Sperrholz, warum ungerade Anzahl der Schichten?

OP (Firma: Papier & Knalltüten Manufaktur) #5386439
Lesenswert?

Hallo liebe Foristen, ich habe da gerade ein Verständnis Problem.

Meiner Erinnerung folgend bestehen Sperrholzplatten immer aus einer 
ungeraden Anzahl von Schichten da sie so besonders stabil sind. Richtig?

Nur was passiert wenn man zwei besonders stabile Platten zu einer Platte 
zusammen leimt? Sie müsste doch noch viel stabiler sein. Wenn das 
stimmt, dann ist die Theorie von einer ungeraden Anzahl ja falsch. wenn 
man zwei ungerade Zahlen addiert, dann ist doch die Summe gerade.  Da 
stehe ich echt auf dem Schlauch. Kann mir einer eine Plausible Antwort 
geben?

Vielen Dank schon einmal für die Antworten.
Gast #5386456
Lesenswert?

Die Schichten sind immer kreuzweise (Faserverlauf) verleimt.
Wenn man eine gerade Anzahl Schichten nehmen würde wäre der Faserverlauf 
auf der einen Seite der Platte rechtwinklig zum Faserverlauf auf der 
anderen Seite.
Gast #5386473
Lesenswert?

Esmeralda P. schrieb:
> Nur was passiert wenn man zwei besonders stabile Platten zu einer Platte
> zusammen leimt? Sie müsste doch noch viel stabiler sein. Wenn das
> stimmt, dann ist die Theorie von einer ungeraden Anzahl ja falsch. wenn
> man zwei ungerade Zahlen addiert, dann ist doch die Summe gerade.

Die Theorie bleibt schon richtig, denn Du würdest in Deinem Beispiel 
keine einzelnen Furnierlagen verpressen ( für die die Notwendigkeit der 
ungeraden Anzahl gilt, siehe Beitrag von "Der Andere" ) - sondern 2 
bereits fertige Sperrholzplatten, für die Du dann in der Tat eine gerade 
Anzahl von Furnierschichten erhältst.
#5386491
Lesenswert?

Walter K. schrieb:
> Die Theorie bleibt schon richtig, denn Du würdest in Deinem Beispiel
> keine einzelnen Furnierlagen verpressen ( für die die Notwendigkeit der
> ungeraden Anzahl gilt, siehe Beitrag von "Der Andere" ) - sondern 2
> bereits fertige Sperrholzplatten, für die Du dann in der Tat eine gerade
> Anzahl von Furnierschichten erhältst.

Nur gilt dafür das gleiche: Für beste Wirkung müsste man sie in 90% 
verdreht verleimen, damit die verleimten Schichten nicht die gleiche 
Faserrichtung haben, und erhält eine Platte mit um 90% verdrehter 
sichtbarer Faserrichtung.
Gast #5386494
Lesenswert?

A. K. schrieb:
> Für beste Wirkung müsste man sie in 90%
> verdreht verleimen, damit die verleimten Schichten nicht die gleiche
> Faserrichtung haben, und erhält eine Platte mit um 90% verdrehter
> sichtbarer Faserrichtung.

Wenn man sie in gleicher Richtung verleimt, hat man mehr oder weniger 
wieder eine Platte mit ungerader Anzahl Schichten, nur hat die innerste 
Schicht jetzt eine doppelte Dicke.
Gast #5386530
Lesenswert?

Holz schwindet/quillt quer zur Faser viel stärker als längs.

Eine Platte mit im Extremfall 2 Schichten, die so angeordnet sind,
1
untere Schicht:
2
|||||||||||||
3
|||||||||||||
4
|||||||||||||
5
|||||||||||||
6
|||||||||||||
7

8
obere Schicht:
9
-------------
10
-------------
11
-------------
12
-------------
13
-------------
würde im Sommer (hohe Luftfeuchtigkeit) quellen und sich links/rechts 
nach oben biegen und vorne/hinten nach unten. Das sähe dann ungefähr so 
aus:
https://upload.wikimedia.org/wikipedia/commons/6/63/ParabHyper.png

Mit einem symmetrischen Aufbau (ungerade Anzahl Schichten) gleicht sich 
das halbwegs aus.


Buche z.B. schwindet/quillt tangential (für Sperrholz wird Schälfurnier 
verwendet) um 0.45%, longitudinal um 0.013%, wenn sich die Holzfeuchte 
um 1 Prozentpunkt ändert. Welche Krümmungsradien dabei herauskommen, 
kann man sich denken.
Gast #5386565
Lesenswert?

A. K. schrieb:

> Nur gilt dafür das gleiche: Für beste Wirkung müsste man sie in 90%
> verdreht verleimen, damit die verleimten Schichten nicht die gleiche
> Faserrichtung haben, und erhält eine Platte mit um 90% verdrehter
> sichtbarer Faserrichtung

Die äußeren und sichtbaren Lagen des Furniers einer sperrholztafel sind 
viel dünner als die mittleren - deshalb käme niemand auf die Idee die 
Sperrholz Tafeln 90grad verdreht verleimen zu wollen ...
#5386645
Lesenswert?

Hallo!
Jeder Tischler (aber auch versierte Hobby-Holzwerker) beachtet bei der 
Bearbeitung von Faserwerkstoffen deren Richtung. Beim Sägen, Hobeln, 
Schleifen, Fräsen, Stemmen usw. muss man streng darauf achten. Selbst 
bei der Oberflächenbehandlung (Furnieren, Lasieren, Ölen...) ist das 
wichtig. Schau mal einem Tischler über die Schulter!
Der würde verrückt werden, wenn Ober- und Unterseite seiner zu 
bearbeitenden Platte unterschiedlich wären. Die Innenlagen ineressieren 
da nicht - die bringen nur Stabilität.
Ganz am Ende der Kette steht ein Kunde und für den sieht es Sch**sse 
aus, wenn die schöne Maserung an einer selbstgebastelten Kiste Innen 
anders ist als Außen!
#5386762
Lesenswert?

Christoph K. schrieb:
> Und wieso haben mehrlagige Platinen geradzahlige Layeranzahlen?

Platinen != Sperrholz.

Platinen werden nicht deshalb mehrlagig gefertigt, damit sie sich besser 
bearbeiten lassen, schöner aussehen oder stabiler sind. Das sollte ein 
technisch Gebildeter wissen.

Eine zweilagige Platine besteht aus Cu-Träger-Cu.
Eine vierlagige Platine besteht aus Cu-Träger-Cu-Träger-Cu-Träger-Cu.
...
Alles ungerade.
Zeige mir eine Platine mit gradzahligen Layern - einlagige ausgenommen. 
Einlagiges Holz gilt ja auch nicht als Sperrholz!
Gast #5386783
Lesenswert?

> Eine zweilagige Platine besteht aus Cu-Träger-Cu.

Lötstop-(Cu-FR4-Cu)-Lötstop


> Eine vierlagige Platine besteht aus Cu-Träger-Cu-Träger-Cu-Träger-Cu.

Lötstop-(Cu-FR4-Cu)-Prepeg-(Cu-FR4-Cu)-Lötstop

Prepreg und FR4 bestehen aus (fast) denselben Bestandteilen, jedoch in 
unterschiedlich fortgeschrittenen Verarbeitungsstufen (Epoxy 
aushärtung). Wenn der "Pfannkuchenstapel" fertig verarbeitet ist -also 
bevor die BE bestückt werden- ist es einerlei.
#5386816
Lesenswert?

Christoph K. schrieb:
> Und wieso haben mehrlagige Platinen geradzahlige Layeranzahlen?

Weil zweilagige Platinen früher auch mal gerne mit Vorzugsrichtungen 
layoutet wurden, oben Quer- und unten Längsverbindungen. Was man also 
bei zweilagigem Sperrholz kriegt, aber nicht haben will, das will man 
bei Platinen haben. Eine zweilagige Platine nur mit Längsverbindungen 
klappt ebenso schlecht wie zweilagiges Sperrholz in gleicher 
Faserrichtung. ;-)
#5387177
Lesenswert?

Tschuldigung ich bin von Thema abgeschweift. Und ich hatte Layer 
geschrieben, das sind die Cu-Flächen. Aus einer geraden Zahl dort ergibt 
sich automatisch eine ungerade für das Epoxid. Also sozusagen wie beim 
Sperrholz.
Ich verwende gern Tischlerplatten mit längsliegendem Naturholz und 
querliegenden Furnier auf beiden Seiten als Regalbretter. Die tragen bei 
13mm Gesamtdicke mehr als eine >19mm Spanplatte.
Gast #5387496
Lesenswert?

Harald W. schrieb:

> A. K. schrieb:
>
>> Führt das dazu, dass die Platte insgesamt deshalb eine
>> Vorzugsrichtung hat?
>
> Ja, man wird das bei Biegeversuchen merken.

Das ist auch tatsächlich so.

Da die Außenlagen "mehr Last aufnehmen" als die inneren,
sind die Unterschiede bei dünnem Sperrholz relativ gesehen
größer als bei dickem mit mehr Lagen.
#5387504
Lesenswert?

Esmeralda P. schrieb:
> Nur was passiert wenn man zwei besonders stabile Platten zu einer Platte
> zusammen leimt? Sie müsste doch noch viel stabiler sein. Wenn das
> stimmt, dann ist die Theorie von einer ungeraden Anzahl ja falsch. wenn
> man zwei ungerade Zahlen addiert, dann ist doch die Summe gerade.  Da
> stehe ich echt auf dem Schlauch.

Das ist kein Schlauch mehr!

Eher eine Undergroundleitung, sprich Sch.....

Also Schmarrn!

Wie kommt man nur auf solche Ideen?


PS: Wird hier im uC.Net nur mehr Sch..... verzapft?

Antwort schreiben

Bitte melde dich an, um einen Beitrag zu schreiben.

oder

Mit Google-Account einloggen

Die Registrierung ist kostenlos und dauert nur eine Minute.

Jetzt registrieren