Guten Abend,
ich habe bei Youtube ein Video gesehen, wo jemand sogenannte
"NH-Sicherungen" unter Last getrennt hat. Der Typ trug Schutz-Kleidung,
hatte einen Helm mit Visier auf und benutzte so ein spezielles
Greif-Werkzeug. Es wurde auch anhand einer Schaufenster-Puppe
eindrucksvoll gezeigt, welch verheerende Verletzungen bei derartigen
Arbeiten die Folge sein können.
Meine Frage: Ab wieviel Ampere ist eine solche Schutzausrüstung
eigentlich notwendig? Es geht ja vermutlich um Schutz vor Lichtbögen
oder sogar herumspritzendem Metall. Nun gibt es die NH-Sicherungen ja
auch mit 63A, also genau so stark wie z.B. die Schraub-Sicherungen im
Sicherungskasten unseres Hauses. Es gibt aber scheinbar auch Neozed mit
100A. Darf ein Laie bei sich zu Hause jedwede Schraubsicherungen selber
wechseln und wenn ja, ab welcher Stromstärke können Lichtbögen dabei zum
Problem werden?
Vielen Dank für eure Hilfe
Mr. Sunday
Mr. Sunday schrieb:> Ab wieviel Ampere ist eine solche Schutzausrüstung> eigentlich notwendig?> Darf ein Laie bei sich zu Hause jedwede Schraubsicherung selber> wechseln
Selbst Uralt-Schraubsicherungen sind geradezu idiotensicher. Selbst bei
Wechsel unter Last kann im Prinzip nichts passieren außer einem Schreck,
aufgrund dessen man von der Leiter fällt.
Mr. Sunday schrieb:> Darf ein Laie bei sich zu Hause jedwede Schraubsicherungen selber> wechseln und wenn ja, ab welcher Stromstärke können Lichtbögen dabei zum> Problem werden?
Nach dem Stromzähler darf eine Elektrofachkraft die Sicherung wechseln
Hallo
man muss im Beruf und sollte auch tunlichst im privaten Umfeld die im
verlinkten "Video" (inhaltlich unglaublich schlecht und unfreiwillig
lächerlich - wirklich jeder Youtuber bekommt das heute deutlich besser
hin. Scheinbar legen es die verschiedenen BG darauf an möglichst
lächerlich und maximal unprofessionelle Videos produzieren zu lassen...)
fünf Sicherheitsregeln einhalten.
Ist das nicht möglich (manchmal ist es halt so) sind zumindest im
beruflichen Umfeld sehr genaue Vorschriften einzuhalten und verschiedene
Kurse bzw. Lehrgänge, vorher ;-), zu absolvieren.
Im privaten Umfeld: Wenn nichts passiert und es keiner sieht
interessiert es niemanden, allerdings wenn etwas passiert - und sei es
nur ein Sachschaden bei einen zweiten- dann wird es richtig "lustig" und
Ärger steht leider garantiert an...
Die Schutzkleidung ist abgesehen vom Greifwerkzeug (und auch auf das
kann rein theoretisch unter Missachtung von jeglichen Arbeitsrechtlichen
Vorschriften und der gesunden Vorsicht verzichtet werden- rein
theoretisch Physikalisch-Handwerklich - bitte nochmal genau lesen und
nicht aus den Zusammenhang reißen...) eigentlich unnötig wenn garantiert
wird das
keine Spannung anliegt und kein Strom fließt.
Achtung: An den metallenen Griffstücken einer NH Sicherung liegt die
Spannung an - da ist nichts isoliert.
Nun sind aber ausgerechnet Haupteinspeisungen oft mit NH Sicherungen
abgesichert so das freischalten und erden, auf normalen deutsch also
einfach abschalten (und erden), praktisch nicht möglich ist.
Also ist schon mal das Greifwerkzeug ein absolutes muss.
Tja und da es immer wieder Überraschungen (besonders in älteren
Industrieanlagen und Mehrfamilienhäusern - aber nicht nur dort) gibt und
halt dummerweise dann doch nicht alle Lasten abgeschaltet sind
(nachfolgende Sicherungen gezogen) nutzt man halt die weitere
Sicherheitskleidung.
Denn Grund kann man z.B. in entsprechenden Videos sehen.
Nebenbei gibt es auch NH Sicherungen die in Gleichstromsystemen
eingesetzt werden - und ein Lichtbogen bei Gleichstrom ist "besonders
lustig" da es keinen Nulldurchgang wie beim Wechselstrom gibt...
Jemand schrieb:> Nun sind aber ausgerechnet Haupteinspeisungen oft mit NH Sicherungen> abgesichert so das freischalten und erden, auf normalen deutsch also> einfach abschalten (und erden), praktisch nicht möglich ist.
Wie ist das denn, wenn die NH-Sicherungen, in Trennschaltern eingesetzt
sind,
wo man mit einem isolierten Griff 3-phasig die NH-Sicherungen "zieht"?
Hallo
dann braucht man kein Griffwerkzeug, Schutzkleidung und Visierhelm (ich
gehe jetzt mal von "normalen" Sicherungstrennern aus - wie das in der
"Oberliga" oberhalb 400V aussieht ist mir nicht hinreichend bekannt)
denn das wird alles durch den Sicherungstrenner bereit gestellt.
Trotzdem sollte auch hier wenn irgendwie möglich nicht unter Laste
getrennt werden - zwar (sollten) halten das die Trenner aus - aber
eventuell nur einmal auch die nachfolgenden Verbraucher mögen das meist
so gar nicht.
Übrigens ist aber vorbei mit den sorgenfreien Umgang mit den
Sicherungstrenner wenn der einmal geöffnet ist und die Spannung noch
anliegt ,offene Klemmen bzw. spannungsführende und berührbare Punkte -
es ist sehr sinnvoll immer noch davon auszugehen das an den NH
Sicherungen Spannung anliegt - auch wenn man optisch eigentlich sieht
das keine Verbindung mehr besteht - mit der ungeschützen Hand würde ich
auf keinen Fall irgendeine Sicherung heraus holen, es sei den man hat
den ganzen Sicherungsträger quasi "ausgebaut" vor sich liegen.
Generell ist es sowieso schwierig zu sagen wie man vorgehen kann da es
verschiedenste Trenner mit Sicherungen gibt, als echter Laie am besten
einfach Finger davon lassen...
Übrigens unter einen Trennschalter stelle ich mir etwas anderes vor als
das was du (wahrscheinlich) jetzt meinst.
Bei richtigen Trennschaltern macht es auf jeden Fall einen gewaltigen
Unterschied ob diese nur die Spannung im lastfreien zustand trennen
sollen, oder ab diese auch bei maximaler Last noch sicher und
zerstörungsfrei (also wiederholbar und "normale" Nutzung) trennen
sollen.
Sowohl der Preis als auch die Größe unterscheiden sich da sehr deutlich.
Die Gefahr kommt nicht direkt von den "63A" oder wieviel durch die
spezielle NH-Sicherung jetzt im Moment fliesen können.
Die Gefahr kommt von dem Lichtbogen an den Sicherungsanschlüssen wenn
der länger wird und Kontakt zur Nachbarphase ein paar cm nebenan findet.
Dann hast du einen Lichtbogen durch den der große Trafo kurzgeschlossen
ist und viele Kilo-Ampere fliesen können.
Und von dem Lichtbogen bekommst du in Millisekunden mehr als nur einen
Sonnenbrand. Dafür ist die dicke Schutzkleidung.
Besser als Elektriker Horst ist dieser Film, der viel älter ist:
https://www.youtube.com/watch?v=DQkwPI6WRwM
Und ja wo viel Strom fließt, da ist Leistung dahinter.
Mir hat ein Kollege einen (Leistungs)Schalter gezeigt, an dem ein
Kupferdieb manipuliert hat, da gab es einen ordentlichen Lichtbogen, der
Dieb hatte Verbrennungen ersten und zweiten Grades und kann froh sein,
das er noch lebt.
Da sind dann die Sicherungen vorm Trafo in der Mittelspannung gekommen!
Jemand schrieb:> Achtung: An den metallenen Griffstücken einer NH Sicherung liegt die Spannung an
- da ist nichts isoliert.
Es ist gut, in dieser Annahme zu arbeiten, da man nicht weiss, was
verbaut wurde.
Isolierte Grifflaschen sind durchaus verbreitet, sowas liegt hier im
Haus als Reserve. Man kann sich also nicht drauf verlassen, an den
Laschen messen zu können!
Dafür gibt es sogar ein Symbol - Bild aus dem Bussmann-Katalog.
Wer dran fasst bezahlt!
Nur Trump nicht.
Auch Schraubsicherungen, z.b. im Format E27 , können ahnungslose
,desinteressierte Menschen umbringen. Aus eigenem Erleben ,eine
unterwiesene Kraft, mehrjährig in der E-Technik beschäftigt, wußte nicht
das die Schmelzsicherungen nur mit Stöpselköpfen zum Einbau kommen.
Au-a, nochmal Glück gehabt-400Volt. Andere verletzten sich wegen
fehlender Glasabdeckung.
Überhaupt kann man nur zu korrekt bemessenen Leitungsschutzschaltern
raten.Sie bieten Überstromschutz(thermisch) und
Kurzschlussschutz(magnetisch) und zusätzlich ein definiertes zeitliches
Verhalten. An Verteilungsanlagen ,insbesondere mit den dafür sehr
begründeten NH-Schmelzsicherungen, haben nur berechtigte Fachkräfte mit
entsprechender Ausrüstung und Unterweisung zu arbeiten. In der
Bevölkerung ist der Glaube an die wunderbare perfekte Schutzwirkung von
Sicherungen unendlich!
Und es gibt bei NH-Sicherungen Sicherungsleisten und Lasttrennleisten.
Normale NH-Sicherungen in Sockeln, die man mit dem Handschuh /
Steckgriff ziehen muss sind nicht zum Schalten und Trennen von Lasten
geeignet.