn:msg:2018012921434967b6105f4524459a9bd1c3e87d70p0eu&R=2XNWKK5DSBHMG&T=C&U=http%3A%2F%2Fwww.amazon.de%2Fdp%2F0582356911%2Fref%3Dpe_3044161_185740101_TE_item&H=TCAHTE8SM8BXDXVVOL0LDGIW0FWA&ref_=pe_3044161_185740101_TE_item 
)
 * Qed: The Strange Theory of Light and Matter (Princeton Science 
Library)
(Feynman, Richard P.) 
(https://www.amazon.de/gp/r.html?C=3ILR4VQSVD3HI&K=2WU4YWT0DYYKG&M=urn:rtn:msg:2018012921434967b6105f4524459a9bd1c3e87d70p0eu&R=2XNWKK5DSBHMG&T=C&U=http%3A%2F%2Fwww.amazon.de%2Fdp%2F0691024170%2Fref%3Dpe_3044161_185740101_TE_item&H=8GD8NKFAFIWKZCYAJKOCMPT8ECQA&ref_=pe_3044161_185740101_TE_item)
 * Gauge Field Theory 
(http://www.hep.phy.cam.ac.uk/~gripaios/gft_lecture_notes.pdf)

Könnt ihr noch welche Empfehlen?

Ausserdem brauche ich noch Mathe Bücher oder etwas vergleichbares. Ich 
muss sicher folgende Themen lernen:
 * Integrale
 * Komplexe Zahlen
 * Tensoren
 * Dirac-Notation

Rechnen mit Vektoren und Matrizen kann ich bereits. Was muss ich 
abgesehen davon noch lernen?

Oh, und gibt es irgendwo eine Zusammenfassung, für was die ganzen 
Symbole für gewöhnlich stehen? z.B. Ein Delta Δ kann eine Differenz 
ausdrücken, oder einen Laplace-Operator, oder eine Diskriminante, etc. 
Und wie findet man am schnellsten heraus, was jeweils gemeint ist? Diese 
alles als ein Symbol philosophie in der Mathematik ist echt lästig.

Und kennt ihr vielleicht noch Seiten mit Übungsaufgaben zu dem Thema?

Danke schon im vorraus.

von Sven B. (scummos)


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Die Quantenchromodynamik beschreibt die starke Wechselwirkung. Das ist 
nicht der wesentliche Prozess bei der Supraleitung; da spielt nur die 
Elektrodynamik eine Rolle. Es macht also keinen Sinn, Supraleiter mit 
QCD zu simulieren, du brauchst die Quantenelektrodynamik. QCD ist auch 
nicht genauer oder weiter entwickelt, es ist einfach eine Theorie für 
ein anderes Phänomen.

Ich würde vor dem Schreiben der Simulation außerdem empfehlen, sich 
ausführlich mit der Theorie zu befassen. Du wirst nicht, wenn du 
komplexe Zahlen nicht kennst, direkt zur QCD gehen können. Du solltest 
dich erstmal mit klassischer Feldtheorie und klassischer Quantenmechanik 
beschäftigen, denn beide Theorien bilden die Grundlage für jede 
Quantenfeldtheorie.

von Johann L. (gjlayde) Benutzerseite


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Daniel A. schrieb:
> Ich hatte vor kurzem folgenden Gedankengang: Man hat noch keinen
> Supraleiter gefunden, der bei Raumtemperatur funktioniert. Mit einer
> Computersimulationen müsste man den PC nach solchen suchen lassen
> können, indem man diesen verschiedene Materialien simulieren lässt.

hust

Ok, ist Freitag

> Mein Ziel ist deshalb, eine Software-Simulation für eine der
> Quantenfeldtheorie (QFT) zu erstellen.

Frank und frei: Vergiss es.  Einerseits wegen:

> Ich muss sicher folgende Themen lernen:
>  * Integrale
>  * Komplexe Zahlen

und andererseits bekommst du das nicht vernünfitig simuliert.  Feynman's 
Idee hinter dem Quantencomputer war: Quantensysteme mit ebendiesen zu 
simulieren, weil es auf klassischen Computern zu kompliziert ist, und 
i.W. gilt das heute immer noch (klassische Computer sind immer noch 
klassisch).

Was man jedoch sicher sagen kann, ist, dass dich QCD nicht weiterbringt. 
Zu kompliziert, insbesondere was die Numerik angeht.  Da wird's schon 
daran scheitern, einen Blei-Atomkern zu "berechnen".  Das einzige, was 
du vom Atomkern brauchst — falls überhaupt — sind dessen Ladung und 
Spin.

> Könnt ihr noch welche Empfehlen?

Naja, mit den First Principles wirst du nicht weiterkommen, die sind 
i.d.R. als Variationsprinzip formuliert, z.B. indem die Lagrange-Dichte 
angegeben wird.  Evtl. hilft Literatur zum Thema "Computational XXX".

> Was muss ich abgesehen davon noch lernen?

Frag was du nicht lernen musst, das geht schneller ;-)

> Oh, und gibt es irgendwo eine Zusammenfassung, für was die ganzen
> Symbole für gewöhnlich stehen?

Nö.

> z.B. Ein Delta Δ kann eine Differenz ausdrücken, oder einen
> Laplace-Operator, oder eine Diskriminante, etc.
> Und wie findet man am schnellsten heraus, was jeweils gemeint ist?

Indem man versteht, was da steht. Ob es eine Variation ist oder ein 
Laplace, ergibt sich aus dem Kontext.  Wenn du nicht aus dem Konxest 
siehst, ob ein i ein Index ist oder Komplexe Einheit, dann...

von Purzel H. (hacky)


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Zurueck zum Poster... als kleiner Tip .. wenn es eine einfach Simulation 
und eine komplizierte gibt, nimmt man erst die Einfache, bis sich deren 
Fehler stoerend bemerkbar macht. In dem Sinne simulier mal mit der 
Quantenelektrodynamik. Das waere dann Maxwell, plus zwei Tonnen von 
Konzepten oben drauf. .. Nein das wird's nicht bringen.

Denn Supraleitung ist ein Festkoerperphenomen und handelt von 
Kristallfeldern, Zustandssummen, usw.

Die Standards, wie BCS hast du drauf ? Eher nicht.

Ganz zu Beginn kommen Div, Rot & Grad, und was man damit alles machen 
kann und muss. Das waeren etwa 5 Semester an Mathematik bevor 
Supraleitung kommt.

von Daniel A. (daniel-a)


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Johann L. schrieb:
> Frank und frei: Vergiss es

Das höre ich öfters. Wenn ich je wirklich darauf gehört hätte hätte ich 
heute noch garnichts erreicht. Wie sagt man noch gleich, viehle 
Fehlschläge sind das geheimnis zum Erfolg!

> Feynman's
> Idee hinter dem Quantencomputer war: Quantensysteme mit ebendiesen zu
> simulieren, weil es auf klassischen Computern zu kompliziert ist, und
> i.W. gilt das heute immer noch (klassische Computer sind immer noch
> klassisch).

Nunja, das muss ich erst selbst gesehen haben. Mit OpenCL kann ich 
sicher vieles parallelisieren, und besonders viele Moleküle muss ich 
auch nicht Simulieren. Ich könnte z.B. den Simulationsraum so aufbauen, 
dass eine Seite an die andere Seite des Raums angrenzt, und so mit 
wenigen Molekülen eine unendlich grosse Fläche simulieren. Und eventuell 
fallen mir ja noch andere Approximationen und Optimierungen ein. In 
normalen FEM Simulationen z.B. wird häufig nicht über ein gleichmässiges 
Netz aus Knoten simuliert, sondern das Netz wird in abhängigkeit der 
benötigten Genauigkeit festgelegt. Vielleicht lässt sich dazu ja in den 
QFTs ein analoges Verfahren finden, etc. Irgendwas wird mir schon 
einfallen.

> Naja, mit den First Principles wirst du nicht weiterkommen, die sind
> i.d.R. als Variationsprinzip formuliert, z.B. indem die Lagrange-Dichte
> angegeben wird.  Evtl. hilft Literatur zum Thema "Computational XXX".

Danke, das könnte wirklich hilfreich sein.


Sven B. schrieb:
> Du solltest
> dich erstmal mit klassischer Feldtheorie und klassischer Quantenmechanik
> beschäftigen, denn beide Theorien bilden die Grundlage für jede
> Quantenfeldtheorie.

Ok, also zuerst muss ich die paar Mathe geschichten lernen, danach 
klassische Feldtheorie und klassische Quantenmechanik, und zum Schluss 
dann QED. Könnt ihr spontan irgendwelche Bücher empfehlen?


Zwölf M. schrieb:
> Die Standards, wie BCS hast du drauf ? Eher nicht.

Nunja, das währe wohl praktisch um zu evaluieren bei welchen Materialien 
man grössere chancen hat, dass diese Supraleitend sind. Aber um zu 
prüfen, ob es Supraleitend ist, kann ich bei der Simulation ja einfach 
prüfen, ob das Matrial bei verschiedenen Temperaturen einen Wiederstand 
hat oder nicht, usw. Es mag zwar nicht besonders Effizient sein, 
zufällig zu suchen, aber andererseits würde ich sonst auch keine 
Materialien finden können, die aus anderen Gründen supraleitent sind. 
Und vermutlich kann ich mit genügend Simulationsdaten dann auch auf 
übliche Evolutionäre Algorithmen und vergleichbare Techniken 
zurückgreifen, um die zu testenden Materialien auszuwählen. Somit kann 
ich die Theorien, warum es zur Supraleitung kommt, vorerst ignorieren, 
bis ich die Simulation zum laufen gebracht habe.

> In dem Sinne simulier mal mit der
> Quantenelektrodynamik. Das waere dann Maxwell, plus zwei Tonnen von
> Konzepten oben drauf. .. Nein das wird's nicht bringen.

Wieso nicht? Es ist doch egal, welche Theorie man verwendet, solange 
diese gut genug ist um akkurate Vorhersagen zum gesuchten machen zu 
können.

von Christian K. (Gast)


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Jau ist Freitag.

Ein paar Bücher kaufen, lesen, etwas programmieren und schon ist der 
Nobelpreis sicher.

Leider ist es sehr selten, das man unbekanntes mit Simulation findet. Es 
läuft fast immer umgekehrt, das man Phänomene entdeckt, zu der die 
passende Theorie erst später gefunden wird.

von Sven B. (scummos)


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Klar, deshalb hab ich mich ja auch konstruktiv geäußert. Aber an sich 
hat Johann natürlich recht: das Ganze wird komplett scheitern, weil die 
Komplexität des Problems mit klassischen Computern nicht bewältigbar 
ist. Da bringt dir auch die Parallelisierung nichts, die Komplexität 
wächst exponentiell mit der Problemgröße und ist schon bei zwei Atomen 
quasi zu groß zum simulieren.

Beitrag #5302203 wurde von einem Moderator gelöscht.
von Johann L. (gjlayde) Benutzerseite


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Daniel A. schrieb:
> In normalen FEM Simulationen

Die erste Frage die sich stellt ist doch: Was soll "Input" und "Output" 
der Simulation sein?

Input: Vermutlich ein korrekt angesetztes H (Hamiltonian) für ein 
periodisches Gitter wie nach Bloch-Theorem.  Es gibt Elektron-Terme, 
Phonon-Terme und welche für Elektron-Phonon-Wechselwirkung, d.h. man 
geht davon aus dass die 1. Qantisierung ausreicht (keine Quantisierung 
der Felder).  Zeitliche Entwicklung gibt es keine, aber zusätzlich noch 
äußere Felder: statisches EM-Feld, was auch einen Beitrag zu H 
liefert, ebenfalls nicht quantisiert.

Die Kristallstruktur ist Input, d.h. irgendwoher musst du diese 
erhalten (unter der Annahme, dass dein Supraleiter kristallin ist und 
nicht etwa flüssig, amorph oder organisch), und die bekommst du aus 
Messungen (Röntgenstrukturanalyse, Elektronbeugung, ...).  Wenn also 
bereits Materialeigenschaften bekannt sind (weil ein solches Material 
hergestellt und bemessen wurde), dann ist auch ziemlich sicher bekannt, 
ob es ein Supraleiter ist :-) insbesondere wenn es sich um einen der 
üblichen Verdächtigen handelt wie Cuprat mit Perowskit-Struktur.

Output: Wie manifestiert sich die Supraleitung?  Vermutlich durch 
Separabilität des Hilbertraums, so dass sich eine bosonische Komponente 
separieren lässt.  Oberhalb einer gewissen Phonon-Energie (Temperatur) 
und B-Feld bricht diese Symmetrie, d.h. der bosonische Faktor geht 
flöten (Supraleitung bricht zusammen).

Du willst also die energieabhänge Separabilität eines Hilbertraumes 
rechnerisch bestimmen, wobei sich der Hilbertraum aus einer 
Funktionalgleichung (E-H)Ψ = 0 ergibt.

Annahme ist ein diskretes Spektrum; gehört ebenfalls zum Input das, d.h. 
man geht davon aus, dass die "Randbedingungen" wie Periodizität zu einem 
diskreten Spektrum führen, und dass endlich viele Dimensionen (welche?) 
genügen.  Sobald du eine endliche Basis wählst (die auch zum Input 
gehört) machst du Annahmen über das System bzw. schränkst die Resultate 
entsprechend ein.

> Vielleicht lässt sich dazu ja in den QFTs ein

Du willst nicht wirklich die Felder quantisieren?

> Nunja, das währe wohl praktisch um zu evaluieren bei welchen Materialien
> man grössere chancen hat, dass diese Supraleitend sind.

Fang als Fingerübung einfach mal mit Quecksilber an.  Wenn deine 
Simulation die richtige Sprungtemperatur und kritische Feldstärke 
liefert, ist das bereits eine Veröffentlichung oder mehr wert :-)

> ob es Supraleitend ist, kann ich bei der Simulation ja einfach
> prüfen, ob das Matrial bei verschiedenen Temperaturen einen Wiederstand
> hat oder nicht

Du denkst die Elektronen als Kügelchen, die durch den Stoff wackeln? 
Supraleitung ist kein klassischer Effekt.

> Es mag zwar nicht besonders Effizient sein,
> zufällig zu suchen,

Ok, schau dir erst mal an wie die Theorie prinzipiell gestrickt ist, zum 
Beispiel anhand der Dirac-Gleichung.  Wenn du es schafftst, aus dieser 
ein Linienspektrum incl. (anomalem) Zeeman-Effekt zu "simulieren": 
Chapeau.

von Falk B. (falk)


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Kurt reloaded?

von Le X. (lex_91)


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Falk B. schrieb:
> Kurt reloaded?

Wieso?

Der TE hat hier durchaus eine lobenswerte Idee.
Außerdem hat er in anderen Themen technischen Sachverstand bewiesen und 
ist sich auch bewusst dass er (noch) nicht über das mathematische 
Handwerksgeschick verfügt um sein Problem zu lösen.

Er unterschätzt lediglich die Komplexität des Problemes bzw. die dafü 
notwendige Rechenpower.
Parallelen zu einem gewissen Kurt kann ich keine Erkennen.

von Falk B. (falk)


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@ Le X. (lex_91)

>> Kurt reloaded?

>Wieso?

Naja, nicht ganz.

>Der TE hat hier durchaus eine lobenswerte Idee.

Gut gemeint ist das Gegenteil von gut gemacht. Und Selbstüberschätzung 
ist nicht erst seit gestern "in".

Beitrag "Horizon EDA [War: Neues, halbfertiges Elektronik-CAD-Programm]"

>Außerdem hat er in anderen Themen technischen Sachverstand bewiesen und

Wo denn?

>ist sich auch bewusst dass er (noch) nicht über das mathematische
>Handwerksgeschick verfügt um sein Problem zu lösen.

Nun ja, ich mag mich irren, aber wenn der OP noch nicht mal Integrale 
und komplexe Zahlen drauf hat, ist es noch ein VERDAMMT weiter Weg zur 
Quantenfeldtheorie. Und die Mathematik ist "nur" das Werkzeug, die 
dahinterstehenden ARG abstrakten Modelle sind noch mal ne ganz andere 
Liga.

>Er unterschätzt lediglich die Komplexität des Problemes bzw. die dafü
>notwendige Rechenpower.

"Lediglich" ;-)

>Parallelen zu einem gewissen Kurt kann ich keine Erkennen.

Ja, der Vergleich ist schlecht. Trotzdem finden sich wieder die gleichen 
Leute mit echtem Fachwissen, um dem OP zu erklären, daß er sich dabei 
VERDAMMT viel vorgenommen hat.

Es ist und bleibt eine Schnapsidee bzw. eine Freitagsdiskussion.

von Sven B. (scummos)


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Falk B. schrieb:
> Ja, der Vergleich ist schlecht. Trotzdem finden sich wieder die gleichen
> Leute mit echtem Fachwissen, um dem OP zu erklären, daß er sich dabei
> VERDAMMT viel vorgenommen hat.
>
> Es ist und bleibt eine Schnapsidee bzw. eine Freitagsdiskussion.

Naja, oft ist es sehr lehrreich etwas zu versuchen und dann 
festzustellen, warum genau es eigentlich nicht geht. Ich finde die 
Herangehensweise des TO deshalb nicht per se verwerflich. Aus diesem 
Grund denke ich auch nicht, dass es sinnvoll ist alles sein zu lassen wo 
jemand mit mehr Fachwissen gesagt "das geht so nicht". Das ist die 
richtige Vorgehensweise, wenn man in einer Entwicklungsabteilung schnell 
zum Ziel kommen will, aber zum Lernen ist das tödlich.

Sinnlos wird es halt dann, wenn man ewig herumdiskutiert, warum 
irgendwas irgendwie angeblich doch gehen soll. Der Plan wird definitiv 
nicht funktionieren, aber aus dem Versuch kann der TO etwas lernen, aus 
seitenlangen Diskussionen eher nicht.

von Johann L. (gjlayde) Benutzerseite


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Sven B. schrieb:
> Sinnlos wird es halt dann, wenn man ewig herumdiskutiert, warum
> irgendwas irgendwie angeblich doch gehen soll.

https://www.youtube.com/watch?v=BKorP55Aqvg

> "Geometry?? ... Just ignore it!"

von Daniel A. (daniel-a)


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Johann L. schrieb:
>> Vielleicht lässt sich dazu ja in den QFTs ein
>
> Du willst nicht wirklich die Felder quantisieren?

Darüber mache ich mir dann gedanken, sobald ich etwas mehr von dem 
ganzen verstehe. Im moment lerne ich gerade noch Integralrechnungen.

>> ob es Supraleitend ist, kann ich bei der Simulation ja einfach
>> prüfen, ob das Matrial bei verschiedenen Temperaturen einen Wiederstand
>> hat oder nicht
>
> Du denkst die Elektronen als Kügelchen, die durch den Stoff wackeln?
> Supraleitung ist kein klassischer Effekt.

Das ist mir schon klar. Ich dachte, dass sich dies indirekt feststellen 
lassen müsste. Wenn ich ein schwaches Magnetfeld simuliere, und es 
entsteht ein stabieles konstantes entgegengesetztes Magnetfeld, dann hat 
das Material vermutlich keinen Wiederstand und ist vermutlich 
supraleitend. Obwohl, wenn ich es mir recht überlege könnte es dann auch 
einfach nur Diamagnetisch sein, aber dass ist ja auch schonmal nicht 
schlecht. Wie könnte ich Diamagneten und Supraleiter anhand der 
magnetischen Eigenschaften am besten unterscheiden? Haben Supraleiter 
quasi einfach ein stärkeres entgegengesetztes Magnetfeld, oder muss ich 
wirklich die genauen Abläufe in Superkonduktoren verstehen, um diese 
überhaupt erkennen zu können?

Johann L. schrieb:
> Youtube-Video "The Expert (Short Comedy Sketch)"

LOL, Das ist grossartig! (Obwohl ich einfach nicht übersehen kann, dass 
es mit bis zu 6 linien noch möglich gewesen wäre. (Mit nichteuklidischer 
geometrie, der Balon ist ja nicht flach, und wenn man darin noch 3 
aufeinander senkrechte flächen plaziert...))

von Purzel H. (hacky)


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Widerstand ist ein Makrophenomen.
Bei Festkoerpern spricht man von periodischer Fortsetzung der 
Einheitszelle, Valenzband, Leitungsband, Fermiflaechen, thermische 
Besetzung, Impulsraum,  Phononen.
Der Standardansatz ist dann Cooperpaare fuer Supraleiter.
Und wenn man das dann alles hat, kommen dann Effekte wie Eindringen des 
Magnetsfeldes im supraleitenden Zustand.

von Matthias B. (dl4bm)


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Daniel A. schrieb:
> Darüber mache ich mir dann gedanken, sobald ich etwas mehr von dem
> ganzen verstehe. Im moment lerne ich gerade noch Integralrechnungen.

Ist mir vollkommen unverständlich, wie man einerseits auf github 
abgefahrene Programmierprojekte veröffentlichen kann, andererseits aber 
über keinerlei Grundlagenwissen der höheren Mathematik wie Integrale und 
komplexe Zahlen verfügt (und diese Themen sind ja erst der Anfang).

von Purzel H. (hacky)


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Nun, offensichtlich braucht man fuer viele Software keine Integrale, 
noch komplexe Zahlen. Ich wuerd mich sogar dazu hinreissen lassen, dass 
die wenigste Software Integrale oder komplexe Zahlen benoetigt.

von Johann L. (gjlayde) Benutzerseite


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Zwölf M. schrieb:
> Widerstand ist ein Makrophenomen.

Würd ich so strikt nicht formulieren.  Als Makro-Phänomen ist er 
natürlich einfacher zu handhaben, vorausgesetzt man hat ein entsprechend 
einfaches (makroskopisches) Modell.  Es muss aber auch einen 
Zusammenhang auf der Beschreibung auf tieferer Ebene geben, z.B. mit der 
elektronischen Struktur des Materials und der Phonon-Elektron 
Wechselwirkung etc.

> Bei Festkoerpern spricht man von periodischer Fortsetzung der
> Einheitszelle, Valenzband, Leitungsband, Fermiflaechen, thermische
> Besetzung, Impulsraum,  Phononen.

Für Kristalle.  Nimmt man das als Annahme, kann man für die 
elektronische Struktur den Satz von Bloch nehmen.

Für Phononen ist das aber nicht mehr so simpel: Verwendet man zur 
Modellierung den gleichen Ansatz und nimmt als Periode die 
Elementarzelle, dann bekommt man einen IR-Cutoff, d.h. man wirft 
langwellige Phononen raus und damit auch ihre Wechselwirkung mit den 
Elektronen.  Da el. Widerstand als Elektron-Phonon-Streuung verstanden 
wird ist das keine gute Idee, d.h. man muss den Cutoff so wählen, dass 
dieser keinen Einfluss auf das Ergebnis bzgl. (Supra-)Leitung hat.  Dies 
wiederum bedeutet eine Erhöhung der Komplexität, da mehr als 1 
Elementarzellen zu betrachten sind.

> Der Standardansatz ist dann Cooperpaare fuer Supraleiter.

Für klassische Supraleiter.  Zwei Elekronen bilden ein Boson, welches 
mit anderen solchen Bosonen in den gleichen, niedrigen (Grund)zustand 
kondensieren kann, von wo aus keine Phononen mehr erzeugt werden.  Unter 
Annahme einer gewissen, Phonon-vermittelten elektronischen Struktur 
ergibt sich so ein Erklärungsmodell für klassiche Supraleiter.

Der TO will aber die elektronische Struktur errechnen oder simulieren; 
und es ist klar, dass die Annahme von Cooper-Paaren zwangsläufig einen 
Supraleiter modelliert.  Es wird also ein allgemeineres Modell benötigt, 
dass die Möglichkeit der nicht-Supraleitung einschließen muss, und zwar 
abhängig von Temperatur, Vektorpotential, etc, und dass die beiden 
Zustände "erkennen" kann.

Wie oben bereits angedeutet, ergibt sich die Supraleitung aus der 
Struktur des Hilbert-Raumes, etwa aus dessen Separabilität. Dazu mal 
eine kleine Abschätzung für einen bekannten Hochtemperatur-Supraleiter: 
HgBa2Ca2Cu3O8 mit einer Sprungtemperatur von 134K.  Wir wollen nur die 
Spin-Eigenschaft der Elektronen betrachten, und da die involvierten 
Elemente eine Wertigkeit von 2 haben machen wir die Annahme, dass pro 
Atom nur 2 (Leitungs-)Elektronen zu betrachten sind.  Das sind 
2*(1+2+2+3+8) = 32 Elektronen.  Ein Elektron hat nur 2 Spin-Zustände, 
d.h. der Hilbertraum der Elektron-Spin-Zustände hat Dimension 2^32. Wir 
brauchen also 2^32 float Variablen, wenn wir einen Vektor darin in Form 
seiner Komponenten darstellen wollen.

32 GB oder mehr um nur die Spins der Elektronen darzustellen.  Die 
Prämisse des TO "keine Ahnung von den Details, mein fetter 
Parallel-Rechner wird's schon richten", steht also auf wackligen Füßen. 
Bei 2 Elementarzellen sind's schon 2^64 Dimensionen, und zwar ohne 
Energie-Impuls der Elektronen, unter Annahme von Phonon-Erhaltung, 
Nicht-Beachtung der Spins der verbleibenden Atom"rümpfe", keine 
Modellierung von Temperatur, Potential, etc.

Ohne "Informed Guesses" was die Struktur angeht, richtet da ein fetter 
Parallelrechner grad garnix aus. Hinzu kommen numerische Probleme: 
Nehmen wir einen durch 3 Vektoren aufgespannten Vektorraum und wollen 
dessen Struktur berechnen, etwa seine Dimension.  Bereits kleinste 
Änderungen an den (stetigen) Vektoren oder beliebig kleine Rechenfehler 
können einen Sprung der Dimension auf 1, 2 oder 3 bewirken.  Die 
Supraleitungs-Eigenschaft aus der Hilbertraum-Struktur zu erhalten kann 
also bestenfalls dann gelingen, wenn man so viele korrekte Annahmen 
bzgl. dessen Struktur macht, dass das Problem und solche Effekte 
beherrschbar sind. (Daher mein "vergiss es" in meinem ersten Post.)

Betreff Periodizität der Elementarzelle ist zudem zu klären, ob diese 
auch für die Cooper-Paare gilt -- vermutlich eher nicht, und Dichte der 
Cooper-Paare ist parameterabhängig (Temperatur, Potential, Druck, etc).

> Und wenn man das dann alles hat, kommen dann Effekte wie Eindringen des
> Magnetsfeldes im supraleitenden Zustand.

Hochtemperatur-Supraleiter sind i.d.R. vom Typ II, d.h. kein Verdrängen 
des Magnetfeldes aus dem Material, und Spuraleitung ist auch nicht 
gleichbedeutend mit verlustfreiem Stromtransport.  Vermittelt wird 
vermutlich über Spin-Kopplung via d-Wellen anstatt per Phononen und 
s-Wellen.

Das Magnetfeld wird nicht komplett aus dem Material verdrängt sonden nur 
in bestimmte Bereiche, etwa in Fluß-Schläuche parallel zur 
Stromrichtung.  Wandern diese Flußschläuche mit der Zeit, dann erfordert 
das Energie, was sich makroskopisch als el. Widerstand manifestiert — 
trotz verlustlosen Ladungstransports.  Technische Lösung kann Dotierung 
sein, die zu einem "Flux-Pinning" an entsprechende Fremdatome führt. 
Solch ein Flux-Pinning oder gezielte Mateialverunreinigung bedürfen 
weiterer Annahmen.

Auch will man wenn irgend möglich eine Zeitabhängigkeit vermeiden, d.h. 
nicht in der Zeit Paramneter wie Leitfähigkeit, Heraus- oder 
Eindringen des Magnetfelds über die Zeit, Aufbau und Zerfall von 
Cooper-Paaren etc. simulieren.

Und es stellt sich die Frage was "Temperatur" sein soll.  Entweder man 
hat ein makroskopisches Modell (was m.W. nicht der Fall ist), oder man 
modelliert via Phonon-Struktur und der Annahme, dass keine Phononen 
entstehen oder vernichtet werden.  Oder aber man muss wirklich Auf- und 
Abstiegtsoperatoren anfassen und irgendwie beherrschbar und analysierbar 
machen.

Der Supraleiter mit der höchsten bekannten Sprungtemperatur ist H2S 
(Schwefelwasserstoff, Metall): Bei -70°C.  Hier wäre interessant, die 
nötigen Materialdaten zu haben wie man sie für eine Simulation bräuchte 
(Kristallstruktur, Leitungsband, Spezifische Wärme, Ordnung des 
Phasenübergangs, kritische Feldstärke, ...)

von Diode E. (c2h5oh)


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Hey Johann darf ich fragen was du beruflich machst? Ich schätze Mal du 
hast Physik studiert? Ich find so Sachen wahnsinnig spannend, aber "nur" 
mit Elektrotechnik Studium und dem schmalen Zeitbudget ist es kaum drin 
die Zusammenhänge von QFT und ähnlichem tiefer zu verstehen.

von Daniel A. (daniel-a)


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Johann L. schrieb:
> Ein Elektron hat nur 2 Spin-Zustände,
> d.h. der Hilbertraum der Elektron-Spin-Zustände hat Dimension 2^32. Wir
> brauchen also 2^32 float Variablen, wenn wir einen Vektor darin in Form
> seiner Komponenten darstellen wollen.

Also ist das Hauptproblem, dass die Anzahl der Zustandsvariablen, die 
die Simulation benötigen würde, mit der Grösse der Simulation 
exponentiell ansteigt, und wegen der enormen dadurch anfallenden 
Datenmenge höchstens dann eine Simulation möglich ist, wenn man das ein 
sehr kleines System simuliert und starke Annahmen und Einschränkungen 
vornimmt.

Das heisst also, dass es aussichtslos ist zu versuchen, mithilfe von QED 
und co. eine einigermassen allgemeine Simulation aufbauen zu wollen. Ich 
muss mir also ein anderes Modell ausdenken, dass mit weniger 
Zuständsvariablen auskommt und einfacher zu berechnen ist, aber dennoch 
die für mich relevanten Dinge ausreichend genau approximieren kann. Ich 
müsste also zuerst eine Theorie aufstellen, die ein Grenzfall der QED 
ist, oder diese in gewissen Punkten zumindest Approximiert, und für die 
für mich relevanten Grenzfälle immernoch gute Ergebnisse erzielt.
Das wäre dann so ähnlich wie die Allgemeine Relativitätstheorie vs. das 
newtonsche Gravitationsgesetz, wo man unter gewissen Annahmen das 
newtonsche Gravitationsgesetz aus der Allgemeine Relativitätstheorie 
herleiten kann, nur mit etwas komplizierteren Theorien & Anforderungen & 
vermutlich auchnoch anderen Vorgehensweisen.

von Johann L. (gjlayde) Benutzerseite


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Diode E. schrieb:
> Ich find so Sachen wahnsinnig spannend,

Geht mir auch so.  Ich beschäftige mich nur privat damit und aus 
Interesse daran.  Was ich oben schieb kann also auch Unfug sein :-) und 
in dem Fall lerne ich gerne dazu und lass mich auch gern korrigieren.

Leider ist es nicht einfach, ohne Studium einen Zugang zu bekommen, gibt 
ja viele Leute die sich für QT und RT interessieren.  Fachliteratur und 
-veröffentlichungen sind eher unzugänglich, und populäre Darstellungen 
durchaus missverständlich bis falsch, nur die immer-gleichen bunten 
Bildchen und BlaBla.

Manchmal findet man auf YTube Vernünftiges, und auch die Insights von 
physicsforums.com haben was zu bieten.  Als Einstieg ist ganz gut, die 
Kollateralschäden populärer Verbildlichung über Bord zu werfen:

https://www.physicsforums.com/insights/vacuum-fluctuation-myth/
https://www.physicsforums.com/insights/misconceptions-virtual-particles/

von Purzel H. (hacky)


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Jetzt lasst doch mal die QED & QFT sein. Die braucht's hier nicht. 
Mathematik ist nur der Anfang. Wenn man Vereinfachungen machen will, zB 
Stoerungsrechnungen, wird der Aufwand an Mathematik noch groesser. Und 
man kann nur vereinfachen in Hinblick auf ein Modell. Allenfalls kann 
sich der Poster nach einem abgeschlossenen Physikstudium, mit 
Spezialisierung auf Theoretische Physik, daran setzen.

von Joe F. (easylife)


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Daniel A. schrieb:
> Ich hatte vor kurzem folgenden Gedankengang: Man hat noch keinen
> Supraleiter gefunden, der bei Raumtemperatur funktioniert. Mit einer
> Computersimulationen müsste man den PC nach solchen suchen lassen
> können, indem man diesen verschiedene Materialien simulieren lässt.

Und auf diese Idee ist ganz bestimmt unter den Leuten, die das studiert 
haben und Zugang zu den teuersten aller teuren Supercomputern haben, 
noch niemand gekommen...

Daniel A. schrieb:
> Rechnen mit Vektoren und Matrizen kann ich bereits. Was muss ich
> abgesehen davon noch lernen?

Ich bewundere ja Leute mit Selbstbewusstsein, aber die Grenze zur 
totalen Selbstüberschätzung sollte man doch immer im Auge behalten...

von Johann L. (gjlayde) Benutzerseite


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Johann L. schrieb:
> Ein Elektron hat nur 2 Spin-Zustände,

So nicht korrekt.  Der Zustand (Observable) selbst ist einer Messung 
nicht zugänglich.  Jedoch beobachtet man bei einer Messung nur 2 
mögliche Ergebnisse, nämlich einen der 2 Eigenwerte der Observablen, die 
dann gerne als 0/1 oder up/down etikettiert werden.

Daniel A. schrieb:
> Johann L. schrieb:
>> d.h. der Hilbertraum der Elektron-Spin-Zustände hat Dimension 2^32. Wir
>> brauchen also 2^32 float Variablen, wenn wir einen Vektor darin in Form
>> seiner Komponenten darstellen wollen.
>
> Also ist das Hauptproblem, dass die Anzahl der Zustandsvariablen, die
> die Simulation benötigen würde, mit der Grösse der Simulation
> exponentiell ansteigt,

Nicht unbedingt.  Wenn dein Operator keine endliche Dimension hat, dann 
ist es schon nicht sinnvoll, überhaupt von "exponentiellem Anstieg" zu 
sprechen.

Weiteres Problem hatte ich bereits oben genannt: Endlichkeit deines 
Rechners.  Das Beispiel war anhand einer Dimension, bei welcher eine 
noch so kleinen Änderung eines Parameters einen Sprung verursacht. Wenn 
du solche Effekte modellmäßig oder numerisch nicht im Griff hast, 
berechnest du Mist.  Ohne Numerik partieller Differentialgleichungen 
brauchst du erst garnicht anzufangen, um nur ein Beispiel zu nennen.

Und der Anstieg muss auch nicht exponentiell sein: Nimm 8 isolierte 
QBits, dann ist deren Zustand das Produkt, d.h. es genügen 8 Parameter 
(cum granum salis). Wenn die QBits aber nicht isoliert sind sondern in 
einem QByte vorliegen, dann brauchst du 2^8 Parameter.  Wenn du die 
Annahme machst, dass ein bestimmter Verschränkungszustand vorliegt 
(z.B. Nichtverschränkt) dann vereinfacht sich das Problem mitunter 
massiv bzw. wird erst dadurch beherrschbar, es geht dann also um 
Rechtfertigung dieser Annahme.

Aber ohne Wissen mit dem Hammer draufhauen funktioniert aus mehreren 
Gründen nicht: Wenn sich eine Eigenschaft ergibt weil der Raum eine 
bestimmte Struktur hat (z.B. bosonische Komponente <-> Supraleitung), 
und du versuchst diese Struktur numerisch zu bestimmen, wirst du massive 
Probleme bekommen; siehe oben und als Beispiel
https://de.wikipedia.org/wiki/Schmidt-Zerlegung#Schmidt-Rang_und_Verschränkung

> und wegen der enormen dadurch anfallenden
> Datenmenge höchstens dann eine Simulation möglich ist, wenn man das ein
> sehr kleines System simuliert und starke Annahmen und Einschränkungen
> vornimmt.
>
> Das heisst also, dass es aussichtslos ist zu versuchen, mithilfe von QED
> und co. eine einigermassen allgemeine Simulation aufbauen zu wollen.

Für das, was du anstrebst, würde ich dem zustimmen (meine Einschätzung 
als Laie).

> Ich
> muss mir also ein anderes Modell ausdenken, dass mit weniger
> Zuständsvariablen auskommt und einfacher zu berechnen ist, aber dennoch
> die für mich relevanten Dinge ausreichend genau approximieren kann.

Eruier doch einfach mal, was Stand der Kunst ist.

Konkretes Beispiel: Nimm ein hypothetisches Material, zum Beispiel 
Wasserstoff in einer bestimmten kristallinen Anordnung und folgende 
Fragen:

* Ist die Anordnung stabil? metastabil? instabil? (will z.B. andere 
Kristallanordnung einnehmen, anderen Aggregatszustand, will zu H2 
reagieren, ...?)

* Welcher Druck herrscht?

* Falls nicht instabil: Wie liegt der Wasserstoff vor? atomar? 
metallisch?

* Wie sieht das Phasendiagramm oder interessante Teile davon aus?

Wurde das schonmal gemacht oder überhaupt versucht? Mit welchem 
Ergebnis? Mit welchen Methoden? Ist es gescheitert oder wurde es 
garnicht erst versucht? Warum?

> Ich müsste also zuerst eine Theorie aufstellen,

zuerst mal komplexe Zahlen :-)

von Johann L. (gjlayde) Benutzerseite


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Johann L. schrieb:
> * Wie sieht das Phasendiagramm oder interessante Teile davon aus?

...und wenn du das hast, bist du quasi fertig: "Supraleitend" ist 
nämlich eine Phase, und der Phasenübergang aus einer 
nicht-supraleitenden Phase hat bestimmte Eigenschaften (z.B. Ordnung 
etc.)

von Daniel A. (daniel-a)


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Johann L. schrieb:
>> Ich müsste also zuerst eine Theorie aufstellen,
>
> zuerst mal komplexe Zahlen :-)

Mit komplexen Zahlen, Integralen und Differentialgleichungen kann ich 
jetzt schon einigermassen umgehen, aber ich finde ständig wieder 
anderes, dass ich auch noch zu wissen brauche. Es wird wohl noch einige 
Monate dauern, bis ich überhaupt erst richtig mit dem Planen anfangen 
kann.

Daniel A. schrieb:
> Oh, und gibt es irgendwo eine Zusammenfassung, für was die ganzen
> Symbole für gewöhnlich stehen?

Ich habe auf Wikipedia hier doch noch etwas gefunden, und arbeite mich 
durch die Liste durch (ausser die Dinge zu topologie):
https://de.m.wikipedia.org/wiki/Liste_mathematischer_Symbole

von Dipl.- G. (hipot)


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Die Simulation kannst Du knicken.
Sieh dir mal die chemische Struktur der entspechenden 
Hochtemperatursupraleiter an. Einer der besten ist aktuell

Hg12 Tl3 Ba30 Ca30 Cu45 O127

Derartige Strukturen theoretisch zu modellieren, zu rechnen, oder sogar 
vorauszusagen, ist entweder entweder unmöglich, oder benötigt 
substantielle Großrechnerleistung wenn nicht Supercomputer.

Den Effekt kennt man von Molekülorbitalen - wenn die Moleküle eine 
bestimmte (vergleichsweise mickrige!) Komplexität überschreiten, hakt es 
aus.
Deswegen ist es ja so extremst anspruchsvoll Schlangengifte zu 
untersuchen;
Schlangengifte bzw. andere hochpotente Gifte in der Natur sind dermaßen 
krass komplex, daß das die theoretische Chemie nicht kann.

Hochtemperatursupraleiter werden gegenwärtig experimentell durch "trial 
and error" im Labor gefunden. Natürlich gibt es für bestimmte 
Materialgruppen einen "educated guess". Z.B. ist nach aktueller Folklore 
zu erwarten, daß Kupferoxyd drin ist, und Barium.

von Johann L. (gjlayde) Benutzerseite


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Dipl.- G. schrieb:
> "educated guess"


Wobei die Kunst nicht das "guess" ist, sondern das "educated" :-)

von Dipl.- G. (hipot)


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:-)

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