Wie funktioniert Mörtel?

Gast #5405413
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Hallo

gehört auch zu Mechanik, und da sich hier die Praktiker als auch 
Theoretiker und vor allem auch Neugierigen treffen stelle hir hier 
einfach mal die E-Technik ferne Frage:

"Wie funktioniert eigentlich Mörtel?"

Jetzt nicht im Hinblick wie nutze ich diesen, was muss ich beachten, 
welche genaue Sorte für welchen Zweck und ähnliches, sondern wie der 
Mörtel letztendlich "klebt" und Steine teilweise über Jahrhunderte (oder 
manchmal eben leider auch deutlich kürzer...) sicher verbindet.

Wahrscheinlich benutze ich die falschen Suchbegriffe, aber Google findet 
sehr viel darüber wie man Mörtel anwendet, was in der Praxis beachtet 
werden muss, wie sich Mörtel zusammensetzt, selbst irgendwelche Normen 
und damit verbunden Bauvorschriften findet man und natürlich jede Menge 
"Produktinformation" also schlicht und einfach: Werbung.

Aber was da im Innersten geschieht, welche Verbindungen, Umwandlungen 
oder was auch immer stattfindet...
Dazu habe ich immer noch keine Info gefunden - wer kann (bitte 
deutschsprachig) mit Links oder eigenen Erklärungen helfen.
Schön wären Erklärungen oberhalb des "Sendung mit der Maus" Niveaus aber 
unterhalb von Chemie- Baustoff- ... Ingenieursliteratur.

mfg

Steinbeißer
Gast #5405424
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Im Mörtel verwendetet man gebrannten Kalk, der nach der Mischung mit 
Wasser und Sand das Kohlendioxid aus der Luft aufnimmt und sich so zum 
steinartigen Material umwandelt. Deshalb richt die Luft an einer frich 
verputzten Wand so frisch.
#5405740
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Und wenn man noch Hirschhornsalz untermischt, dann hat man 5 Minuten 
Zement. Der verströmt beim Aushärten einen Ammoniakgeruch, weil der 
gebrannte Kalk sich nicht erst das CO2 aus der Luft ziehen muß, sondern 
direkt aus dem Hirschhornsalz (Ammoniumcarbonat) holt. Ammoniak bleibt 
übrig und gast aus.
#5406266
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Bernd F. schrieb:
> Der wesentliche Abbindevorgang beruht auf der Bildung von
> Kristallnadeln.
>
> https://de.wikipedia.org/wiki/Zement

Nur ergänzend und damit nicht evtl. der Eindruck entsteht, 
Kristallbildung sei nur auf Zement beschränkt:
Bei allen mineralischen Bindungen findet Kristallbildung statt.
Auch bei Gips und Kalk.

Allerdings sind dabei die Kristalle auch in ihrer "Bindungsfähigkeit" 
unterschiedlich, was aber nicht unbedingt nachteilig sein muß.

Deshalb verwendet man für Innenputze überwiegend reine Kalkputze, weil 
die weicher, im Gefüge "offener" und damit "atmungsaktiver" sind.

Atmungsaktiv NICHT im Sinn Pettenkofers, der postulierte, daß durch jede 
Wand Luftaustausch bzw. auch Wasserdampfaustausch mit der Außenluft 
stattfinden könne.
Was natürlich Quatsch ist:
Wenn ein Außenputz mit stinknormalem Mörtel, der auch zum Mauern 
verwendet wird (Volumenteile: 8 Sand, 2 Weißkalkhydrat und 1 Zement), 
aufgebracht ist, dann ist dieser Putz dicht.
SONDERN in dem, daß über den Innenputz Wasserdampf-Aufnahme ermöglicht 
wird.
Der aber auch wieder (nur) in den Innenraum "zurückverdampfen" kann.
Wodurch ein Innenputz zu gutem "Raumklima" beitragen kann.

W.o. wurde auch "Lehmmörtel" genannt.
Im engeren Sinn ist das aber gar kein Mörtel, weil Lehm nicht 
irreversibel erstarrt.
Er kann zwar durch Trocknung fester werden, was aber mit Schrumpfung und 
Mikrorissen einhergeht.
Unbestritten ist dabei, daß er noch atmungsaktiver als jeder Mörtel ist, 
der abbindet.

> Der häufige Denkfehler liegt darin, vom Trocknen zu sprechen.
> Die Bildung der Kristallnadeln dauert, ist da vorher was ausgetrocknet,
> wird es nicht fest.

Umgekehrt formuliert muß man im Sommer darauf achten, daß v.a. bei Beton 
dieser hinreichend genug ständig "gewässert" wird, damit die 
Kristallbildung ungestört und möglichst vollständig ablaufen kann.

Grüße

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