Hallo zusammen,
eigentlich halte ich von den Stellenausschreibungen bei denen der
Bewerber geduzt wird, gar nichts und ignoriere diese üblicherweise.
Jetzt ist es aber so, dass ich mir ausversehen eine solche
"Du-Stellenausschreibung" durchgelesen habe und diese optimal passt
sodass ich mich bewerben würde. Doch in welcher Form bewerbe ich mich?
Jetzt wieder zum Sie zu wechseln wäre doch albern, wo wir schon beim Du
sind... Aber
"Hallo Alfons,
ich habe eure Stellenanzeige entdeckt und bewerbe mich hiermit bei
euch..."
klingt schon sehr sehr merkwürdig...
In welcher Form würdet ihr euch bewerben?
Ist doch toll!
Du schrieb:> "Hallo Alfons,> ich habe eure Stellenanzeige entdeckt und bewerbe mich hiermit bei> euch..."> klingt schon sehr sehr merkwürdig...
Wenn die Anzeige auf "Du" ist heißt das, dass ich ab dem ersten
Arbeitstag alle duze. Wird Zeit, dass man das "Sie" in diesem Land über
Bord wirft, ich duze auch wenn es geht jeden, auch wenn ein "Sie"
zurückkommt - solange am anderen Ende nicht jemand sitzt, der eine
Machtposition hat und aufgrund dessen evtl. viel Geld, sprich Aufträge
vorbehält. "Sie" schafft nur unnötig Distanz, habe mich früher auch
immer mit meinen Chefs geduzt.
Ok danke, dann bleibe ich beim Sie. Ist mir auch wesentlich lieber, aber
prinzipiell macht es für mich trotzdem keinen Sinn. Aber egal, Thema ist
gegessen.
Ist alles andere als ein Startup, sondern eine große Niederländische
Firma.
Du schrieb:> Ist alles andere als ein Startup, sondern eine große Niederländische> Firma.
In Holland wird niemand gesiezt ausser dem König. Die Holländer sind
halt etwas fortschrittlicher als die konservativen Deutschen (ich kann
es nicht häufig genug sagen).
Curby23523 N. schrieb:> In Holland wird niemand gesiezt ausser dem König. Die Holländer sind> halt etwas fortschrittlicher als die konservativen Deutschen (ich kann> es nicht häufig genug sagen).
Heutzutage noch einen König zu haben finde ich nicht sehr
fortschrittlich. Für den eine Anrede zu reservieren ändert das nicht.
Auf eine "Du-Stellenausschreibung" würde ich nur antworten, wenn der
gesamte Ton der Anzeige, deren Webseite, usw. noch respektvoll ist und
wenn die Firma kein durchgeknalltes Startup ist. D.h. wenn man neben
Respekt, vernünftiger Ausstattung, regelmäßiger Gehaltszahlung usw.,
auch die Einhaltung von Recht und Gesetz erwarten kann.
In der Bewerbung würde ich beim Sie bleiben. Beim Gespräch dürfte man
mich gerne darauf hinweisen, dass in der Firma das Du üblich ist. Nach
Rückfrage ob die Gesprächspartner geduzt werden wollen und Bestätigung
würde ich sie duzen.
Curby23523 N. schrieb:> (ich kann es nicht häufig genug sagen).
Warum denn nicht? Ist Dir der Mund schon ausgetrocknet?
> "Hallo Alfons,> ich habe eure Stellenanzeige entdeckt und bewerbe mich hiermit bei> euch
So geht es nicht...
Hallo Alfons, Du altes Scheißding!
Ich hätte zwar nicht erwartet, daß es Deine Bude überhaupt noch gibt,
aber: Sei's drum. Kannst Du mich gebrauchen? Ich bin bestes Mann, wo
gibt, weißt Du, voll konkret korrekt! Ruf mich an, wegen Arbeitszeit,
Kohle und so...
Erwin
Curby23523 N. schrieb:> In Holland wird niemand gesiezt ausser dem König.
Woher beziehst Du diese falsche Weisheit?
Warum gibt es im Niederländischen "u" en "je"?
"Kunt u ... AUB" - das ist eindeutig "Sie" plus Höflichkeitsformel!
Das sind auch nur Menschen.
Da würde ich anrufen, mir einen wichtigen Menschen aus der
Personalabteilung geben lassen und fragen, ob Bewerbungen mit "Sie"
gleich aussortiert werden.
Wenn man das mit einem unverkniffenen, netten Tonfall macht, hat man
schon eine "Bezugsperson" in dem Laden.
Hat mir schon einmal geholfen...
Hallo
""Sie" schafft nur unnötig Distanz, habe mich früher auch immer mit
meinen Chefs geduzt."
Nun ja, so verschieden sind die Erwartungen und Vorzüge.
Ich bin sehr froh das ich meinen Chef (und auch andere bestimmte Leute)
sieze eben genau weil damit eine Distanz erzeugt wird.
Zum duzen gehört für mich Vertrauen und zumindest eine Beziehung die auf
"Kumpelniveau" ist.
Ihr kennt bestimmt irgendeinen TV Fernsehfilm,oft irgendein Krimi, der
im Skandinavischen Umfeld spielt - für mich ist es dann immer äußerst
befremdlich bis schon verachtend oder unfreiwillig lächerlich wenn ein
Vorgesetzter seinen Mitarbeiter suspendiert oder sogar entlässt und ihn
dabei duzt.
Dadurch wird die Sache nur noch schlimmer.
So etwas im echten leben, auch nur bei einer Kleinigkeit, wäre mich sehr
grotesk.
Nein der Abstand soll zumindest für mich immer gewahrt sein, solange
eben nicht mindestens ein echtes Kumpelhaftes Verhältnis besteht.
Typisch Deutsch?
Chris
Man kann das Du umschiffen, indem man es durch kluge Wortwahl vermeidet.
Wenn das ums verrecken nicht geht, würde ich beim Sie bleiben.
Du schrieb:> ich habe eure Stellenanzeige entdeckt und bewerbe mich hiermit bei> euch..."
Beispiel:
"ich habe die Stellenanzeige entdeckt und bewerbe mich hiermit."
Wäre auch kürzer und somit würzer.
Wobei ich auch noch anmerken möchte: Wenn mir jemand schreiben würde,
dass er die Stellenanzeige "entdeckt" hat, würde ich denken: "Huch,
Indianer-Jones bewirbt sich um einen Job."
Ich denke, ich würde mit Du antworten. Wenn das so in der Stellenanzeige
steht, kann man wohl annehmen, dass ein Du erwartet oder zumindest
akzeptiert wird.
Warum sollte man mit 'Sie' antworten müssen? Wegen des Gedankens 'wir
sind die großen Arbeitgeber, wir dürfen duzen, aber du kleiner Wicht
hast unsere Überlegenheit durch ein respektvolles 'Sie' anzuerkennen'?
Kleine Geschichte am Rande: Im Dorf meiner Eltern wohnte ein
Über-Achtziger, der jeden geduzt hat. Als ein 25-jähriger ihn dann auch
geduzt hat, hat er sich über dessen Frechheit beschwert.
Manfred schrieb:> Woher beziehst Du diese falsche Weisheit?
Verwandschaft aus Holland und ich denke die kennen ihre Sprache besser
als wir. Je und jij ist auch dasselbe.
Merkt denn Keiner dabei, dass sowas auf ein Psychospielchen hinausläuft?
Den zukünftigen MA mal etwas lockerer aus der Reserve locken und sehen
wie weit der sich vortraut?
So sortiert man flatterhafte und vllt. sogar illoyale Typen schon im
Vorfeld einfach aus. Ist ja fast wie im Theater, nur leider etwas zu
heikel um es falsch zu spielen?
Beim Du fallen Barrieren und Hemmnisse wie Zurückhaltung, das ist nicht
unbedingt auf Kameradschaft fixiert. In so einer Fa. werden entweder nur
leicht steuerbare oder absolut korrekte Typen im zwischenmenschlichem
Umgang tolleriert.
Oder welchen Sinn soll das im Besonderen sonst haben?
Bewerben sollte man sich so dass es funktioniert, ohne Experimente!
Curby23523 N. schrieb:> Verwandschaft aus Holland und ich denke die kennen ihre Sprache besser> als wir. Je und jij ist auch dasselbe.
Naja, es gibt auch Engländer, die uns glauben machen, sie würden sich
alle duzen. Das Gegenteil ist der Fall. Das liegt aber nicht an den
Engländern, sondern daran, dass wir annehmen, es müsse eine
1-1-Übersetzung geben.