Hallo Nico,
dieses Forum ist nicht ideal um deine Frage zu stellen!
Es herrscht ein teilweise recht rauer Umgangston, Bildungsthemen sind
naturgemäß polarisierend und manches läuft in Deutschland wohl etwas
anders als diesseits der Landesgrenze. Dein voller Name wäre für eine
Auskunft auch nicht nötig gewesen. Ich empfehle dir künftig sorgsamer
mit deinen persönlichen Daten umzugehen.
Ich sehe es wie Jan, eventuell hättest du dich schon etwas früher für
deine neue Bildungseinrichtung interessieren sollen. Die
Berufsinformationsmesse (BIM) im Messezentrum, sowie der Tag der offenen
Tür (20.01.2018, 08:30–12:00) wären da eine Gelegenheit gewesen mit
Schülern der oberen Jahrgänge zu sprechen und dir Informationen aus
erster Hand zu holen.
Eventuell hast du Freunde mit älteren Geschwistern die an der HTL sind?
Um nicht nur Belangloses daher zu schwafeln, sondern dir auch zu helfen:
Ich habe selbst auch vier Jahre lang ein Realgymnasium besucht und dort
ganz gute Noten gehabt. Die Idee in die HTL zu wechseln hat sich bereits
nach der zweiten Klasse (Gym) abgezeichnet. Zu unserer Zeit (1999) gab
es einen Einstufungstest, sowie eine Reihung der Bewerber nach ihren
Schulnoten. Es wurden vier Klassen zu je 36 Schülern gebildet und es gab
zumindest doppelt soviele Bewerber. Wir waren sechs Tage die Woche dort
und chronischer Schlafmangel war ein steter Begleiter.
Egal wie gut deine Noten waren und wie leicht dir die Schule bisher
gefallen ist, die Karten werden in der HTL neu gemischt!
Die ersten beiden Jahrgänge dienen dazu auszusieben und die verbliebenen
Teilnehmer auf ein gleiches Niveau zu bringen. Insbesondere in
Mathematik werden nicht alle gleich stark sein.
Ihr werdet voraussichtlich 36 Leute in einer Klasse sein (vorwiegend
Jungs), da einfach relativ wenige Frauen sich das antun. Ein schlecht
gelüfteter Raum mit über dreißig pubertierenden jungen Männern ist eine
Zumutung für alle Beteiligten.
Lege dich gleich ins Zeug es wird schnell losgehen und die Prüfungen /
Tests Schularbeiten Abgabetermine kommen dann Schlag auf Schlag.
Freunde dich mit den großen Typen in den hinteren Reihen an ->
Wiederholer
Die Jungs werdet ihr brauchen um in Eigenregie Nachhilfegruppen zu
bilden. Diese Gruppen braucht ihr direkt für Mathematik und Grundlagen
der Elektrotechnik. Du kannst dir zu den Büchern die du von der Schule
bekommst gleich den Lindner I (Lindner, Helmut Elektro-Aufgaben ISBN
3-446-00837-3) und das zugehörige Lösungsbuch zulegen. Ganz gerne kommen
zu den Tests in Elektrotechnik und auch Mathe Beispiele aus diesem Buch.
Die Wiederholer und Leute die du aus dem zweiten Jahrgang kennen gelernt
hast (du solltest das Netzwerken aktiv betreiben lernen obwohl du kaum
Zeit dafür haben wirst) bittest du direkt um die Tests aus dem Vorjahr.
Oft verwenden die Lehrer dieselben Tests in einem Rotationsschema oder
ändern nur Zahlenwerte ab.
Es gibt an der HTL sehr fähige Professoren Fachlehrer Ausbilder die
teilweise auch in der Privatwirtschaft tätig sind oder gar eigene
Unternehmen haben. Das kann ab dem zweiten Jahrgang wichtig werden da du
im Laufe deiner Ausbildung zwei Pflichtpraktika absolvieren musst. Ein
solches Praktikum (dass dir auch angerechnet wird) zu bekommen erfordert
die zeitgerecht zu bewerben und dein Netzwerk auszunützen (Familie,
Eltern von Freunden, Wiederholer, Jungs aus den höheren Jahrgängen,
Lehrer, etc.). Mir kommt vor dass ist bisher keine deiner stärken. Oft
werden diese Praktika schlecht bezahlt.
Alles was es Wert ist es zu bekommen erfordert deinen Fleiß und Einsatz!
Niemand wird zu dir kommen und dir einen Praktikumsplatz anbieten, du
kannst nicht erwarten dass dir Hilfe einfach zufliegt.
Wahrscheinlich werden die Lehrer Euch nun mit 'sie' ansprechen. Du bist
also künftig der Herr Hörner die Lehrer werden dir ein gewisses Maß an
Respekt entgegen bringen und erwarten, dass ihr Euch entsprechend
benehmt.
Du wirst aber auch auf eine andere Gruppe unter den Professoren /
Fachlehrern / Ausbildern treffen die Faulpelze und Taugenichtse, die nur
Dienst nach Vorschrift kennen (kaum Tests und Leistungsbeurteilungen,
die Beurteilungen die dann von Euch gemacht werden wiegen dann umso
schwerer) und einem relativ sinnlos das Leben schwer machen. Ihr werdet
die Eine von der Anderen Gruppe schnell unterscheiden lernen (die
Wiederholer kennen die Lehrer schon).
Zu all diesen Problemchen kommt dann noch dass ihr Euch in der Pubertät
befindet (erste Liebe, Motivationsschwankungen, Alkohol, Mopedfahren,
Games, etc.).
Für mich war es eine schwierige und sehr stressige Zeit die ich aber in
meinem Leben nicht missen möchte. Meine Erfahrungen mit der HTL sind
schon einige Zeit her und dein künftiger Stundenplan sieht komplett
anders aus als bei uns damals. Ich wundere mich gerade wie man mit so
wenig Stunden überhaupt Techniker aus Euch machen kann.
Nach der HTL ahbe ich meinen Wehrdienst abgeleistet und danach
angefangen zu arbeiten. Der Einstieg war nicht ganz leicht. Sobald du
aber mal eine Stelle hattest wird es einfacher. Bei meinem ersten
Arbeitgeber war ich ca zwei Jahre lang. Man hat mich dort mit der
(unterstützenden) Planung der Fertigung von Elektronikbaugruppen
beschäftigt, ich wollte auf Dauer aber in die Entwicklungsabteilung
wechseln.
Als dann ein Angebot (über ein Netzwerk der HTL) kam Entwickler zu
werden, habe ich gewechselt und es nicht bereuht.
Es ist übrigens gut, dass man mit Abschluss der HTL kein Ingenieur wird,
sondern noch zusätzliche praktische Erfahrung sammeln muss. Man ist
danach ein unwissender Idiot der im Idealfall in der Lage ist sich
schnell in ein neues Thema einzuarbeiten. Das Einarbeiten wird definitv
notwendig sein!
Ich habe auch schon darüber nachgedacht selbst an der HTL zu
unterrichten.
LG
Luzi