Forum: Mikrocontroller und Digitale Elektronik Kondensator zur Spannungsunterstützung


von Tobias Meier (Gast)


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Servus,

ich habe hier ein nicht allzu triviales Problem und bräuchte mal euer 
Fachwissen:

Ich habe eine 5V Versorgungsspannung für einen PMIC der wiederum einen 
Mikrocontroller (ARM Cortex) versorgt.

Das Problem ist, wenn die 5V Spannung plötzlich einbricht (z.B. Netzteil 
abschalten) und der Prozessor gerade unter Volllast läuft 
(Stromverbrauch 400mA), schafft der PMIC es nicht, die Spannungsschienen 
des Cortex sauber sequentiell herunterzufahren. Dies führt auf Dauer zur 
Beschädigung des Prozessors.

Dies möchte ich verhindern, indem ich einen Kondensator an die 5V 
Versorgung hänge, der im Fall der Fälle genügend Energie liefert, damit 
der PMIC sauber abschalten kann. Der PMIC hat eine undervoltage 
protection, diese löst aus, wenn die Spannung unter 3,5 V fällt 
(Verzögerung 6ms).

Meine Frage wäre nun, wie ist so ein Kondensator zu dimensionieren? Im 
Prinzip müsste die Eingangsspannung des PMIC nach Abschalten des 
Netzteils auf 3,5 Volt sinken und dürfte dann innerhalb von 6ms max. um 
ca. 200mV sinken, damit der PMIC sauber abschaltet.

Ich hätte mit folgender Formel gerechnet:

C = -I*t / (Vmin - Vo) = 400mA*6ms / 0,2V = 12mF

Bin um jeden Vorschlag dankbar!

von MaWin (Gast)


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Tobias Meier schrieb:
> 12mF

Passt.
Wie du siehst recht hoch.
Anforderungen strenger wählen, z.B. Strom sparen, schneller werden oder 
früher detecten.

von Tobias Meier (Gast)


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Strom sparen ist in dem leistungsfähigen System schwer möglich, zudem 
ich den worst case betrachten muss. Früher detecten geht leider auch 
nicht, da der PMIC die Schwelle fest vorgibt und ein austausch des Chips 
auch nicht machbar ist.

Ich hatte mir überlegt, dass man höchstens den Mikrocontroller resetten 
kann, wenn man merkt dass die Spannung einbricht, dann wäre die 
Stromaufnahme niedriger. Hier wäre noch meine Frage, ob es den 
Mikrocontroller irgendwie schützt, wenn er sich im Reset befindet und 
die Schienen alle gleichzeitig (also out of spec) abgeschaltet werden. 
Leider gibts dazu keine Info im Datenblatt. Cortex A8.

von Alex G. (dragongamer)


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Du könntest die benötigte Kapazität erheblich reduzieren indem du den 
Versorgungsausfall sofort detektierst.
Also mit einem ADC vor dem Kondensator (eventuell mit einer Schottky 
Diode (damit du nicht die Spannung des Kodnensators misst)) und nicht 
der internen Untervoltage detection.

EDIT: Btw. kommt denn kein Goldcap in Frage? Für die sind 12mF ja 
nichts.

von Tobias Meier (Gast)


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Alex G. schrieb:
> Du könntest die benötigte Kapazität erheblich reduzieren indem du den
> Versorgungsausfall sofort detektierst.

Ja, guter Einwand. Dann muss ich dem PMIC aber auch mitteilen, dass er 
herunterfahren soll, richtig? Es gibt leider kein Signal, das solch 
einen shutdown auslösen kann. Oder denke ich hier falsch?

von Tobias Meier (Gast)


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Alex G. schrieb:
> EDIT: Btw. kommt denn kein Goldcap in Frage? Für die sind 12mF ja
> nichts.

Ja, wäre eine Möglichkeit. Eventuell Platzproblem, habe daher mal die 
AVX BestCaps angeschaut, die gibt es klein und flach (z.B. 
BZ055B2037SB).

von Alex G. (dragongamer)


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Tobias Meier schrieb:
> Alex G. schrieb:
>> Du könntest die benötigte Kapazität erheblich reduzieren indem du den
>> Versorgungsausfall sofort detektierst.
>
> Ja, guter Einwand. Dann muss ich dem PMIC aber auch mitteilen, dass er
> herunterfahren soll, richtig? Es gibt leider kein Signal, das solch
> einen shutdown auslösen kann. Oder denke ich hier falsch?

Kenne mich mit diesem System nicht grade aus. Aber wie wird denn das 
System normalerweise runtergefahren? Also wenn ein Nutzer einen Knopf 
dazu drückt o.ä.
Oder dauert das erheblich länger als die "Notabschaltung" mit der du 
kalkulierst?

von Tobias Meier (Gast)


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Normalerweise läuft der Shutdown über den Cortex, der dann dem PMIC 
mitteilt, dass heruntergefahren werden soll. Das dauert zu lange. 
Alternativ hat der PMIC einen Powerbutton input, allerdings muss der 8s 
auf LOW gezogen werden, damit der PMIC einen hard shutdown auslöst. Die 
einzige schnelle Möglichkeit sind die 3,5V unterspannung, dann klappts 
in 6ms.

von Alex G. (dragongamer)


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Puh, das klingt nach doofem Design...
Denke mal die ARM/PMIC Kombi ist eher für Akkubetriebene Geräte gedacht?

Reicht es wenn die Unterspannung nur für <1ms anliegt?
Eventuell kann man dem das Vorgaukeln indem eine leere Kapazität schnell 
geladen wird oder so.
Wäre allerdings eine sehr unsaubere Methode.


Btw. Solch ein Platzmangel in einem netzteilbetriebenen Gerät das solch 
eine Rechenleistung hat?
Um was für ein Gerät handelt es sich denn, wenn man fragen darf?

von Tobias Meier (Gast)


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Du wirst es nicht glauben aber es geht hier um einen Beaglebone!
Das Problem ist leider bei den Bones weit verbreitet. Auch der 
Akkubetrieb funktioniert bei den Teilen wegen einem Hardware Bug nicht 
wirklich (3,3V Regulator bug).

von Alex G. (dragongamer)


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Achsoo...
Dachte auch schon an nen Raspi oder Ähnlichem.

Auf dem Beaglebone sollte aber zwischen den Bauteilen aber genug Platz 
für ein Goldcap sein. Sowas ist ja nicht größer als ein USB Anschluss.

von Tobias Meier (Gast)


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Das Problem bei den Goldcaps ist der Lebenszyklus, lese in den 
Datenblättern von 1000h. Dann müssen die getauscht werden.

von Alex G. (dragongamer)


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Baust du wirklich ein Gerät das man mehrmals am Tag per Stecker-Ziehen 
ausschaltet (beim normalen Ausschalten, kann der Cap ja geladen 
bleiben)?
Dann such dir besser eine andere Platform ohne solch merkwürdige Bugs...


EDIT: Moment, habe bei "Lebenszyklus" an lade- und Entladezyklen 
gedacht.
1000h klingt in der Tat nach wenig, hast aber Recht, sos tehtd as in 
manchen Datenblättern drin.
Hier lese ich aber was von über 7 jahren: 
https://www.elektronik-kompendium.de/sites/bau/0208301.htm


EDIT 2: Moment, diese 1000h Lebensdauer bezieht sich auf 70°C!
man sagt ja bei Kondensatoren allgemein die Lebensdauer verdoppelt sich 
bei Reduktion um 10°.
Also bei 40 grad schon immerhin 8000h.

von Tobias Meier (Gast)


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Alex G. schrieb:
> EDIT 2: Moment, diese 1000h Lebensdauer bezieht sich auf 70°C!
> man sagt ja bei Kondensatoren allgemein die Lebensdauer verdoppelt sich
> bei Reduktion um 10°.
> Also bei 40 grad schon immerhin 8000h.

Diese Info war gerade super hilfreich! Vielen Dank. Mir war klar, dass 
es sich um 70 Grad handelt, allerdings wusste ich nicht, dass die 
Lebensdauer sich bei niedrigerer Temperatur erhöht.

Leider kann ich nicht auf eine andere Plattform umsteigen :/

von Alex G. (dragongamer)


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Die Verdopplung ist eher eine Faustregel, aber die Richtung stimmt auf 
jeden Fall (mit Ausnahme von PC Festplatten die laut einer Google Studie 
länger bei 40° leben als bei 36° aber das dürfte an den 
Ausdehnungskoefizienten der Machanik liegen, dessen Design auf ~40° 
ausgelegt ist).

Wundert mich dass die Datenblätter dieser Caps solch eher unrealistische 
Bedingungen als Grundlage nehmen und nicht eine Verlaufskurve angeben.

von Tobias Meier (Gast)


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Ich frage mich auch, wie die 1000h definiert sind? Bei manchen 
Datenblättern liest man, Erwärmung auf 70 °C und gleichzeitiges Laden, 
dann abkühlen und entladen. Aber keine Ahnung wie sich das verhält, wenn 
man den Kondensator nicht jedes Mal entlädt?

von Ach Du grüne Neune (Gast)


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Alex G. schrieb:
> Du könntest die benötigte Kapazität erheblich reduzieren

...wenn Du den Kondensator übertrieben gesagt mit 50 Volt auflädst und 
über einen 5 Volt DC-Converter entlädst.

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