Hallo zusammen,
ich habe ein Sim800 mit einer Keramik-PCB Antenne auf eine eigene
Platine gepackt.
Alles bestmöglich nach Datenblatt aufgebaut, und grundsätzlich
funktioniert es auch schon, das Sim bekommt Empfang. Natürlich ist jeder
Aufbau unterschiedlich, und der Empfang könnte doch noch etwas besser
werden.
Dafür gibts ja das Pi-Netzwerk in der Feeding-Line, und das Ganze sollte
sich mit Induktivität und Caps noch besser abstimmen lassen. Leider habe
ich dafür keine speziellen Messgeräte, und auch mein Fachwissen in dem
Bereich ist recht spartanisch.
Daher wollte ich hier mal nachfragen, ob jemand Vorschläge hat, wie man
mit einfachen (günstigen) Mitteln die Antennenperformance auf ein
vernünftiges Niveau bekommen kann? Es muss nicht perfekt sein, aber wie
oft, sollte man doch irgendwie halbwegs einfach auf 90-95% kommen?
An Messgeräten steht mir derzeit nur ein Oszi zur Verfügung.
Einer Anschaffung weiterer Gerätschaften wäre ich nicht abgeneigt, aber
es sollte nicht zu teuer werden.
danke für eure Hilfe!
Daniel schrieb:> Leider habe> ich dafür keine speziellen Messgeräte, und auch mein Fachwissen in dem> Bereich ist recht spartanisch.
Das ist nicht sehr förderlich und darum kaufen die meisten Menschen
fertige Module.
> Daher wollte ich hier mal nachfragen, ob jemand Vorschläge hat, wie man> mit einfachen (günstigen) Mitteln die Antennenperformance auf ein> vernünftiges Niveau bekommen kann? Es muss nicht perfekt sein, aber wie> oft, sollte man doch irgendwie halbwegs einfach auf 90-95% kommen?
Ich weiß nicht was du mit Antennenperformance meinst. Prinzipiell eine
Effizient von 40 bis 50% ist bei PCB-Antennen nicht ungewöhnlich. Die
haben einfach schlechte Wirkungsgrade. (Dafür brauchst du aber trotzdem
eine sehr gute Anpassung).
> An Messgeräten steht mir derzeit nur ein Oszi zur Verfügung.> Einer Anschaffung weiterer Gerätschaften wäre ich nicht abgeneigt, aber> es sollte nicht zu teuer werden.
Eine Möglichkeit ist ein Spektrumanalysator mit Trackinggenerator. Damit
kannst du S11 akzeptabel machen. Besser wäre es allerdings wenn du
Zugriff auf einen Netzwerkanalysator hast. Problem - die "hohe"
Frequenz. Es gibt bezahlbare VNAs für <1000€ (z.B.
http://pocketvna.com/). Der Dynamikumfang ist für eine Antenne
ausreichend. Damit kannst du schon sehr gut anpassen. Das sind halt
keine Präzisionsmessgeräte, ein Profigerät kostet schnell mal 50k€ und
mehr. Ich würde mir an deiner Stelle so einen billigen VNA kaufen. Wenn
du dir einen leihst, dann explodieren die Kosten schnell weil du ihn so
lange brauchst (du hast ja keine Erfahrung wie man damit umgeht).
Zum Thema Anpassung: Wie das geht steht z.B. hier
http://www.ti.com/lit/an/swra161b/swra161b.pdf Kapitel 6.1
Ich würde mal bei einer UNI oder einer Entwicklungsfirma fragen....oder
halt ein Gerät kaufen..
Ein Gerät zu kaufen ist aber glaube ich nur sinnvoll wennst du auch vor
hast in der nächsten Zeit einiges mit HF zu Machen oder du Amateurfunker
oÄ. bist,solltest du aber wirklich nur alle 5 Jahre ein PCB mit ner
Antenne designen würd ich irgendwo fragen.
LG
ok, danke für den tip, schön langsam kommt licht ins dunkel. das
TI-Dokument ist recht hilfreich.
so ein pocketvna ist ja sogar bezahlbar, und da ich vielleicht öfters
sowas zu messen habe werde ich die anschaffung näher in erwägung ziehen.
noch eine kurze Frage, hab ich das richtig verstanden, ziel ist es die
Antenne in die mitte des smith-charts zu trimmen, da ist die antenne in
resonanz und auf 50ohm. sozusagen das optimum, richtig?
noch eine Frage, ist das dann auch bei einer PCB-Keramik-GPS-Antenne das
gleiche, oder? die empfängt ja nur die satellitensignale (schickt
nichts) und reicht die dann zum Empfänger weiter. aus Sicht des
antennatrimmings ist das aber das gleiche prozedere, die Antenne muss
aus Empfängersicht auf 50ohm abgestimmt werden, und dann ist sie optimal
eingestellt. mehr kann ich dann eh nicht mehr machen, da die pcb eh
schon fertig ist.
danke.
Daniel schrieb:> das> TI-Dokument ist recht hilfreich.
Das hier ist fast noch ausführlicher
http://www.cypress.com/file/136236/downloadDaniel schrieb:> noch eine kurze Frage, hab ich das richtig verstanden, ziel ist es die> Antenne in die mitte des smith-charts zu trimmen, da ist die antenne in> resonanz und auf 50ohm. sozusagen das optimum, richtig?
Jein. Die 50R sind sowas wie ein Standard in der HF-Technik.
(Willkürlich gewählt). Wenn dein GPS-Modul einen 50 Ohm Ausgang hat,
dann musst du auf 50 Ohm matchen. Hintergrund ist die sog.
Leistungsanpassung (-> Google). Bei dieser Leistungsanpassung wird die
maximale Energie von Quelle (Antenne) zu Senke (GPS-Empfänger)
übertragen. Wenn dein GPS-Modul eine andere Eingangsimpedanz hat, dann
musst du natürlich auf diese matchen (Datenblatt). Normaler Weise ist
das aber 50 Ohm.
Genau. Beim Smith-Chart liegen die 50 Ohm in der Mitte (alle Werte
werden mathematisch auf 50 Ohm normiert). Bei deiner Zielfrequenz (GPS
L1 Frequenz 1575,42 MHz) sollte die Kurve möglichst nah an 50 Ohm Punkt
(oder 1 normiert) sein.
Das Smith-Chart ist eine Darstellung mit der man einfach die Anpassung
ermitteln kann (siehe PDF-Dokumente). Um die Anpassung zu beurteilen ist
es nur eher schlecht geeignet. Dafür nimmt man eher VSWR oder S11
Darstellungen. VSWR ist ein umgerechnetes S11 (siehe Link auf Tabelle
weiter unten). So sieht dann beispielsweise eine angepasste Antenne aus.
http://www.g8jnj.net/G4JNT%20Helix%20on%20mast%20S11.pngDaniel schrieb:> noch eine Frage, ist das dann auch bei einer PCB-Keramik-GPS-Antenne das> gleiche, oder? die empfängt ja nur die satellitensignale (schickt> nichts) und reicht die dann zum Empfänger weiter.
Ja genau. Dass sie nichts sendet ist eigentlich nur sekundär von
Bedeutung. Was für den Empfang gilt, das gilt auch für das Senden und
andersherum. Eine schlechte Anpassung im Empfang ist gerade bei GPS sehr
schlecht weil die Signalstärke dort sowieso extrem klein ist. Für ein
Gefühl von Anpassung (was ist eine gute Anpassung) kannst du dir z.B.
mal eine solche Tabelle nehmen
https://www.markimicrowave.com/Assets/data/return%20loss%20to%20vswr.pdf
Da kannst du schön sehen wieviel Leistung reflektiert wird (zurück in
die Antenne) und wieviel Leistung nutzbar ist (Trough-Power). Das gilt
für das Sende wie das Empfangen. Beim Senden kommt zusätzlich zum
schlechten Wirkungsgrade noch dazu, dass die reflektierte Leistung
Schaden im Verstärker / Endstufe anrichten kann, wenn sie nicht
abgestrahlt wird sondern zurück reflektiert. Das ist aber eher ein
Problem leistungsstärkerer Sender.
Noch ein Wort zu Antennen / VSWR und S11. Bei Antennen kann man (im
Gegensatz zu anderen HF-Blöcken) meist nicht den Through-Fall also die
durchlaufende Leistung messen (S21). Man kann nur messen was von der
Antenne reflektiert wird (S11). Man sagt also: Wenn nix zurück
reflektiert wird, dann wird die Antenne das schon alles abstrahlen. (Im
Empfang gilt das alles analog). Allerdings kann die Antenne die Leistung
auch "unproduktiv" abstrahlen. Das ist die Kunst des Antennendesigns.
Die Leistung muss nutzbar abgestrahlt werden (als elektromagnetische
Welle im Fernfeld). Dafür sorgt die Antennengeometrie. Wenn man möchte,
kann man das natürlich auch vermessen, dafür braucht man dann eine
zweite bekannte Messantenne und einen HF-Messraum. Dann kann man genau
sehen wieviel Leistung abgestrahlt wird weil man sieht wieviel man mit
der Empfangsantenne wieder aufnehmen kann. Dazu muss man seine
Empfangsantenne aber natürlich sehr sehr genau kennen. Sowas kann man
dann aber nur in einem HF-Labor machen. Als einfacher Test taugt
allerdings die Messung der Anpassung (S11 / VSWR). Dann muss man sich
darauf verlassen, dass der Antennendesigner sein Handwerk versteht.
Gerade wenn du eine Chip-Antenne hast, dann könntest du sowieso nur
wenig machen.
Daniel schrieb:> mit einer Keramik-PCB Antenne
Dann wird wohl der Hersteller der Antenne schon die Anpassung gemacht
haben, und alles, was du da jetzt noch dranklebst, bringt nur Dämpfung.
nachtmix schrieb:> Daniel schrieb:>> mit einer Keramik-PCB Antenne>> Dann wird wohl der Hersteller der Antenne schon die Anpassung gemacht> haben, und alles, was du da jetzt noch dranklebst, bringt nur Dämpfung.
nein, das ist leider nicht so.
der Hersteller kann nur ein Referenzdesign mit auf den Weg geben und
sozusagen ein paar Empfehlungen, fürs Layout, damit man "nicht zu weit
weg ist".
Die Referenzdesigns sind aber leider recht idealisiert aufgebaut - zB.
schöne große Platine und weit und breit nur GND Fläche mit Vias.
Deswegen ist selbst im Referenzdesign eigentlich immer ein Pi-Netzwerk
vorgesehen, damit man dann die individuelle Abstimmung auf die reale
Platine und auch Gehäuse und sonstige angrenzende Objekte machen kann.
So auch in meinem Fall.
Die Antenne zeigt grundsätzlich mal Emfang, wird also nicht so weit vom
Optimum weg sein, aber es geht auf jeden Fall noch besser, und daher
muss ich mich jetzt um das Trimming kümmmern.
Ich muss sagen, die Inputs von Gast 123 gepaart mit meinen eingestaubten
Kenntnissen müsste ausreichen.
ich werde mir jetzt so einen pocketVNA holen und dann mal drauf
loslegen. Freu mich schon drauf.
tnx
Winfried J. schrieb:> In diesem Ausschnitt vom Cypress Dokument scheint die von dir gesuchte> Lösung
Ich glaueb er hat eine Keramik-Antenne.
Daniel schrieb:> Die Referenzdesigns sind aber leider recht idealisiert aufgebaut - zB.> schöne große Platine und weit und breit nur GND Fläche mit Vias.
Der Hersteller will ja schließlich auch ein möglichst tolles Datenblatt
ausrucken können. Weniger Massefläche macht natürlich weniger
Performance. GND Vias sind natürlich super wichtig und sollten zu
genünge gesetzt sein.
Daniel schrieb:> ich werde mir jetzt so einen pocketVNA holen und dann mal drauf> loslegen. Freu mich schon drauf.
Kalibrierkit nicht vergessen und mindestens ein SMA-Kabel m-m nicht
vergessen! Ob du mit dem Kalibrierkit von PocketVNA glücklich wirst ...
ich weiß es nicht ...
http://simcomm2m.com/En/module/detail.aspx?id=138
Das ist schon ziemlich breitbandig "Quad-band 850/900/1800/1900MHz", ist
die Keramikantenne auch für alle diese Frequenzen in Resonanz zu
bringen?
Christoph K. schrieb:> http://simcomm2m.com/En/module/detail.aspx?id=138> Das ist schon ziemlich breitbandig "Quad-band 850/900/1800/1900MHz", ist> die Keramikantenne auch für alle diese Frequenzen in Resonanz zu> bringen?
Dies Pi-Schaltung zur Anpassung dürfte eher für kosmetische Korrekturen
(Gehäuse usw.) geeignet sein. Man kann jede Büroklammer an
GSM-Frequenzen anpassen. Das Problem ist (wie ich oben schon geschrieben
habe), dass eine gute Anpassung nicht sagt, dass die Antenne in
konstruktiver Weise abstrahlt. Das sind dann tolle Nahfeld-E-Sonden.
Chipantennen bringt man maximal auf 60% Effizienz, wenn man das
"Referenzlayout" anwendet (also gefühlt 2 Lambda Massefläche um die
Antenne und nix im Nahfeld). Realistisch sind IMHO in einem Gehäuse bei
protabler Anwendung eher so 30 bis 35% Effizienz bei guter Anpassung.
123 schrieb:> Christoph K. schrieb:>> http://simcomm2m.com/En/module/detail.aspx?id=138>> Das ist schon ziemlich breitbandig "Quad-band 850/900/1800/1900MHz", ist>> die Keramikantenne auch für alle diese Frequenzen in Resonanz zu>> bringen?>> Dies Pi-Schaltung zur Anpassung dürfte eher für kosmetische Korrekturen> (Gehäuse usw.) geeignet sein. Man kann jede Büroklammer an> GSM-Frequenzen anpassen. Das Problem ist (wie ich oben schon geschrieben> habe), dass eine gute Anpassung nicht sagt, dass die Antenne in> konstruktiver Weise abstrahlt. Das sind dann tolle Nahfeld-E-Sonden.> Chipantennen bringt man maximal auf 60% Effizienz, wenn man das> "Referenzlayout" anwendet (also gefühlt 2 Lambda Massefläche um die> Antenne und nix im Nahfeld). Realistisch sind IMHO in einem Gehäuse bei> protabler Anwendung eher so 30 bis 35% Effizienz bei guter Anpassung.
das ist schon klar, dass man nichts herbeizaubern kann, aber ich will
halt das Maximum aus meiner PCB rausholen (bzw. zumindest halbwegs nahe
an das Maximum heran). Es gibt immer ein Maximum, auch die Büroklammer
hat ein Optimum. Ob das nun 25%, 30% oder 35% sind, werde ich letztlich
nicht beeinflussen können, darum gehts aber auch nicht.
Zur Not muss ich mich auch auf 1-2 Frequenzen entscheiden, denn auf alle
4 Frequenzen werd ich es nur schwer schaffen ohne dass das ganze
ausartet, aber auch das wird verschmerzbar sein.