Aus Betriebssicherheitsgründen würde ich gerne meinem Win7
Arbeitsrechner den Internetzugang, sowie den Zugang zu Updates
entziehen. Der Internetzugang sollte idealerweise über einen dedizierten
Surfrechner geschehen. Auf diesem würden dann auch die Anwendungen
laufen, die unbedingt Netzzugang benötigen, z.B. Email.
Das Betriebssystem dieses Rechners sollte aufgrund der verwendeten
Programme zunächst auch Windows sein. Mittelfristig steht eine Migration
zu einem Linux-Derivat an.
Um Bürofläche zu sparen, außerdem weil es aus vielen Gründen effizienter
wäre, spiele ich mit dem Gedanken den Surfrechner als virtuelle Maschine
auszuführen und dem Hostsystem mittels Routerkonfiguration den
Internetzugang zu sperren - Hostsystem IP bekommt eine Internetsperre in
der FritzBox.
Gegenüber dem umgekehrten Ansatz (offline Maschine in der VM, Host
online) spricht hierfür die bessere Haptik der Produktivsoftware,
insbesondere bei Multihead (CAD, Bildbearbeitung) und eben kein direkter
Zugriff des Surfrechners auf das Arbeitssystem.
Das Hostsystem soll auf dem aktuellen, funktionsfähigen Softwarestand
eingefroren werden.
Das Gastssystem bekommt ganz regulär seine Sicherheitsupdates.
Datenaustausch geschieht über ein Verzeichnis mit gemeinsamem Zugriff.
Hardware: i7-4770, 16GB, 1TB SSD für HostOS und VM, xTB HD
Datenspeicher, 2x Ethernet.
Offene Fragen:
- macht so ein Szenario sicherheitstechnisch Sinn?
- wie angreifbar ist das Hostsystem?
- hat jemand sowas am Laufen?
- Empfehlungen für VM Software?
Windows als Hostsystem ist schonmal ein ganz schlechter Ansatz!
Schau dir mal FreeBSD und die Jails an - da bekommst Du eine saubere
Trennung, wenn Guest OS virtuell in einer Jail läuft.
Du kannst aus den Ports VirtualBox oder auch bhyve bauen - oder zur Not
auch Binaries ziehen
Win7Fan schrieb:> Offene Fragen:> - macht so ein Szenario sicherheitstechnisch Sinn?
Nicht wirklich.
> - wie angreifbar ist das Hostsystem?
Ganz normal über alle bekannten und unbekannten Sicherheitslücken
mindestens bis hoch auf den MAC-Layer des Netzwerk-Stacks.
Dazu noch über alle Sicherheitslücken, die Malware auf dem Guest Zugriff
auf den Host erlauben. Sprich: Meltdown, Spectre, SpectreV2 und was
sonst noch kommen mag...
Kurzfassung: Mit deinen Kenntnissen (erkennbar an deinen Fragen) kannst
du die Sache von vornherein komplett knicken. Lass' einfach dein Wixdos7
laufen und bete, dass alles gut geht. Noch viel besser: ziehe regelmäßig
Images, um für den Fall, dass es halt doch nicht gut ging, den Zustand
wiederherstellen zu können, wo es noch gut ging... Und, sowieso
unverzichtbar: mache Backups deiner Daten. Echte Backups, also mit
Generationen und Trennung der Medien von der Quelle...
Dieses Konzept funktioniert übrigens unter absolut jedem OS ganz
hervorragend und ist ist für jeden Nicht-Vollidioten sowieso Grundlage
jeder ernsthaften Arbeit...
c-hater schrieb:> Win7Fan schrieb:>>> Offene Fragen:>> - macht so ein Szenario sicherheitstechnisch Sinn?>> Nicht wirklich.
Ganz so schnell bin ich mit der Aussage nicht zufrieden.
Bitte hilf mir nochmal, Deine Argumente zu verstehen.
>>> - wie angreifbar ist das Hostsystem?>> Ganz normal über alle bekannten und unbekannten Sicherheitslücken> mindestens bis hoch auf den MAC-Layer des Netzwerk-Stacks.
Wir haben ja noch den Router. Der lässt nur Pakete von und zum
Gastsystem durch.
Gibt es tatsächlich Angriffsszenarien, in denen IP-Pakete, die dediziert
vom Router an Rechner A umgesetzt werden (vom WAN ins LAN), über Ihren
Inhalt Rechner B im LAN attackieren können? Bitte Beispiele.
Rechner A, in dem Fall die VM, wird genauso abgesichert, wie ein
Rechner, der einzelne Hardware ist. D.h. Firewall, Virenscanner,
Surfdisziplin.
>> Dazu noch über alle Sicherheitslücken, die Malware auf dem Guest Zugriff> auf den Host erlauben. Sprich: Meltdown, Spectre, SpectreV2 und was> sonst noch kommen mag...
Auf diese Stichworte habe ich bewusst verzichtet. Damit diese
Horrorteile zum Zug kommen, müssen sie ja erstmal an den anderen
Sicherheitsmechanismen vorbeikommen und auf dem Gastsystem ausgeführt
werden.
> Kurzfassung: Mit deinen Kenntnissen (erkennbar an deinen Fragen) kannst> du die Sache von vornherein komplett knicken. Lass' einfach dein Wixdos7> laufen und bete, dass alles gut geht. Noch viel besser: ziehe regelmäßig> Images, um für den Fall, dass es halt doch nicht gut ging, den Zustand> wiederherstellen zu können, wo es noch gut ging... Und, sowieso> unverzichtbar: mache Backups deiner Daten. Echte Backups, also mit> Generationen und Trennung der Medien von der Quelle...>> Dieses Konzept funktioniert übrigens unter absolut jedem OS ganz> hervorragend und ist ist für jeden Nicht-Vollidioten sowieso Grundlage> jeder ernsthaften Arbeit...
Die Grundlage jeder ernsthaften Arbeit würde ich auch gar nicht hier
diskutieren wollen, sondern lieber das VM-Thema. Danke.
Win7Fan schrieb:> Das Hostsystem soll auf dem aktuellen, funktionsfähigen Softwarestand> eingefroren werden.> Das Gastssystem bekommt ganz regulär seine Sicherheitsupdates.> Datenaustausch geschieht über ein Verzeichnis mit gemeinsamem Zugriff.
Ah ja, Produktivrechner ohne Sicherheitsupdates kann auf Daten
zugreifen, die sehr wohl aus dem Internet kommen können. Was soll denn
an dem sinnfreien Konstrukt sicher sein? Lieber Gott, wirf Hirn vom
Himmel!
Gregor schrieb:
...
> , Produktivrechner ohne Sicherheitsupdates kann auf Daten> zugreifen, die sehr wohl aus dem Internet kommen können. Was soll denn> an dem sinnfreien Konstrukt sicher sein?
...
Genau das möchte ich hier im Dialog rausfinden:
Was soll an der Verwendung eines Austauschverzeichnisses unsicherer
sein, als wenn die Daten per USB-Stick physisch von LAN zum WAN
transportiert werden?
Durch das Weglassen der Updates sollte der Hostrechner doch nicht
automatisch bösartig-aggressiv werden, oder?
Und die Maschinen mit Internetkontakt sind, wie bereits geschrieben, ein
weit verbreiteter Router und ein normal gepflegtes OS.
Hypervisor haben Bugs wie alles andere auch. Manchmal auch Bugs, die
einer VM den Ausbruch aus der VM ins Hostsystem ermöglichen. Weshalb
Hypervisor aktuell gehalten werden sollten. Das Hostsystem mitsamt
Hypervisor einzufrieren ist also sicherheitstechnisch nicht sinnvoll.
Nur weil ein Rechner keine Internetverbindung hat, muss man nicht auf
Sicherheitsupdates verzichten.
Vorschlag: Den Offline-Host-Rechner trotzdem mit Sicherheitsupdates
versorgen. z. B. per http://www.wsusoffline.net/
Das Tool nutze ich gerne um einen frische installierten Rechner zu
patchen, bevor er das erste mal ans Internet gehängt wird.
Hardware hat Bugs wie alles andere auch... Siehe Spectre/Meltdown. Auch
hier ist es grundsätzlich möglich, dass eine VM eine andere VM oder den
Host ausforscht.
Dann wäre wohl ein Konzept mit zwei getrennten Systemen am sinnvollsten?
Einen Rechner für die Entwicklung, Bildbearbeitung usw. und ein System,
das "nur" ins Internet darf, wobei beide Systeme keine direkte
Verbindung untereinander aufweisen?
Gut, auch hierbei liegt die Schwachstelle beim Datenaustausch (wie auch
immer ausgeführt) zwischen den Systemen - also z.B. mit einem Stick für
die PDF-Dateien u.a.
TK
Win7Fan schrieb:> Gibt es tatsächlich Angriffsszenarien, in denen IP-Pakete, die dediziert> vom Router an Rechner A umgesetzt werden (vom WAN ins LAN), über Ihren> Inhalt Rechner B im LAN attackieren können? Bitte Beispiele.
Rechner B stellt ja einen teil seines Netzwerk-stacks für Rechner A zur
Verfügung.
Wenn Rechner B jetzt dauerhaft ungepatcht ist wird die
Wahrscheinlichkeit für bekannte, aber ungepatchte Lücken dort immer
größer.
Dirk,
deswegen hatte ich die zweite Ethernetschnittstelle des Hostrechners
erwähnt. Eine davon könnte der VM exklusiv zugeordent werden.
Wobei ich nicht weiß, ob Win7 für zwei physische Schnittstellen einen
gemeinsamen Prozess fährt.
Bis jetzt läuft das ganze in Richtung der Lösung, die TK propagiert.
Allerdings versuche ich mit diesem Thread abzuschätzen, ob der Aufwand
und Komfortverlust wirklich gerechtfertigt ist.
So wie es aussieht, behandelt mein nächster Thread die Frage, wie man
Graphikfenster von einem im Internet hängenden Raspi auf den
Bildschirmen eines LAN-Win7-Rechners darstellen kann.
Win7Fan schrieb:> deswegen hatte ich die zweite Ethernetschnittstelle des Hostrechners> erwähnt. Eine davon könnte der VM exklusiv zugeordent werden
Trotzdem wird sie natürlich vom Hostsystem verwaltet - was denn sonst?
Deine (laienhaften) Vorstellungen gehen von 2 getrennten Rechnern aus,
die du aber nicht hast. Der gesamte Netzwerkverkehr der VM geht über das
BS des Host.
Georg
georg schrieb:> Win7Fan schrieb:>> deswegen hatte ich die zweite Ethernetschnittstelle des Hostrechners>> erwähnt. Eine davon könnte der VM exklusiv zugeordent werden>> Trotzdem wird sie natürlich vom Hostsystem verwaltet - was denn sonst?> Deine (laienhaften) Vorstellungen gehen von 2 getrennten Rechnern aus,> die du aber nicht hast. Der gesamte Netzwerkverkehr der VM geht über das> BS des Host.
Diese pauschale Aussage ist Unsinn. Bei vernünftigen
Virtualisierungslösungen kann man natürlich eine physische Hardware
einer Virtuellen Maschine so zuweisen, dass ausschließlich und vor allem
direkt der Gast mit der Hardware spricht, der Host jedoch nicht. Bei so
einer Konfiguration muss man sogar im Host BS sicherstellen, dass dieses
die Hardware nicht nutzt.
Bei QEMU/KVM kann man so z.B. die Grafikkarte direkt an den Gast
durchreichen, im Gast wird dann der ganz normale Grafiktreiber
installiert, der Host kann die Karte nicht nutzen.
Ich denke, das man für einfach Anforderungen durch so ein Setup durchaus
eine gewisse Erhöhung der Sicherheit beim Internetsurfen erreichen kann.
Zumindest zerschießt man sich nicht gleich sein Produktivsystem wenn man
mal ausversehen auf irgendeiner Seite landet. Wie oft das wirklich
passiert sei mal dahingestellt. Gegen Angriffe die darauf abzielen aus
der VM auszubrechen, hilft das natürlich nicht, aber sowas kommt
normalerweise nicht einfach aus der Hüfte geschossen sondern muss vom
Angreifer vorbereitet werden, möglichst mit Wissen über die
anzugreifende IT. Ob es sich hier um ein so lohnendes Ziel handelt...
Kritischer Punkt ist natürlich der Datenaustausch, auch PDFs können
Viren enthalten.
Win7Fan schrieb:> Dirk,> deswegen hatte ich die zweite Ethernetschnittstelle des Hostrechners> erwähnt. Eine davon könnte der VM exklusiv zugeordent werden.> Wobei ich nicht weiß, ob Win7 für zwei physische Schnittstellen einen> gemeinsamen Prozess fährt.
Dafür müsstest du direkt die Hardware durch reichen, das ist zumindest
sehr unüblich, ob und wenn ja wie das mit einem Windows-host und
Virtualbox, Vmware Player oder so etwas (Virtualisierung "mit GUI")
überhaupt geht ist fraglich.
Evtl. geht das mit ner USB-nNtzwerkkarte, USB kann man 1 zu 1 durch
reichen.
Trotzdem sind dann Bugs in der Hardware, und in allen beteiligten
Software-Stückchen angreifbar, das ist zumindest der Windows-Kernel und
deine Virtualisierung-Host-Software, gerade bei der Letzteren gibt es
ja, egal welches Produkt man nutzt, Regelmässig größere Lücken, aber
genau die willst du ja nicht mehr patchen.
OK, ich kapere mal meinen eigenen Thread mit einem neuen Ansatz:
Mein Hauptgrund für die VM-Lösung ist der Unity-Mode, der es erlaubt
einzelne App-Fenster eines Host-Rechners auf dem Client-Bildschirm
anzuzeigen. Also Anzeige von Webbrowser oder Email-Client, ohne den
Bedarf an einem zusätzlichen Bildschirm.
Ich habe in den letzten 10 Jahren so wenig mit Linux gemacht, dass mir
"X11 forwarding" entfallen war. Obwohl ich das jahrelang für die
Crossplattform-Entwicklung verwendet habe.
https://www.tutonaut.de/x11-forwarding/
Wie sähe denn Eure Bewertung der Bedrohungslage aus, wenn ein
Win7-LAN-Rechner (also einer, der vom Router nicht ins Internet gelassen
wird) mit einem WAN-Linux-Rechner (e.g. Raspi) über "X11 forwarding"
gekoppelt würde?
Was wäre, wenn der WAN-Linux-Rechner gleichzeitig noch ein
Datenaustauschverzeichnis für den LAN-Rechner zur Verfügung stellte?
Win7Fan schrieb:> OK, ich kapere mal meinen eigenen Thread mit einem neuen Ansatz:>> Mein Hauptgrund für die VM-Lösung ist der Unity-Mode, der es erlaubt> einzelne App-Fenster eines Host-Rechners auf dem Client-Bildschirm> anzuzeigen. Also Anzeige von Webbrowser oder Email-Client, ohne den> Bedarf an einem zusätzlichen Bildschirm.>> Ich habe in den letzten 10 Jahren so wenig mit Linux gemacht, dass mir> "X11 forwarding" entfallen war. Obwohl ich das jahrelang für die> Crossplattform-Entwicklung verwendet habe.> https://www.tutonaut.de/x11-forwarding/
Müsste man testen ob das mit Video Funktioniert. Die meisten Webbrowser
nutzen heute zudem OpenGL/OpenCL zum Beschleunigen. OpenGL wird zwar
auch weitergeleitet, aber wie performant das ist... Könnte sein das der
Webbrowser sich nicht so anfühlt wie gewohnt.
Wenn man den X-Ming X-Server benutzt kann es auch passieren das der
Desktophintergrund(inkl aller Symbole) verschwindet und durch den auf
der Linux Maschine ersetzt wird. Hängt mit dem Root Window zusammen.
Passier z.B. wenn man den Gnome Dateimanager startet. Kann man sicher
auch irgendwie abschalten.
Schon mal über Docker nachgedacht? Kenn mich damit nicht aus, aber in
dem Browser Thread nebenan sagt jemand, das er seinen Chrome in einen
Docker Container eingesperrt hat. Da kommt dann wohl zumindest der
Browser nicht mehr so einfach aufs System.