Hallo zusammen,
ich habe das Problem, dass ein kleiner Gleichstrommotor durch häufiges
Umpolen einem enormen Verschleiß unterliegt.
Der Motor ist in einer H-Brücke geschaltet mit Freilaufdioden. Er wird
etwa 1x pro Sekunde in die jeweilige Gegenrichtung unmgeschaltet. Dieses
Muster läuft mehrere Stunden. Nach einer Stunden scheint der Kommutator
(ich vermute, dass er die Ursache ist) wie festgebrannt, der Motor
bleibt einfach stehen. Man kann ihn durch Drehen von Hand lösen
(deutliches Losbrechmoment spürbar), dann läuft der Motor wieder einige
Minuten und blockiert dann erneut.
Derselbe Motortyp läuft bei Verwendung nur einer Drehrichtung problemlos
mehrere Monate.
Natürlich kann man das Problem mechanisch umgehen, indem man den Motor
nur in einer Richtung durchlaufen lässt und die periodische Bewegung mit
einem Exzenter herstellt. So werde ich es wohl auch machen. Trotzdem
interessiert mich natürlich, wo dieser enorme Verschleiß herkommt und
was man dagegen tun kann. (Vielleicht eine kurze Verzögerung in die
oberen Brücken-Transistoren, sodass der Motor einige hundert
Millisekunden Zeit hat, durch Reibung zum Stillstand zu kommen, bevor
die Gegenrichtung los geht???)
Vielen Dank im Voraus für Kommentare und Ideen!
STJK
STJK schrieb:> Vielleicht eine kurze Verzögerung in die> oberen Brücken-Transistoren, sodass der Motor einige hundert> Millisekunden Zeit hat, durch Reibung zum Stillstand zu kommen, bevor> die Gegenrichtung los geht???)
Unbedingt! Du solltest dir mal die Stromspitzen ansehen!
Und Sanftanlauf wäre auch kein Fehler.
2 Sachen:
Lässt du ihn vor umpolen im Freilauf austrudeln oder bremst du aktiv
oder bestromst gar schon in der Gegenrichtung bevor er zum Stillstand
gekommen ist?
Zum zweiten: klar, die Schleifkohlen kippen immer ein wenig hin und her
in ihrer Führung bei Drehrichtungswechsel, dadurch ergibt sich, dass
Schleiffläche und Kollektor nie so richtig zusammenfinden.
Nimm nen brushless-Motor.
H.Joachim S. schrieb:> oder bestromst gar schon in der Gegenrichtung bevor er zum Stillstand> gekommen ist?
das habe ich in der Tat so gemacht. Dann war die Behandlung wohl zu
brutal...
An Brushless hatte ich auch schon gedacht.
Vielen Dank für eure Hinweise!
Die 99 Euro-Frage lautet: Warum so kurzzeitig?
Zu den doch recht hohen Strömen kommt auch noch das Anlaufmoment
zusammen mit der Konstruktionsmasse die just in dem Moment in die andere
Richtung strebt. Oder hast Du Zeit, das System anzuhalten/abzubremsen?
Kann es sein, dass der Wurm schon im System steckt?
Wiederbelebungsversuche bei einer Totgeburt sind nicht besonders
sinnvoll.
> ich habe das Problem, dass ein kleiner Gleichstrommotor durch häufiges> Umpolen einem enormen Verschleiß unterliegt.
Von was für einem Motor ist denn GENAU die Rede?
Durchmesser? Länge? Betriebsspannung?
Marke? Modell? Konstruktionsart der Bürsten? Nuten- & Polzahl?
Wenn Du den abrupt umpolst, legst Du volle Gegenspannung an, während am
drehenden Motor noch die Gegen-EMK induziert wird. Damit steht über dem
Motor doppelte Betriebsspannung. Folglich fließt auch der doppelte
Anlaufstrom, der hier nur durch den Innenwiderstand begrenzt wird. Ja,
da gehen die Kohlen schonmal kaputt.
Einfachste Maßnahme: Strombegrenzung.
Bessere Maßnahme: Pause dazwischen. Also nicht Links - Rechts- Links,
sondern Links - Pause - Rechts - Pause - Links.
Beste Maßnahme: Sanftanlauf und Sanftauslauf mit PWM.
Viele kleine Gleichstrommotoren sind auch auf eine Drehrichtung
ausgelegt. Die Kohlen sind entsprechend ausgerichtet und bei
Rüchwärtsbetrieb ist der Verschleiß höher.
Modellbauer zu schrieb:> Viele kleine Gleichstrommotoren sind auch auf eine Drehrichtung> ausgelegt. Die Kohlen sind entsprechend ausgerichtet und bei> Rüchwärtsbetrieb ist der Verschleiß höher.
Oder sie haben "Kohlen", die wie Blechlaschen aussehen.
STJK schrieb:> Der Motor ist in einer H-Brücke geschaltet mit Freilaufdioden. Er wird> etwa 1x pro Sekunde in die jeweilige Gegenrichtung unmgeschaltet. Dieses> Muster läuft mehrere Stunden. Nach einer Stunden scheint der Kommutator> (ich vermute, dass er die Ursache ist) wie festgebrannt, der Motor> bleibt einfach stehen.
Na, das braucht Dich nicht zu wundern, wenn man jede Sekunde umschaltet,
und die mechanischen Kräfte wirken dagegen, der Strom
wird zum Kurzschlußstrom, folglich maximale Belastung...
Frage:
Wozu dient eine Umschaltung der Drehrichtung in jeder Sekunde?
Daß häufiges schnelles Umpolen bei Bürstenmotoren auch gut funktionieren
kann, bewiesen die alten hp-Drucker.
Die Motore waren allerdings etwas größer und 5-polig.
Ergo: einen anderen Motor suchen.
Gruß - Werner
-1 überlegen was will ich genau
-2 mit welchen Mitteln will ich es realisieren
-3 die Bauteile danach aussuchen
-4 Kontrolle ob die spezifizierten Bedingungen in allen Punkten mehr als
ausreichend erfüllt werden
-5 bastel, bastel Wastel fertig :)
Karl schrieb:> Bessere Maßnahme: Pause dazwischen. Also nicht Links - Rechts- Links,> sondern Links - Pause - Rechts - Pause - Links.
Genau. Wie beim langsamen Walzer. Die meisten Motoren sind ebenso, wie
die meisten Tänzer nicht für den Reversierbetrieb ausgelegt.
:)
MfG Paul
Ach Paul:
sieh Dir doch mal die Standardtanztänzer beim Turnier an. Geschminkt und
die Haare gegeeelt. Augenscheinlich sind dieser Herren für
"Reversbetrieb" geeignet. :)
Mani W. (e-doc) schrieb:
>Na, das braucht Dich nicht zu wundern, wenn man jede Sekunde umschaltet,>und die mechanischen Kräfte wirken dagegen, der Strom>wird zum Kurzschlußstrom, folglich maximale Belastung...>Frage:>Wozu dient eine Umschaltung der Drehrichtung in jeder Sekunde?
Eine neue Scheibenwischererfindung ....
Werner Hartmann (werner45) schrieb:
>Daß häufiges schnelles Umpolen bei Bürstenmotoren auch gut funktionieren>kann, bewiesen die alten hp-Drucker.>Die Motore waren allerdings etwas größer und 5-polig.>Ergo: einen anderen Motor suchen.>Gruß - Werner
Also kein Vergleich ...
Sebastian S: ja, ich habe Zeit anzuhalten. Das wird wohl auch der erste
Schritt sein.
Motorenfütterer: Durchmesser 27mm; Länge 21mm; Betriebsspannung 6V;
Marke micromotors.eu; Modell 149.x.xx mit Getriebe; Konstruktionsart der
Bürsten: Schleifer gelagert an tangential angeordneten Federdrähten;
Nuten- & Polzahl unklar; für beide Drehrichtungen vorgesehen
Karl: Die Pausen dazwischen sind sicher die richtige Maßnahme.
Modellbauer: Der Motor ist für beide Richtungen ausgelegt.
Jobst Quis: Schrittmotor ist etwas zu groß, und die Ansteuerung sollte
möglichst einfach sein. Aber prinzipiell ginge das natürlich.
Dieter schrieb:> Fuer ein Bullauge?
ja, und zwar außen ;-)
Nochmals vielen Dank für eure Beiträge, ich denke, das Problem ist damit
gelöst.
Besten Gruß, STJK
> Motorenfütterer: Durchmesser 27mm; Länge 21mm; Betriebsspannung 6V;> Marke micromotors.eu; Modell 149.x.xx mit Getriebe; Konstruktionsart der> Bürsten: Schleifer gelagert an tangential angeordneten Federdrähten;> Nuten- & Polzahl unklar; für beide Drehrichtungen vorgesehen
Gut, wir sind in der Kategorie "Modelleisenbahnmotörchen", also
Bürstchen filigran wie Fädeldraht.
Ist zwar nicht das ausführlichste DaBla was die da bieten, sollte
dennoch reichen.
Halte dich an den Stromwert "Corrente con coppia nominale":
Stromaufnahme bei nominellem Drehmoment. Seh zu dass in sämtlichen
Lebenslagen wie Beschleunigung, (EMK-)Bremsung, Belastung dieser Wert
höchstens +50% überschritten wird (Faustformel bei heutigem Mondstand).
Bürsten und Kollektor werden es Dir danken mit +/- nomineller
Lebensdauer.
STJK schrieb:> Durchmesser 27mm; Länge 21mm; Betriebsspannung 6V;> ...> Jobst Quis: Schrittmotor ist etwas zu groß, und die Ansteuerung sollte> möglichst einfach sein.
Es gibt auch kleinere Schrittmotore:
https://www.pollin.de/p/schrittmotor-nanotec-sp2018m0404-a-310536
Und so schwierig ist die Ansteuerung auch nicht, wenn es nicht gerade um
absolute Präzision geht.