Schaltnetzteil: Es pritzelt!

Gast #5564285
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Das Konzept der Schaltnetzteile finde ich ganz gut, da man sich einen 
Haufen Kupfer spart. Nun habe ich gemerkt, dass man ab und zu einen 
kleinen Schlag bekommt, wenn man an der Sekundärseite hinlangt. Ich hab 
mir dann den Schaltplan von dem Ding (Meanwell) angeschaut und bemerkt, 
dass da zwischen den Primär-325V-DC und der Sekundärmasse ein 1nF liegt. 
Angeblich zur EMI-Entstörung. Das gefällt mir eigentlich gar nicht, weil 
die galvanische Trennung damit aufgehoben ist. Bei prof. Netzteilen ist 
der immer eingebaut. Gibt's da eine Lösung?
Gast #5564316
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Ralf S. schrieb:
> Angeblich zur EMI-Entstörung.

Warum zweifelst Du daran? Wofür ist der, Deiner Meinung nach, sonst da?

Ralf S. schrieb:
> Das gefällt mir eigentlich gar nicht, weil
> die galvanische Trennung damit aufgehoben ist.

Aber nur durch eine sehr hochohmige kapazitive Kopplung.

Ralf S. schrieb:
> Gibt's da eine Lösung?

Wofür oder wogegen?
#5564452
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Codix schrieb:
> Ich habe schon massig SNT von Meanwell verbaut.
> Da bizzelt nix, wenn man diese netzseitig korrekt anschliesst. Der PE
> muss angeschlossen sein, dies sollte als Selbstverständlichkeit
> vorausgesetzt werden.

Und was passiert im Fall von Steckdosennullung,
wenn der Leiterzug mit dem C zwischen Primär- und Sekundärseite
gerade so gesteckt ist, dass er an der Phase liegt?
Dann bekommt man über den 1 nF eine gepritzelt.
Gast #5564466
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Codix schrieb:
> Der PE
> muss angeschlossen sein, dies sollte als Selbstverständlichkeit
> vorausgesetzt werden.

Es gibt aber viele Netzteile, z.B. Steckernetzteile die keinen 
Schutzkontakt haben, diese Netzteile haben den besagten Kondensator auch 
drin.
In ganz seltenen Fällen könnte der Kondensator auch mangelhaft sein.
Es gab mal einen Bericht darüber, das es durch so ein Netzteil zu einem 
tödlichen Unfall gekommen ist. Es wurde dann durch einen 
Sachverständigen festgestellt, dass der EMI Kondensator dafür 
verantwortlich war.
Millionen dieser Netzteil sind im Einsatz, meist billigst Ware aus China 
und dann erwartet man höchste Sicherheit.
Gast #5564502
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Das dachte ich auch, bis ich eines besseren belehrt wurde.
Das Acer-Laptop-Netzteil Lite-On Technology Corp. PA-1900-04 
(100-240Vac, 19V 4.74A)) hat den PE-Anschluss des Mikeymouse nicht 
angeschlossen, sondern am Gnd des Ausgangs.

Auf dem Netzteil prangen alle möglichen Sicherheits-Label:
SA Level 3, R32019, TT505, SAFETY MARK, CE, NOM, NYCE, UL, ITE Power 
Supply, N, S, D, FI, GS, CCC A002583, N18325 etc.

Ich habe schon mehrfach geschrieben, dass dadurch Geräte kaputt gehen 
können, wenn man beim Verbinden den Kondensator schlagartig entlädt.

Der Defekt des Netzteils: die Pi-Filter-Kondensatoren nach dem 
Gleichrichter waren total verschmort mit Kurzschluss, wodurch auch der 
Gleichrichter durchlegierte. Die 6,3A-Sicherung ging erst danach.
Nach Austausch funktioniert das Netzteil wieder. Jetzt ist ein NTC und 
eine 0,8A Sicherung drin.

Komisch ist, dass das so aussah, also ob der PE nachträglich entfernt 
(herausgezwickt) wurde. Das Gehäuse war aber original verschweißt.
#5564514
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Es gibt diesen Kondensator in jedem Schaltnetzteil eines Fernsehers. 
Zieh mal alle Geräte vom Fernseher ab, auch das Antennenkabel. Dann fass 
mit einer Hand die Antennenbuchse am Fernseher und mit der anderen Hand 
die Masse(Metallteil) des Steckers vom Antennenkabel an. Das zuckt. 
Zumindest wenn mann Kabelfernsehen hat, denn dort ist irgendwo die 
Kabelanlage geerdet.
Persönliche Seite #5564526
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Andreas M. schrieb:

> Und was passiert im Fall von Steckdosennullung,
Wieso kann in D nicht endlich auch eine Normung (wie bei SEV 1011) 
geschehen, so dass man die Stecker immer nur in einer Position 
einstecken kann und per sauberer Klemmung im Kasten sichergestellt 
werden kann, dass Phase und Null überall im Haus und in allen Geräten 
immer auf ihrer Ader liegen und ankommen?

Ich hoffe die Frage war verständlich.
Sonst werden doch überall Normen gesetzt, wieso nicht bei sowas 
potentiell gefährlichem?
#5564675
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Mike B. schrieb:
> Andreas M. schrieb:
>
>> Und was passiert im Fall von Steckdosennullung,
> Wieso kann in D nicht endlich auch eine Normung (wie bei SEV 1011)
> geschehen, so dass man die Stecker immer nur in einer Position
> einstecken kann und per sauberer Klemmung im Kasten sichergestellt
> werden kann, dass Phase und Null überall im Haus und in allen Geräten
> immer auf ihrer Ader liegen und ankommen?
>
> Ich hoffe die Frage war verständlich.
> Sonst werden doch überall Normen gesetzt, wieso nicht bei sowas
> potentiell gefährlichem?

Im Falle der erdfreien Netzteile nützt das leider garnichts.
Die Y-Kondensatoren sind nämlich weder an L noch an N angeschlossen, 
stattdessen an den -Pol des Primärgleichrichters.
Gast #5564725
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Ralf S. schrieb:
> hinz schrieb:
>> Ralf S. schrieb:
>>> Ich frage mich warum solche Teile VDE-, TÜV-Zeichen, etc. tragen?
>>
>> Weil sie sicher sind.
>
> das möchte ich bezweifeln, wenn der C einen Kurzen kriegt.

Na du bist ja der Experte.


> Es auch
> darum, dass man ständig Noise im GND hat. Für Meßgeräte völlig
> ungeeignet.

Dann nimm halt eines mit PE. Aber es wird wohl ehr am Messgerät liegen.
#5565052
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Hi,
schau mal:
Beitrag "Re: Netzteil Elektromagnetische Strahlung"

hinz schrieb:
> Dann nimm halt eines mit PE. Aber es wird wohl ehr am Messgerät liegen.

Dann:
Kommt auch darauf an, welchen Innenwiderstand das Messgerät hat.

Beitrag "Re: Netzteil Elektromagnetische Strahlung"

Mark S. schrieb:
> In der Tat hast Du dieses Problem nicht mit einem schutzgeerdeten Gerät.
> Die Krux ist dass es weltweit keine Steckernetzgeräte mit Schutzkontakt
> gibt - dann bleiben also nur die sog Tischnetzteile in der Art der
> Notebook-AC-Adapter.

Die Trafo-Netzteile haben auch eine "statische" Spannung an der 
Sekundärwicklung. Nur mit 50 Hz. Daher weniger "Britzeln".
Bild oben.

Trafos mit Schutzwicklung oder Schutzlage zwischen Sekundär- und 
Primärwicklung hatte ich mir früher anfertigen lassen.
Sogar 2 Schutzwicklungen. Eine an "schmutzige" Erde, eine an "saubere" 
Erde.
Dann ist's messtechnisch einigermaßen akzeptabel.

der schreckliche Sven schrieb:
> Der Übertrager im Schaltnetzteil ist ein HF-Generator.

Und die kapazitive Komponente der Wicklungen wirkt sich bei höherer 
Frequenz daher stärker aus.
Ob da schon Experimente mit Schutzwicklungen gemacht wurden, weiß ich 
nicht.
Jedenfalls wird der Übertrager dann größer, könnte ich mir vorstellen.

ciao
gustav

P.S.:Meine Nokiasettupbox produzierte Fremdspannung (durch das 
Schaltnetzteil) Abhilfe: "Entbrummer".
Das Interessante: Das Metallgehäuse muss auch ein definiertes Potenzial 
bekommen, sonst brummt es immer noch etwas. Am besten auf der 
Verstärkerseite "erden".
Angehängte Dateien:
Gast #5565071
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Karl B. schrieb:
> Trafos mit Schutzwicklung oder Schutzlage zwischen Sekundär- und
> Primärwicklung hatte ich mir früher anfertigen lassen.

s/Schutz/Schirm

https://de.wikipedia.org/wiki/Schirmwicklung


> Und die kapazitive Komponente der Wicklungen wirkt sich bei höherer
> Frequenz daher stärker aus.
> Ob da schon Experimente mit Schutzwicklungen gemacht wurden, weiß ich
> nicht.

<gähn>
(Firma: matzetronics) #5565114
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zyxw schrieb:
> Das Acer-Laptop-Netzteil Lite-On Technology Corp. PA-1900-04
> (100-240Vac, 19V 4.74A)) hat den PE-Anschluss des Mikeymouse nicht
> angeschlossen, sondern am Gnd des Ausgangs.

Das haben alle PC-Netzteile auch. GND des PCs liegt auf PE.

Ralf S. schrieb:
> Zur Info: die kleinen Meanwell haben keinen PE. Sind Klasse II.

Damit liegt der zugelassene Leck-(aka Berühr-)strom unter 250µA und ist 
ungefährlich. Mit dem 'pritzeln' ist keine Gefahr verbunden.
#5565240
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Ralf S. schrieb:
> Die Streukapazität, die
> man sich mit einem Schaltnetzteil einhandelt, fällt bei einem 50Hz-Trafo
> viel weniger ins Gewicht.

In der Tat ist das so, weil beim Schaltnetzteil nicht 50Hz Sinus, 
sondern 100Hz Halbwellen übertragen werden - die aufgrund ihres 
Obertongehaltes wesentlich störender wahrgenommen werden als die nahezu 
unverzerrte 50Hz Sinusschwingung.
Der Y-Kondensator erhöht dann die wirksame Koppelkapazität von vlt 50pF 
auf 1000pF - und tut damit ein übriges für eingekoppelte, hörbare 
Störungen.
Das ist alles keine Raketenwissenschaft - empfindliche Elektronik wird 
mit PE verbunden und damit werden diese Störströme abgeleitet. Oder man 
verwendet von vornherein ein Klasse1 Tischnetzgerät.
Der verlinkte Beitrag ist eine recht brauchbare Zusammenfassung für die 
HF-Aspekte beim Flyback-Design, trägt aber zu diesem Thema nichts bei.
Es geht hier nämlich garnicht um Hochfrequenz, sondern um 
niederfrequente Störungen, die über den 
Hochfrequenz-Entstör-Y-kondensator in den Sekundärkreis eingekoppelt 
werden. EMI ist hier das falsche Schlagwort.
Gast #6703005
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zyxw schrieb:
> Komisch ist, dass das so aussah, also ob der PE nachträglich entfernt
> (herausgezwickt) wurde. Das Gehäuse war aber original verschweißt.
Das war bei meinem Thinkpad (auf dem ich grad schreibe) genau so. Hab 
dann selber einen nicht allzu hohen Widerstand (22k etwa) vom Rest des 
PE-Anschlusses nach Sekundärmasse gezogen.

Andreas M. schrieb:
> Was spricht eigentlich gegen eine Entfernung des Kondensators
> zwischen Primär- und Sekundarseite?

Das Prinzip des primär getakteten Schaltwandlers. Ohne diese Kondensator 
hätte man nämlich die Schaltfrequenz mit rund 300 Vss auf dem Ausgang 
(hochohmig versteht sich).

W.S.
Beitrag #6703211 wurde von einem Moderator gelöscht.

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