Forum: Mikrocontroller und Digitale Elektronik Stützkondensator für I2C bei langer Leitung (2 m)?


von Martin B. (marti)


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Hallo zusammen,

ich möchte gerne einen Sensor des Modells Sensirion SHT3x etwas weiter 
entfernt von einem Mikrocontroller verwenden.

Dazu möchte ich diesen auf eine extra Platine setzen, auf der neben dem 
Sensor zwei Pullups (voraussichtlich 10k) sowie ein Stützkondensator für 
den Sensor sollen.

Der Sensor selbst funktioniert mit I2C und benötigt maximal 1500 uA. 
Betrieben wird er mit 3,3 V und das Kabel, über die die Versorgung 
erfolgt, hätte im schlimmsten Fall einen Querschnitt von 0,14 mm² bei 
einer Länge von 2 m.

Die Taktrate kann ich sehr niedrig ansetzten. Diese ist bei der 
Anwendung unproblematisch.

Was für einen Stützkondensator für die Sensorversorgung sollte ich hier 
wählen? Würden die "Standard 100 nF" hier passen?
Muss ich sonst noch irgendetwas beachten?

Vielen Dank :-)

von Peter S. (Gast)


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Der Stützkondensator soll als kurzfristig verfügbares Ladungsreservoir 
für den Sensor dienen und nicht dazu den Bus umzuladen.

Da würde ich eher darüber nachdenken die Widerstände der Pullups zu 
verkleinern.

von U. M. (oeletronika)


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Hallo,
> Martin B. schrieb:
> Was für einen Stützkondensator für die Sensorversorgung sollte ich hier
> wählen? Würden die "Standard 100 nF" hier passen?
Ja, aber ein paar uF als Puffer für eher niederfrequente Störungen ist 
auch nicht schlecht. Die gibt es auch in kleiner Bauform als MLCC.
Da brächte es evtl. dann nicht mal die 100nF, weil diese MLCC auch einen 
sehr niedrigen ESR haben.
https://www.reichelt.de/Vielschicht-SMD-G1206/X5R-1206-CE-10U/3/index.html?ACTION=3&LA=2&ARTICLE=194372&GROUPID=8049&artnr=X5R+1206+CE+10U&trstct=pol_27
https://www.reichelt.de/?ARTICLE=207182&PROVID=2788&gclid=EAIaIQobChMI6MfGrrTz2QIVBqMYCh2lfAuVEAYYASABEgLL8PD_BwE


> Muss ich sonst noch irgendetwas beachten?
Datenleitungen sollten paarig verdillt mit je einer Masseleitung geführt 
werden. Schirmung ist immer gut. Für eine bessere Störsicherheit sind 
kleinere Pull-up (1k...2,2k) zweckmäßig. Wenn etws mehr Strom fließt, 
ist auch die übertragene Signalleitung höher und das SNR wird dadurch 
besser.

Evtl. auch ein RC-Glied mit Reihenwiderstand jeweils am Treiber (ca. 
100...200 Ohm) und paar hundert pF bis par nF gegen hochfrequente 
Störimpulse.
Die Bandbreite der Leitung muß nicht höher sein, als die tatsächlich 
genutzte Übertragungsgeschw. erfordert.
Auch wenn du die Datenrate niedrig machst, können schnelle Schaltflanken 
zu lästigen Reflektionen auf den Signalleitungen führen.
Ab Leitungslänge ca. 10% der min. Wellenlänge muß man mit so was 
rechnen. Bei 2m Leitungslänge also ab ca. Wellenlänge 20m, was einer 
Frequenz von nur 10MHz entspricht bzw. Signalflankensteilheit in der 
Größenordnung von paar 10ns. Liegen die Signalflanken eher im Bereich 
von paar us, wird das ganze HF-mäßig völlig unkritisch. Für eine 
Datenrate von paar 10kbit reicht das aber allemal.

Je nach Einsatzbedingungen ist evtl. auch ein Überspannungsschutz 
zweckmäßig. Wenn so was längerfristig betrieben wird, muß man auch mal 
mit Gewitter und EMP durch nahen Blitzeinschlag rechnen.
Gruß Öletronika

von Peter D. (peda)


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Martin B. schrieb:
> Würden die "Standard 100 nF" hier passen?

Ja.

von Martin B. (marti)


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Vielen Dank für die Hilfe! :-)

U. M. schrieb:
> Hallo,
>> Martin B. schrieb:
>> Was für einen Stützkondensator für die Sensorversorgung sollte ich hier
>> wählen? Würden die "Standard 100 nF" hier passen?
> Ja, aber ein paar uF als Puffer für eher niederfrequente Störungen ist
> auch nicht schlecht. Die gibt es auch in kleiner Bauform als MLCC.
> Da brächte es evtl. dann nicht mal die 100nF, weil diese MLCC auch einen
> sehr niedrigen ESR haben.

Super, dann werde ich einfach zwei Kondensatoren nehmen, einen der 
vorgeschlagenen + 100 nF.


>> Muss ich sonst noch irgendetwas beachten?
> Datenleitungen sollten paarig verdillt mit je einer Masseleitung geführt
> werden. Schirmung ist immer gut.

Also SDA + Masse als ein Paar und SCL + Masse als ein Paar?
Das leuchtet mir als Laie ehrlich gesagt nicht ein.
Ich dachte bisher, dass verdrillte Leitungen nur bei differenziellen 
Signalen Sinn machen. Was bringt hier das Verdrillen?

> Für eine bessere Störsicherheit sind
> kleinere Pull-up (1k...2,2k) zweckmäßig. Wenn etws mehr Strom fließt,
> ist auch die übertragene Signalleitung höher und das SNR wird dadurch
> besser.

Ergibt Sinn!


> Evtl. auch ein RC-Glied mit Reihenwiderstand jeweils am Treiber (ca.
> 100...200 Ohm) und paar hundert pF bis par nF gegen hochfrequente
> Störimpulse.

Das bedeutet irgendwo 100 bis 200 Ohm in SDA bzw. SCL in Serie einfügen 
+ jeweils einen kleinen Kondensator zwischen die jeweilige Leitung und 
Masse?

Ich glaube ich würde es erstmal ohne probieren, oder sind die 
Filterglieder hier sehr wichtig?


> Je nach Einsatzbedingungen ist evtl. auch ein Überspannungsschutz
> zweckmäßig. Wenn so was längerfristig betrieben wird, muß man auch mal
> mit Gewitter und EMP durch nahen Blitzeinschlag rechnen.

EMP durch nahen Blitzeinschlag... Dieses Risko kann ich überhaupt nicht 
einschätzen. Ich glaube ich würde das Risiko erstmal in Kauf nehmen ;-)

von Peter S. (Gast)


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Martin B. schrieb:
> Also SDA + Masse als ein Paar und SCL + Masse als ein Paar?
> Das leuchtet mir als Laie ehrlich gesagt nicht ein.
> Ich dachte bisher, dass verdrillte Leitungen nur bei differenziellen
> Signalen Sinn machen. Was bringt hier das Verdrillen?

Hier geht es ja auch eher darum den Rückflusspfad (=GND) möglichst nahe 
am Signalpfad zu haben, damit Signal- und Rückflusspfad eine möglichst 
kleine Fläche aufspannen (niedrigere Induktivität -> bessere 
Störverhalten).

Natürlich kommt es auch immer auf die Anwendung an. Aber Signal- und 
Rückflusspfad nahe zusammenbringen ist so eine der goldenen Grundregeln.

von Martin B. (marti)


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Danke, da hab ich wieder etwas gelernt :-)

von Jürgen Wissenwasser (Gast)


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Die SHT3x-Modelle verwenden die Versorgungsspannung als Referenz für die 
AD-Konversion, richtig?

Dann solltest Du Dir aufgrund der langen Zuleitung eher Gedanken machen, 
daß Du ein schwingfähiges System bei einer vergleichsweise niedrigen 
Frequenz hast.

2m Zuleitung können schon 1uH oder mehr an Induktivität ergeben und da 
die Lastimpedanz sehr hochohmig ist (eff. ca. 2,2 kOhm), muß ein 
Serienwiderstand in VCC (!) gesetzt werden, damit Schwingungen gedämpft 
werden.

Beispiel: 2uH, 1uF => gibt 112kHz und (wenn man die 
Differentialgleichungen betrachtet) ist R>sqrt(4*L/C)= 3 Ohm 
erforderlich, sonst fängt die Versorgung bei 112kHz an zu schwingen - 
kann ja auch durch eine ext. Störung begünstigt werden.

Daher folgender Vorschlag: I2C-Pull-Ups direkt am Kabelende anbinden, 
dann ein 4R7 bis 10R-Widerstand und dann erst am Sensor 1uF anbringen. 
Das sollte genügen.

von U. M. (oeletronika)


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Hallo,
> Peter S. schrieb:
> Hier geht es ja auch eher darum den Rückflusspfad (=GND) möglichst nahe
> am Signalpfad zu haben, damit Signal- und Rückflusspfad eine möglichst
> kleine Fläche aufspannen (niedrigere Induktivität -> bessere
> Störverhalten).
Um Verringerung der Induktivität geht es dabei eigentlich nicht.
In einer aufgespannten Leiterschleife wird durch einen EMP eine 
ordentliche Störspannung induziert.
Verdrillt man aber die Leitungen, wird die aufgespannte Fläche nicht nur 
minimiert, sondern durch die Verdrillung die Wirkung eine Magnetfeldes 
sogar aufgehoben.
https://www.lammertbies.nl/picture/twisted_immunity.png
Gruß Öletronika

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