Bei sehr vielen Oszillatorschaltungen ist schon aus sehr prinzipiellen
Gründen nicht sichergestellt, dass sie überhaupt in endlicher Zeit zu
oszillieren beginnen. Letztendlich basieren sie darauf, dass das
Rauschen ihrer Komponenten verstärkt wird und sich so allmählich
aufschaukelt. Bei Quarzoszillatoren setzt man allerdings eine Komponente
ein, nämlich den Quarz, die eine sehr starke Bandbreitenbegrenzung
dieses während des Anschwingens so wichtigen Rauschens vornimmt. Will
man solch einen Oszillator dann auch noch mit möglichst geringer
Übersteuerung und somit wenig Klirr betreiben, kann dies durchaus
dauern, d.h. viele tausend oder zigtausend Zyklen der eigentlichen
Sollfrequenz. Gerade bei den heutzutage sehr gebräuchlichen
32,768kHz-Uhrenquarzen, die aus Energiespargründen auch bei
Microcontrollern eingesetzt werden, liegt man also mit Pech im Bereich
von einer Sekunde oder ausnahmsweise sogar noch darüber.
Aus diesem Grund sind einfache Quarzoszillatorschaltungen (z.B.
Colpitts, Hartley, Meisner) nicht reproduzierbar anschwingssicher und
scheiden daher für Anwendungen aus, bei denen eine zeitliche Obergrenze
für das Anschwingen vorgegeben ist.
Pierce-Oszillatoren lassen sich wiederum anschwingsicher bauen, nämlich
indem man einen Schmitttrigger als Inverter verwendet. Ebenso kann man
auch einen separaten anschwingsicheren Oszillator verwenden, der den
Quarzoszillator kontrolliert anstößt, aber später deaktiviert wird.
Heutige Microcontroller verwenden zumeist Pierce-Oszillatoren, aber ich
bin mir nicht sicher, ob in allen Fällen derartige Anschwinghilfen
integriert sind.