Tag zusammen,
konkret geht es um Folgendes:
ich habe eine Musik-Streaming-Box von LG, welche die Lautsprecher von LG
ansteuert. Auf dieser Box läuft Linux. LG hat eigens für seine Produkte,
welche open source software verwenden, eine Webseite eingerichtet, von
der man den Quelltext herunterladen kann.
Da ich das Kennwort meiner Box nicht kenne, kann ich mich aber nicht
damit verbinden und überprüfen, ob das was auf der Homepage zum Download
bereitsteht auch wirklich auf der Box läuft.
Also meine Frage ganz allgemein gestellt:
Was bringt es mir, wenn ein Hersteller brav seinen verwendeten open
source Quellcode liefert, ich aber nicht wirklich nachvollziehen kann,
ob das auch der des Produkts ist.
Und ja, viele mögen sich fragen, ob ich denn nichts besseres zu tun
habe.
Mir gehts hier eher darum, wie man sich das grundsätzlich vorzustellen
hat.
A. Clemen schrieb:> Da ich das Kennwort meiner Box nicht kenne, kann ich mich aber nicht> damit verbinden und überprüfen, ob das was auf der Homepage zum Download> bereitsteht auch wirklich auf der Box läuft.
Das Stichwort lautet "Tivoization".
Wer GPLv3-Code verwendet, muss sicherstellen, dass dieser Code auch auf
den Geräten verwendet werden kann. Daher ist diese Lizenz im
kommerziellen Bereich oft verboten: Es ist nicht möglich, "sichere"
Produkte (im Sinne von "Secure Boot") damit herzustellen, was aber je
nach Gerät für die Zertifizierung o.ä. notwendig ist.
Daher ist z.B. die GPLv3 in Android schlicht verboten, und die GPLv2
wird ebenfalls vermieden (der Kernel ist eine von sehr wenigen
Ausnahmen).
A. Clemen schrieb:> Was bringt es mir, wenn ein Hersteller brav seinen verwendeten open> source Quellcode liefert, ich aber nicht wirklich nachvollziehen kann,> ob das auch der des Produkts ist.
Nichts, aber es geht auch am Thema vorbei.
Die Veröffentlichungspflicht der GPLv2 (nicht Open Source im
Allgemeinen!) gibt dir nicht das Recht, deine eigenen Images für ein
Gerät XY zu bauen und ist auch nicht dafür gedacht. Deine Box ist kein
offenes System.
Aber der Hersteller ist gezwungen, seine Modifikationen an offenem Code
zu veröffentlichen, so dass jemand Drittes ihn für seine Zwecke (z.B.
ein vergleichbares Produkt) nutzen kann - und das ist der Preis dafür,
dass der Hersteller diesen Code ebenfalls kostenfrei nutzen durfte.
Die Veröffentlichung hat natürlich auch einen Transparenz- und
Nerd-Werbeeffekt.
Ich z.B. habe mir 2004 einen Netzwerk-Audioplayer gekauft. Die ganze
dazugehörige Serversoftware war damals Open Source.
Klar, wenn der Hersteller keine Lust mehr hat das weiterzuentwickeln
werde ich allein nicht viel ausrichten können. Aber ich hätte dann immer
noch eine lauffähige Version und Quelltexte. Und im Ernstfall könnte
ich, mit viel Arbeit, ein dringed benötigtes Feature nachzurüsten. Oder
aber darauf hoffen, dass sich eine Community für diese Aufgabe findet.
So waren meine Überlegungen damals.
Und was soll ich sagen: die Serversoftware gibt es noch heute. Und auch
Software-Player, die im Notfall das in die Jahre gekommene Gerät
ersetzt oder ergänzt. Die gibt es aber auch nur, weil das
Netzwerkprotokoll offen lag.
gut, der Begriff "Tivoisierung" hat für mich schonmal Licht ins Dunkel
gebracht.
Ein selbstgebautes Image will ich ja gar nicht aufspielen können.
Aber ohne Zugriff auf das Gerät durch den Verbraucher, könnte der
Hersteller doch den Quellcode der lizenzrechtlich unproblematisch ist
veröffentlichen und den Teil, der sich nicht mit anderen Lizenzen
verträgt einfach verschweigen.
Ich möchte eigentlich nur ausloten, wie hoch die Wahrscheinlichkeit ist,
vom Hersteller die Login-Informationen für den Telnet-Zugang zu
erhalten.
Ein Passwort hab ich im Source-Code nämlich nicht gefunden.
Und ja, an den Hersteller habe ich bereits eine Anfrage gestartet.
A. Clemen schrieb:> Was bringt es mir, wenn ein Hersteller brav seinen verwendeten open> source Quellcode liefert, ich aber nicht wirklich nachvollziehen kann,> ob das auch der des Produkts ist.
Du kannst den Quellcode unter den Lizenzbedingungen verwenden. Nicht
mehr oder weniger garantieren die klassichen Copyleft-Lizenzen.
A. Clemen schrieb:> Ich möchte eigentlich nur ausloten, wie hoch die> Wahrscheinlichkeit ist, vom Hersteller die Login-Informationen> für den Telnet-Zugang zu erhalten.
Die shadow-Datei steht definitiv nicht unter GPL.
Es hindert dich ja auch keiner, eine Box mit ner illegalen Windows kopie
zu verkaufen und dann zu hoffen, dass deine Sicherheitsvorkehrungen
verhindern, dass Microsoft das mitbekommt.
Es gibt sicherlich einen Haufen von Geräten, bei denen die GPL Lizenzen
nicht eingehalten werden, aber keiner die Möglichkeit oder die Lust hat,
das zu beanstanden. Zumal nur Autoren der Software klageberechtigt sind.