Hallo,
Freunde von mir wohnen in einer größeren Wohnanlage mit ca. 30
Wohnungen; dort gibt es ein Schließsystem, sodaß nur die Hausverwaltung
Schlüssel nachmachen lassen kann (das ist ja ganz normal). Die Freunde
haben aber das Pech, daß für ihre Wohnung die Zahnung der Schlüssel
(also das, was in den Zylinder gesteckt wird) in einer solchen Weise
ausgeführt ist, daß etwa in der Mitte des Zahnungsbereichs so tief
eingefräst ist, daß das "Fleisch" ganz schmal ist und schon mehrmals ein
Schlüssel abgebrochen ist beim Schließen (ging wohl etwas schwer). Die
Zunge steckt dann im Zylinder und sie haben den Griff in der Hand, das
ist ein großer Zirkus, bis das wieder in Ordnung gebracht wird.
Die Freunde baten dann die Hausverwaltung um einen anderen Zylinder, der
dann hoffentlich nicht so tief ausgefräst und somit stabiler ist. Nun
bekamen sie die Auskunft, es könne kein weiterer Zylinder gefertigt
werden, weil angeblich ein Computerprogramm die Zahnungen für alle
Zylinder/Schlüssel auf die benötigte Anzahl berechnet hätte, da gebe es
jetzt keine Luft mehr, und man könne keine Zylinder nachbestellen.
Das ist für mich unvorstellbar, daß nicht mehr als ca. 30 Kombinationen
realisierbar sein sollen. Ist jemand von der Branche und kennt sich aus?
Kann das jemand bestätigen, oder ist diese Aussage Quatsch und sie sind
nur zu bequem, sich zu bemühen?
Danke.
Gruß, Günter
Günter R. schrieb:> Das ist für mich unvorstellbar, daß nicht mehr als ca. 30 Kombinationen> realisierbar sein sollen.
Klingt bescheuert, aber hängt natürlich vom jeweiligen Schließsystem ab.
Wie kommst Du auf 30 Kombinationen? Die Schlüssel dürfen natürlich in
anderen Häusern, die das gleiche Schließsystem verwenden, ebenfalls
nicht passen.
Okay, mit "30 Kombinationen" meine ich, daß sich innerhalb des Systems
für die Wohnanlage etwa 30 Wohnungen befinden; aber alle diese Schlüssel
können natürlich die gemeinsame Haustüre und Kellertüren,
Tiefgaragenschließer etc. betätigen, es ist also ein
Gruppenschließsystem; da stehen für die "Wohnungsunterscheidung"
natürlich weniger Kombinationen zur Verfügung. Aber der Zugang zu
anderen Wohnanlagen muß natürlich ausgeschlossen sein, insofern hast Du
natürlich recht, daß es grundsätzlich massiv viele Kombinationen geben
muß.
Ich gehe davon aus, daß solche Schlüssel am Bart verschiedene Bereiche
haben: solche, die sich in den Wohnungen unterscheiden, und andere
Bereiche, die bei allen Schlüssel der Anlage gleich sind, und nur für
diesen letzteren Bereich gibt es Zuhaltungen für Allgemein-Zylinder wie
für Haustüre etc..
Es mag ja auch einen Generalhauptschlüssel geben, der alle Wohnungen
aufsperren kann, da muß die Sache schon ganz schön ausgetüftelt sein.
Und auf Eigenregie das Schloss in der Wohnung austauschen? Natürlich das
alte Schloss behalten und beim Auszug wieder zurücktauschen.
Dann wäre zumindest schonmal das Risiko weg, dass der Schlüssel in der
Wohnungstür abbricht.
Vielleicht gibt es dann noch eine Schlüsselvariante, die nur die
allgemeinen Türen, aber keine Wohnungstüre aufsperren kann. Handwerker
oder Briefträgerschlüssel oder sowas...
Ja, daran haben die Freunde schon gedacht, aber das erzeugt
möglicherweise ein Haftungsrisiko, wenn es z.B. einen Wasserschaden
gibt, die Freunde sind im Urlaub und der Hausmeister kann keinen
Installateur reinlassen. Aber müßten sie prüfen.
Uns ging es jetzt aber erstmal nur um die Technik beim Schließsystem.
Günter R. schrieb:> Das ist für mich unvorstellbar, daß nicht mehr als ca. 30 Kombinationen> realisierbar sein sollen
Zylinderschlüssel haben häufig 5 oder 6 Stifte und jeder 5 oder 6
Positionen.
In der Wohnanlage werden z.B. 3 Stifte für das Haus (bei allen gleich)
und 2 Stifte für die Wohnung benutzt, macht (bei 6 x 6) nur 36 Wohnungen
(5 x 5 würde schon nicht reichen).
Kann also passen.
Günter R. schrieb:> Schlüssel abgebrochen ist beim Schließen (ging wohl etwas schwer).
Am besten die Ursache beheben, also z.B. da wo es klemmt mal schmieren.
Den Schliesszylinder selbst aber nur mit wenig und hochwertigem Öl
schmieren.
Macht Sinn. Besser alles ausbauen und reinigen, sonst schmiert man nur
den Dreck. Nach dem Zylindertausch hier ging auch alles schwer, nach dem
Reinigen und neu schmieren lief das Ganze butterweich. Und da war eine
Menge Dreck zu entfernen.
Schließzylinder ausbauen und reinigen wie schon beschrieben, aber nicht
mit Öl schmieren, sondern mit Graphit. Schließzylinder werden immer
trocken geschmiert. Ich wasche die mit Aceton aus, das verdunstet recht
schnell und entfettet gut. Zylinder mit Föhn etwas anwärmen, damit
eventuelles Kondenswasser verdunsten kann.
Im ausgebauten Zustand Zylinder senkrecht halten und Graphit einfüllen.
Den Schlüssel einstecken und mehrere Male drehen um das Graphit zu
verteilen. Andere Seite genauso verfahren. Überschüssiges Graphit
ausschütteln.
Die Schlüssel lassen sich jetzt wunderbar leicht drehen.
Falls der schwachbrüstige Schlüssel zufällig auch mal in der Haustür
oder dem Garagentor abbricht, wird die Hausverwaltung bisher ungeahnte
Möglichkeiten entdecken, das Problem dauerhaft zu lösen. Technisch,
nicht juristisch ...
Günter R. schrieb:> möglicherweise ein Haftungsrisiko, wenn es z.B. einen Wasserschaden> gibt, die Freunde sind im Urlaub und der Hausmeister kann keinen> Installateur reinlassen.
Nein, die Wohnung ist unverletzlich und der Hausmeister darf sie noch
nichtmal betreten, wenn er nicht die Erlaubnis der Bewohner dazu hat -
von Installateur reinlassen ganz zu schweigen.
Und selbstverständlich darf der Mieter den Schließzylinder austauschen.
Er muss nur hinterher den alten Zustand wiederherstellen. (Und nicht
vergessen: Ersatzcylinder für solche Schließanlagen sind richtig
schweineteuer.)
Dieter B. schrieb:> Schließzylinder werden immer> trocken geschmiert.
Das war vor 30 Jahren noch so, aber heute bei modernen Schliesszylindern
nicht mehr aktuell.
http://bm-land.de/sicherheit/?p=3573
Wichtig natürlich, wenn man noch alte Schliesszylinder hat die mit
Graphit geschmiert wurden, dies nicht mit Öl mischen.
Johnny B. schrieb:> Das war vor 30 Jahren noch so, aber heute bei modernen Schliesszylindern> nicht mehr aktuell.> http://bm-land.de/sicherheit/?p=3573
Warum ist das wohl so?
Der normal Sterbliche baut keinen Zylinder aus, reinigt und schmiert den
dann mit Graphit. Statt dessen kauft man Pffft und das kann man dann im
Stehen darein sprühen. Wo der alte Dreck dann bleibt ist dem
Pfft-Hersteller egal. Wenn das Schloss dann nicht mehr geht, gibst ein
neues. An Graphit ist nun auch nicht so viel zu verdienen.
Günter R. schrieb:> Freunde von mir wohnen in einer größeren Wohnanlage mit ca. 30> Wohnungen; dort gibt es ein Schließsystem, sodaß nur die Hausverwaltung> Schlüssel nachmachen lassen kann (das ist ja ganz normal). Die Freunde> haben aber das Pech, daß für ihre Wohnung die Zahnung der Schlüssel> (also das, was in den Zylinder gesteckt wird) in einer solchen Weise> ausgeführt ist, daß etwa in der Mitte des Zahnungsbereichs so tief> eingefräst ist, daß das "Fleisch" ganz schmal ist und schon mehrmals ein> Schlüssel abgebrochen ist beim Schließen (ging wohl etwas schwer). Die> Zunge steckt dann im Zylinder und sie haben den Griff in der Hand, das> ist ein großer Zirkus, bis das wieder in Ordnung gebracht wird.
Wenn ich weiß, daß mein Türschlüssel empfindlich ist, gehe ich
entsprechend vorsichtig damit um. Sofern das nicht helfen sollte, nehme
ich den Zylinder heraus und ersetze ihn durch einen anderen, zu dem
Preis, daß ich dann eben einen Schlüssel mehr an meinem Schlüsselbund
tragen muß. Natürlich muß dies beim Auszug dann wieder zurückgebaut
werden. Wo ist das Problem?
Günter R. schrieb:> Ja, daran haben die Freunde schon gedacht, aber das erzeugt> möglicherweise ein Haftungsrisiko, wenn es z.B. einen Wasserschaden> gibt, die Freunde sind im Urlaub und der Hausmeister kann keinen> Installateur reinlassen.
Bei einem dringenden Schaden wird die Feuerwehr die Wohnungstüre
entweder einschlagen, oder durch einem Schlüsseldienst öffnen lassen. Es
ist nicht zulässig, daß der Vermieter oder einer seiner Beauftragen
(Hausmeister) irgendwelche Nachschlüssel haben.
Uhu U. schrieb:> Nein, die Wohnung ist unverletzlich und der Hausmeister darf sie noch> nichtmal betreten, wenn er nicht die Erlaubnis der Bewohner dazu hat -> von Installateur reinlassen ganz zu schweigen.>> Und selbstverständlich darf der Mieter den Schließzylinder austauschen.> Er muss nur hinterher den alten Zustand wiederherstellen. (Und nicht> vergessen: Ersatzcylinder für solche Schließanlagen sind richtig> schweineteuer.)
Absolut korrekt. Endlich wieder der Vogel, den ich mag!
Neueste Information von meinen Freunden:
Jetzt geht es offensichtlich doch, einen weiteren Zylinder herzustellen;
sie haben wohl noch eine Kombination übrig gehabt, die wird jetzt
verwendet.
Im wesentlichen ging es hier aber nicht um Workarounds (die fallen uns
auch ein), sondern um die Einschränkung in den
Kombinationsmöglichkeiten. Dazu hat Michael B. einen guten Beitrag
geliefert:
Michael B. schrieb:> Günter R. schrieb:>> Das ist für mich unvorstellbar, daß nicht mehr als ca. 30 Kombinationen>> realisierbar sein sollen>> Zylinderschlüssel haben häufig 5 oder 6 Stifte und jeder 5 oder 6> Positionen.>> In der Wohnanlage werden z.B. 3 Stifte für das Haus (bei allen gleich)> und 2 Stifte für die Wohnung benutzt, macht (bei 6 x 6) nur 36 Wohnungen> (5 x 5 würde schon nicht reichen).>> Kann also passen.
Insofern kann man den Thread jetzt beenden. Danke allen, die beigetragen
haben.
Viele Grüße und ein schönes Wochenende!
Günter